Traummann

Januar:

Er: „Ich liebe dich.“

Sie: „Ich kann darauf leider noch nicht antworten – das weiß ich noch nicht. Aber was ich weiß ist, dass ich noch niemals zuvor so verliebt war wie ich es in dich bin.“

Er: „Das ist in Ordnung, wenn du darauf noch nicht antworten kannst. Jeder Mensch fühlt anders.“

Februar:

Sie: „Eigentlich wäre es doch sinnvoll, wenn wir zusammenziehen würden, oder? Andererseits weiß ich nicht, wo ich nach dem Studium einen Job finden werde…“

Er: „Ja, das ist zu unsicher.“

Sie: „Aber schön wäre es.“

März:

Er: „Möchtest du mit mir zusammenziehen?“

Sie: „Ja!“

April:

Er: „Ich wäre traurig, wenn du von hier wegziehen müsstest. Aber ich möchte dich nicht einschränken und deiner Freiheit berauben. Ich unterstütze ich in all deinen Entscheidungen.“

Sie: „Ich habe entschieden noch eine Weile zu bleiben. Vielleicht ergibt sich ein Job hier. Aber ich möchte nicht für immer hier leben.“

Er: „Das möchte ich auch nicht. Wir werden zusammen die Welt erkunden!“

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Ich liebe diesen Mann. Wenn es der Richtige ist, fühlt sich nichts zu schnell, zu langsam oder zu falsch an. Nächsten Monat sind wir ein halbes Jahr zusammen. Ich ziehe zum ersten Mal mit einem Partner zusammen.

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Erdbeben in meiner Gefühlswelt

Also so langsam glaube ich, meine frische Beziehung steht unter einem schlechten Stern… Nein, ganz so schlimm ist es nicht. Seit meinem letzten Beitrag habe ich mich wieder beruhigt, was diesem aus Versehenen „Fehltritt“ anging. Ich denke, ich habe das Ganze wirklich erstmal schlimmer empfunden, als es eigentlich war.

Allerdings ist letzte Woche schon wieder etwas passiert, dass meine Gefühlswelt in Verwirrung gestürzt hat. Tatsächlich könnte man meinen, das sei bei Mr Hashtag und mir schwer zu schaffen. Ich bin so verliebt wie noch nie. Das aller erste Mal in meinem Leben würde ich sagen, dass ich mir vorstellen könnte, für immer mit meinem Partner zusammen zu sein. Seit drei Wochen ist Mr Hashtag in Südamerika im Urlaub, bzw. hat er dort an der Weltmeisterschaft seines Wassersports teilgenommen. Südamerika ist noch nicht so gut ausgestattet mit W-Lan, sodass wir die letzten Wochen nur sehr selten schreiben und telefonieren konnten. Ich habe ihn unglaublich vermisst. Und tue es immer noch. Zum Glück fliegt er morgen zurück nach Deutschland. Und auch ich bin ja bald wieder Zuhause. Er möchte mich am liebsten direkt vor Weihnachten besuchen kommen und dann über Silvester nochmal. Hach, was ein Traummann.

Dennoch hatte ich vergangene Woche, wie bereits geschrieben, eine kurze Verwirrung. Und in dieser Situation zwischen Mr Hashtag und mir kann das nur ein einziger Mensch noch schaffen. Richtig. Mr Regisseur.

Hallo, da ist er wieder. Leider wird er wohl immer und immer wieder im Drehbuch meines Lebens vorkommen.

Seit ich ihn das letzte Mal erwähnt habe, habe ich wirklich nur sehr spärlich Kontakt mit ihm gehabt. Wir haben gegenseitig unsere Instagram-Fotos geliked, weil man das eben so macht. Ab und zu mal eine private Nachricht über den Instagram-Messenger, wenn man mal ein Ereignis kommentieren wollte oder mal kurz eine Frage zur Kamera über WhatsApp. Ich hatte ihn ziemlich aus meinem Kopf schieben können. Dachte ich zumindest.

Es begann damit, dass er ein neues Foto hochgeladen hatte. Machte er mittlerweile wieder täglich. Aber auf diesem Foto sah man seine Hand. Mit einem Ring. Es war die linke Hand. In den USA trägt man den Ehering an der linken Hand. Aber nein, das kann doch nicht sein, dachte ich mir. Oder vielleicht doch? Unter sein Bild fragte ich: „Trägst du einen Ehering?“ Er antwortete mit dem Ok-Handzeichen-Emoji. Also ja? Oder verarschte er mich nur? Ich schrieb ihm über den Instagram-Messenger eine private Nachricht. „Bist du jetzt verheiratet? Das ging ja schnell. :D“ Seine Antwort: „Ja. Musste schnell gehen.“ Ich war immer noch nicht zu hundert Prozent überzeugt, dass er mich nicht verarschte. Ich fragte ihn weiter aus.

Wie es aussah, war es aber wahr. Als ich es endlich glauben konnte, beglückwünschte ich ihn natürlich. Ich überlegte, wie ich nun weiter vorgehen könnte. Ich war zu neugierig und wollte ein Foto. Durch geschicktes Fragen bekam ich eins. Es war ein Selfie, auf dem er mit ihr zu sehen war. Er lächelte in die Kamera und hinter ihm lehnte sich seine Freundin bzw. Frau über seinen Rücken. Die Sonne ging wohl gerade unter, da das Foto und ihre Gesichter in Gold getaucht waren. Und was soll noch ich sagen? Die zwei sahen wirklich total süß und glücklich aus.

„This is how everything falls into place“, war mein erster Gedanke, nachdem ich das schöne Foto sah. Ich habe einen wunderbaren Freund und Mr Regisseur ist verheiratet mit einer glücklichen jungen Frau. Er schrieb mir noch, er hoffe, dass das nicht zwischen uns stehen würde. Er mag mich immer noch „ganz doll“ und möchte für immer mit mir befreundet sein. 🙂 Total süß. Ich erzählte ihm im Gespräch natürlich auch, dass ich nun einen Freund habe. Es freute ihn auch sehr, dass ich glücklich bin.

Nachdem wir das Gespräch beendet hatten, musste ich noch einige Tage darüber nachdenken. Meine ersten positiven Gedanken wichen dann doch zu anderen Gedanken. Es ist genau ein Jahr her als wir gedatet hatten. Wir hatten dann noch bis Feburar viel per Nachrichten geflirtet und auch noch bis März öfter geschrieben. Anfang Mai war es, dass ich einen Cut machen musste. Danach war tatsächlich erstmal Sendepause. Und dann eben dieses spärliche Schreiben. Also wann hatte er geheiratet? Seit wann war er mit seiner Frau in einer Beziehung? Ich scrollte durch seine Fotos. Mir war noch nie zuvor der Ring aufgefallen und tatsächlich sah man meistens seine Hand nicht. Nur auf einem Foto Ende Oktober. Ich rechnete. Okay… wenn er schätzungsweise Anfang Oktober geheiratet hat, dann war er aber maximal ab Juni/Juli mit ihr zusammen. Länger kann ich es mir nicht vorstellen. Wow. Ich überlegte, ob ich das machen könnte. So nach drei Monaten direkt zu heiraten? Natürlich ist es eine komplett andere Situation: er ist Ausländer in den Staaten; die einzige Möglichkeit, nicht ständig für ein Touristenvisum ein- und ausreisen zu müssen ist eine Hochzeit. Und mit dem Visum per Heirat konnte er auch offiziell in den USA arbeiten.

Trotzdem ließ es mich nicht los. Ich wollte wissen, seit wann er sie kannte. Ich überlegte, wie ich ihn unauffällig fragen könnte. Aber unauffällig ging das nicht. Und wieso sollte ich ihn nicht einfach direkt fragen? Ich schrieb ihn ein paar Tage darauf also nochmal an. Am besten zeige ich hier einfach die Gesprächsausschnitte:

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Seine Antwort: „Natürlich nicht“ und dieser tränenlachende Emoji. Ich entschuldigte mich, dass ich da wohl einfach zu neugierig bin. Darauf er:

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Er weiter: „aber der Gedanke gibt mir Bauchschmerzen. Lass uns nicht darüber reden.“

Wow.

Shit.

Ich schrieb ihm ehrlich, dass ich glaube, der Fehler sei gewesen, dass wir es nie ordentlich „beenden“ konnten. Er ist gegangen, als wir uns gerade kennen gelernt hatten und ist nie wieder zurückgekommen. Er antwortete darauf: „Glaub mir. Das war alles nicht so geplant.“ Und ich glaube ihm das. Ich war weiter ehrlich: „Ich weiß aber auch nicht, ob wir zusammengepasst hätten. Aber das werden wir wohl nie erfahren.“

Seine Antwort darauf war sehr vernünftig: „Ob wir zusammengepasst hätten? Wahrscheinlich nicht. Du bist sehr bodenständig. Ich bin ein Träumer. Konflikte wären gekommen. Aber auch wenn es nur auf regelmäßiges Klettern hinausgelaufen wäre, klingt es für mich besser als zehntausend Kilometer entfernt zu sein.“

Hm. Also ich weiß nicht so recht, ob ich dieses „bodenständig“ als Kompliment oder Beleidung auffassen soll. 😀 Aber davon abgesehen, gebe ich ihm Recht. Ich hatte schon vor einiger Zeit überlegt, ihn mal zu besuchen. Ich möchte nach meiner Masterthesis nochmal etwas reisen. Eine USA-Reise steht schon länger auf meiner Liste. Ich schlug ihm das mit dem Besuch vor und er antwortete, ich sei jederzeit willkommen.

Ich denke, ich würde nur hinreisen, um endlich abschließen zu können. Wenn wir uns wiedersehen, entdecken wir, dass wir uns überhaupt nicht mehr attraktiv finden. Und dann können wir endlich nur Freunde sein. So wird es passieren.

Und ich kann endlich meinem Traummann die vollendete Aufmerksamkeit schenken, die er verdient. 🙂

 

Das hat er nicht verdient

Ich habe ihn nicht verdient.

Ich habe ihn nicht verdient.

Ich habe ihn nicht verdient.

Wie konnte das nur passieren?

Schon nach einer Woche habe ich ihn betrogen.

Oder war es  „betrügen“? Kann ich was dafür?

Ich erzähle mal die Geschichte. Ich habe lange überlegt, ob ich darüber schreiben soll. Es tut nämlich so weh. Und ich bereue nichts mehr in meinem Leben, als diese fünf Minuten.

Unsere Gruppe Austauschstudenten machte mal wieder einen Wochenendausflug. Dieses mal ging es nach Estland. Mit der Fähre nur ein Katzensprung von Finnland entfernt.

Ich überwand mich endlich mal wieder feiern zu gehen. Im Hostel tranken wir vor. Ich trank viel. Ich genoss das Gefühl, den der Alkohol auslöst. Dass er mich selbstbewusster  machte. Hier im Auslandssemester habe ich mein Selbstbewusstsein irgendwie verloren. Ich bin die „nette“, „langweilige“ hier. Ich weiß nicht mehr, wie das passiert ist. Anfangs dachte ich, es liegt daran, weil ich ein paar Jahre älter bin als der Großteil der Gruppe. Aber vielleicht tue ich mir einfach schwer meinen Platz zu finden in dieser Gruppe? Ich weiß es nicht. Zuhause werde ich nicht so abgestempelt. Deshalb freute ich mich, an diesem Tag mal wieder Teil der Gruppe zu sein.

Wir gingen in den Club. Meine Mitbewohnerin und ich feierten unsere Freundschaft und gaben uns ständig irgendwas aus. Wir waren beide schön beschwippst. Als von hinten zwei sehr, sehr große Herren an die Bar traten, sprach meine Mitbewohnerin den Hübscheren von beiden an. Wow! Cool, dass sie das macht! Zu mir sagt sie immer, sie wäre schüchtern.

Als wir unsere Drinks hatten, liefen wir zurück zur Tanzfläche, wo unsere Gruppe zur Musik feierte. Die zwei-Meter-Männer gesellten sich kurz darauf zu uns. Meine Mitbewohnerin und ich tanzten eine Weile weiter. Der Hübsche begann, sich mit mir zu unterhalten. Er versuchte es jedenfalls. Die Musik war viel zu laut. Er fragte, ob wir uns woanders unterhalten wollen.

Ich folgte ihm. Weil ich betrunken war, weil ich wohl immer noch Bestätigung suche, weil ich das Single-Leben nach einer Woche noch nicht abgelegt habe, weil ich naiv bin. Und weil ich mich tatsächlich mit ihm unterhalten wollte. Er ist Estländer. Bei nur 1,3 Millionen Einwohner hat man nicht so häufig die Gelegenheit, sich mit einem Estländer zu unterhalten. Und ja, das ging tatsächlich in meinem betrunkenen Kopf vor.

Wir gingen in einen Durchgangsraum neben der Tanzfläche und setzten uns auf das rote Sofa. Wir unterhielten uns. Er fragte, was ich in Estland mache und was ich studiere; ich fragte ihn, was er arbeitete. Ich weiß nicht mehr, ob wir uns über mehr unterhalten hatten. Ich weiß nicht mehr wie lange. Ich weiß aber noch, dass ich ihn eigentlich ganz nett fand.

Und dann weiß ich noch, dass er seine großen Hände um meinen Kopf legte und mich zu sich zog. Er presste seine Lippen auf meine. Seine Zunge drückte sich in meinen Mund. Ich war in Schockstarre.

Aber ich habe doch jetzt einen Freund! In den ich unglaublich verliebt bin! Ging es mir durch den Kopf. Aber gesagt habe ich nichts.

Ich glaube, ich sagte irgendwas wie „but I have lipstick on!“ Er antwortete nur „I don’t care“ und drückte wieder seine Lippen auf meine und schob seine Zunge in meinen Mund.

Ich ließ es über mich ergehen. Wenn ich ihn wegschubse, dann geht er bestimmt. Ich wollte mich doch noch weiter unterhalten. Ich wollte weiter Bestätigung. Er roch zwar nach Knoblauch, aber er sah gut aus.

Und jetzt passierte das, was ich am allermeisten bereue. Ich habe meine Hand während dem Kuss um seinen Hinterkopf gelegt. Wie man es beim Küssen eben macht. Zwar vorsichtig und zögerlich. …Aber wieso habe ich das getan?? Das bedeutete ja eindeutig, dass ich beim Küssen mitmache! Es fühlte sich verdammt falsch an.

Zum Glück brach er den Kuss dann ab. Seine nächsten Worte waren: „So, where should we go?“

Meie Naivität ist zum Glück nicht so schlimm ausgeprägt, dass ich nicht wusste, was er damit meinte. Meine Worte waren „definitly not to the hostel.“ Was für ne beschissene Antwort. Jetzt denkt er auch noch, ich will irgendwo mit ihm hin. Er schien zu überlegen. Aber bevor er noch was Weiteres sagen konnte, rutschte ich weg. „I have to go to the toilet. See you on the dancefloor.“ Und weg war ich.

Auf der Toilette traf ich eine Freundin. Als ich sie sah, waren meine ersten Worte „scheiße.“ An meinem Blick sah sie wohl direkt, dass irgendwas passiert war. Und an meinem Lippenstift. „Hast du mit jemandem rumgemacht?“ „Jaa, scheiße!“ Ich setzte mich neben sie, aber hörte ihre Antwort nicht mehr. Kurz darauf kam meine Mitbewohnerin. Wir diskutierten eine Weile darüber, was passiert war und wie schlimm es war. Aber ich war geistig nicht anwesend. Was hatte ich nur getan?

Nachdem wir uns entschlossen, wieder zur Tanzfläche zu gehen, kamen wir an dem roten Sofa vorbei. Ich sah, dass unser Erasmus-Pärchen auf dem Sofa gegenüber saß. Scheiße, waren die vorhin auch schon dort gewesen? Hatten die das alles gesehen?

Auf der Tanzfläche schaute ich mich natürlich erstmal um. Ich sah ihn circa auf der Mitte der Tanzfläche. Unsere Blicke trafen sich. Ich ging davon aus, dass er sich wieder zu uns stellen würde. Tat er aber nicht. Nach kurzer Zeit war er weg.

Darüber hätte ich froh sein sollen. Aber mein betrunkenes Gehirn dachte sich nur „oh wie schade, Tanzen wäre ja okay gewesen“. Hätte er mich nochmal Küssen wollen, wäre ich dieses Mal darauf vorbereitet gewesen und hätte ihm gesagt, dass ich einen Freund habe. Eigentlich hoffte ich, dass ich es ihm sagen könnte. Dann hätte es sich richtiger angefühlt, dachte ich.

Also tanzte ich alleine und hoffte einerseits, dass mich keine weiteren aus unserer Gruppe gesehen hatte, aber andererseits, dass sie mich zumindest hatten mit ihn Tanzen sehen. Dann wäre ich nicht mehr die „Langweilige“ gewesen.

Der Abend nahm nach ein paar mehr Stunden Tanzen ein Ende und diese Geschichte ließ mich natürlich nicht mehr los. Dass ich „fremd geküsst“ habe, hat sich herumgesprochen, was dazu führt, dass ich dauerhaft mit dem Thema konfrontiert werde. Nicht laut oder öffentlich. Aber in meinem Kopf.

Klar, es gibt auch schlimmere Formen des Betrügens. Zum Beispiel direkt mit dem Fremden zu schlafen. Oder den Kuss initiieren. Ein paar weitere Ausreden habe ich auch noch auf Lager… Ich habe es nicht genossen. Ich hatte meine automatisierte Single-Masche noch nicht abgelegt. Anderen ist das auch schon passiert. Ich suche Bestätigung und meinen Platz in der Gruppe. Wäre ich zuhause in Deutschland gewesen, wäre das alles nicht passiert.

Aber trotzdem werde ich das nie wieder gut machen können. Die Erinnerung an diese Nacht wird immer als schwarzer, hässlicher Parasit in meinem Kopf festsitzen. Das habe ich wohl so verdient.

Er ist es doch

Es ist Donnerstag, der 2. November. Nach dem ersten Tag wieder zurück in meiner finnischen Unistadt, liege ich in meiner Batman-Schlafanzughose im Bett und warte geduldig auf den Anruf von Mr. Hashtag. Wir haben uns zwar erst vor etwas mehr als 24-Stunden voneinander in Helsinki verabschiedet, doch wollen wir direkt wieder die Stimme des anderen hören bevor wir schlafen gehen. Seine Stimme habe ich die letzten fünf Tage zu genüge gehört und unsere Erzählungen wiederholen sich schon, aber ich kann nicht genug bekommen und er auch nicht. Die Tage, die wir gemeinsam in Helsinki verbrachten waren schön. Nein, eigentlich waren sie perfekt.

Wir telefonierten also eine Weile, er erzählte von seinem stressigen Rückflug und seinem heutigen Tag und ich von meiner unspektakulären Rückfahrt und meinem Tag. Als das Gespräch abklang, war ich bereit Gute-Nacht zu sagen: „Ich möchte dich gar nicht lange aufhalten. Du musst ja morgen früh aufstehen zur Arbeit.“

„Ja, das stimmt zwar… Aber es gibt da etwas, das ich noch besprechen möchte.“

Er legte eine Pause ein. Ich hörte förmlich, wie er versuchte seine Worte zurecht zu legen.

„Ich wollte eigentlich schon in Helsinki darüber sprechen. Aber es hat sich nicht so ergeben und unsere letzten Stunden zusammen waren ja leider ein bisschen stressig…“

Wieder legte er eine Pause ein. Er klang zunehmend nervöser. Schon längst hatte ich eine Ahnung, um was es ging. Ich fing an zu grinsen. Es war ja nicht so, dass ich in Helsinki nicht auch öfter den gleichen Gedanken hatte. Und auch schon davor. Weder vor Ort, noch jetzt am Telefon sagte ich etwas. Ich wartete ab. Viel zu neugierig war ich, wie er die Frage stellen würde.

„Ich weiß nicht, wie ich es am besten formulieren soll… Aber … Ich würde dich gerne zukünftig als meine neue Freundin vorstellen.“

In seiner Stimme schwang ein kleines bisschen Unsicherheit mit. Er war hörbar aufgeregt. Musste er aber nicht sein. Mein Grinsen breitete sich zu einem Lächeln aus.

„Das wäre sehr schön“, antwortete ich. ❤

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Kryptonit

Er ist wohl also dein Kryptonit-Mensch?“ fragte meine Mitbewohnerin mich.

„Kyptonit-Mensch?“

„Ja. Kennst du die These nicht? Jeder hat einen Kyptonit-Menschen, den er nicht vergessen kann und dem er immer wieder begegnet.“

Hm. Klingt ja nach einer schönen These. Und einleuchtend in meinem Fall.

Und dann traf es mich wie ein Schlag ins Gesicht.

Kryptonit.

Das hatte er sogar zu mir gesagt. Genau um diese Zeit vor einem Jahr. Ich erinnere mich genau daran. Wir saßen in seiner WG auf dem Sofa. Nein – wir kuschelten auf dem Sofa. Beide glücklich. Es fühlte sich an wie früher. So schön. So vertraut. Dann sagte er:

„Ich konnte dich nie vergessen. Mein Kumpel sagte, dass du mein Kryptonit bist. Ich glaube wirklich, du bist mein Kryptonit.“

Damals hatte ich mir nicht viel dabei gedacht. „Kryptonit“, was für ein komischer Ausdruck. Aber in Ordnung, dann ist er eben Superman und ich sein Kryptonit.

Nachdem meine Mitbewohnerin mich aber oberflächlich über diesen Ausdruck aufgeklärt hatte, musste ich mich nochmal näher damit beschäftigen.

„Ich habe da so eine Theorie, nämlich dass jeder so einen Menschen hat, an dem er für immer hängen wird – ganz egal, wie lange die Beziehung gedauert hat oder wie intensiv sie war. Für diese Menschen würden wir alles tun, ganz egal, wie schön unsere Leben gerade sind und wie toll unsere Beziehungen oder Freundschaften oder Jobs. Wenn sie plötzlich wieder vor der Tür stünden, würden wir öffnen, egal wie sehr sie uns damals verletzt haben, und dann würden wir unsere Koffer packen und einfach abhauen, mit ihnen, bis an das Ende dieser Welt und weiter, so wie das früher mal geplant war, mit der Kryptonit-Person, und wenn es nur in unseren Köpfen war.“

Aus: beziehungsweise-magazin.de

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das für ihn auf mich zutrifft. Würde ich vor seiner Tür stehen und ihn darum bitten, es mit mir nochmal zu versuchen, würde er sofort Ja schreien. Aber auch andersherum könnte es ähnlich laufen. Wir waren letztes Jahr kurz davor, es nochmal miteinander zu versuchen. Dieses Mal eine Fernbeziehung. Wir waren jetzt alt genug. Ich hätte es nur sagen müssen. Aber ich entschied mich dagegen. Wir verabschiedeten uns von einander und von dieser schönen Sommeraffäre. Ich musste wieder zurück in meine Unistadt. Wir telefonierten noch viel. Er buchte einen Zug um mich besuchen zu können. Dann lernte ich jemand anderen kennen. Und konnte diesen anderen nicht vergessen. Der andere war zwar kein Kryptonit – aber ganz sicher ein kleiner Splitter. Es ist Mr Regisseur. Und Mr Tiger musste leiden.

Seit seinem Besuch, bei dem ich ihm nicht die Aufmerksamkeit entgegenbringen konnte, die er verdient hatte, haben wir keinen Kontakt mehr. Es ist wieder wie vor unserer Affäre. Wir gratulieren uns höchstens zum Geburstag. Würde ich allerdings erfahren, dass ihm etwas zugestoßen ist, würde meine Welt untergehen. Und würde ich erfahren, dass er eine neue Freundin hat, würde mir das ganz und gar nicht gefallen. Aber es steht mir nicht zu, mein Missgefallen auszudrücken. Denn ich war diejenige, die ihn enttäuscht hat. Und ich bin diejenige, die nicht an ein Happy End glaubt.

Trotzdem ist er mein Kryptonit und ich seins.

The reasons I fell in love with nature.

Vor meiner Abreise habe ich es so oft gelesen und gehört: „die Natur in Finnland ist einzigartig und schön.“ (So oder so ähnlich).

Jajajaa, dachte ich mir immer. Natur ist doch überall schön, blabla.

Aber nein. Die Natur hier IST wahrlich einzigartig! Atemberaubend und magisch! In welch wunderbarem Land ich hier gelandet bin!

Nun zu meinen bisherigen Ausflügen, die eventuell zu dieser Erkenntnis geführt haben könnten. 😉

Nach unserer Ankunft verschwendeten eine beste Freundin und ich nicht allzu viel Zeit in Helsinki. Die Stadt hatten wir beide schon vor zwei Jahren gesehen. Nach nur einem Tag dort (der trotzdem sehr schön war), stiegen wir in den Zug nach Tampere. Wir hatten uns vorher eher weniger informiert, weshalb die drei Tage dort spontan gestaltet wurden. Schon in der Stadt und in der Gegend etwas außerhalb des Zentrums, an dem unser AirBnB lag, fiel mir auf, wie schön der Himmel über Finnland  aussah. Die entspannten Tage mit meiner besten Freundin genoss ich in vollen Zügen, bevor es dann alleine in meine neue Stadt gehen sollte um meine Mitstudenten kennen zu lernen.

Noch am ersten Wochenende in unserer neuen Heimatstadt, das wir Austauschstudenten hauptsächlich zum ausnüchtern nach der fünf-tägigen Orientierungswoche nutzten, konnten wir uns aufraffen, den Strand in der Nähe unserer Stadt zu erkunden. Angeblich soll es der längste Strand Finnlands sein. Ganze fünf Kilometer! Wir mussten knapp eine Stunde mit dem Bus dorthin fahren um festzustellen, dass der Strand ganz schön verlassen war. Aber was sollte man sich sonst unter einem finnischen Strand vorstellen, wenn der großteil des Landes ziemlich verlassen und naturbelassen ist. Schön und idyllisch war er trotzdem und ab und zu konnten wir ein paar Sonnenstrahlen einfangen.

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Für mich ging es eine Woche später etwas nördlicher zu meiner besten Freundin. Mit ihrem Freund zusammen unternahmen wir eine Wanderung, auf der ich zum erstem Mal wilde Blaubeeren pflückte und verspeiste. Der sonnige Tag mit meiner besten Freundin wurde noch perfekt abgerundet mit einem Feuer und Barbeque am Ufer mitten im Wald mit den finnischen Freunden des Paares und dem ruhigen plätschern des Meeres auf den Steinen.

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Ziemlich spontan reisten wir ein Wochenende danach nach Stockholm. Hier an der Westküste kann man mit der Fähre übernacht innerhalb von zehn Stunden Schweden erreichen. Auf unserer Hinfahrt staunte unsere Gruppe von 12 Leuten nicht schlecht: unter „Fähre“ hatten wir uns eben eine standardmäßige Fähre vorgestellt. Wir stiegen aber in ein riesiges Kreuzfahrschiff!!  15 Decks, fünf Restaurants, vier Clubs, ein großes Duty-Free-Shoppingcenter, einen Wellnessbereich und unsere Zimmer hätte man unter fünf-Sterne klassifizieren können. Wir fanden es ein bisschen schade, dass die Fahrt nur zehn Stunden dauerte.

Stockholm itself war ziemlich toll. Die „Hauptstadt Skandinaviens“ ist eine wunderschöne Stadt, es gibt viel zu sehen und zu erleben. Trotzdem wäre es keine Stadt, in der ich stattdessen hätte studieren wollen. Schweden ist ganz schön teuer und ganz schön trendy. In der Stadt darf man nicht einfach mal mit Klamotten der letzten Saison herumlaufen. Und als brünettes Normalo-Mädchen kann man eh nicht mit den blonden Schönheiten mithalten. Das am Boden gebliebene Finnland ist mir da ganz recht. 🙂

Mit Finnland kann ich mich ganz gut identifizieren. Die Kultur besteht, in Kurzform, aus viel Kaffee, viel Lakritz, viel Sauna, entspannte Menschen, sportliche Menschen, Natur und Winter. Hier passe ich ganz gut rein. 😀

Genauso spontan wie die Woche zuvor ging es danach mit dem Auto nach „Seenfinnland“. So nennt man – oder nennen wir – das Gebiet im Herzen des Landes, gespickt mit tausenden Seen. Rings um die Seen haben die finnischen Familien ihre Sommer- (oder manchmal auch Winter-) Häuser, die sie gerne über AirBnB oder ähnliche Seiten an Touristen vertreiben, wenn sie die Hütte selbst nicht gerade brauchen. Als eine Gruppe von 15 Austauschstudenten mieteten wir uns drei Autos und nahmen die 2,5-stündige Fahrt auf uns. Je älter der Mieter/Fahrer des Wagens, desto niedriger die Preise für Mietautos. Also bot ich mich an, das Mädelsauto zu fahren. Mein Auto war ein hochmoderner Toyota. Silber. Keine Ahnung was genau. Aber modern. Und ziemlich cool. Es fühlte sich an, als könnte das Ding sogar schon alleine ohne Fahrer fahren. Die Fahrt war zwar teilweise anstrengend, da man hier nur 100km/h auf Landstraßen, manchmal sogar auch nur 80 fahren darf, aber Spaß machte mir das Fahren trotzdem. Und das Wochenende war sowieso mal wieder unglaublich.

Erlebnis Nummer 1: Wir entschieden am ersten Tag die Gegend zu erkunden, gingen abseits der Wege, verliefen uns hoffnungslos und landeten irgendwann im Moor. Kein Schuh blieb trocken.

Erlebnis Nummer 2: Nachdem wir irgendwann das Moor, den Dreck und die nervigen Insekten zurück gelassen hatten und wieder zur Hütte fanden, durften wir feststellen, dass wir ein paar Mitbringsel dabei hatten: nicht alle Insekten blieben am Moor zurück. In unseren Haaren, Klamotten und Haut hatten sich hunderte Hirschlausfliegen gekrallt. Ekelhafte Viecher! Wer mehr erfahren will, kann es sich gerne durchlesen: Hirschlausfliege.

Erlebnis Nummer 3: Die Nacht hatten wir dann noch gut in der gemütlichen Hütte überstanden. Wir entschieden, aufgrund des vorhergesagten Regens, statt Wandern, die Stadt 100 Kilometer nördlich zu erkunden. Sonst gab es hier im nirgendwo nicht viel zu tun. Der ganze Tag blieb schön sonnig. Tja. Dafür hatten wir, dank der Sonne, am Abend an der Hütte den schönsten Sonnenuntergang, den ich je in meinem Leben gesehen habe. Ein Foto beschreibt es wohl am besten. Aber in Echt war der Sonnenuntergang nochmal tausendfach schöner.

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Erlebnis Nummer 4: Geflasht von Sonnenuntergang machten wir uns auf, unser Abendessen zu kochen. Mit vollem Magen sollte danach die Sauna getestet werden. Die Saunakultur habe ich im vorherigen Beitrag ja schon beschrieben. Saunas gibt es in oder an jeder Hütte und das Saunieren ist hier Alltag. Unsere Sauna war etwas den Hang herunter kurz vor dem See. Natürlich ideal, um sich nach der Hitze im See abzukühlen. So machen es die Finnen. Und so machen es wir! Nach dem ersten Saunagang rannten wir unter dem kühlen Sternenhimmel auf den Steg. Die anderen drei Mädels voraus, ich als Schlusslicht. Sie sprangen hinein, für mich blieb kein Platz, ohne auf eine der anderen draufzuspringen. Ich blieb bibbernd auf dem Steg stehen. Ich hatte zu lange Zeit es mir anders zu überlegen. Die Mädels kreischten vor Kälte, kletterten wieder die Leiter hinauf und rannten zurück zur Saunahütte. Ich rannte mit zurück. Ohne den Adrenalinstoß, ohne die Endorphine. Ich bereute es. Zum Glück waren die Mädels verständnisvoll. Als Letzte konnte man es sich fünfmal überlegen, ob man wirklich springt. Deshalb sollte ich nach dem zweiten Saunagang als Erste losrennen. Also scheuchten sie mich aus der Sauna zum Steg hinunter. Und unter dem kühlen Sternenhimmel sprang ich – endlich – in das tiefschwarze eiskalte Wasser. Nun hatte ich nichts mehr zu bereuen. Es war außerdem gar nicht so kalt wie erwartet. Ich hatte riesigen Spaß. Und kann nun zum Glück nicht nur über dieses Erlebnis berichten, sondern habe auch gelernt, dass man sich als letzte – trotz mehr Gedanke – zu solchen spontanen Aktionen mitreißen lassen sollte.

Schon länger geplant war der Ausflug am letzten Wochenende. Mit 18 Leuten ging es nach Lappland. Dafür hatten wir zwei Vans gemietet und nahmen die zehnstündige Fahrt auf uns. Fahrerin war ich dieses Mal nicht. Ich durfte stattdessen mit den anderen acht Mitfahrern versuchen während der Hinfahrt übernacht irgendwie eine bequeme Schlafposition zu finden. Zu allem Überfluss kamen wir vier Stunden vor der vereinbarten Zeit an unserer Hütte an und standen vor verschlossenen Türen. Also versuchten wir im abgestellten Auto weiter zu schlafen, bis unser Organisationsbeauftragter endlich die Besitzerin der Hütte erreichte. Wir stürmten hinein, suchten uns unsere Zimmer und Betten (nach dem Prinzip „der Schnellste siegt“) und hauten uns nochmal bis Mittags auf die Ohren. Der Tag verging dann recht schnell. Wir machten noch eine kurze Wanderung bei der wir das Naturschauspiel des „Ruska“ bestaunten. Ruska wird es genannt, wenn die Bäume die Farben des Herbstes annehmen. Es ist ein atemberaubendes Spektakel durch orangene, gelbe und rote Wälder zu spazieren. Zurück in der gemütlichen Hütte chillten wir bis das Kochteam Abendessen fertig hatte. Danach ging es, wie immer, in die Sauna, während wir auf Nordlichter hofften. Leider sahen wir keine.

Am nächsten Tag wollten wir den Weihnachtsmann besuchen. Sein Dorf liegt bei Rovaniemi, eine dreistündige Fahrt entfernt. Gelohnt hatte es sich eher weniger, da im September im Santa-Claus-Village nur vereinzelte Häuser geöffet hatten und die Gegend seinen erdachten Charme ohne Schnee wohl nicht entfalten konnte. Wir entschieden, im Winter nochmal zurückzukehren. Zumindest haben wir dem Weihnachtsmann noch einen kurzen Besuch abgestattet und waren überrascht, dass er sogar deutsch konnte! Der Weihnachtsmann war wirklich suuuuper nett. 🙂 Er verabschiedete sich von uns dann mit den Worten „wir sehen uns in 90 Tagen!“

Am nächsten und leider auch dem letztem Tag in Lappland unternahmen wir eine 13 Kilometer Wanderung auf einen der wenigen Berge Finnlands. Hier konnten wir die, bisher nur vom Boden gesehenen, farbigen Bäume von oben bestaunen. Die Natur zeigte sich natürlich wieder von der besten Seite, denn auf dem Weg trafen wir zwei nette Reintiere. Statt erschrocken davon zu laufen, als wir uns für Fotos näherten, blieben sie gemütlich stehen und knabberten weiter an ihrem Moos. Auch als ungefähr acht Mann um die beiden Tiere herumstanden, ließen sie sich nicht beirren. Nach circa 20 Minuten als Fotomodels wollten wir die Zwei wieder in Ruhe lassen. Aber stattdessen entschied sich das Pärchen mit uns ein paar Minuten mitzuwandern! Ein weiteres einzigartiges Erlebnis, das man sich wohl vorher nie erträumt hätte!

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Etwas traurig waren wir dann, als wir am Abend die Hütte aufräumen und unsere Sachen packen mussten um am nächsten Tag früh abreisen zu können. Ich freue mich schon auf Lappland im Winter! Schließlich müssen wir noch die Nordlichter sehen!

Nach den ganzen Erlebnissen der letzten Wochen sehnten wir uns alle nun endlich nach einem entspannten Wochenende zuhause. Wir  nahmen uns nichts vor und meine Mitbewohnerin und ich verzichteten sogar auf die Party. Es war angenehm, aber spätestens Sonntag Abend kam mir die Freizeit doch etwas verschwendet vor. Ich habe gar nichts erlebt oder gesehen! Hoffentlich wartet schon das nächste Abenteuer am kommenden Wochenende auf mich! 😉

Die vergangenen Auflüge sind es Schuld, dass ich mich nun wahrlich und endgültig in die Natur verliebt habe. Sie kann ekelhaft sein (Insekten), Nasse Füße bescheren, sich nicht an den Wetterbereicht halten, weitläufig und anstrengend sein – aber sie macht es immer wieder gut. Und kann einem immer und immer wieder aufs Neue den Atem rauben. Ich bin gespannt, was Finnland noch zu bieten hat!

Fühlt-sich-an-wie-Beziehung

Was für ein guter Tag heute. So wie fast jeder Tag hier in Finnland. Ich fühle mich durch und durch entspannt. Der heutige Tag ist ein Mustertag für meinen bisherigen Alltag hier in Finnland: entspanntes Aufstehen, um 10 Uhr für zwei Stunden in den Unikurs, in dem hauptsächlich Filme geschaut und in Gruppen diskutiert wird, danach in die hochwertige Mensa eins der gesunden günstigen Menüs inklusive einem riesen Salatteller wählen und in guter Gesellschaft essen. Anschließend erstmal zuhause ausruhen und verdauen (manchmal ausnahmsweise was für die Uni tun, wie heute: eine fünfminütige Präsentation vorbereiten), nachmittags mit dem Fahrrad in Begleitung der anderen Mädels in das Luxusfitnessstudio die Muskeln zerstören und schließlich vor dem gesunden Abendessen, die Möglichkeit der Sauna im Studentenwohnheim nutzen und dabei mit den Mädels den kommenden Wochenendtrip planen, quatschen und entspannen.

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Ich glaube, ich möchte nie wieder zurück.

Aber was würde dann Mr Hashtag wohl dazu sagen? 😉 Um den geht es in meinem heutigen Tagebucheintrag. Da gibt es nämlich unglaublich viel nachzuholen. Wo fange ich nur an? Ich versuche mal dort anzuknüpfen, wo ich aufgehört habe.

Es ist immer noch keine Beziehung zwischen uns. Aber es fühlt sich, auch mit mehreren Tausend Kilometern Entfernung, wie eine an. Wir schreiben immer noch jeden Tag. Mittlerweile etabliert es sich schon, dass wir jeden Tag telefonieren. Zum Abschied schenkte er mir Fotos von uns beiden. Ich sehe mir sie unheimlich gerne an. Wir beide sehen gut aus zusammen. Dazu schenkte er mir eine kuschelige Mütze, damit mir nicht kalt wird, wenn er mich nicht mehr wärmen kann die nächsten Monate.

A propos Geschenke: da ich anfang August (mal wieder) Geburtstag hatte (verdammt, 25 schon. Ich will forever young bleiben 😦 ) stand ihm die schwierige Aufgabe bevor, mir eine Überraschung zum Geburtstag zu machen. Verlangt oder erwartet habe ich nichts, aber ich konnte ahnen, dass er sich etwas einfallen lassen würde. Er hatte mir an einem unserer ersten Dates erzählt, dass er zu seinem 25. Geburtstag zum ersten Mal in seinem Leben eine Benjamin Blümchen Torte geschenkt bekommen hatte. Ich war begeistert von der Idee. Kreativ und lustig! Selbst hatte ich auch noch nie eine solche Torte bekommen. Natürlich behielt er das im Gedächtnis, der Traummann der er ist.

Am Abend vor meinem Geburtstag kam er vorbei. Da ich noch etwas krank war, brachte er mir etwas gegen Halsschmerzen und drei TrueFruit-Smoothies mit (für die Vitamine 😉 ). Wir machten uns etwas Leckeres zu essen und schauten den Film zuende, den wir letztes mal nur zur Hälfte geschafft hatten. Kurz vor Mitternacht wurden wir fertig und kuschelten in meinen Geburstag herein. Dann kam der Moment, in dem er mir ein in seinem Pulli gewickeltes Paket überreichte. Dieses Paket enthielt, welch Überraschung, eine Benjamin Blümchen Torte! Ich habe die Idee nochmal genauso gefeiert, wie beim ersten Mal, an der ich davon gehört hatte. Meine erste Benjamin Blümchen Torte! Und das zum 25.! Genial!

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Zusammen hatten wir ein Glas Sekt und aßen Kuchen. Der ist überigens überraschend lecker! Anschließend gingen wir Zähne putzen. Da er schon vor mir fertig war, ging er zurück in mein Zimmer. Als ich nachkam und mich zu ihm legte, entdeckte ich einen gelben Umschlag unter meinem Kissen. Verwirrt aber mit Vorfreude machte ich ihn auf, während Mr Hashtag mich beobachtete. Der Umschlag enthielt eine Karte mit einem kleinen Text von ihm und auf der linken Seite klebte eine SD-Karte – „für die zukünftigen schönen Fotos“. Wow. Womit hatte ich das verdient? Womit hatte ich ihn verdient? Ich fühlte mich wie dieser WhatsApp-Smiley mit den Herzchenaugen. Einige Tage später, als ich die SD-Karte dann in den Laptop steckte, entdeckte ich einen Ordner darauf: „Lieblingsbilder“. Er hatte Fotos von uns darauf gezogen, neuere sowie ältere von unseren ersten Dates. Hach… 🙂

Tja, aber unser „Gespräch“ hatten wir immer noch nicht geführt. Das stand diese Woche auf jeden Fall noch auf meiner Agenda. Dabei schob ich es immer und immer weiter vor mich her. Nie gab es eine gute Gelegenheit anzusprechen, wie das mit uns beiden während meines Auslandssemesters weiterlaufen soll. Ich wollte keine Beziehung eingehen, da es für mich sinnlos erschien, sich erst seit zwei Monanten zu kennen und sich dann vier Monate nicht sehen zu können.

Als wir eines Abends bei ihm am Fluss spazieren waren und uns auf den warmen Kies-Strand setzten, witterte ich die Gelegenheit. Wir unterhielten uns und planten, was wir noch alles gerne zusammen erleben wollen: snowboarden, an die Ostsee, ihm meine Heimatstadt zeigen… „Wenn ich aus Finnland und Bayern zurückkomme im Januar, machen wir dann wieder dort weiter, wo wir jetzt aufhören müssen?“ fragte ich und blickte ihm direkt in die Augen. Er verstand sofort, denn er antworete: „irgendwann müssen wir ja darüber reden, richtig?“ Und wir redeten.

Dabei hatten wir die gleiche Sichtweise. Und er fügte hinzu: „wieso erst im Januar? Ich könnte dich schon früher besuchen. In Finnland und in Bayern. Möchtest du, dass ich dich besuche?“. „Hm…“, antwortete ich. „Ja, ich glaube ich möchte das.“ Er blickte mich an: „du glaubst?“ Ich konnte mich nicht verbessern. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, ob ich das wirklich aus vollem Herzen wollte. Es kann noch so viel passieren.

Aber jetzt bin ich mir sicher. Ich möchte, dass er ich besucht. Ich möchte, dass er nach Finnland fliegt. Ich möchte wieder in seinen Armen einschlafen. Ihn wieder küssen und mit ihm Sex haben. Mit ihm spazieren gehen, Fotos machen, Essen kochen, reden. Und das weiß er auch. Denn vor zwei Wochen buchte er einen Flug. 🙂 Ende Oktober sehen wir uns in Helsinki wieder. Ich zähle jetzt schon die Tage.

Es fühlt sich an wie eine Beziehung. Es fühlt sich an, als würden wir uns schon viel länger als nur drei Monate kennen. Und doch müssen wir noch so viel übereinander erfahren. Ich könnte immer noch nicht mit einem lauten „JA“ einer Beziehung zustimmen. Was ist, wenn es wieder so wird, wie mit Mr Schützenverein? Er ist verliebt, alles ist super, er gibt sich Mühe. Dann sind wir zusammen und es ist einfach nur noch schrecklich. Zickereien, Streitereien, Erniedrigung.

Wenn es aber doch schön wird, wenn wir nach meinem Auslandssemester die Beziehung versuchen, ich aber nach meiner Masterthesis im Juli fortziehe? Weg von meiner Unistadt. Ich möchte meine letzten Monate als Studentin genießen und verreisen. Mich danach in ganz Deutschland bewerben… Keine guten Voraussetzungen für eine Beziehung.

Aber wie ging nochmal dieser unglaublich weise Ratschlag? „Mach dir nicht so einen Kopf“? Alles klar! Ich genieße das Jetzt. Mein Auslandssemester. Meine letzten Semester als Studentin. Und den Schwebezustand dieser „Fühlt-sich-an-wie-Beziehung“. 🙂

Literarisch unbrauchbar

Eigentlich hätte ich heute mal wieder ins Fitnessstudio gehen sollen. Ich war schon seit bald zwei Wochen nicht mehr.

Eigentlich sollte ich gerade an meiner Seminararbeit schreiben. Am Freitag in einer Woche ist die Abgabe und ich habe genau Null Seiten bisher geschrieben.

Eigentlich sollte ich heute anfangen für meine Klausur zu lernen.

Eigentlich müsste ich für das Start-Up, bei dem ich mitarbeite, einen kleinen Artikel schreiben.

Und eigentlich müsste ich duschen.

Stattdessen sitze ich hier, bin müde und überlege, ob ich meine Abendpläne auch absage. Nicht, weil ich irgendwie schlecht gelaunt wäre. Mir geht es wunderbar. Aber so eine „Irgendwie-Beziehung“ ist ganz schön zeitintensiv. Die Zeit habe ich nicht.

Mr Hashtag war gestern bei mir. Es war mal wieder ein toller Abend. Wir haben zusammen gekocht, Eis gegessen, einen Film geguckt, gekuschelt, Sex gehabt. Als wir uns dann schlafen legen wollten, waren wir beide nicht mehr müde und haben noch lange gequatscht. Endlich bekam ich die Gelegenheit ihn ein bisschen zu seiner „Beziehungsvergangenheit“ auszufragen. Er hatte bisher zwei ernste lange Beziehungen. Klang alles akzeptabel. Er hat es sehr sachlich erzählt. Außerdem kenne ich jetzt seine Lieblingsfarbe und sein Lieblingsessen und dass er nur Gemüse nur mit Buttersoße mag.

Irgendwann konnten wir doch einschlafen. Ich schlafe allerdings immer noch ziemlich schlecht mit einer zweiten Person im Bett. Er auch. Am nächsten Morgen, also heute, lagen wir noch ziemlich lange im Bett, massierten uns gegenseitig, hatten nochmal Sex und frühstückten dann ausgiebig zusammen mit meinem Mitbewohner und seiner Freundin. Danach wollte er gehen, aber irgendwie landeten wir nochmal kuschelnd in meinem Bett. Er konnte sich einfach nicht losreißen. Und ich wollte auch nicht, dass er geht. Es war einfach zu schön in seinen Armen zu liegen.

Und jetzt denke ich mir, dass dieser halbe Tag einfach vertrödelt war. Ich hab so viel zu tun. Verschwendet war der Vormittag nicht. Ich hab ihn sehr gerne. Ich fühle mich wohl in seinen Armen. Aber was soll das Ganze eigentlich? Ich kann es genießen so lange er da ist. Und danach überfällt mich das Stressgefühl, weil ich stattdessen so viel hätte tun können und müssen. Ich brauche einen Tag, der mindestens 30 Stunden hat. Oder einen Zeitumkehrer.

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Aus dieser Zeitnot tippe ich diesen unorganisierten Tagebucheintrag herunter….

Was es noch von den letzten Tagen zu erwähnen gibt:

Mein Arbeitskollege hat mir letzte Woche gestanden, dass er auf mich steht. Wir kennen uns seit etwas mehr als ein Jahr. Er ist ein sehr guter Freund geworden in der Zeit. Seit neun Jahren ist er in einer Beziehung. Seit zwei Jahren wohnt er mit seiner Freundin zusammen. Dass er auf mich steht, hatte ich allerdings schon seit Längerem vermutet. Woher? Keine Ahnung. Das merkt man einfach. Vielleicht weil er jedes Mal so komisch reagierte, wenn er erfuhr, dass ich jemand Neues kennengelernt habe. Aber trotzdem war es eine ziemlich krasse Sache, als er am Donnerstag nach unserem wöchentlichen Lunchdate damit herausrückte. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Dass es nicht geht, war ja klar. Ich stehe nicht auf ihn (was ich ihm nicht so direkt gesagt habe) und sehe ihn nur als guten Freund. Ich glaube, ich habe mehrmals gesagt, dass ich hoffe, diese Sache würde unserer Freundschaft nun in Zukunft nicht im Weg stehen. Als ich nach dem Gespräch zuhause war, habe ich ihm noch eine längere Nachricht geschrieben und es nochmal betont. Seine Antwort war beschwichtigend. Ich hoffe, es bleibt alles, so wie es bisher war.

Eine zweite Sache, die ich jetzt noch schnell erwähnen möchte, bevor ich doch endlich unter die Dusche springe, ist: In ein paar Tagen bin ich auf meinem zweiten Festival. Nachdem ich seit letztem Jahr keine Festival-Jungfrau mehr bin, weiß ich ja, was mich erwartet. Dieses Festival war zwar unglaublich teuer und ich musste mir außerdem ein eigenes Zelt kaufen. Ich fahre mit einer Kommilitonin und ihrem Bruder. Vor Ort schließen wir uns zusammen mit einer weiteren Freundin von mir und ihrer Gruppe. Also alles Menschen, die ich nicht sooo gut kenne. Aber das wird sicher trotzdem toll.

So. Jetzt habe ich alle Gedanken aus meinem Kopf auf Papier (bzw. auf die Tastatur) gebracht. Ich hoffe, jetzt kann ich (nach meiner Dusche) noch ein bisschen produktiv sein.

Was für ein chaotischer, literarisch unbrauchbarer Eintrag. Es freut mich, dass ich diese fünf Minuten eures Lebens verschwenden durfte. Gern geschehen. 😉

Widersprüche

Wer je behauptet hat, Frauen kann man nicht verstehen – der hat absolut Recht. 😉

Ich habe zwar gesagt „Er ist es nicht„, dennoch treffe ich mich weiter mit ihm. Er ist es immer noch nicht. Aber ich verbringe gerne Zeit mit ihm. Ich genieße es mal wieder, jemanden zu haben, der mich begehrt. Jemanden, der mir täglich guten Morgen und gute Nacht schreibt. Jemanden, der vor Freude ganz nervös ist, wenn er mich sieht. Jemanden, mit dem ich auf Dates gehen kann, so richtig pärchen-like. Jemanden, der meine Hand nimmt oder seinen Arm um mich legt beim Spazierengehen. Jemanden, den ich küssen kann, während er Spaghetti für uns kocht. Jemanden, an den ich mich bei gruseligen Filmen kuscheln kann.

Ich weiß, ich sollte mit ihm reden. Er weiß bereits, dass ich nicht mehr lange hier bin. Es sollte also doch glasklar sein, dass da nichts mehr sein kann, wenn ich in einem Monat weg bin. Für mich ist es das zu mindest. Aber damit ich mir sicher sein kann, dass wir auf der gleichen Ebene sind, sollte ich es ansprechen.

Vielleicht ist es noch nicht zu spät. Vielleicht sind wir ja noch auf der gleichen Gefühlsebene. Ist eine Aussage wie „du sorgst für Chaos in meinem Kopf“ ein eindeutiges Zeichen, dass bei ihm mehr Gefühle im Spiel sind? Oder ist es einfach eine Floskel? Ist der Satz „du bist wunderschön“ vor dem ersten Sex einfach ein wunderbares Kompliment? Oder steckt mehr Interesse dahinter?

Beim nächsten Treffen spreche ich es an. Versprochen.

Zum Schluss noch eine Anregung. Meine Mitbewohnerin stellte mir die Killerfrage: „Angenommen du wärst in einem Monat nicht weg … Wärst du jetzt in dieser Position?

Tja, wäre ich? Hätte ich ihn ein viertes Mal getroffen? Hätte ich mit ihm geschlafen? Würde ich ihm noch schreiben? Würde ich mich noch jedes Mal freuen, eine Nachricht von ihm zu bekommen?

Ich denke ja. Aber ich würde trotzdem denken, dass er es nicht ist. Ich fühle mich so egoistisch. Und so widersprüchlich.

Und nun noch ein allerletzter Gedanke: fühlte es sich damals genauso für Mr Regisseur an? Der sich mehrmals mit mir getroffen hat und wir beide eindeutig Interesse aneinander hatten – er aber dann auch fort musste? Will mir das Schicksal damit irgendwas sagen?

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