Erdbeben in meiner Gefühlswelt

Also so langsam glaube ich, meine frische Beziehung steht unter einem schlechten Stern… Nein, ganz so schlimm ist es nicht. Seit meinem letzten Beitrag habe ich mich wieder beruhigt, was diesem aus Versehenen „Fehltritt“ anging. Ich denke, ich habe das Ganze wirklich erstmal schlimmer empfunden, als es eigentlich war.

Allerdings ist letzte Woche schon wieder etwas passiert, dass meine Gefühlswelt in Verwirrung gestürzt hat. Tatsächlich könnte man meinen, das sei bei Mr Hashtag und mir schwer zu schaffen. Ich bin so verliebt wie noch nie. Das aller erste Mal in meinem Leben würde ich sagen, dass ich mir vorstellen könnte, für immer mit meinem Partner zusammen zu sein. Seit drei Wochen ist Mr Hashtag in Südamerika im Urlaub, bzw. hat er dort an der Weltmeisterschaft seines Wassersports teilgenommen. Südamerika ist noch nicht so gut ausgestattet mit W-Lan, sodass wir die letzten Wochen nur sehr selten schreiben und telefonieren konnten. Ich habe ihn unglaublich vermisst. Und tue es immer noch. Zum Glück fliegt er morgen zurück nach Deutschland. Und auch ich bin ja bald wieder Zuhause. Er möchte mich am liebsten direkt vor Weihnachten besuchen kommen und dann über Silvester nochmal. Hach, was ein Traummann.

Dennoch hatte ich vergangene Woche, wie bereits geschrieben, eine kurze Verwirrung. Und in dieser Situation zwischen Mr Hashtag und mir kann das nur ein einziger Mensch noch schaffen. Richtig. Mr Regisseur.

Hallo, da ist er wieder. Leider wird er wohl immer und immer wieder im Drehbuch meines Lebens vorkommen.

Seit ich ihn das letzte Mal erwähnt habe, habe ich wirklich nur sehr spärlich Kontakt mit ihm gehabt. Wir haben gegenseitig unsere Instagram-Fotos geliked, weil man das eben so macht. Ab und zu mal eine private Nachricht über den Instagram-Messenger, wenn man mal ein Ereignis kommentieren wollte oder mal kurz eine Frage zur Kamera über WhatsApp. Ich hatte ihn ziemlich aus meinem Kopf schieben können. Dachte ich zumindest.

Es begann damit, dass er ein neues Foto hochgeladen hatte. Machte er mittlerweile wieder täglich. Aber auf diesem Foto sah man seine Hand. Mit einem Ring. Es war die linke Hand. In den USA trägt man den Ehering an der linken Hand. Aber nein, das kann doch nicht sein, dachte ich mir. Oder vielleicht doch? Unter sein Bild fragte ich: „Trägst du einen Ehering?“ Er antwortete mit dem Ok-Handzeichen-Emoji. Also ja? Oder verarschte er mich nur? Ich schrieb ihm über den Instagram-Messenger eine private Nachricht. „Bist du jetzt verheiratet? Das ging ja schnell. :D“ Seine Antwort: „Ja. Musste schnell gehen.“ Ich war immer noch nicht zu hundert Prozent überzeugt, dass er mich nicht verarschte. Ich fragte ihn weiter aus.

Wie es aussah, war es aber wahr. Als ich es endlich glauben konnte, beglückwünschte ich ihn natürlich. Ich überlegte, wie ich nun weiter vorgehen könnte. Ich war zu neugierig und wollte ein Foto. Durch geschicktes Fragen bekam ich eins. Es war ein Selfie, auf dem er mit ihr zu sehen war. Er lächelte in die Kamera und hinter ihm lehnte sich seine Freundin bzw. Frau über seinen Rücken. Die Sonne ging wohl gerade unter, da das Foto und ihre Gesichter in Gold getaucht waren. Und was soll noch ich sagen? Die zwei sahen wirklich total süß und glücklich aus.

„This is how everything falls into place“, war mein erster Gedanke, nachdem ich das schöne Foto sah. Ich habe einen wunderbaren Freund und Mr Regisseur ist verheiratet mit einer glücklichen jungen Frau. Er schrieb mir noch, er hoffe, dass das nicht zwischen uns stehen würde. Er mag mich immer noch „ganz doll“ und möchte für immer mit mir befreundet sein. 🙂 Total süß. Ich erzählte ihm im Gespräch natürlich auch, dass ich nun einen Freund habe. Es freute ihn auch sehr, dass ich glücklich bin.

Nachdem wir das Gespräch beendet hatten, musste ich noch einige Tage darüber nachdenken. Meine ersten positiven Gedanken wichen dann doch zu anderen Gedanken. Es ist genau ein Jahr her als wir gedatet hatten. Wir hatten dann noch bis Feburar viel per Nachrichten geflirtet und auch noch bis März öfter geschrieben. Anfang Mai war es, dass ich einen Cut machen musste. Danach war tatsächlich erstmal Sendepause. Und dann eben dieses spärliche Schreiben. Also wann hatte er geheiratet? Seit wann war er mit seiner Frau in einer Beziehung? Ich scrollte durch seine Fotos. Mir war noch nie zuvor der Ring aufgefallen und tatsächlich sah man meistens seine Hand nicht. Nur auf einem Foto Ende Oktober. Ich rechnete. Okay… wenn er schätzungsweise Anfang Oktober geheiratet hat, dann war er aber maximal ab Juni/Juli mit ihr zusammen. Länger kann ich es mir nicht vorstellen. Wow. Ich überlegte, ob ich das machen könnte. So nach drei Monaten direkt zu heiraten? Natürlich ist es eine komplett andere Situation: er ist Ausländer in den Staaten; die einzige Möglichkeit, nicht ständig für ein Touristenvisum ein- und ausreisen zu müssen ist eine Hochzeit. Und mit dem Visum per Heirat konnte er auch offiziell in den USA arbeiten.

Trotzdem ließ es mich nicht los. Ich wollte wissen, seit wann er sie kannte. Ich überlegte, wie ich ihn unauffällig fragen könnte. Aber unauffällig ging das nicht. Und wieso sollte ich ihn nicht einfach direkt fragen? Ich schrieb ihn ein paar Tage darauf also nochmal an. Am besten zeige ich hier einfach die Gesprächsausschnitte:

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Seine Antwort: „Natürlich nicht“ und dieser tränenlachende Emoji. Ich entschuldigte mich, dass ich da wohl einfach zu neugierig bin. Darauf er:

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Er weiter: „aber der Gedanke gibt mir Bauchschmerzen. Lass uns nicht darüber reden.“

Wow.

Shit.

Ich schrieb ihm ehrlich, dass ich glaube, der Fehler sei gewesen, dass wir es nie ordentlich „beenden“ konnten. Er ist gegangen, als wir uns gerade kennen gelernt hatten und ist nie wieder zurückgekommen. Er antwortete darauf: „Glaub mir. Das war alles nicht so geplant.“ Und ich glaube ihm das. Ich war weiter ehrlich: „Ich weiß aber auch nicht, ob wir zusammengepasst hätten. Aber das werden wir wohl nie erfahren.“

Seine Antwort darauf war sehr vernünftig: „Ob wir zusammengepasst hätten? Wahrscheinlich nicht. Du bist sehr bodenständig. Ich bin ein Träumer. Konflikte wären gekommen. Aber auch wenn es nur auf regelmäßiges Klettern hinausgelaufen wäre, klingt es für mich besser als zehntausend Kilometer entfernt zu sein.“

Hm. Also ich weiß nicht so recht, ob ich dieses „bodenständig“ als Kompliment oder Beleidung auffassen soll. 😀 Aber davon abgesehen, gebe ich ihm Recht. Ich hatte schon vor einiger Zeit überlegt, ihn mal zu besuchen. Ich möchte nach meiner Masterthesis nochmal etwas reisen. Eine USA-Reise steht schon länger auf meiner Liste. Ich schlug ihm das mit dem Besuch vor und er antwortete, ich sei jederzeit willkommen.

Ich denke, ich würde nur hinreisen, um endlich abschließen zu können. Wenn wir uns wiedersehen, entdecken wir, dass wir uns überhaupt nicht mehr attraktiv finden. Und dann können wir endlich nur Freunde sein. So wird es passieren.

Und ich kann endlich meinem Traummann die vollendete Aufmerksamkeit schenken, die er verdient. 🙂

 

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Er ist es doch

Es ist Donnerstag, der 2. November. Nach dem ersten Tag wieder zurück in meiner finnischen Unistadt, liege ich in meiner Batman-Schlafanzughose im Bett und warte geduldig auf den Anruf von Mr. Hashtag. Wir haben uns zwar erst vor etwas mehr als 24-Stunden voneinander in Helsinki verabschiedet, doch wollen wir direkt wieder die Stimme des anderen hören bevor wir schlafen gehen. Seine Stimme habe ich die letzten fünf Tage zu genüge gehört und unsere Erzählungen wiederholen sich schon, aber ich kann nicht genug bekommen und er auch nicht. Die Tage, die wir gemeinsam in Helsinki verbrachten waren schön. Nein, eigentlich waren sie perfekt.

Wir telefonierten also eine Weile, er erzählte von seinem stressigen Rückflug und seinem heutigen Tag und ich von meiner unspektakulären Rückfahrt und meinem Tag. Als das Gespräch abklang, war ich bereit Gute-Nacht zu sagen: „Ich möchte dich gar nicht lange aufhalten. Du musst ja morgen früh aufstehen zur Arbeit.“

„Ja, das stimmt zwar… Aber es gibt da etwas, das ich noch besprechen möchte.“

Er legte eine Pause ein. Ich hörte förmlich, wie er versuchte seine Worte zurecht zu legen.

„Ich wollte eigentlich schon in Helsinki darüber sprechen. Aber es hat sich nicht so ergeben und unsere letzten Stunden zusammen waren ja leider ein bisschen stressig…“

Wieder legte er eine Pause ein. Er klang zunehmend nervöser. Schon längst hatte ich eine Ahnung, um was es ging. Ich fing an zu grinsen. Es war ja nicht so, dass ich in Helsinki nicht auch öfter den gleichen Gedanken hatte. Und auch schon davor. Weder vor Ort, noch jetzt am Telefon sagte ich etwas. Ich wartete ab. Viel zu neugierig war ich, wie er die Frage stellen würde.

„Ich weiß nicht, wie ich es am besten formulieren soll… Aber … Ich würde dich gerne zukünftig als meine neue Freundin vorstellen.“

In seiner Stimme schwang ein kleines bisschen Unsicherheit mit. Er war hörbar aufgeregt. Musste er aber nicht sein. Mein Grinsen breitete sich zu einem Lächeln aus.

„Das wäre sehr schön“, antwortete ich. ❤

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Fühlt-sich-an-wie-Beziehung

Was für ein guter Tag heute. So wie fast jeder Tag hier in Finnland. Ich fühle mich durch und durch entspannt. Der heutige Tag ist ein Mustertag für meinen bisherigen Alltag hier in Finnland: entspanntes Aufstehen, um 10 Uhr für zwei Stunden in den Unikurs, in dem hauptsächlich Filme geschaut und in Gruppen diskutiert wird, danach in die hochwertige Mensa eins der gesunden günstigen Menüs inklusive einem riesen Salatteller wählen und in guter Gesellschaft essen. Anschließend erstmal zuhause ausruhen und verdauen (manchmal ausnahmsweise was für die Uni tun, wie heute: eine fünfminütige Präsentation vorbereiten), nachmittags mit dem Fahrrad in Begleitung der anderen Mädels in das Luxusfitnessstudio die Muskeln zerstören und schließlich vor dem gesunden Abendessen, die Möglichkeit der Sauna im Studentenwohnheim nutzen und dabei mit den Mädels den kommenden Wochenendtrip planen, quatschen und entspannen.

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Ich glaube, ich möchte nie wieder zurück.

Aber was würde dann Mr Hashtag wohl dazu sagen? 😉 Um den geht es in meinem heutigen Tagebucheintrag. Da gibt es nämlich unglaublich viel nachzuholen. Wo fange ich nur an? Ich versuche mal dort anzuknüpfen, wo ich aufgehört habe.

Es ist immer noch keine Beziehung zwischen uns. Aber es fühlt sich, auch mit mehreren Tausend Kilometern Entfernung, wie eine an. Wir schreiben immer noch jeden Tag. Mittlerweile etabliert es sich schon, dass wir jeden Tag telefonieren. Zum Abschied schenkte er mir Fotos von uns beiden. Ich sehe mir sie unheimlich gerne an. Wir beide sehen gut aus zusammen. Dazu schenkte er mir eine kuschelige Mütze, damit mir nicht kalt wird, wenn er mich nicht mehr wärmen kann die nächsten Monate.

A propos Geschenke: da ich anfang August (mal wieder) Geburtstag hatte (verdammt, 25 schon. Ich will forever young bleiben 😦 ) stand ihm die schwierige Aufgabe bevor, mir eine Überraschung zum Geburtstag zu machen. Verlangt oder erwartet habe ich nichts, aber ich konnte ahnen, dass er sich etwas einfallen lassen würde. Er hatte mir an einem unserer ersten Dates erzählt, dass er zu seinem 25. Geburtstag zum ersten Mal in seinem Leben eine Benjamin Blümchen Torte geschenkt bekommen hatte. Ich war begeistert von der Idee. Kreativ und lustig! Selbst hatte ich auch noch nie eine solche Torte bekommen. Natürlich behielt er das im Gedächtnis, der Traummann der er ist.

Am Abend vor meinem Geburtstag kam er vorbei. Da ich noch etwas krank war, brachte er mir etwas gegen Halsschmerzen und drei TrueFruit-Smoothies mit (für die Vitamine 😉 ). Wir machten uns etwas Leckeres zu essen und schauten den Film zuende, den wir letztes mal nur zur Hälfte geschafft hatten. Kurz vor Mitternacht wurden wir fertig und kuschelten in meinen Geburstag herein. Dann kam der Moment, in dem er mir ein in seinem Pulli gewickeltes Paket überreichte. Dieses Paket enthielt, welch Überraschung, eine Benjamin Blümchen Torte! Ich habe die Idee nochmal genauso gefeiert, wie beim ersten Mal, an der ich davon gehört hatte. Meine erste Benjamin Blümchen Torte! Und das zum 25.! Genial!

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Zusammen hatten wir ein Glas Sekt und aßen Kuchen. Der ist überigens überraschend lecker! Anschließend gingen wir Zähne putzen. Da er schon vor mir fertig war, ging er zurück in mein Zimmer. Als ich nachkam und mich zu ihm legte, entdeckte ich einen gelben Umschlag unter meinem Kissen. Verwirrt aber mit Vorfreude machte ich ihn auf, während Mr Hashtag mich beobachtete. Der Umschlag enthielt eine Karte mit einem kleinen Text von ihm und auf der linken Seite klebte eine SD-Karte – „für die zukünftigen schönen Fotos“. Wow. Womit hatte ich das verdient? Womit hatte ich ihn verdient? Ich fühlte mich wie dieser WhatsApp-Smiley mit den Herzchenaugen. Einige Tage später, als ich die SD-Karte dann in den Laptop steckte, entdeckte ich einen Ordner darauf: „Lieblingsbilder“. Er hatte Fotos von uns darauf gezogen, neuere sowie ältere von unseren ersten Dates. Hach… 🙂

Tja, aber unser „Gespräch“ hatten wir immer noch nicht geführt. Das stand diese Woche auf jeden Fall noch auf meiner Agenda. Dabei schob ich es immer und immer weiter vor mich her. Nie gab es eine gute Gelegenheit anzusprechen, wie das mit uns beiden während meines Auslandssemesters weiterlaufen soll. Ich wollte keine Beziehung eingehen, da es für mich sinnlos erschien, sich erst seit zwei Monanten zu kennen und sich dann vier Monate nicht sehen zu können.

Als wir eines Abends bei ihm am Fluss spazieren waren und uns auf den warmen Kies-Strand setzten, witterte ich die Gelegenheit. Wir unterhielten uns und planten, was wir noch alles gerne zusammen erleben wollen: snowboarden, an die Ostsee, ihm meine Heimatstadt zeigen… „Wenn ich aus Finnland und Bayern zurückkomme im Januar, machen wir dann wieder dort weiter, wo wir jetzt aufhören müssen?“ fragte ich und blickte ihm direkt in die Augen. Er verstand sofort, denn er antworete: „irgendwann müssen wir ja darüber reden, richtig?“ Und wir redeten.

Dabei hatten wir die gleiche Sichtweise. Und er fügte hinzu: „wieso erst im Januar? Ich könnte dich schon früher besuchen. In Finnland und in Bayern. Möchtest du, dass ich dich besuche?“. „Hm…“, antwortete ich. „Ja, ich glaube ich möchte das.“ Er blickte mich an: „du glaubst?“ Ich konnte mich nicht verbessern. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, ob ich das wirklich aus vollem Herzen wollte. Es kann noch so viel passieren.

Aber jetzt bin ich mir sicher. Ich möchte, dass er ich besucht. Ich möchte, dass er nach Finnland fliegt. Ich möchte wieder in seinen Armen einschlafen. Ihn wieder küssen und mit ihm Sex haben. Mit ihm spazieren gehen, Fotos machen, Essen kochen, reden. Und das weiß er auch. Denn vor zwei Wochen buchte er einen Flug. 🙂 Ende Oktober sehen wir uns in Helsinki wieder. Ich zähle jetzt schon die Tage.

Es fühlt sich an wie eine Beziehung. Es fühlt sich an, als würden wir uns schon viel länger als nur drei Monate kennen. Und doch müssen wir noch so viel übereinander erfahren. Ich könnte immer noch nicht mit einem lauten „JA“ einer Beziehung zustimmen. Was ist, wenn es wieder so wird, wie mit Mr Schützenverein? Er ist verliebt, alles ist super, er gibt sich Mühe. Dann sind wir zusammen und es ist einfach nur noch schrecklich. Zickereien, Streitereien, Erniedrigung.

Wenn es aber doch schön wird, wenn wir nach meinem Auslandssemester die Beziehung versuchen, ich aber nach meiner Masterthesis im Juli fortziehe? Weg von meiner Unistadt. Ich möchte meine letzten Monate als Studentin genießen und verreisen. Mich danach in ganz Deutschland bewerben… Keine guten Voraussetzungen für eine Beziehung.

Aber wie ging nochmal dieser unglaublich weise Ratschlag? „Mach dir nicht so einen Kopf“? Alles klar! Ich genieße das Jetzt. Mein Auslandssemester. Meine letzten Semester als Studentin. Und den Schwebezustand dieser „Fühlt-sich-an-wie-Beziehung“. 🙂

Das Teufelchen an der Oberfläche

Eigentlich wollte ich schon vor zwei Stunden anfangen mit Lernen. Andererseits wollte ich diesen Blogeintrag schon vor einer Woche schreiben. Also was hat eine höhere Priorität? 😉

Ich sags nur allzu gerne nochmal: Prokrastination kann ich. 😀

Es geht immer noch im Mr Hashtag. Es ist so viel passiert, dass ich nicht mehr umher komme, endlich mal wieder was nieder zu schreiben. Also eigentlich ist viel passiert – es lässt sich aber auch kurz fassen: mittlerweile haben wir uns schon sehr viele Male getroffen. Meine Regel, ihn nur einen Tag pro Woche zu treffen, habe ich gebrochen. Ich genieße es einfach zu sehr. Die Aufmerksamkeit, das Gekuschel, die verliebten Blicke. Das Gefühl, eine Beziehung zu haben. Wir haben aber keine. Also wenn es nach mir ginge, würde ich es jedenfalls nicht so benennen. Seit meinem letzten Eintrag zu diesem Thema habe ich es immer noch nicht geschafft, mit ihm darüber zu sprechen, wohin das Ganze hinführen soll. Oder besser gesagt, dass es nirgends hinführen kann, weil ich (nun mittlerweile) in zwei Wochen schon weg bin. Ich werde vier Monate in Finnland und danach einen Monat noch in Bayern sein. Das weiß er. Aber ich weiß nicht, ob ihm bewusst ist, dass wir jetzt keine Beziehung eingehen können.

… Oder ob ich es jemals mit ihm könnte.

Ich genieße zwar die Zeit mit ihm, die Aufmerksamkeit, das Gekuschel, die verliebten Blicke. Aber ich selbst bin nicht verliebt in ihn. Ich habe mich die letzten Wochen oft gefragt, woran es liegt. Alles scheint zu passen: seine Art, sein Humor, sein Geruch, unser Sex. Er kocht gut, er ist extrem sportlich, er fotografiert. Ich kann sogar darüber hinweg sehen, dass er nie studiert hat nach seinem Abi, sondern eine Ausbildung gemacht hat. Er hat damit komplett andere Lebenserfahrungen gemacht als ich sie gemacht habe. Sonst war es für mich immer ein wichtiger Grund, dass der potentielle Partner doch bitte auch Student sein sollte oder studiert haben sollte. Aber bei ihm finde ich es nicht schlimm. Es passt ja alles andere so wunderbar. Er macht alles richtig. Er schreibt mir täglich, er macht mir Komplimente, er gibt mir die Aufmerksamkeit, die ich brauche. Aber woran liegt es dann, dass ich mich nicht in ihn verliebe, obwohl er es unumstreitbar in mich ist?

Mich beschleicht das Gefühl, dass ich zu oberflächlich bin. Mr Hashtag ist sportlich, hat einen wunderbaren, musklösen Körper, genau die richtige Körpergröße für meine Größe – aber würde ich ihn im Club oder auf der Straße sehen, ich würde an ihm vorbei sehen. Er ist nicht mein Typ. Er hat ein einzigartiges Gesicht und ein bisschen abstehende Ohren. Sehen wir uns zu zweit, ist mir es egal, dass er nicht mein Typ ist. Aber vergleiche ich ihn mit anderen Männern, die ich bisher gedatet habe, fällt es mir auf, dass er im Ranking nicht sehr weit oben landet. Während ich das hier schreibe, hört es sich so furchtbar an. Ich will nicht so oberflächlich sein. Ich hab ihn wirklich sehr gerne und würde behaupten, es fehle mir nicht mehr viel zum verliebtsein. Aber ein kleiner oberflächlicher Teufel auf meiner Schulter flüstert mir zu: „verkauf dich nicht wieder unter Wert.“

Diese Worte hatte mein Mitbewohner vor einigen Monaten zu mir gesagt. Anscheinend sei ich eine attraktive Frau.Ich kann das schlecht beurteilen. Nach 25 Jahren gewöhnt man sich eben an den Menschen, der aus dem Spiegel auf einen zurück blickt. Ich mag mich selbst mittlerweile ganz gerne. Aber ich habe keine Ahnung wo ich in einem „Ranking“ stehen würde und muss wohl auf das Urteil und Komplimente anderer zurückgreifen. Und mein Mitbewohner, sowie mehrere aus meinem Umfeld fanden, dass ich mir ruhig hübschere Männer hätte aussuchen können.

Aber Mr Hashtag zählt da nicht unbedingt dazu. Nur – sollte das nicht egal sein? Es ist furchtbar, dass Menschen so viel Wert darauf legen, sich gegenseitig nach ihrem Aussehen zu bewerten. Was soll das denn? Es gibt so viel Wichtigeres, für das es sich lohnt, jemanden kennen zu lernen, befreundet zu sein, zu daten, zu lieben…

Und wie bringe ich nun diesen oberflächlichen Teufel auf meiner Schulter zum Schweigen? Das hat Mr Hashtag nicht verdient. Auch wenn ich erstmal keine Beziehung eingehen kann, würde ich ihm zumindest trotzdem gerne versichern können, dass ich mich freue, im Januar dort weiter zu machen, wo wir aufgehört haben. In fünf Monaten kann zwar viel passieren, aber es kann auch nichts passieren und Mr Hashtag und ich haben eine Chance. Wäre nur nicht dieser böse Teufel…

Widersprüche

Wer je behauptet hat, Frauen kann man nicht verstehen – der hat absolut Recht. 😉

Ich habe zwar gesagt „Er ist es nicht„, dennoch treffe ich mich weiter mit ihm. Er ist es immer noch nicht. Aber ich verbringe gerne Zeit mit ihm. Ich genieße es mal wieder, jemanden zu haben, der mich begehrt. Jemanden, der mir täglich guten Morgen und gute Nacht schreibt. Jemanden, der vor Freude ganz nervös ist, wenn er mich sieht. Jemanden, mit dem ich auf Dates gehen kann, so richtig pärchen-like. Jemanden, der meine Hand nimmt oder seinen Arm um mich legt beim Spazierengehen. Jemanden, den ich küssen kann, während er Spaghetti für uns kocht. Jemanden, an den ich mich bei gruseligen Filmen kuscheln kann.

Ich weiß, ich sollte mit ihm reden. Er weiß bereits, dass ich nicht mehr lange hier bin. Es sollte also doch glasklar sein, dass da nichts mehr sein kann, wenn ich in einem Monat weg bin. Für mich ist es das zu mindest. Aber damit ich mir sicher sein kann, dass wir auf der gleichen Ebene sind, sollte ich es ansprechen.

Vielleicht ist es noch nicht zu spät. Vielleicht sind wir ja noch auf der gleichen Gefühlsebene. Ist eine Aussage wie „du sorgst für Chaos in meinem Kopf“ ein eindeutiges Zeichen, dass bei ihm mehr Gefühle im Spiel sind? Oder ist es einfach eine Floskel? Ist der Satz „du bist wunderschön“ vor dem ersten Sex einfach ein wunderbares Kompliment? Oder steckt mehr Interesse dahinter?

Beim nächsten Treffen spreche ich es an. Versprochen.

Zum Schluss noch eine Anregung. Meine Mitbewohnerin stellte mir die Killerfrage: „Angenommen du wärst in einem Monat nicht weg … Wärst du jetzt in dieser Position?

Tja, wäre ich? Hätte ich ihn ein viertes Mal getroffen? Hätte ich mit ihm geschlafen? Würde ich ihm noch schreiben? Würde ich mich noch jedes Mal freuen, eine Nachricht von ihm zu bekommen?

Ich denke ja. Aber ich würde trotzdem denken, dass er es nicht ist. Ich fühle mich so egoistisch. Und so widersprüchlich.

Und nun noch ein allerletzter Gedanke: fühlte es sich damals genauso für Mr Regisseur an? Der sich mehrmals mit mir getroffen hat und wir beide eindeutig Interesse aneinander hatten – er aber dann auch fort musste? Will mir das Schicksal damit irgendwas sagen?

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Er ist es nicht

Okay, Fehlalarm Leute. Ich rudere zurück. 😉 Ich bin  nicht diejenige, die es verkackt mit Mr Hashtag. Eigentlich verkackt es keiner. Eigentlich ist es ganz schön. Gestern hatten wir unser drittes Date. Aber ich merke: vielleicht ist er es doch nicht.

Das zweite Date

Vergangenen Dienstag trafen wir uns zum zweiten Mal. Ich hatte nur nachmittags Zeit, weil ich abends unbedingt mal wieder in meinen Yogakurs wollte. Wir verabredeten uns am selben Treffpunkt wie beim ersten Date. Er hatte zwar angeboten mich abholen zu können, aber dafür hätte er quer durch die Stadt fahren müssen und für mich war es kein Problem schnell in den Bus zu hopsen und dort hin zu fahren.

Er hatte vorgeschlagen sein Longboard mitzunehmen und mir das Fahren beizubringen. Ich war zuvor noch nie auf einem Longboard gestanden und fand es eine wirklich coole Idee. Ich freute mich ihn wieder zu sehen nach dem ersten tollen Date.

Nach unserer Begrüßungsumarmung machten wir uns auf den Weg zur ausgewählten perfekten „Longboard-Straße“. Eine flache lange Straße eben. 😉 Er erklärte es mir  kurz (was gibt es auch großartig zu erklären beim Longboardfahren?) und ich stellte mich drauf. Direkt bot er mir seine Hand an. Natürlich nahm ich sie und so zog er mich einige Meter mit dem Longboad die Straße entlang. Ein bisschen anschubsen durfte ich dann auch selbst. Obwohl ich kein Naturtalent im Longboardfahren bin, machte es mir richtig Spaß und ich überlege nun, mir selbst eins zu holen. 🙂

Immer abwechselnd fuhren er und ich, während der andere nebenher lief und mit seiner Spiegelreflex ein paar Fotos „in Action“ machte. Da die Straße wirklich super lang ist, mussten wir aus zeitgründen irgendwann umkehren. Er hatte allerdings keine Lust mehr nebenher zu laufen und beschloss, dass wir jetzt zusammen auf dem Longboard fahren würden. Das hatte er noch nie gemacht und wir mussten er ein paar „Stellungen“ ausprobieren. 😉 Ich mit beiden Füßen vorne, unsere beiden Füße versetzt, Händchen haltend, Hände frei, er mich an der Hüfte haltend… Fast hätten wir aufgegeben, bis ich mich nach hinten stellte und er am vorderen Teil versuchte anzuschubsen. Und es klappte!

Anfangs noch sehr zögerlich und langsam, konnten wir aber bald das Tempo steigern und bretterten über den Asphalt. 😀 Haha. Absolute Date-Empfehlung, liebe Leser! Zusammen Longboard fahren! 😉 Ich hatte zwar die ganze Zeit Angst hinzuknallen, aber irgendwie vertraute ich ihm. Außerdem konnte mich gut hinter seinem muskulösen Rücken verstecken, sodass ich nicht auf die Straße sehen musste. Wir kamen heil zurück an seinem Auto an, ließen den hohen Adrenalinspiegel langsam abklingen und quatschten ein bisschen. Rechtzeitig vor meiner Yogastunde fuhr er mich zurück.

Natürlich schrieb er mir nach unserem zweiten Date weiterhin brav jeden Tag die Guten-Morgen- und Gute-Nacht-Nachrichten. Mittlerweile gefiel es mir, mich darauf verlassen zu können, dass er mir schreibt. Auch wenn ich bis mittags nichts geschrieben habe, kommt irgendwann eine Nachricht von ihm. Eigentlich schreibt sowieso immer er als erstes. Ein Vorschlag für das nächste Treffen ließ auch nicht lange auf sich warten: er wollte mit mir am Freitag ins Kino Fluch der Karibik angucken. Fand ich genial, denn den Film wollte ich eh noch sehen.

Wir verabredeten uns also für den Nachmittag, nach seinem Feierabend. Für mich war es leider relativ früh, eigentlich musste ich um 16 Uhr noch einiges für die Uni tun. Aber das ließ ich mal sausen und willigte ein. Ich wies ihm an vor meiner WG zu parken, da es in der Innenstadt schwierig ist Parkplätze zu finden. So konnten wir zusammen in die Stadt laufen und abends nach dem Kino auch wieder zurück.

Das dritte Date

Ausgerechnet seit einigen Tagen funktioniert unsere Klingel nicht, also hörte ich es nicht, als er ankam. Zum Glück ist er ja nicht blöd und klopfte an unserem Küchenfenster und erschreckte damit meine Mitbewohnerin, die ihn reinließ und mich rief. Als ich seine große Gestalt im Flur erspähte musste ich schon grinsen. Ich freute mich ihn zu sehen.

Wir liefen zusammen in die Innenstadt, machten dort einen kleinen Spaziergang, blieben eine Weile am Fluss stehen, wo er mir (mal wieder) von seinem Wassersport erzählte, überlegten uns dann, was wir essen wollten und steuerten auf den Vapiano zu. Nach meinem leider sehr klein ausgefallenen Salat beschlossen wir, auf jeden Fall noch ein Eis zu holen. Weil wir beide große Oreo-Fans sind, kauften wir außerdem noch vorm Kino zwei Packungen im Supermarkt und schmuggelten die in meiner großen Handtasche rein.

Er lud mich ins Kino ein, ich ihn daraufhin auf eine Cola (immerhin 😉 ). Während des Films überlegte ich heimlich, ob ich mich irgendwie bequem an seine Schulter anlehnen konnte. Dann hätte ich allerdings nur noch schief auf die Leinwand gesehen, also saßen wir einfach nur nebeneinander. Die Oreos hatten wir während des Films doch nicht ausgepackt, da wir von dem Eis noch gut gesättigt waren. Deshalb entschieden wir nach dem Film, eine Picknickpause auf dem Rückweg einzulegen. Während wir also zurückliefen und nach einem passenden Picknickort suchten, ergriff er irgendwann meine Hand. Mir fiel auf, wie lange ich schon nicht mehr Händchenhaltend durch die Stadt gelaufen bin…

Wir entdeckten eine Bank, er setzte sich und breitete sein Sweatshirt neben sich aus, damit ich mich darauf setzen konnte um nicht auf dem Metall frieren zu müssen. Süß. 🙂 Leider fing es genau in dem Moment an zu tröpfeln. Wir versuchten noch tapfer das Nasse zu ignorieren, während wir an den Oreos knabberten. Als der Regen stärker wurde, gaben wir auf und mussten uns etwas zum unterstellen suchen. Am Rand des Veranstaltungsgebäudes unserer Stadt, ein schönes und historisches Bauwerk, fanden wir eine überdachte Nische. Stehen war doof, also setzten wir uns einfach auf den Boden mit dem Rücken zur verschlossenen Glastür. Sofort zog er mich näher an sich heran und platzierte meine Beine über seinen Schoß. In der Position blieb mir nichts anderes übrig, als mich gemütlich an seine Schulter zu kuscheln. Das musste ziemlich ulkig und süß ausgesehen haben, wie wir in dieser Nische an dem historischen Gebäude zusammengekuschelt Oreos aßen und darauf warteten, bis der Regen nachließ. Ich fand es jedenfalls sehr gemütlich.

Auch als der Regen aufhörte, blieben wir so sitzen. Ich wartete eigentlich nur noch auf den Moment, an dem er mein Gesicht zu sich ziehen würde und mich küssen würde.

Aber er tat es nicht. Hm. Wieso denn nicht?

Irgendwann wurden wir von unserem gemütlichen Platz verscheucht, da die Veranstaltung, die an dem Abend statt gefunden hatte, zuende war Stühle durch diese Glastür heraus gebracht werden mussten. Wir liefen also das kurze restliche Stück zu mir und beschlossen schnell, dass es in der Küche zu ungemütlich war.

In meinem Zimmer stand Mr Hashtag erst etwas verloren herum, bis ich ihm sagte, er könne es sich doch gemütlich machen. Ich habe leider keine Couch oder ähnliches, nur ein großes Bett und einen Schreibtischstuhl. Erst als ich mich selbst auf mein Bett setzte, kam er dazu.

Dort plauderten wir weiter bis er mich wieder an sich zog. Er begann mich am Hals zu streicheln und ich wurde immer entspannter und schläfriger. Das bemerkte er und fragte mich, ob ich denn gar nicht kitzelig wäre am Hals. Nö, bin ich nicht. Er erwiderte, er möchte mal was ausprobieren… Er kam mir näher und begann mich sanft am Hals zu küssen. Zwar bekam ich immer noch keine Gänsehaut, aber ich genoss es. Er küsste weiter, bis er an meinen Lippen ankam. Endlich! Er küsste sehr gut.

Wir begannen zu knutschen und unsere Körper begannen sich ineinander zu wenden. Mir schoss nur ein Gedanke durch den Kopf: wenn das noch „wilder“ werden sollte, dann kommen wir an den „Point of no return“. Und an den wollte ich heute Abend nicht. Ich fand es zwar schön ihn zu küssen und zu knutschen, aber das reichte mir. Irgendwie schaffte ich es, das Geknutsche ruhiger werden zu lassen, bis ich die Chance witterte, etwas zu sagen um damit unaufällig eine Pause einzuschieben. Ich fragte ihn, ob er denn gar nicht mehr müde sei. Er grinste mich an, seine Augen funkelten und er verneinte. „Ich bin es aber“, sagte ich und packte meinen Rehblick aus. „Okay…“, Enttäuschung war jetzt in seinen Augen zu erkennen. Um ihn etwas aufzuheitern, da ich es ja nicht böse meinte, gab ich ihm noch einen kleinen neckischen Kuss auf den Mund und kuschelte mich dann an seine Brust.

Bis dahin hatte ich immer noch keine Ahnung, wie er denn beziehungstechnisch so tickte. Wir hatten bisher immer nur über alltägliche Themen gesprochen. Deshalb platze ich endlich mal raus mit meiner Frage: „wie lange bist du denn schon Single?“ Er erzählte mir ein bisschen von seiner zweijährigen Beziehung, die letztes Jahr im August zuende gegangen war. Anscheinend war es nicht leicht für ihn gewesen. Aber jetzt wäre alles wieder gut. Während er erzählte sprang er auf andere Themen über. Er erzählte von seiner Kindheit, seinen Reisen und seinen Kumpels. Mir fiel auf, dass er nie eine Gegenfrage stellte. Er fragte nicht, wie lange ich schon Single war, wollte nichts über meine Kindheit oder meinen Reisen wissen. Ich war nicht gekränkt deshalb, aber ich fand es komisch.

Irgendwann fragte er mich: „könntest du denn so angekuschelt schlafen?“ Wahrscheinlich hätte ich es gekonnt, aber ich entschied mich für eine situationsgerechtere Antwort: „nein, so nicht, aber ich finde es trotzdem schön bequem. Aber ich schlafe besser wenn ich allein bin.“ Jetzt musste er es aber verstanden haben.

Hatte er auch: „wenn ich gehen soll, musst du mich wahrscheinlich rausschmeißen.“ „Mache ich“, und ich kuschelte mich näher an ihn. Das könnte ich ja später auch noch machen.

Er begann mich wieder zu streicheln. Über den Hals, über meine Wange und über meine Lippen. Er fragte mich, ob ich garnicht empfindlich wäre an den Lippen. Wenn er dort berührt werde, kribbele es bei ihm so. „Und wenn ich dich küsse, kribbelt mein ganzer Körper“, fügte er dazu.

Oh oh.

Also bei mir kribbelt da nichts. Spätestens jetzt gab mir die ganze Situation zu denken. Ich finde es angenehm in seinen Armen zu liegen. Es macht Spaß ihn zu küssen. Wir verbringen eine lustige Zeit zusammen auf unseren Dates. Er ist ein Gentleman, er ist attraktiv und er mag mich. Aber ich mag ihn wohl nicht ganz so sehr wie er mich.

Wir lagen noch eine Weile kuschelnd und knutschend in meinem Bett, bis ich entschied, dass es Zeit war für mich schlafen zu gehen. Ich setzte mich auf und guckte ihn an. Er verstand und stand auf. An meiner Haustür zögerte ich nicht und küsste ihn zum Abschied. Ich wollte nicht, dass er meine Gedankengänge erkennen konnte. Ich wollte nicht, dass er enttäuscht ist. Er ist ein so sympatischer netter Mann.

Aber seit gestern Abend kann ich an nichts anderes denken als dieses fehlende Kribbeln. Eigentlich bin ich doch immer diejenige, die sich zu schnell verliebt. Vielleicht ist er ja auch garnicht verliebt und ich interpretiere wieder… Aber eins weiß ich nun:

Er ist nicht derjenige, für den ich mein derzeitiges Leben verändern würde. Er ist es nicht, für den ich weiterhin meine Pläne umschmeißen würde um ihn unter der Woche zu treffen. Er ist es nicht, mit dem ich vor meinem Auslandssemester eine Bindung eingehen würde. Er ist wohl einfach nicht der Richtige. Er ist es nicht.

Wie und wann sollte und muss ich es ihm sagen?

 

Leider ein gutes Date

Und direkt kommt ein weiterer brandaktueller Tagebucheintrag. Es geht um mein Tinderdate mit Mr Hashtag gestern. Nachdem wir wochenlang geschrieben hatten ohne uns treffen zu können, hatte ich Angst, dass ich zu hohe Erwartungen entwickeln könnte und er mir dann nicht gefallen könnte.

Endlich fanden wir aber einen Termin für ein Date und direkt vorweg: es war ein richtig guter Abend. 🙂 Leider. – Wieso leider? Da komme ich gleich dazu.

Ich denke nicht, dass ich trotz allen Guten-Morgen- und Gute-Nacht-Nachrichten zu hohe Erwartungen entwickelt habe. Eher fand ich es merkwürdig, da wir uns ja nicht kannten und habe ich mich gewundert, dass er das komplett durchzieht. Zwischendurch war ich auch genervt. Ich wollte keine Guten-Morgen- und Gute-Nacht-Nachrichten von irgendwem. Ich kenne ich ihn ja nicht. Was berechtigt ihn, mir die zu schreiben? Ein paar Stunden vor dem Date rechnete ich eher mit einem Reinfall und überlegte, wie ich am besten aus der Sache rauskomme, wenn es nicht passt. Als ich begann mich fertig zu machen und die Outfit-Frage anstand, wurde ich etwas nervös. Was war denn jetzt los?

Ich war von mir selbst genervt, dass ich nervös war. Ich stieg trotz allem in den Bus und fuhr zum Treffpunkt. Wir hatten geplant ein Eis essen zu gehen, ein bisschen spazieren und eventuell Fotos machen, da er auch eine schöne Spiegelreflexkamera hatte (das Nachfolgermodell von meiner).

Er hatte mich dann wohl von Weitem kommen sehen und stieg, kurz bevor ich da war, aus seinem Auto aus. Hm ja, er sieht aus wie auf seinen Fotos. Ein sympatisches Gesicht, man konnte sehen, dass er Wassersport betrieb (Muskeln! 😀 ) und die Größe passte wunderbar.

Ooookay – jetzt war meine sich vergrößernde Nervösität gerechtfertigt. Und das nervte mich noch mehr. Denn wenn ich nervös bin, labere ich nur Quatsch und bin tollpatschig wie sonst was. Ich hoffe, das fiel ihm nicht zu sehr auf. Eher fiel ihm direkt auf, dass ich typisch bayrisch mein „R“ rolle (was ich übrigens seit den fünf Jahren außerhalb Bayerns immer noch nicht wegbekommen habe). Ständig neckte er mich damit. Dafür hatte er auch einen ortstypischen Dialekt – damit hatte ich wenigstens etwas, womit ich zurück necken konnte.

Wir liefen also zur Eisdiele (ich verlief mich dabei gefühlte zehn mal) und unterhielten uns. Er konnte sehr viel reden, was mich aber nicht störte, da er zwischendurch auch einige Fragen stellte. Und irgendwie gefiel es mir, wenn er redete.

Wir redeten über alles Mögliche, allerdings nichts „Tiefsinniges“, wie ich es ganz gerne tue. Dabei lernt man den Menschen einfach am besten kennen. Aber es hätte zu unserem „Spätnachmittags-Eis-Date“ nicht gepasst. So erfuhr ich leider auch nichts über seine bisherigen Beziehungserfahrungen oder nach was er aktuell suche. Das muss ich wohl bei der nächsten Gelegenheit noch abchecken.

Nach unserem Eis, zu dem er mich sehr charmant einlud, liefen wir die typische Touristen-Strecke, die eine sehr schöne Seite meiner Unistadt zeigt. Er hatte noch Lust auf ein Feierabendbier und steuerte einen Kiosk an. Dieses Mal lud ich ihn spontan ein und wir setzen unseren Spaziergang fort. Dabei entdeckten wir ein paar coole Orte, an denen man Fotos machen konnte. Davon verstand er auf jeden Fall eine Menge. Was mich sehr beeindruckte.

Als wir schon Richtung Rückweg liefen, kamen wir an einer gemütlichen Kneipe vorbei und setzen uns mit einer Limo nach draußen. So nebeneinander vor der untergehenden Sonne, der kühlen Limo in der Hand und die Beine sich schon berührend, hätte ich ihn in dem Moment gerne geküsst. Tat ich natürlich nicht, denn ich spiele ja lieber die Gejagte. 😉 Er tat es aber leider auch nicht. Naja, vielleicht war es auch vernünftiger so.

Am liebsten hätte ich das Date nach der Kneipe beendet. Es war zwar richtig schön und ich fand ihn toll, aber irgendwie war ich müde, hatte schon seit meinem Mittagessen an der Uni-Mensa Bauchkrämpfe und wollte zurück. Er hatte aber noch Hunger, also teilten wir uns Pizzabrötchen und Kartoffelecken bevor wir dann endlich zu seinem Auto liefen. Er bot an, mich zurück zu fahren und ich erzählte ihm während der Fahrt von unserer schönen Aussicht auf die beleuchtete Uni. Die wollte er noch fotografieren, also wurde der Abend noch weiter in die Länge gezogen. Da wir dann eh schon an meiner WG waren, konnte ich ihm ja noch kurz eine Wohnungsführung geben.

Währenddessen bemerkte ich, dass er gar nicht mehr so gesprächig war wie bisher. Ich fragte, ob er schon müde wurde. Er meinte, er hätte von dem Essen gerade irgendwie Bauchkrämpfe bekommen. Ich erzählte ihm nicht, dass ich schon den ganzen Tag welche hatte. Man sah merklich, dass es ihm schlecht ging. Ich fragte ihn, ob er gerne einen Tee hätte oder ob ich ihn zum Auto zurück bringen sollte. Er entschied sich dafür, den Abend zu beenden und ich war innerlich zwar froh darüber, aber hätte mir natürlich gewünscht, dass es ihm nicht so schlecht ging. Wir umarmten uns ganz normal zum Abschied.

Als ich mir heute morgen allerdings den Abschied nochmal durch den Kopf habe gehen lassen, bemerkte ich, dass er vielleicht doch nicht ganz „normal“ gewesen war. Vielleicht war es Einbildung, aber ich glaube die Umarmung hatte eine Sekunde länger gedauert als üblich. 😀 – Aber vermutlich interpretiere ich da wieder nur was hinein.

Er hatte mir im Laufe des Abend erzählt, dass er am nächsten Tag nochmal kurz in meine Unistadt wegen seiner Arbeit fahren musste und wir uns ja auf einen Kaffee treffen konnten. Ich wusste nicht, ob das Angebot noch aktuell war und sagte zur Verabschiedung, er könne sich ja melden. Ich war dabei selbst sehr gespannt, ob er sich melden würde.

Und er meldete sich. 🙂 Wie es sich gehört, nachdem er zuhause angekommen war. Und am nächsten Morgen auch nochmal. Das Angebot stand noch und ich überlegte sehr lange, ob ich mir die Mühe machen sollte meinen Vormittagsplan umzuwerfen um ihn auf einen Kaffee zu treffen. Mir wäre das allerdings wirklich zu stressig geworden. Und andererseits ist es vielleicht auch besser, nicht immer verfügbar zu sein… Ich bot an, das nächste Treffen zu verschieben. Er ist ja unter der Woche eh immer in meiner Stadt.

Und man erkennt schon: ich mache mir mal wieder viel zu viele Gedanken. Deshalb das „leider“. Leider war es ein schönes Date. Leider gefiel er mir gut. Leider habe ich Interesse an ihm. Leider warte ich jetzt immer sehnsüchtig auf eine Antwort von ihm. Und leider werde ich es so vermutlich wieder verkacken.

Also wer lesen möchte, wie ich es wieder verkacke: einfach die nächsten Wochen dran bleiben. Wir werden sehen. Stay tuned.

Party ohne Ende – Teil 2: Picknick in der Küche

Hier gehts zu Party Ohne Ende – Teil 1: Wonderland im Garten.

Wie am Ende von Teil 1 erwähnt: meine Partygeschichte endet noch nicht zum Ende unserer großen WG-Party. Für den darauffolgenden Dienstag war dann die größte Uniparty des Jahres angesetzt. DIE Party, die man sich nicht entgehen lassen kann. DIE Party, auf die man sich das ganze Jahr über freut. DIE Party, auf die jeder – wirklich jeder – Student sein wird. Sie findet auch nachmittags und im Freien, vor der Fläche der Studentenwohnheime statt. – Die besten Parties sind wohl nachmittags und im Freien, oder? 😉

Ich nahm mir allerdings vor,IMG-20170620-WA0011 dass ich nicht mehr so viel trinken würde, da ich es am Samstag so übertrieben hatte. Und wenn ich es mit diesen Worten schon einleite: natürlich konnte ich meinen Vorsatz nicht halten. Spätestens, nachdem ich meine Kommilitonen auf einer Picknickdecke antraf, in deren Mitte mallorca-style einen Eimer Sangria mit langen Strohhalmen thronte, hätte ich Schlimmes ahnen können. „Dieser Eimer muss bis zum Ende des Abends leer sein!“ – schrie meine Kommilitonin immer wieder und kippte immer wieder Sangria und Weißwein nach. Der Eimer enthielt auch Früchte und Eiswürfel, was es bei der Hitze des Dienstags noch angenehmer machte, ständig daraus zu schlürfen. Dazu brachte meine Freundin drei Flaschen Sekt mit und der Abend nahm seinen Lauf.

Die Party ging lang. Und ein Problem, wenn man in uninähe öfter tindert und datet: man sieht sie alle wieder. Natürlich waren alle auf dieser Party. Mr Gemüselasagne, Mr Höflich und Mr Gryffindor. Als Mr Tiefsinnig auftauchte, wusste ich, wo (oder besser gesagt „mit wem“) ich am Abend enden würde. Meine besagten Kommilitonen hatte ihre Picknickdecken nur ein paar Meter neben Mr Gemüselasagne aufgeschlagen. Ich war sehr in Versuchung, zu ihm zu gehen und Hallo zu sagen. Zum Glück hielt mich meine gute Freundin davon ab. Ich war eh schon wieder zu angetrunken. SCHON WIEDER! Mann! Mit Mr Höflich hatte ich eh nix mehr zu tun, der war mir also egal. Aber als ich Mr Gryffindor von Weitem erspähte, und er mir sogar am nachmittag eine Whatsapp-Nachricht geschrieben hatte, konnte ich mich nicht mehr zurückhalten. Ich drängte (per Whatsapp), dass er zu unserer Decke kommen sollte. Wir verpassten uns wohl ständig, da ich (natürlich dank der vielen Flüssigkeit) ständig auf die Toilette musste, und er wohl auch ständig Leute traf und wieder weg rannte. Irgendwann hatten wir uns aber beide an der Picknickdecke eingefunden.

Ich erfuhr schnell, dass er wieder mit seiner Ex-Freundin zusammen war. Ha! Ich hatte es schon vermutet! Sonst hätte dieses zweite Date doch wohl geklappt! Anscheinend traten er und sie kurz nach unserem ersten Date wieder in Kontakt. Ich fand das völlig in Ordnung. Mr Gryffindor war süß und ich freute mich einfach für ihn, dass es mit seiner Exfreundin wieder klappte. Wie gesagt, ich bin gerade glücklich, wie mein Leben verläuft. Da gönne ich anderen gerne ihr Glück und ich hoffe, dass Mr Gryffindor und ich in Kontakt bleiben und uns freundschaftlich treffen können.

Als es Zeit war aufzubrechen, bekamen meine Freundin undIMG-20170620-WA0022b meine beiden Mitbewohner, die sich auch bei uns an der Decke herumtrieben (so ein Malle-Eimer verbindet!) Hunger. Einer der beiden Mitbewohner ist ein großer Hobbykoch und bot an, uns Bruscetta bei uns in der WG zu machen. Da wir unseren Küchentisch aber noch wegen der Party auf der Terrasse stehen hatten, nahmen wir die Picknickdecke und breiteten sie auf dem Küchenboden aus. Ich schrieb Mr Tiefsinnig, wo er denn abgeblieben war und lud ihn ein, sich uns bei unserem Picknick in der Küche anzuschließen. Natürlich hoffte ich auf mehr und das wusste er auch. Nachdem wir die viel zu kleine Menge Bruscetta vernichtet hatten, hatten wir zwar alle noch Hunger, aber niemand war noch aktiv genug, um kochen zu wollen. Die Übriggebliebenen verkrümelten sich und Mr Tiefsinnig und ich überlegten kurz, ob wir die leere Küche nutzen wollten. Das konnten wir unseren Mitbewohnern aber nicht antun und verzogen uns (nach dem Zähneputzen) in mein Zimmer.

Unser zweites Mal war besser. Dieses mal waren wir nicht ganz so betrunken wie am Samstag. Allerdings muss ich gestehen, nachdem ich einen direkten Vergleich habe mit Mr Tinderjüngling von einer Woche zuvor, dass Mr Tiefsinnig da nicht ganz herankommt. Ich würde die Vermutung aufstellen, dass Mr Tiefsinnig mehr Erfahrung hat als Mr Tinderjüngling (obwohl der bestimmt auch einiges an Erfahrung mitbringt) – aber Mr Tinderj. und ich passten wohl besser zusammen. Naja, was solls aber? Mr Tinderj. ist in meiner Heimatstadt und Mr Tiefsinnig ist hier vor Ort. Man nimmt, was man kriegen kann. 😉 Und beschweren kann ich mich momentan auf keinen Fall! (Ich hoffe, das ist nicht zu verwirrend zu lesen, da die Namen ja beide mit T beginnen 😀 )

Mit diesem Singleleben freunde ich mich gerade sehr gut an. 🙂 Was für ein Sommer bisher!

 

Zu viel Schreiben tut nicht gut

Seit einiger Zeit verfolge ich gespannt den Blog von Tinderundsowas. Letzte Woche hat sie einen tollen Beitrag über das Schreiben und Treffen mit Tinder-Dates veröffentlicht: „More Meeting, Less Writing: Ein Plädoyer für mehr Real Life bei Tinder“.

In ihrem Beitrag geht es darum, dass viele Menschen auf Tinder offenbar lieber lange anonym miteinander schreiben, statt die Plattform als Möglichkeit zu nutzen, ein Treffen im „Real Life“ zu vereinbaren. Aber wieso denn?

„Wenn da erstmal ein reeller Mensch vor dir steht, ist es vollkommen irrelevant, ob sein erster Satz an dich über eine Online-Plattform ausgetauscht wurde oder in einer zwielichtigen Bar. Dann ist es einfach ein Mensch.“

Ich stimme ihr in jedem einzelnen ihrer Punkte zu, ganz besonders im Punkt 6: „Die Erwartungshaltung wird bei langem Schreiben zu groß.“

Mir ist es noch nicht so häufig passiert, dass ich übertrieben lange mit meinen Tinder-Matches schreibe. Aber dafür ist es mir bei meinem Exfreund passiert. Mr Schützenverein hatte ich zwar offline kennengelernt und bereits zwei Mal gedatet. Aber danach war ich sechs Wochen in der Heimat. Wir schrieben in dieser Zeit jeden Tag. Er machte mir tausend Komplimente, schmiedete schon Pläne, was wir alles machen, wenn ich wieder zurück bin und verheimlichte nicht, dass er gerne eine Beziehung mit mir eingehen würde. Ich ließ mich gerne von seinen Worten einlullen, da ich mich nach so einer langen Zeit als Single wieder nach Zweisamkeit sehnte. Ich hatte über die sechs Wochen intensiven Schreib-, Telefon- und Skype-Kontakt das Gefühl, ich würde Mr Schützenverein schon sehr gut kennen. Als ich zurückkam, dauerte es also nicht lange, bis wir das zwischen uns eine Beziehung nannten.

Und was soll ich noch groß sagen…? Hätte ich mir nur noch ein paar Wochen gegeben um ihn wirklich kennen zu lernen, hätte ich schnell merken können, dass es nicht passt. Dann hätte ich mir die sieben Monate Drama und Unglücklichsein sparen können.

Aber danach ist man immer schlauer. Ich habe daraus gelernt. Vor allem, dass Menschen viel schreiben können, wie sie gerne wären oder was sie gerne tun… Es sind aber die Taten, die zählen. Seit Mr Schützenverein hasse ich es, jemanden über Schreiben kennen zu lernen. Ich chatte zwar gerne, aber die Lebensgeschichte des Anderen möchte ich lieber persönlich hören. Ich möchte seine Reaktionen, Taten und Gefühle spüren können. Meine Menschenkenntnis ist zwar nicht auf Profi-Level (ich bin dafür ein zu naiver Mensch), aber ich habe längst erkannt, dass man auf keinen Fall über das Schreiben den wahren Menschen kennen lernen kann.

„Man malt sich mit jeder schönen Nachricht ein wenig mehr aus, wie der andere nun in echt sein mag. Man stellt sich vor, wie er spricht, wie er läuft, wie er riecht oder lacht. Das Problem: Diese Vorstellung ist immer besser als die Realität. Denn sie ist eine Idealvorstellung.“

Perfekt gesagt, Tinderunsowas! 🙂

Leider stecke ich aber aktuell wieder in so einer Situation. Ich schreibe seit circa drei Wochen mit einem Tindermatch. Auf Tinder lief der Chat eher zäh, aber immerhin war er auf Instagram aktiv und folgte mir. Unter seinen Fotos postet er immer sehr kreative Hashtags. Deshalb bekommt er den Spitznamen Mr Hashtag. 😉

Er fragte mich irgendwann so eher im Nebensatz nach meiner Nummer um in Whatsapp weiter schreiben zu können. Es war aber keine eindeutige Frage, weshalb ich wohl den Chat wieder schloss und letztendlich vergaß zu antworten. Eine Woche später antwortete er auf meine Instagram-Story, dass ich wohl sehr beschäftigt sei, da ich ihm nicht mehr antworte. Da musste ich direkt checken, was er eigentlich geschrieben hatte. Achja, hoppla!

Ich entschuldigte mich und sagte, zu meiner Verteidigung, dass ja keine Frage enthalten war. Auf die „Halbfrage“ zu Whatsapp ging ich nicht ein. Dass ich noch geantwortet hatte, fand er „süß“ (seine Worte) und schrieb mir seine Nummer. Jetzt war ich doch ein bisschen neugierig, da er hartnäckig geblieben war. Ich schrieb ihn an und es entwickelte sich ein spannenderes Gespräch. Nach ein paar Tagen durchgängigen Schreibens, fragte ich ihn, ob er Lust hätte auf ein Treffen, da ich ewiges Schreiben bevor man sich kennen lernt nicht mag. Er antwortete, er sehe das genauso und er findet es cool, dass ich frage. Allerdings kam von seiner Seite kein nährerer Vorschlag. Ich machte auch keinen, da ich der Meinung war, dass ich schon genug Initiative gezeigt hatte, es vorzuschlagen. Und weil der Mann das Treffen initiieren soll. 😉  Nachdem wir zwei Tage später immer noch nur schrieben und nicht weiter gekommen waren im Thema Treffen, sprach ich es nochmal an. Schließich arbeitete Mr Hashtag in meiner Unistadt und ist jeden Tag dort. Da kann es doch nicht so schwer sein, sich mal nach dem Feierabend auf ein Eis oder ein Bier zu treffen.

Einen Tag später (!) schlug er dann endlich ein Treffen vor für Donnerstag. Tja. Too late. Ich war schon auf dem Weg in die Heimat für die kommenden acht Tage. Danach ist er für vier Tage fort. Das Treffen mussten wir wieder verschieben. Auf in zwei Wochen…

Naja und jetzt? Wir schreiben immer noch jeden Tag. Mr Hashtag schreibt mir jeden Tag eine Guten-Morgen-Nachricht und eine Gute-Nacht-Nachricht. Seine Hobbies sind Fotografie und Wassersport (welcher es genau ist, traue ich mich hier nicht zu schreiben, da man meinen Blog mittlerweile ganz gut über Stichworte auf Google findet). Er klingt lustig und sieht ganz sympatisch aus auf seinen Fotos. Ob ich will oder nicht, es entwickelt sich eine Erwartungshaltung. Mal sehen, wie er in real sein wird. Wenn es nicht passt, war das ganze Geschreibe vielleicht wirklich „Zeitverschwendung“… Am besten mache ich direkt jetzt mit ihm einen genauen Termin fest, sonst wird das wieder nix.