Traummann

Januar:

Er: „Ich liebe dich.“

Sie: „Ich kann darauf leider noch nicht antworten – das weiß ich noch nicht. Aber was ich weiß ist, dass ich noch niemals zuvor so verliebt war wie ich es in dich bin.“

Er: „Das ist in Ordnung, wenn du darauf noch nicht antworten kannst. Jeder Mensch fühlt anders.“

Februar:

Sie: „Eigentlich wäre es doch sinnvoll, wenn wir zusammenziehen würden, oder? Andererseits weiß ich nicht, wo ich nach dem Studium einen Job finden werde…“

Er: „Ja, das ist zu unsicher.“

Sie: „Aber schön wäre es.“

März:

Er: „Möchtest du mit mir zusammenziehen?“

Sie: „Ja!“

April:

Er: „Ich wäre traurig, wenn du von hier wegziehen müsstest. Aber ich möchte dich nicht einschränken und deiner Freiheit berauben. Ich unterstütze ich in all deinen Entscheidungen.“

Sie: „Ich habe entschieden noch eine Weile zu bleiben. Vielleicht ergibt sich ein Job hier. Aber ich möchte nicht für immer hier leben.“

Er: „Das möchte ich auch nicht. Wir werden zusammen die Welt erkunden!“

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Ich liebe diesen Mann. Wenn es der Richtige ist, fühlt sich nichts zu schnell, zu langsam oder zu falsch an. Nächsten Monat sind wir ein halbes Jahr zusammen. Ich ziehe zum ersten Mal mit einem Partner zusammen.

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Fühlt-sich-an-wie-Beziehung

Was für ein guter Tag heute. So wie fast jeder Tag hier in Finnland. Ich fühle mich durch und durch entspannt. Der heutige Tag ist ein Mustertag für meinen bisherigen Alltag hier in Finnland: entspanntes Aufstehen, um 10 Uhr für zwei Stunden in den Unikurs, in dem hauptsächlich Filme geschaut und in Gruppen diskutiert wird, danach in die hochwertige Mensa eins der gesunden günstigen Menüs inklusive einem riesen Salatteller wählen und in guter Gesellschaft essen. Anschließend erstmal zuhause ausruhen und verdauen (manchmal ausnahmsweise was für die Uni tun, wie heute: eine fünfminütige Präsentation vorbereiten), nachmittags mit dem Fahrrad in Begleitung der anderen Mädels in das Luxusfitnessstudio die Muskeln zerstören und schließlich vor dem gesunden Abendessen, die Möglichkeit der Sauna im Studentenwohnheim nutzen und dabei mit den Mädels den kommenden Wochenendtrip planen, quatschen und entspannen.

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Ich glaube, ich möchte nie wieder zurück.

Aber was würde dann Mr Hashtag wohl dazu sagen? 😉 Um den geht es in meinem heutigen Tagebucheintrag. Da gibt es nämlich unglaublich viel nachzuholen. Wo fange ich nur an? Ich versuche mal dort anzuknüpfen, wo ich aufgehört habe.

Es ist immer noch keine Beziehung zwischen uns. Aber es fühlt sich, auch mit mehreren Tausend Kilometern Entfernung, wie eine an. Wir schreiben immer noch jeden Tag. Mittlerweile etabliert es sich schon, dass wir jeden Tag telefonieren. Zum Abschied schenkte er mir Fotos von uns beiden. Ich sehe mir sie unheimlich gerne an. Wir beide sehen gut aus zusammen. Dazu schenkte er mir eine kuschelige Mütze, damit mir nicht kalt wird, wenn er mich nicht mehr wärmen kann die nächsten Monate.

A propos Geschenke: da ich anfang August (mal wieder) Geburtstag hatte (verdammt, 25 schon. Ich will forever young bleiben 😦 ) stand ihm die schwierige Aufgabe bevor, mir eine Überraschung zum Geburtstag zu machen. Verlangt oder erwartet habe ich nichts, aber ich konnte ahnen, dass er sich etwas einfallen lassen würde. Er hatte mir an einem unserer ersten Dates erzählt, dass er zu seinem 25. Geburtstag zum ersten Mal in seinem Leben eine Benjamin Blümchen Torte geschenkt bekommen hatte. Ich war begeistert von der Idee. Kreativ und lustig! Selbst hatte ich auch noch nie eine solche Torte bekommen. Natürlich behielt er das im Gedächtnis, der Traummann der er ist.

Am Abend vor meinem Geburtstag kam er vorbei. Da ich noch etwas krank war, brachte er mir etwas gegen Halsschmerzen und drei TrueFruit-Smoothies mit (für die Vitamine 😉 ). Wir machten uns etwas Leckeres zu essen und schauten den Film zuende, den wir letztes mal nur zur Hälfte geschafft hatten. Kurz vor Mitternacht wurden wir fertig und kuschelten in meinen Geburstag herein. Dann kam der Moment, in dem er mir ein in seinem Pulli gewickeltes Paket überreichte. Dieses Paket enthielt, welch Überraschung, eine Benjamin Blümchen Torte! Ich habe die Idee nochmal genauso gefeiert, wie beim ersten Mal, an der ich davon gehört hatte. Meine erste Benjamin Blümchen Torte! Und das zum 25.! Genial!

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Zusammen hatten wir ein Glas Sekt und aßen Kuchen. Der ist überigens überraschend lecker! Anschließend gingen wir Zähne putzen. Da er schon vor mir fertig war, ging er zurück in mein Zimmer. Als ich nachkam und mich zu ihm legte, entdeckte ich einen gelben Umschlag unter meinem Kissen. Verwirrt aber mit Vorfreude machte ich ihn auf, während Mr Hashtag mich beobachtete. Der Umschlag enthielt eine Karte mit einem kleinen Text von ihm und auf der linken Seite klebte eine SD-Karte – „für die zukünftigen schönen Fotos“. Wow. Womit hatte ich das verdient? Womit hatte ich ihn verdient? Ich fühlte mich wie dieser WhatsApp-Smiley mit den Herzchenaugen. Einige Tage später, als ich die SD-Karte dann in den Laptop steckte, entdeckte ich einen Ordner darauf: „Lieblingsbilder“. Er hatte Fotos von uns darauf gezogen, neuere sowie ältere von unseren ersten Dates. Hach… 🙂

Tja, aber unser „Gespräch“ hatten wir immer noch nicht geführt. Das stand diese Woche auf jeden Fall noch auf meiner Agenda. Dabei schob ich es immer und immer weiter vor mich her. Nie gab es eine gute Gelegenheit anzusprechen, wie das mit uns beiden während meines Auslandssemesters weiterlaufen soll. Ich wollte keine Beziehung eingehen, da es für mich sinnlos erschien, sich erst seit zwei Monanten zu kennen und sich dann vier Monate nicht sehen zu können.

Als wir eines Abends bei ihm am Fluss spazieren waren und uns auf den warmen Kies-Strand setzten, witterte ich die Gelegenheit. Wir unterhielten uns und planten, was wir noch alles gerne zusammen erleben wollen: snowboarden, an die Ostsee, ihm meine Heimatstadt zeigen… „Wenn ich aus Finnland und Bayern zurückkomme im Januar, machen wir dann wieder dort weiter, wo wir jetzt aufhören müssen?“ fragte ich und blickte ihm direkt in die Augen. Er verstand sofort, denn er antworete: „irgendwann müssen wir ja darüber reden, richtig?“ Und wir redeten.

Dabei hatten wir die gleiche Sichtweise. Und er fügte hinzu: „wieso erst im Januar? Ich könnte dich schon früher besuchen. In Finnland und in Bayern. Möchtest du, dass ich dich besuche?“. „Hm…“, antwortete ich. „Ja, ich glaube ich möchte das.“ Er blickte mich an: „du glaubst?“ Ich konnte mich nicht verbessern. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, ob ich das wirklich aus vollem Herzen wollte. Es kann noch so viel passieren.

Aber jetzt bin ich mir sicher. Ich möchte, dass er ich besucht. Ich möchte, dass er nach Finnland fliegt. Ich möchte wieder in seinen Armen einschlafen. Ihn wieder küssen und mit ihm Sex haben. Mit ihm spazieren gehen, Fotos machen, Essen kochen, reden. Und das weiß er auch. Denn vor zwei Wochen buchte er einen Flug. 🙂 Ende Oktober sehen wir uns in Helsinki wieder. Ich zähle jetzt schon die Tage.

Es fühlt sich an wie eine Beziehung. Es fühlt sich an, als würden wir uns schon viel länger als nur drei Monate kennen. Und doch müssen wir noch so viel übereinander erfahren. Ich könnte immer noch nicht mit einem lauten „JA“ einer Beziehung zustimmen. Was ist, wenn es wieder so wird, wie mit Mr Schützenverein? Er ist verliebt, alles ist super, er gibt sich Mühe. Dann sind wir zusammen und es ist einfach nur noch schrecklich. Zickereien, Streitereien, Erniedrigung.

Wenn es aber doch schön wird, wenn wir nach meinem Auslandssemester die Beziehung versuchen, ich aber nach meiner Masterthesis im Juli fortziehe? Weg von meiner Unistadt. Ich möchte meine letzten Monate als Studentin genießen und verreisen. Mich danach in ganz Deutschland bewerben… Keine guten Voraussetzungen für eine Beziehung.

Aber wie ging nochmal dieser unglaublich weise Ratschlag? „Mach dir nicht so einen Kopf“? Alles klar! Ich genieße das Jetzt. Mein Auslandssemester. Meine letzten Semester als Studentin. Und den Schwebezustand dieser „Fühlt-sich-an-wie-Beziehung“. 🙂

Komische Konstellation (Teil I)

Da sitze ich. Immer noch in der Heimat. Und drücke mich momentan davor, weiter an meinem Unikram zu arbeiten. Kenn man. Leider geht es in knapp einer Woche wieder zurück in meine Uni-Stadt. Dass ich in diesem Satz jemals wieder das Wort „leider“ benutzen würde, hätte ich nicht gedacht, denn normalerweise halte ich es nicht mehr sehr lange in meiner Heimat aus. Dieses mal verging die Zeit jedoch einfach zu schnell. Und es gibt Menschen, die mich zurückhalten. Dazu gleich mehr.

Die „Ex-Freund-Woche“ verlief unproblematisch. Das Treffen mit Mr Schützenverein und dem Kumpel war ein bisschen seltsam. Ich habe ihn zwar begrüßt und wir haben uns verhalten, als wäre nie irgendwas vorgefallen. Aber seine pure Anwesenheit machte mich unruhig. Unser gemeinsamer Kumpel, der noch mit ihm dabei war, wollte mich nach dem Bouldern unbedingt noch zu einem Kaffee einladen, also blieb ich noch eine kurze Weile, nachdem meine Leute schon gegangen waren. Wir saßen zu dritt am Tisch und unterhielten uns. Aber, wie gesagt, fühlte ich mich in der Situation komplett unwohl. Spätestens danach wurde mir bewusst, dass ich mit Mr Schützenverein nichts mehr zu tun haben möchte.

Lustiges Ereignis dazu: Als ich an diesem Abend wieder zuhause saß, schrieb ich noch eine Weile mit dem Kumpel. Ich nenne ihn mal Mr Angeber (weil er es ist 😀 ). Er begann (wie er es oft tut) zu flirten. Irgendwann fragte er mich, ob er mich zum Essen einladen dürfte, wenn ich zurück wäre in meiner Unistadt. Ich zögerte. „Fühl dich nicht gezwungen. Nur wenn du wirklich Lust darauf hast.“ Dieses ganze Flirten von ihm konnte ich eh nie ernst nehmen. Mr Angeber flirtet mit allem, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Also wollte ich gleich eines klar stellen: „Ich weiß ja nicht wie du dir das vorstellst: als Date-date oder als freundschaftliches Date?“ „Keine Angst, einfach nur so. Ich weiß ja, dass ich nichts für dich bin.“ Okay, darauf lasse ich mich dann wohl ein. Neugierig wie ich aber bin, musste ich aber trotzdem nochmal nachfragen: „woher weißt du, dass du nichts für mich bist?“ „Ich würde mal behaupten, dass ich es merken würde, wenn es anders wäre. Außerdem verdienst du dieses mal einen guten Freund.“ Wo er recht hat, hat er recht. 😉 Nein, keine Sorge, ich ließ ihn nicht mit der Aussage stehen. Wenn er die richtige Frau findet, ist er sicher ein guter Freund. Allerdings hat er vollkommen recht: er ist nichts für mich (aus diversen Gründen, die ich jetzt nicht aufzählen werde).

Ex-Freund-Treffen Nr. 2 verlief dagegen wirklich schön. Ich ging hinein in der Erwartung, dass wir uns einfach treffen zum quatschen und uns auszutauschen, was die letzen fünf Jahre in unserem Leben alles passiert ist. Im weiteren Verlauf nenne ich ihn liebevoll Mr Tiger (hat was mit seinem eigentlichen Spitznamen zu tun). 😉

Es begann harmlos mit einer Führung durch seine neue WG, danach Kaffee und Kekse mit seinen Mitbewohnern. Ich wusste garnicht, dass man in einem Dorf auch in einer WG leben kann… Aber man lernt wohl nie aus. 😉  Zu zweit suchten wir uns aus, was wir abends kochen würden. Er wollte etwas „lukratives, orginelles und leckeres“. Unter Lachen googelten wir diese und weitere Begriffe, bis wir mit unserer Menü-Auswahl zufrieden waren. Wir gingen einkaufen und legten los mit kochen. Dabei unterhielten wir uns und hatten Spaß, als wären niemals fünf Jahre dazwischen gewesen.

Das Essen war fertig, er deckte den Tisch und zündete Kerzen an. Oho, ein Candlelight-Dinner? Das hatte ich nicht erwartet. Ich war immer noch der Meinung, dass wir uns freundschaftlich treffen. Aber Kerzen heißen ja nichts, schließlich gehören Kerzen zum typischen Herbst-Haushalts-Inventar (wohl auch in Männer-WGs?). Etwas melancholisch wurde ich dann doch dabei. Mr Tiger war schon immer ein sehr romantischer Kerl gewesen. Ich genoss es sehr in unserer damaligen Beziehung. Den Rest des Weines, den wir zum essen nicht geschafft hatten, begleitete uns aufs Sofa. Langsam angeheitert unterhielten und lachten wir weiter. Den ganzen Abend schon spürte ich in seiner Gegenwart ein Gefühl, dass ich bei nicht vielen Menschen spüre: ich fühle mich wohl in seiner Gegenwart, ganz egal was jemals passiert war. Ich fühlte mich akzeptiert und wertgeschätzt. Und als würde es mir nichts auf der Welt fehlen.

Ja, unsere Beziehung war wirklich toll gewesen. Meine Schönste bisher. Wären da nicht unsere unterschiedlichen Zukunftsvorstellungen gewesen. Ich wollte nach dem Abi hinaus in die große weite Welt. Er nicht. Jedenfalls nicht lange und nicht für immer. Was ich vollkommen akzeptiere und respektiere. Wir haben unsere Ansichten immer akzeptiert und respektiert. Aber bei dieser Sache konnten wir uns keine gemeinsame Zukunft vorstellen. Vielleicht waren wir noch zu jung gewesen, um weit genug zu denken? Wer weiß schon, was passiert wäre, wenn wir eine Fernbeziehung eingegangen wären. Für uns beide (oder vielleicht hauptsächlich für mich) kam das aber nicht in Frage. Deshalb trennten wir uns.

Zurück zum Sofa: wie nicht anders zu erwarten war, kamen wir uns näher. Der Auslöser kam von ihm, er kuschelte sich an mich. So lagen wir mehrere Stunden zusammen auf dem Sofa, ab und zu ein Schlückchen Wein, und plauderten über unser Leben und unsere damalige Beziehung. Irgendwann jedoch musste der Spaß natürlich ein Ende nehmen. Der Auslöser kam von mir: ich wollte nach Hause. Wir verabschiedeten uns aber vereinbarten gleich, dass wir uns am kommenden Wochenende wieder sehen würden. Da fand eine große Geburtstagsparty eines Kumpels statt, inklusive Bierpong-Turnier statt. Schriftlich erklärten wir, dass wir ein Team zusammen bilden würden.

Das besagte Wochenende kam. Aufgrund eines unglücklichen Zufalls (ungerade Zahl an Mannschaften) konnten Mr Tiger und ich nicht am Turnier teilnehmen. Was uns nicht hinderte trotzdem zu trinken. Diverse andere Trinkspiele (und einfach-so-Trinken) später, ging es mir richtig gut – und dann nicht mehr so gut. 😀 Mr Tiger nahm sich meiner an und brachte mich ins Wohnzimmer. Wieder landeten wir quasselnd und kuschelnd auf dem Sofa. Mir ging es aber nicht gut genug um irgendwas sinnvolles zu tun oder zu sagen. Zum Glück war er auch eher das Gegenteil von nüchtern. Irgendwie lagen wir da ganz schön lange, denn bald war niemand mehr auf der Party. Also brachte mich Mr Tiger sicher und ganz gentlemanlike nach Hause. Einen Abschiedskuss gab es auch diesmal nicht. (Wäre wahrscheinlich in unserem Zustand sowieso nicht so angenehm geworden 😀 )

Tags darauf bat er mich um ein Date: Donnerstag, ich solle mich überraschen lassen, er habe da eine Idee…

Fortsetzung folgt…

Das Auftauchen

Liebes Tagebuch,

ich habe mich lange nicht gemeldet. Ich habe dich vermisst. Ich habe vermisst zu schreiben. Ich hatte keine Zeit. Ich hatte keine Motivation. Mir ging es nicht gut. Ich habe Fehler begangen. Ich habe mich selbst schlecht behandelt. Ich habe andere schlecht behandelt. Ich kam nicht mehr mit mir selbst klar. Ich habe viel erlebt. Ich habe viel durchgemacht.

Aber jetzt bin ich wieder da. Und habe viel nachzuholen.

Als allererstes tauche ich auf. Ich möchte es zumindest. Das ist mein Ziel. Auftauchen aus diesem dunklen Wasser. Der erste Zug an die Wasseroberfläche ist wohl geschafft. Es wurde für mich getan. Sieben Monate unterdrückt von einem Menschen, den ich letztlich liebte. Er tat mir nicht gut, das wusste ich. Doch Gefühle sind bekanntlich ein Arschloch. Genauso wie er.

Das Ende

Wir sollten über uns reden – blablabla… Und das kam von ihm. Nachdem ich ihm vor einigen Wochen zum ersten Mal gesagt hatte, dass ich ihn liebe. Das war ein großer Schritt für mich. Und ich bereute es gleich am selben Abend. Trotzdem sagte er es von sich aus noch zwei mal danach. Er plante den Urlaub mit mir. Er plante die Zukunft mit mir. Aber jetzt müssen wir über uns reden. Sagte er.

Dieses Auf und Ab zwischen uns, das ginge jetzt nicht mehr. So sollte eine Beziehung nicht sein. Recht hatte er. Ja, ich war ihm sogar dankbar, dass er diesen Schritt machte. Ich hatte es ein halbes Jahr lang nicht geschafft. Jetzt tat es er.

Was danach geschah

Dass ich es nicht geschafft hatte, hatte jedoch wohl einen Grund, wie ich die Tage darauf festgestellt habe. Der Grund musste wohl sein, dass bei mir große Gefühle und große Hoffnung in dieser Beziehung steckten. Oder war der Grund immer noch, dass ich es nicht ertragen konnte und wollte, wieder alleine da zu stehen? Die Tage darauf ging es mir schlecht. Mein Kopf wusste, es ist das Beste. Mein Herz schrie, bitte keine Einsamkeit! Where is the love?

Mein Kopf konnte mein Herz jedoch mit vielem guten Zusprechen beruhigen. Waren doch nur sieben Monate Beziehung. Was ist das schon? Außerdem war er eh nie gut für dich. Du wolltest keine Zukunft mit ihm. Doch das sollte erst die Ruhe vor dem Sturm sein.

Am Wochenende darauf erfuhr ich, dass er direkt eine Neue hatte. Mein Herz blutete wieder. Mein Kopf tobte. Was sollte das? Wie respektlos ist das?! Ich wusste, er war mir nicht fremd gegangen, während der Zeit, in der wir zusammen waren. Trotzdem tat es so weh, dass er gleich mit der nächsten ins Bett hüpte, sobald es aus war. Es handelte sich um seine Exfreundin von vor acht Jahren. Keiner aus seinem Freundeskreis mochte sie. Was fand er an ihr?! Ich schrieb ihm, beleidigte ihn. Seine Antworten waren natürlich ebensowenig freundlich. Ich blockierte ihn und verlies meine Wohnung. Ich musste weg. Brauchte Ablenkung. Ich stieg in die S-Bahn. Ich fuhr zu einer guten Freundin und ihrem Freund. Und wurde herzlich und tröstend aufgenommen. Es gab Eis und Pizza und Kill Bill.

Und so sah meine Ernährung auch die folgenden Wochen aus. Während der Klausurphase kam ich kaum zum Sport, tat so viel ich nur konnte zwischen den Lerneinheiten. Aß und aß und aß. Kekse, Schokolade, Pizza, Nudeln… Bauchschmerzen Tag ein, tag aus. Schlafstörungen, Stress, Selbstzweifel, Selbsthass, Müdigkeit….

Die erste Klausur in Marketing ging völlig schief. Ich hatte zu spät angefangen zu lernen. Verbrachte die Zeit um mich abzulenken von ihm. Ich hatte nicht genug und das falsche gelernt. Ist dieses Master-Studium überhaupt richtig für mich? Was kann ich eigentlich? Was will ich eigentlich?

Die zweite Klausur lief schon besser. Von der dritten meldete ich mich ab.

Meinem Herz geht es mittlerweile besser. Mein Kopf schreit dafür wieder am lautesten. Du bist dumm. Du bist undiszipliniert. Du bist fett. Du bist unerträglich. Du kannst nichts.

Nicht besser machte es die Situation gestern, als ein Freund mir sagte, ich hätte ganz schön zugenommen, trotz des Sportprogramms, das ich ja angeblich durchziehen würde. Ich würde mir ja wenig Mühe geben. Wunderbar. Danke. Ich weiß selbst, dass gerade alles den Bach hinunter geht.

Mir geht es nicht gut. Ich begehe Fehler. Ich behandle mich selbst schlecht. Ich behandle andere schlecht. Ich komme nicht mit mir selbst klar. Ich erlebe viel, ich mache viel durch. Es ist ein weiter Weg bis an die Wasseroberfläche. Aber ich werde Auftauchen.

Wie es nun weiter geht

Ich habe ein neues Projekt. Ich muss lernen, mich selbst zu lieben. Ich möchte es lernen. Als Erstes möchte ich mich wieder anständig ernähren. Ich möchte wieder meinen Ehrgeiz im Sport finden. Das tat mir immer gut. Ich werde bald schon wieder nach Hause fahren zu meinen Eltern. Bis dahin genieße ich den regelmäßigen Alltag in meinem Job an der Uni während der vorlesungsfreien Zeit. Im September werde ich eine Woche mit meiner besten Freundin und meinem besten Freund am Gardasee verbringen. Ich möchte neue Erfahrungen machen. In ein paar Tagen bin ich auf dem allerersten Festival meines Lebens. Ich möchte lernen, dankbar zu sein. Dankbar für die Freunde, die gemerkt haben, dass es mir nicht gut ging, und mich unterstützt haben. Dankbar, dass es meiner Familie gut geht. Dass ich jeden Tag neue Erfahrungen machen kann und klug genug bin, zu reflektieren und von ihnen lernen zu wollen. Ich möchte erfahren wie es ist, sich selbst zu lieben. Mich nicht abhängig machen, von einem anderen Menschen. Ich möchte nicht meinen Traummann finden. Ich lasse mich finden. Denn erst einmal bin ich wichtiger.

Eigentlich bin ich doch garnicht so schlimm. Eigentlich mag ich mich gerade schon wieder etwas mehr, nachdem ich diese Zeilen geschrieben habe.

Danke, liebes Tagebuch, fürs zuhören.


P.S.: Außerdem muss ich mich entschuldigen bei einer bestimmten Person. Ich habe einen Fehler begangen. Ich habe diese Person schlecht behandelt. Das hatte sie nicht verdient. Ich denke, wenn sie diese Zeilen liest, weiß sie, was ich meine. Es tut mir leid.

Schöne Tage, schlechtes Gefühl

Ich hatte eine wunderschöne Woche mit Mr. Schützenverein. Letzte Woche Montag hat er mich mit einer Rose und Donuts vom Bahnhof abgeholt. Wir haben jeden Tag, den ich in meiner Unistadt war zusammen verbracht. In den acht Tagen haben wir viel erlebt: gemütlich Filme und Serien geguckt, Spaß im Bett und auch Spaß beim Feiern, Tanzen und Trinken gehabt. Ich habe seine total lieben Eltern kennengelernt, die sich unglaublich gefreut haben, dass ich zu Besuch war. Meine Unimädels haben ihn ebenfalls kennengelernt auf einer Unifeier: „Er ist genehmigt.“ 😉 Ein gemeinsamer Freund wollte wissen, was denn nun zwischen uns ist. „Noch nichts, aber wir sind auf einem guten Weg“ war die Antwort von Mr Schützenverein. Gestern haben wir uns wieder verabschieden müssen. Er brachte mich zum Bahnhof und ich fuhr wieder die 350 Kilometer zu meinem Elternhaus. Morgen geht mein Flug von München nach Finnland. In zehn Tagen sehen wir uns aber bereits wieder und dann wollen wir das zwischen uns festlegen. Wir sind wirklich auf einem guten Weg. Er hat es geschafft, dass ich mich in ihn verliebe, ihm vertraue und noch ganz viele weitere wunderschöne Tage mit ihm verbringen möchte.

Dann verstehe ich aber nicht, was seit heute morgen mit mir los ist. Ich habe ein ganz seltsames Gefühl in der Magengegend. Dass irgendetwas gerade mit ihm ist. Ich habe die Befürchtung, dass er es sich doch anders überlegt mit uns. Dass vielleicht doch die Gefühle nicht mehr da sind. Seit Sonntag Abend verhielt er sich komisch, irgendwie abweisender. Er versicherte mir es liege daran, dass er müde sei. Gestern brachte er mich zum Bahnhof und an dem Tag haben wir kaum noch geschrieben. Obwohl kaum eine Stunde vergeht in der wir uns nicht schreiben, wenn wir uns nicht sehen. Er versicherte mir, er sei nur sehr beschäftigt. Dabei nutzt er normalerweise jede Gelegenheit. Und auf meine heutige Guten-Morgen-Nachricht hat er immer noch nicht geantwortet. Dabei ist es schon 12:30 Uhr. Vielleicht schläft er noch? Oder vielleicht ist doch irgendetwas??

Vermutlich kommt meine Angst wieder wegen meiner schlechten Erfahrungen. Obwohl wir damals eine tolle Zeit miteinander hatten, schrieb Mr Höflich mir auch irgendwann immer weniger, wir trafen uns seltener und dasselbe unbehagliche Gefühl breitete sich in meiner Magengegend aus. Bis ich es nicht mehr aushielt und ihn darauf ansprach. Die Bestätigung: er hatte keine Gefühle mehr, beziehungsweise sie waren nie stark genug gewesen, dass mehr zwischen uns hätte werden können.

Ich hoffe wirklich, dass mich mein Gefühl dieses Mal täuscht. Ich hoffe es geht bald weg, denn ich will meinen Urlaub in Finnland nicht mit grübeln verbringen. Ich hoffe aus Mr Schützenverein und mir wird mehr, sobald ich zurück bin. Ich habe mich schon lange nicht mehr so stark verliebt wie jetzt. Ich habe so furchtbare Angst wieder enttäuscht zu werden.

Übrigens hatte ich vor zwei Tagen meinen Jahrestag: ich bin seit genau vier Jahren Single. Feiert man eigentlich so einen Jahrestag? Oder verbringt man den auch alleine mit einem übergroßen Becher Eis vor seiner Lieblingsserie, wie die meisten Tage des Jahres? 😉 Zumindest war ich an dem Tag nicht alleine, sondern in den Armen von Mr Schützenverein. Wäre schön, wenn ich keinen fünften Jahrestag des Singledaseins erleben müsste, sondern mal wieder einen richtigen Jahrestag des Zusammenseins.