Traummann

Januar:

Er: „Ich liebe dich.“

Sie: „Ich kann darauf leider noch nicht antworten – das weiß ich noch nicht. Aber was ich weiß ist, dass ich noch niemals zuvor so verliebt war wie ich es in dich bin.“

Er: „Das ist in Ordnung, wenn du darauf noch nicht antworten kannst. Jeder Mensch fühlt anders.“

Februar:

Sie: „Eigentlich wäre es doch sinnvoll, wenn wir zusammenziehen würden, oder? Andererseits weiß ich nicht, wo ich nach dem Studium einen Job finden werde…“

Er: „Ja, das ist zu unsicher.“

Sie: „Aber schön wäre es.“

März:

Er: „Möchtest du mit mir zusammenziehen?“

Sie: „Ja!“

April:

Er: „Ich wäre traurig, wenn du von hier wegziehen müsstest. Aber ich möchte dich nicht einschränken und deiner Freiheit berauben. Ich unterstütze ich in all deinen Entscheidungen.“

Sie: „Ich habe entschieden noch eine Weile zu bleiben. Vielleicht ergibt sich ein Job hier. Aber ich möchte nicht für immer hier leben.“

Er: „Das möchte ich auch nicht. Wir werden zusammen die Welt erkunden!“

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Ich liebe diesen Mann. Wenn es der Richtige ist, fühlt sich nichts zu schnell, zu langsam oder zu falsch an. Nächsten Monat sind wir ein halbes Jahr zusammen. Ich ziehe zum ersten Mal mit einem Partner zusammen.

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Bye bye 2017!

Nun bin ich bald schon wieder einen Monat in Deutschland. Über einige Erfahrungen und Ausflüge habe ich ja bereits in den letzten paar Beiträgen bereichtet, aber ich habe vor noch ein bisschen mehr darüber zuschreiben. Heute will ich, mit 16 Tagen Verspätung, endlich in meinem Tagebuch das alte Jahr verabschieden und das Neue einläuten. 😉

Meine Weihnachtstage mit Kreise der Familie waren toll und wie immer genieße ich die Zeit sehr. Aber rückblickend muss ich sagen, dass es nichts Besonderes war. Vielleicht habe ich einfach schon zu viele Weihnachten auf die gleiche Art und Weise gefeiert.

Zu Silvester standen, genau wie zu Weihnachten, keine besonderen Pläne an. Ursprünglich wollte mein Freundeskreis von Zuhause (der aus meinen allerbesten Freunden besteht) nach München, da eine von uns seit Kurzem dort in einer kleinen WG wohnt. Aber nachdem wir, dank mir, um ein paar mehr Gäste anwuchsen, verschoben wir die Örtlichkeiten auf das Haus der Eltern meiner besten Freundin, in dem wir letztes Jahr schon gefeiert haben. Das bot dann auch Platz für alle zehn Leute. Erfreulicherweise kam nämlich meine Mitbewohnerin aus Finnland mit ihrem Freund zu uns. Nachdem wir während des Auslandssemesters fast schon unzertrennlich waren und nach unserem Rückflug zwei Wochen nicht mehr gesehen haben, war es wirklich schön, sie wieder zu treffen!

Und natürlich, wie angekündigt, war Mr Hashtag ebenfalls über Silvester zu Besuch. Er kam sogar schon nach Weihnachten und blieb ganze 13 Tage! Unser Wiedersehen und die Tage zusammen waren mal wieder wie ein wahrgewordener Traum.

So sahen also meine letzten paar Tage und Wochen in meiner Heimat aus. Zurück in meine Unistadt fahre ich erst nächste Woche. Bis dahin lerne ich ganz stressfrei noch ein bisschen und genieße sonst die ruhige Zeit. Denn der Unistress wird früh genug losgehen: dieses Jahr beende ich nämlich endültig mein Studium. Zu was das bedeutet und was sonst noch in 2018 ansteht, erzähle ich später mehr.

Jetzt kommt erstmal der Rückblick zum vergangenen Jahr. Denn ich hatte mir im Januar so einige Ziele vorgenommen. Nach dem ersten Drittel hatte ich schon ein Zwischenfazit gezogen und nun folgen meine endgültigen Ergebnisse. 😉

  1. Täglich 15 Minuten Yoga machen.

Im April hatte ich ja schon gebeichtet, dass ich kein Yoga mehr gemacht habe. Soweit ich mich zurückerinnern kann, fand ich auch im restlichen Jahr keinen Anschluss mehr. Immerhin war ich (wie jedes Semester) fleißig im Yoga-Kurs an der Uni. Den habe ich prompt vermisst, als ich im Ausland war. Dafür habe ich mich nach dem Sport zumindest immer ausgiebig gedehnt und darin eine kleine entspannende Routine entwickelt.

Seit ein paar Tagen habe ich das tägliche Yoga Zuhause wieder aufgenommen. Motiviert hat mich die sympatische Youtuberin und Yoga-Lehrerin Mady Morrison mit ihrer 30-Tage Challenge. Ihre Yoga-Sequenzen bringen direkt Abwechslung in meine sonst immer gleichen Yogaübungen. Vielleicht kann ich so den Yoga in meinen Alltag wieder etwas integrieren.

  1. Täglich Nachrichten sehen (oder lesen)

Leider leider muss ich sagen, dass ich hier nicht mehr so konsequent dabei geblieben bin wie noch im April. Ab dem Sommer habe ich diesen Vorsatz vernachlässigt, als ich im Lernstress war. Auch in Finnland habe ich mir dann wegen der vielen Ausflüge kaum eine Minute genommen dafür. Shame on me. Dabei ist mir das wirklich immer noch wichtig.

  1. Mehr lesen: Mindestens zwei Stunden pro Woche

So ganz genau nehme ich es hier nicht, aber ich bin auf jeden Fall zufrieden mit meinem Lese-Pensum dieses Jahr. Zwischendurch habe ich für ein bestimmtes Buch ziemlich lange gebraucht und bin sicher nicht auf die zwei Stunden pro Woche gekommen. Aber jetzt im neuen Jahr habe ich mittlerweile schon ein bisschen was an der Zeit reingeholt. 😉

  1. Fotografie: Mindestens einmal im Monat für zwei Stunden Fotografieren und zwei Stunden Bearbeiten oder mich durch Videos, Lesen … dazu weiterbilden.

Ja! Natürlich habe ich sehr viele Fotos machen können während ich auf Reisen war. 🙂 Wenn ich ganz streng mit mir bin, habe ich allerdings nicht die Fortschritte gemacht, die ich mir zum Anfang des Jahres gewünscht hätte. Auch arbeite ich immer noch mit GIMP, was auf meinem Anfängerniveau in Bildbearbeitung leider nicht so viele Möglichkeiten bietet. Ich würde mir ja wirklich gerne Photoshop wünschen. Was die Fotografie selbst angeht, kann ich mir in Zukunft viel von meinem Freund abgucken. Er ist selbst ein toller Fotograf!

  1. Mehr Follower auf Instagram (1000 bis zum 31.12.)

Wieder nope. Noch nicht mal die Hälfte (aber immerhin nur knapp darunter 😀 Also zumindest sind es „mehr“ geworden). Ich hatte einfach keine Lust mehr auf dieses heuchlerische Folgen/Entfolgen, tausende Bilder liken und kommetieren und täglich Posts hochladen, nur um auf meinen Account aufmerksam zu machen. Die Fotos, die ich hochlade, finde ich aber selbst sehr schön. Also ich würde mir selbst ja folgen. 😉 Es ist also sicher nur eine Frage der Zeit, bis ich mal entdeckt werde und meine Karriere als Influencerin starten kann. 😛

  1. Mindestens ein Mal die Woche Bouldern gehen

Wie schon im April angedeutet, kam die Motivation zum Bouldern bis zum Ende des Jahres nicht mehr. Was ich allerdings nicht schlimm finde. Einerseits, weil ich eh (gefühlt) tausend andere Sportarten mache und andererseits, weil meine Kraft und Technik nicht gelitten haben während den letzten acht Monaten unregelmäßigen Boulderns. Denn: ich gehe zur Zeit wieder häufig (seit ich wieder in Deutschland bin) und habe mich null verschlechtert. Yeah. 🙂 Ich mache weiterhin das Bouldern einfach nur zum Spaß und ohne Druck. Das ist wohl die Lösung für mich.

  1. Mindestens ein Mal die Woche Laufen

Ja, ja, ja! Außer, wenn ich mit 40 Grad Fieber krank im Bett lag oder irgendwo in den tiefsten Regionen Finnlands unterwegs war, habe ich mich an diesen Vorsatz gehalten und mein Ziel erreicht. 🙂 Runtastic sagt: 68 Einheiten und 429,5 Kilometer im Jahr 2017.

  1. Einen Halbmarathon laufen bis Ende 2017

Auch hier wieder: Jaaaa! Einen wunderbaren Halbmarathon in NRW habe ich absolviert – in einer Zeit, die ich mir nicht mal erträumt hatte: 2 Stunden und 6 Minuten. Das war wirklich ein Erlebnis und ich bin unglaublich stolz auf mich. Es war sicher nicht mein letzter Halbmarathon, denn ich bin überzeugt, dass ich es mit ein bisschen Anstrengung sogar unter 2 Stunden schaffe. Challenge accepted. 🙂

  1. Wieder fitter werden

Im Prinzip kann ich die Worte meines Zwischenfazits nochmal genau so übernehmen. 😉

Ich wiege immer noch diese fiesen sieben Kilo mehr als vor 2,5 Jahren, aber immerhin habe ich nicht mehr weiter zugenommen. Dadurch würde ich sogar schließen, dass sich meine Hormone wieder eingependelt haben, nachdem ich vor 14 Monaten die Pille abgesetzt habe. Die Zahl auf der Waage stört mich nachwievor, aber die Zunahme sehe ich nicht im Spiegel und frage mich immer noch, ob das denn tatsächlich Muskelmasse sein kann?

Und nun wortwörtlich vom April: „…und da „fit sein“ sich eigentlich nicht auf das Gewicht bezieht: ich würde auf jeden Fall sagen, dass ich fitter bin als ich es noch Ende 2016 war. Schon alleine, weil ich schneller laufe und solche coolen Dinge wie Kopfstände und die Krähe (Yoga) jetzt schaffe.“ Außerdem habe ich einen verdammten Halbmarathon geschafft – also hallo?! 😉

  1. Single bleiben im Jahre 2017 bzw. mich selbst lieben lernen!

Teil eins des Ziels, wie ihr alle wisst: nein. 😀 Ich habe im Mai noch unschuldig vor mich hingetindert und hatte eigentlich keine allzu große Lust mehr darauf. Im Juli/August ließ ich mich dann, ohne groß etwas zu erwarten auf ein paar Dates mit einem Kerl ein, der mich durch freche Sprüche, süße Worte und lustigen Hashtags auf Instgram neugierig machte. Und ab dann nahm es seinen Lauf. Ich habe mich so heftig verliebt wie noch nie zuvor. Ich bereue keinesfalls, dass ich diesen Vorsatz nicht eingehalten habe.

Und außerdem folgte auf das Nicht-Erreichen des ersten Teils, das Erreichen des Zweiten (oder zumindest das Sehr-Viel-Näherkommens). Jetzt, wo ich eine Beziehung habe, merke ich noch deutlicher, dass ich keine brauche um mich selbst zu lieben. Es klingt widersprüchlich, aber so fühlt es sich an. Hätte ich keine Beziehung, würde ich genauso hier sitzen, hätte im letzten Jahr genau die gleichen Dinge getan, hätte genau die gleichen Ziele erreicht, wäre genau die gleiche Person, die ich jetzt bin. Es hat sich nichts verändert an mir. Mein Freund ist die Kirsche auf meiner sowieso schon leckeren Torte des Lebens. Sie macht die Torte nicht weniger gut, noch macht es sie besser. Und wenn irgendwo so ein kleines Klümpchen mal nicht ordentlich verrührt wurde und ich reinbeiße – dann verziehe ich eben das Gesicht. Aber hey, es gibt noch so viel mehr leckeren Kuchen auf meinem Teller. 😉

Und das war doch eine wunderbare Metapher um meine Aufzählung zuende zu bringen und damit das verganene Jahr Review passieren zu lassen. 🙂 Da dieser Eintrag recht lange geworden ist, werde ich das neue Jahr in einem eigenen frischen Tagebucheintrag willkommen heißen. Also stay tuned!

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Das hat er nicht verdient

Ich habe ihn nicht verdient.

Ich habe ihn nicht verdient.

Ich habe ihn nicht verdient.

Wie konnte das nur passieren?

Schon nach einer Woche habe ich ihn betrogen.

Oder war es  „betrügen“? Kann ich was dafür?

Ich erzähle mal die Geschichte. Ich habe lange überlegt, ob ich darüber schreiben soll. Es tut nämlich so weh. Und ich bereue nichts mehr in meinem Leben, als diese fünf Minuten.

Unsere Gruppe Austauschstudenten machte mal wieder einen Wochenendausflug. Dieses mal ging es nach Estland. Mit der Fähre nur ein Katzensprung von Finnland entfernt.

Ich überwand mich endlich mal wieder feiern zu gehen. Im Hostel tranken wir vor. Ich trank viel. Ich genoss das Gefühl, den der Alkohol auslöst. Dass er mich selbstbewusster  machte. Hier im Auslandssemester habe ich mein Selbstbewusstsein irgendwie verloren. Ich bin die „nette“, „langweilige“ hier. Ich weiß nicht mehr, wie das passiert ist. Anfangs dachte ich, es liegt daran, weil ich ein paar Jahre älter bin als der Großteil der Gruppe. Aber vielleicht tue ich mir einfach schwer meinen Platz zu finden in dieser Gruppe? Ich weiß es nicht. Zuhause werde ich nicht so abgestempelt. Deshalb freute ich mich, an diesem Tag mal wieder Teil der Gruppe zu sein.

Wir gingen in den Club. Meine Mitbewohnerin und ich feierten unsere Freundschaft und gaben uns ständig irgendwas aus. Wir waren beide schön beschwippst. Als von hinten zwei sehr, sehr große Herren an die Bar traten, sprach meine Mitbewohnerin den Hübscheren von beiden an. Wow! Cool, dass sie das macht! Zu mir sagt sie immer, sie wäre schüchtern.

Als wir unsere Drinks hatten, liefen wir zurück zur Tanzfläche, wo unsere Gruppe zur Musik feierte. Die zwei-Meter-Männer gesellten sich kurz darauf zu uns. Meine Mitbewohnerin und ich tanzten eine Weile weiter. Der Hübsche begann, sich mit mir zu unterhalten. Er versuchte es jedenfalls. Die Musik war viel zu laut. Er fragte, ob wir uns woanders unterhalten wollen.

Ich folgte ihm. Weil ich betrunken war, weil ich wohl immer noch Bestätigung suche, weil ich das Single-Leben nach einer Woche noch nicht abgelegt habe, weil ich naiv bin. Und weil ich mich tatsächlich mit ihm unterhalten wollte. Er ist Estländer. Bei nur 1,3 Millionen Einwohner hat man nicht so häufig die Gelegenheit, sich mit einem Estländer zu unterhalten. Und ja, das ging tatsächlich in meinem betrunkenen Kopf vor.

Wir gingen in einen Durchgangsraum neben der Tanzfläche und setzten uns auf das rote Sofa. Wir unterhielten uns. Er fragte, was ich in Estland mache und was ich studiere; ich fragte ihn, was er arbeitete. Ich weiß nicht mehr, ob wir uns über mehr unterhalten hatten. Ich weiß nicht mehr wie lange. Ich weiß aber noch, dass ich ihn eigentlich ganz nett fand.

Und dann weiß ich noch, dass er seine großen Hände um meinen Kopf legte und mich zu sich zog. Er presste seine Lippen auf meine. Seine Zunge drückte sich in meinen Mund. Ich war in Schockstarre.

Aber ich habe doch jetzt einen Freund! In den ich unglaublich verliebt bin! Ging es mir durch den Kopf. Aber gesagt habe ich nichts.

Ich glaube, ich sagte irgendwas wie „but I have lipstick on!“ Er antwortete nur „I don’t care“ und drückte wieder seine Lippen auf meine und schob seine Zunge in meinen Mund.

Ich ließ es über mich ergehen. Wenn ich ihn wegschubse, dann geht er bestimmt. Ich wollte mich doch noch weiter unterhalten. Ich wollte weiter Bestätigung. Er roch zwar nach Knoblauch, aber er sah gut aus.

Und jetzt passierte das, was ich am allermeisten bereue. Ich habe meine Hand während dem Kuss um seinen Hinterkopf gelegt. Wie man es beim Küssen eben macht. Zwar vorsichtig und zögerlich. …Aber wieso habe ich das getan?? Das bedeutete ja eindeutig, dass ich beim Küssen mitmache! Es fühlte sich verdammt falsch an.

Zum Glück brach er den Kuss dann ab. Seine nächsten Worte waren: „So, where should we go?“

Meie Naivität ist zum Glück nicht so schlimm ausgeprägt, dass ich nicht wusste, was er damit meinte. Meine Worte waren „definitly not to the hostel.“ Was für ne beschissene Antwort. Jetzt denkt er auch noch, ich will irgendwo mit ihm hin. Er schien zu überlegen. Aber bevor er noch was Weiteres sagen konnte, rutschte ich weg. „I have to go to the toilet. See you on the dancefloor.“ Und weg war ich.

Auf der Toilette traf ich eine Freundin. Als ich sie sah, waren meine ersten Worte „scheiße.“ An meinem Blick sah sie wohl direkt, dass irgendwas passiert war. Und an meinem Lippenstift. „Hast du mit jemandem rumgemacht?“ „Jaa, scheiße!“ Ich setzte mich neben sie, aber hörte ihre Antwort nicht mehr. Kurz darauf kam meine Mitbewohnerin. Wir diskutierten eine Weile darüber, was passiert war und wie schlimm es war. Aber ich war geistig nicht anwesend. Was hatte ich nur getan?

Nachdem wir uns entschlossen, wieder zur Tanzfläche zu gehen, kamen wir an dem roten Sofa vorbei. Ich sah, dass unser Erasmus-Pärchen auf dem Sofa gegenüber saß. Scheiße, waren die vorhin auch schon dort gewesen? Hatten die das alles gesehen?

Auf der Tanzfläche schaute ich mich natürlich erstmal um. Ich sah ihn circa auf der Mitte der Tanzfläche. Unsere Blicke trafen sich. Ich ging davon aus, dass er sich wieder zu uns stellen würde. Tat er aber nicht. Nach kurzer Zeit war er weg.

Darüber hätte ich froh sein sollen. Aber mein betrunkenes Gehirn dachte sich nur „oh wie schade, Tanzen wäre ja okay gewesen“. Hätte er mich nochmal Küssen wollen, wäre ich dieses Mal darauf vorbereitet gewesen und hätte ihm gesagt, dass ich einen Freund habe. Eigentlich hoffte ich, dass ich es ihm sagen könnte. Dann hätte es sich richtiger angefühlt, dachte ich.

Also tanzte ich alleine und hoffte einerseits, dass mich keine weiteren aus unserer Gruppe gesehen hatte, aber andererseits, dass sie mich zumindest hatten mit ihn Tanzen sehen. Dann wäre ich nicht mehr die „Langweilige“ gewesen.

Der Abend nahm nach ein paar mehr Stunden Tanzen ein Ende und diese Geschichte ließ mich natürlich nicht mehr los. Dass ich „fremd geküsst“ habe, hat sich herumgesprochen, was dazu führt, dass ich dauerhaft mit dem Thema konfrontiert werde. Nicht laut oder öffentlich. Aber in meinem Kopf.

Klar, es gibt auch schlimmere Formen des Betrügens. Zum Beispiel direkt mit dem Fremden zu schlafen. Oder den Kuss initiieren. Ein paar weitere Ausreden habe ich auch noch auf Lager… Ich habe es nicht genossen. Ich hatte meine automatisierte Single-Masche noch nicht abgelegt. Anderen ist das auch schon passiert. Ich suche Bestätigung und meinen Platz in der Gruppe. Wäre ich zuhause in Deutschland gewesen, wäre das alles nicht passiert.

Aber trotzdem werde ich das nie wieder gut machen können. Die Erinnerung an diese Nacht wird immer als schwarzer, hässlicher Parasit in meinem Kopf festsitzen. Das habe ich wohl so verdient.

Er ist es doch

Es ist Donnerstag, der 2. November. Nach dem ersten Tag wieder zurück in meiner finnischen Unistadt, liege ich in meiner Batman-Schlafanzughose im Bett und warte geduldig auf den Anruf von Mr. Hashtag. Wir haben uns zwar erst vor etwas mehr als 24-Stunden voneinander in Helsinki verabschiedet, doch wollen wir direkt wieder die Stimme des anderen hören bevor wir schlafen gehen. Seine Stimme habe ich die letzten fünf Tage zu genüge gehört und unsere Erzählungen wiederholen sich schon, aber ich kann nicht genug bekommen und er auch nicht. Die Tage, die wir gemeinsam in Helsinki verbrachten waren schön. Nein, eigentlich waren sie perfekt.

Wir telefonierten also eine Weile, er erzählte von seinem stressigen Rückflug und seinem heutigen Tag und ich von meiner unspektakulären Rückfahrt und meinem Tag. Als das Gespräch abklang, war ich bereit Gute-Nacht zu sagen: „Ich möchte dich gar nicht lange aufhalten. Du musst ja morgen früh aufstehen zur Arbeit.“

„Ja, das stimmt zwar… Aber es gibt da etwas, das ich noch besprechen möchte.“

Er legte eine Pause ein. Ich hörte förmlich, wie er versuchte seine Worte zurecht zu legen.

„Ich wollte eigentlich schon in Helsinki darüber sprechen. Aber es hat sich nicht so ergeben und unsere letzten Stunden zusammen waren ja leider ein bisschen stressig…“

Wieder legte er eine Pause ein. Er klang zunehmend nervöser. Schon längst hatte ich eine Ahnung, um was es ging. Ich fing an zu grinsen. Es war ja nicht so, dass ich in Helsinki nicht auch öfter den gleichen Gedanken hatte. Und auch schon davor. Weder vor Ort, noch jetzt am Telefon sagte ich etwas. Ich wartete ab. Viel zu neugierig war ich, wie er die Frage stellen würde.

„Ich weiß nicht, wie ich es am besten formulieren soll… Aber … Ich würde dich gerne zukünftig als meine neue Freundin vorstellen.“

In seiner Stimme schwang ein kleines bisschen Unsicherheit mit. Er war hörbar aufgeregt. Musste er aber nicht sein. Mein Grinsen breitete sich zu einem Lächeln aus.

„Das wäre sehr schön“, antwortete ich. ❤

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Kryptonit

Er ist wohl also dein Kryptonit-Mensch?“ fragte meine Mitbewohnerin mich.

„Kyptonit-Mensch?“

„Ja. Kennst du die These nicht? Jeder hat einen Kyptonit-Menschen, den er nicht vergessen kann und dem er immer wieder begegnet.“

Hm. Klingt ja nach einer schönen These. Und einleuchtend in meinem Fall.

Und dann traf es mich wie ein Schlag ins Gesicht.

Kryptonit.

Das hatte er sogar zu mir gesagt. Genau um diese Zeit vor einem Jahr. Ich erinnere mich genau daran. Wir saßen in seiner WG auf dem Sofa. Nein – wir kuschelten auf dem Sofa. Beide glücklich. Es fühlte sich an wie früher. So schön. So vertraut. Dann sagte er:

„Ich konnte dich nie vergessen. Mein Kumpel sagte, dass du mein Kryptonit bist. Ich glaube wirklich, du bist mein Kryptonit.“

Damals hatte ich mir nicht viel dabei gedacht. „Kryptonit“, was für ein komischer Ausdruck. Aber in Ordnung, dann ist er eben Superman und ich sein Kryptonit.

Nachdem meine Mitbewohnerin mich aber oberflächlich über diesen Ausdruck aufgeklärt hatte, musste ich mich nochmal näher damit beschäftigen.

„Ich habe da so eine Theorie, nämlich dass jeder so einen Menschen hat, an dem er für immer hängen wird – ganz egal, wie lange die Beziehung gedauert hat oder wie intensiv sie war. Für diese Menschen würden wir alles tun, ganz egal, wie schön unsere Leben gerade sind und wie toll unsere Beziehungen oder Freundschaften oder Jobs. Wenn sie plötzlich wieder vor der Tür stünden, würden wir öffnen, egal wie sehr sie uns damals verletzt haben, und dann würden wir unsere Koffer packen und einfach abhauen, mit ihnen, bis an das Ende dieser Welt und weiter, so wie das früher mal geplant war, mit der Kryptonit-Person, und wenn es nur in unseren Köpfen war.“

Aus: beziehungsweise-magazin.de

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das für ihn auf mich zutrifft. Würde ich vor seiner Tür stehen und ihn darum bitten, es mit mir nochmal zu versuchen, würde er sofort Ja schreien. Aber auch andersherum könnte es ähnlich laufen. Wir waren letztes Jahr kurz davor, es nochmal miteinander zu versuchen. Dieses Mal eine Fernbeziehung. Wir waren jetzt alt genug. Ich hätte es nur sagen müssen. Aber ich entschied mich dagegen. Wir verabschiedeten uns von einander und von dieser schönen Sommeraffäre. Ich musste wieder zurück in meine Unistadt. Wir telefonierten noch viel. Er buchte einen Zug um mich besuchen zu können. Dann lernte ich jemand anderen kennen. Und konnte diesen anderen nicht vergessen. Der andere war zwar kein Kryptonit – aber ganz sicher ein kleiner Splitter. Es ist Mr Regisseur. Und Mr Tiger musste leiden.

Seit seinem Besuch, bei dem ich ihm nicht die Aufmerksamkeit entgegenbringen konnte, die er verdient hatte, haben wir keinen Kontakt mehr. Es ist wieder wie vor unserer Affäre. Wir gratulieren uns höchstens zum Geburstag. Würde ich allerdings erfahren, dass ihm etwas zugestoßen ist, würde meine Welt untergehen. Und würde ich erfahren, dass er eine neue Freundin hat, würde mir das ganz und gar nicht gefallen. Aber es steht mir nicht zu, mein Missgefallen auszudrücken. Denn ich war diejenige, die ihn enttäuscht hat. Und ich bin diejenige, die nicht an ein Happy End glaubt.

Trotzdem ist er mein Kryptonit und ich seins.

The reasons I fell in love with nature.

Vor meiner Abreise habe ich es so oft gelesen und gehört: „die Natur in Finnland ist einzigartig und schön.“ (So oder so ähnlich).

Jajajaa, dachte ich mir immer. Natur ist doch überall schön, blabla.

Aber nein. Die Natur hier IST wahrlich einzigartig! Atemberaubend und magisch! In welch wunderbarem Land ich hier gelandet bin!

Nun zu meinen bisherigen Ausflügen, die eventuell zu dieser Erkenntnis geführt haben könnten. 😉

Nach unserer Ankunft verschwendeten eine beste Freundin und ich nicht allzu viel Zeit in Helsinki. Die Stadt hatten wir beide schon vor zwei Jahren gesehen. Nach nur einem Tag dort (der trotzdem sehr schön war), stiegen wir in den Zug nach Tampere. Wir hatten uns vorher eher weniger informiert, weshalb die drei Tage dort spontan gestaltet wurden. Schon in der Stadt und in der Gegend etwas außerhalb des Zentrums, an dem unser AirBnB lag, fiel mir auf, wie schön der Himmel über Finnland  aussah. Die entspannten Tage mit meiner besten Freundin genoss ich in vollen Zügen, bevor es dann alleine in meine neue Stadt gehen sollte um meine Mitstudenten kennen zu lernen.

Noch am ersten Wochenende in unserer neuen Heimatstadt, das wir Austauschstudenten hauptsächlich zum ausnüchtern nach der fünf-tägigen Orientierungswoche nutzten, konnten wir uns aufraffen, den Strand in der Nähe unserer Stadt zu erkunden. Angeblich soll es der längste Strand Finnlands sein. Ganze fünf Kilometer! Wir mussten knapp eine Stunde mit dem Bus dorthin fahren um festzustellen, dass der Strand ganz schön verlassen war. Aber was sollte man sich sonst unter einem finnischen Strand vorstellen, wenn der großteil des Landes ziemlich verlassen und naturbelassen ist. Schön und idyllisch war er trotzdem und ab und zu konnten wir ein paar Sonnenstrahlen einfangen.

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Für mich ging es eine Woche später etwas nördlicher zu meiner besten Freundin. Mit ihrem Freund zusammen unternahmen wir eine Wanderung, auf der ich zum erstem Mal wilde Blaubeeren pflückte und verspeiste. Der sonnige Tag mit meiner besten Freundin wurde noch perfekt abgerundet mit einem Feuer und Barbeque am Ufer mitten im Wald mit den finnischen Freunden des Paares und dem ruhigen plätschern des Meeres auf den Steinen.

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Ziemlich spontan reisten wir ein Wochenende danach nach Stockholm. Hier an der Westküste kann man mit der Fähre übernacht innerhalb von zehn Stunden Schweden erreichen. Auf unserer Hinfahrt staunte unsere Gruppe von 12 Leuten nicht schlecht: unter „Fähre“ hatten wir uns eben eine standardmäßige Fähre vorgestellt. Wir stiegen aber in ein riesiges Kreuzfahrschiff!!  15 Decks, fünf Restaurants, vier Clubs, ein großes Duty-Free-Shoppingcenter, einen Wellnessbereich und unsere Zimmer hätte man unter fünf-Sterne klassifizieren können. Wir fanden es ein bisschen schade, dass die Fahrt nur zehn Stunden dauerte.

Stockholm itself war ziemlich toll. Die „Hauptstadt Skandinaviens“ ist eine wunderschöne Stadt, es gibt viel zu sehen und zu erleben. Trotzdem wäre es keine Stadt, in der ich stattdessen hätte studieren wollen. Schweden ist ganz schön teuer und ganz schön trendy. In der Stadt darf man nicht einfach mal mit Klamotten der letzten Saison herumlaufen. Und als brünettes Normalo-Mädchen kann man eh nicht mit den blonden Schönheiten mithalten. Das am Boden gebliebene Finnland ist mir da ganz recht. 🙂

Mit Finnland kann ich mich ganz gut identifizieren. Die Kultur besteht, in Kurzform, aus viel Kaffee, viel Lakritz, viel Sauna, entspannte Menschen, sportliche Menschen, Natur und Winter. Hier passe ich ganz gut rein. 😀

Genauso spontan wie die Woche zuvor ging es danach mit dem Auto nach „Seenfinnland“. So nennt man – oder nennen wir – das Gebiet im Herzen des Landes, gespickt mit tausenden Seen. Rings um die Seen haben die finnischen Familien ihre Sommer- (oder manchmal auch Winter-) Häuser, die sie gerne über AirBnB oder ähnliche Seiten an Touristen vertreiben, wenn sie die Hütte selbst nicht gerade brauchen. Als eine Gruppe von 15 Austauschstudenten mieteten wir uns drei Autos und nahmen die 2,5-stündige Fahrt auf uns. Je älter der Mieter/Fahrer des Wagens, desto niedriger die Preise für Mietautos. Also bot ich mich an, das Mädelsauto zu fahren. Mein Auto war ein hochmoderner Toyota. Silber. Keine Ahnung was genau. Aber modern. Und ziemlich cool. Es fühlte sich an, als könnte das Ding sogar schon alleine ohne Fahrer fahren. Die Fahrt war zwar teilweise anstrengend, da man hier nur 100km/h auf Landstraßen, manchmal sogar auch nur 80 fahren darf, aber Spaß machte mir das Fahren trotzdem. Und das Wochenende war sowieso mal wieder unglaublich.

Erlebnis Nummer 1: Wir entschieden am ersten Tag die Gegend zu erkunden, gingen abseits der Wege, verliefen uns hoffnungslos und landeten irgendwann im Moor. Kein Schuh blieb trocken.

Erlebnis Nummer 2: Nachdem wir irgendwann das Moor, den Dreck und die nervigen Insekten zurück gelassen hatten und wieder zur Hütte fanden, durften wir feststellen, dass wir ein paar Mitbringsel dabei hatten: nicht alle Insekten blieben am Moor zurück. In unseren Haaren, Klamotten und Haut hatten sich hunderte Hirschlausfliegen gekrallt. Ekelhafte Viecher! Wer mehr erfahren will, kann es sich gerne durchlesen: Hirschlausfliege.

Erlebnis Nummer 3: Die Nacht hatten wir dann noch gut in der gemütlichen Hütte überstanden. Wir entschieden, aufgrund des vorhergesagten Regens, statt Wandern, die Stadt 100 Kilometer nördlich zu erkunden. Sonst gab es hier im nirgendwo nicht viel zu tun. Der ganze Tag blieb schön sonnig. Tja. Dafür hatten wir, dank der Sonne, am Abend an der Hütte den schönsten Sonnenuntergang, den ich je in meinem Leben gesehen habe. Ein Foto beschreibt es wohl am besten. Aber in Echt war der Sonnenuntergang nochmal tausendfach schöner.

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Erlebnis Nummer 4: Geflasht von Sonnenuntergang machten wir uns auf, unser Abendessen zu kochen. Mit vollem Magen sollte danach die Sauna getestet werden. Die Saunakultur habe ich im vorherigen Beitrag ja schon beschrieben. Saunas gibt es in oder an jeder Hütte und das Saunieren ist hier Alltag. Unsere Sauna war etwas den Hang herunter kurz vor dem See. Natürlich ideal, um sich nach der Hitze im See abzukühlen. So machen es die Finnen. Und so machen es wir! Nach dem ersten Saunagang rannten wir unter dem kühlen Sternenhimmel auf den Steg. Die anderen drei Mädels voraus, ich als Schlusslicht. Sie sprangen hinein, für mich blieb kein Platz, ohne auf eine der anderen draufzuspringen. Ich blieb bibbernd auf dem Steg stehen. Ich hatte zu lange Zeit es mir anders zu überlegen. Die Mädels kreischten vor Kälte, kletterten wieder die Leiter hinauf und rannten zurück zur Saunahütte. Ich rannte mit zurück. Ohne den Adrenalinstoß, ohne die Endorphine. Ich bereute es. Zum Glück waren die Mädels verständnisvoll. Als Letzte konnte man es sich fünfmal überlegen, ob man wirklich springt. Deshalb sollte ich nach dem zweiten Saunagang als Erste losrennen. Also scheuchten sie mich aus der Sauna zum Steg hinunter. Und unter dem kühlen Sternenhimmel sprang ich – endlich – in das tiefschwarze eiskalte Wasser. Nun hatte ich nichts mehr zu bereuen. Es war außerdem gar nicht so kalt wie erwartet. Ich hatte riesigen Spaß. Und kann nun zum Glück nicht nur über dieses Erlebnis berichten, sondern habe auch gelernt, dass man sich als letzte – trotz mehr Gedanke – zu solchen spontanen Aktionen mitreißen lassen sollte.

Schon länger geplant war der Ausflug am letzten Wochenende. Mit 18 Leuten ging es nach Lappland. Dafür hatten wir zwei Vans gemietet und nahmen die zehnstündige Fahrt auf uns. Fahrerin war ich dieses Mal nicht. Ich durfte stattdessen mit den anderen acht Mitfahrern versuchen während der Hinfahrt übernacht irgendwie eine bequeme Schlafposition zu finden. Zu allem Überfluss kamen wir vier Stunden vor der vereinbarten Zeit an unserer Hütte an und standen vor verschlossenen Türen. Also versuchten wir im abgestellten Auto weiter zu schlafen, bis unser Organisationsbeauftragter endlich die Besitzerin der Hütte erreichte. Wir stürmten hinein, suchten uns unsere Zimmer und Betten (nach dem Prinzip „der Schnellste siegt“) und hauten uns nochmal bis Mittags auf die Ohren. Der Tag verging dann recht schnell. Wir machten noch eine kurze Wanderung bei der wir das Naturschauspiel des „Ruska“ bestaunten. Ruska wird es genannt, wenn die Bäume die Farben des Herbstes annehmen. Es ist ein atemberaubendes Spektakel durch orangene, gelbe und rote Wälder zu spazieren. Zurück in der gemütlichen Hütte chillten wir bis das Kochteam Abendessen fertig hatte. Danach ging es, wie immer, in die Sauna, während wir auf Nordlichter hofften. Leider sahen wir keine.

Am nächsten Tag wollten wir den Weihnachtsmann besuchen. Sein Dorf liegt bei Rovaniemi, eine dreistündige Fahrt entfernt. Gelohnt hatte es sich eher weniger, da im September im Santa-Claus-Village nur vereinzelte Häuser geöffet hatten und die Gegend seinen erdachten Charme ohne Schnee wohl nicht entfalten konnte. Wir entschieden, im Winter nochmal zurückzukehren. Zumindest haben wir dem Weihnachtsmann noch einen kurzen Besuch abgestattet und waren überrascht, dass er sogar deutsch konnte! Der Weihnachtsmann war wirklich suuuuper nett. 🙂 Er verabschiedete sich von uns dann mit den Worten „wir sehen uns in 90 Tagen!“

Am nächsten und leider auch dem letztem Tag in Lappland unternahmen wir eine 13 Kilometer Wanderung auf einen der wenigen Berge Finnlands. Hier konnten wir die, bisher nur vom Boden gesehenen, farbigen Bäume von oben bestaunen. Die Natur zeigte sich natürlich wieder von der besten Seite, denn auf dem Weg trafen wir zwei nette Reintiere. Statt erschrocken davon zu laufen, als wir uns für Fotos näherten, blieben sie gemütlich stehen und knabberten weiter an ihrem Moos. Auch als ungefähr acht Mann um die beiden Tiere herumstanden, ließen sie sich nicht beirren. Nach circa 20 Minuten als Fotomodels wollten wir die Zwei wieder in Ruhe lassen. Aber stattdessen entschied sich das Pärchen mit uns ein paar Minuten mitzuwandern! Ein weiteres einzigartiges Erlebnis, das man sich wohl vorher nie erträumt hätte!

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Etwas traurig waren wir dann, als wir am Abend die Hütte aufräumen und unsere Sachen packen mussten um am nächsten Tag früh abreisen zu können. Ich freue mich schon auf Lappland im Winter! Schließlich müssen wir noch die Nordlichter sehen!

Nach den ganzen Erlebnissen der letzten Wochen sehnten wir uns alle nun endlich nach einem entspannten Wochenende zuhause. Wir  nahmen uns nichts vor und meine Mitbewohnerin und ich verzichteten sogar auf die Party. Es war angenehm, aber spätestens Sonntag Abend kam mir die Freizeit doch etwas verschwendet vor. Ich habe gar nichts erlebt oder gesehen! Hoffentlich wartet schon das nächste Abenteuer am kommenden Wochenende auf mich! 😉

Die vergangenen Auflüge sind es Schuld, dass ich mich nun wahrlich und endgültig in die Natur verliebt habe. Sie kann ekelhaft sein (Insekten), Nasse Füße bescheren, sich nicht an den Wetterbereicht halten, weitläufig und anstrengend sein – aber sie macht es immer wieder gut. Und kann einem immer und immer wieder aufs Neue den Atem rauben. Ich bin gespannt, was Finnland noch zu bieten hat!

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Was für ein guter Tag heute. So wie fast jeder Tag hier in Finnland. Ich fühle mich durch und durch entspannt. Der heutige Tag ist ein Mustertag für meinen bisherigen Alltag hier in Finnland: entspanntes Aufstehen, um 10 Uhr für zwei Stunden in den Unikurs, in dem hauptsächlich Filme geschaut und in Gruppen diskutiert wird, danach in die hochwertige Mensa eins der gesunden günstigen Menüs inklusive einem riesen Salatteller wählen und in guter Gesellschaft essen. Anschließend erstmal zuhause ausruhen und verdauen (manchmal ausnahmsweise was für die Uni tun, wie heute: eine fünfminütige Präsentation vorbereiten), nachmittags mit dem Fahrrad in Begleitung der anderen Mädels in das Luxusfitnessstudio die Muskeln zerstören und schließlich vor dem gesunden Abendessen, die Möglichkeit der Sauna im Studentenwohnheim nutzen und dabei mit den Mädels den kommenden Wochenendtrip planen, quatschen und entspannen.

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Ich glaube, ich möchte nie wieder zurück.

Aber was würde dann Mr Hashtag wohl dazu sagen? 😉 Um den geht es in meinem heutigen Tagebucheintrag. Da gibt es nämlich unglaublich viel nachzuholen. Wo fange ich nur an? Ich versuche mal dort anzuknüpfen, wo ich aufgehört habe.

Es ist immer noch keine Beziehung zwischen uns. Aber es fühlt sich, auch mit mehreren Tausend Kilometern Entfernung, wie eine an. Wir schreiben immer noch jeden Tag. Mittlerweile etabliert es sich schon, dass wir jeden Tag telefonieren. Zum Abschied schenkte er mir Fotos von uns beiden. Ich sehe mir sie unheimlich gerne an. Wir beide sehen gut aus zusammen. Dazu schenkte er mir eine kuschelige Mütze, damit mir nicht kalt wird, wenn er mich nicht mehr wärmen kann die nächsten Monate.

A propos Geschenke: da ich anfang August (mal wieder) Geburtstag hatte (verdammt, 25 schon. Ich will forever young bleiben 😦 ) stand ihm die schwierige Aufgabe bevor, mir eine Überraschung zum Geburtstag zu machen. Verlangt oder erwartet habe ich nichts, aber ich konnte ahnen, dass er sich etwas einfallen lassen würde. Er hatte mir an einem unserer ersten Dates erzählt, dass er zu seinem 25. Geburtstag zum ersten Mal in seinem Leben eine Benjamin Blümchen Torte geschenkt bekommen hatte. Ich war begeistert von der Idee. Kreativ und lustig! Selbst hatte ich auch noch nie eine solche Torte bekommen. Natürlich behielt er das im Gedächtnis, der Traummann der er ist.

Am Abend vor meinem Geburtstag kam er vorbei. Da ich noch etwas krank war, brachte er mir etwas gegen Halsschmerzen und drei TrueFruit-Smoothies mit (für die Vitamine 😉 ). Wir machten uns etwas Leckeres zu essen und schauten den Film zuende, den wir letztes mal nur zur Hälfte geschafft hatten. Kurz vor Mitternacht wurden wir fertig und kuschelten in meinen Geburstag herein. Dann kam der Moment, in dem er mir ein in seinem Pulli gewickeltes Paket überreichte. Dieses Paket enthielt, welch Überraschung, eine Benjamin Blümchen Torte! Ich habe die Idee nochmal genauso gefeiert, wie beim ersten Mal, an der ich davon gehört hatte. Meine erste Benjamin Blümchen Torte! Und das zum 25.! Genial!

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Zusammen hatten wir ein Glas Sekt und aßen Kuchen. Der ist überigens überraschend lecker! Anschließend gingen wir Zähne putzen. Da er schon vor mir fertig war, ging er zurück in mein Zimmer. Als ich nachkam und mich zu ihm legte, entdeckte ich einen gelben Umschlag unter meinem Kissen. Verwirrt aber mit Vorfreude machte ich ihn auf, während Mr Hashtag mich beobachtete. Der Umschlag enthielt eine Karte mit einem kleinen Text von ihm und auf der linken Seite klebte eine SD-Karte – „für die zukünftigen schönen Fotos“. Wow. Womit hatte ich das verdient? Womit hatte ich ihn verdient? Ich fühlte mich wie dieser WhatsApp-Smiley mit den Herzchenaugen. Einige Tage später, als ich die SD-Karte dann in den Laptop steckte, entdeckte ich einen Ordner darauf: „Lieblingsbilder“. Er hatte Fotos von uns darauf gezogen, neuere sowie ältere von unseren ersten Dates. Hach… 🙂

Tja, aber unser „Gespräch“ hatten wir immer noch nicht geführt. Das stand diese Woche auf jeden Fall noch auf meiner Agenda. Dabei schob ich es immer und immer weiter vor mich her. Nie gab es eine gute Gelegenheit anzusprechen, wie das mit uns beiden während meines Auslandssemesters weiterlaufen soll. Ich wollte keine Beziehung eingehen, da es für mich sinnlos erschien, sich erst seit zwei Monanten zu kennen und sich dann vier Monate nicht sehen zu können.

Als wir eines Abends bei ihm am Fluss spazieren waren und uns auf den warmen Kies-Strand setzten, witterte ich die Gelegenheit. Wir unterhielten uns und planten, was wir noch alles gerne zusammen erleben wollen: snowboarden, an die Ostsee, ihm meine Heimatstadt zeigen… „Wenn ich aus Finnland und Bayern zurückkomme im Januar, machen wir dann wieder dort weiter, wo wir jetzt aufhören müssen?“ fragte ich und blickte ihm direkt in die Augen. Er verstand sofort, denn er antworete: „irgendwann müssen wir ja darüber reden, richtig?“ Und wir redeten.

Dabei hatten wir die gleiche Sichtweise. Und er fügte hinzu: „wieso erst im Januar? Ich könnte dich schon früher besuchen. In Finnland und in Bayern. Möchtest du, dass ich dich besuche?“. „Hm…“, antwortete ich. „Ja, ich glaube ich möchte das.“ Er blickte mich an: „du glaubst?“ Ich konnte mich nicht verbessern. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, ob ich das wirklich aus vollem Herzen wollte. Es kann noch so viel passieren.

Aber jetzt bin ich mir sicher. Ich möchte, dass er ich besucht. Ich möchte, dass er nach Finnland fliegt. Ich möchte wieder in seinen Armen einschlafen. Ihn wieder küssen und mit ihm Sex haben. Mit ihm spazieren gehen, Fotos machen, Essen kochen, reden. Und das weiß er auch. Denn vor zwei Wochen buchte er einen Flug. 🙂 Ende Oktober sehen wir uns in Helsinki wieder. Ich zähle jetzt schon die Tage.

Es fühlt sich an wie eine Beziehung. Es fühlt sich an, als würden wir uns schon viel länger als nur drei Monate kennen. Und doch müssen wir noch so viel übereinander erfahren. Ich könnte immer noch nicht mit einem lauten „JA“ einer Beziehung zustimmen. Was ist, wenn es wieder so wird, wie mit Mr Schützenverein? Er ist verliebt, alles ist super, er gibt sich Mühe. Dann sind wir zusammen und es ist einfach nur noch schrecklich. Zickereien, Streitereien, Erniedrigung.

Wenn es aber doch schön wird, wenn wir nach meinem Auslandssemester die Beziehung versuchen, ich aber nach meiner Masterthesis im Juli fortziehe? Weg von meiner Unistadt. Ich möchte meine letzten Monate als Studentin genießen und verreisen. Mich danach in ganz Deutschland bewerben… Keine guten Voraussetzungen für eine Beziehung.

Aber wie ging nochmal dieser unglaublich weise Ratschlag? „Mach dir nicht so einen Kopf“? Alles klar! Ich genieße das Jetzt. Mein Auslandssemester. Meine letzten Semester als Studentin. Und den Schwebezustand dieser „Fühlt-sich-an-wie-Beziehung“. 🙂

Das Teufelchen an der Oberfläche

Eigentlich wollte ich schon vor zwei Stunden anfangen mit Lernen. Andererseits wollte ich diesen Blogeintrag schon vor einer Woche schreiben. Also was hat eine höhere Priorität? 😉

Ich sags nur allzu gerne nochmal: Prokrastination kann ich. 😀

Es geht immer noch im Mr Hashtag. Es ist so viel passiert, dass ich nicht mehr umher komme, endlich mal wieder was nieder zu schreiben. Also eigentlich ist viel passiert – es lässt sich aber auch kurz fassen: mittlerweile haben wir uns schon sehr viele Male getroffen. Meine Regel, ihn nur einen Tag pro Woche zu treffen, habe ich gebrochen. Ich genieße es einfach zu sehr. Die Aufmerksamkeit, das Gekuschel, die verliebten Blicke. Das Gefühl, eine Beziehung zu haben. Wir haben aber keine. Also wenn es nach mir ginge, würde ich es jedenfalls nicht so benennen. Seit meinem letzten Eintrag zu diesem Thema habe ich es immer noch nicht geschafft, mit ihm darüber zu sprechen, wohin das Ganze hinführen soll. Oder besser gesagt, dass es nirgends hinführen kann, weil ich (nun mittlerweile) in zwei Wochen schon weg bin. Ich werde vier Monate in Finnland und danach einen Monat noch in Bayern sein. Das weiß er. Aber ich weiß nicht, ob ihm bewusst ist, dass wir jetzt keine Beziehung eingehen können.

… Oder ob ich es jemals mit ihm könnte.

Ich genieße zwar die Zeit mit ihm, die Aufmerksamkeit, das Gekuschel, die verliebten Blicke. Aber ich selbst bin nicht verliebt in ihn. Ich habe mich die letzten Wochen oft gefragt, woran es liegt. Alles scheint zu passen: seine Art, sein Humor, sein Geruch, unser Sex. Er kocht gut, er ist extrem sportlich, er fotografiert. Ich kann sogar darüber hinweg sehen, dass er nie studiert hat nach seinem Abi, sondern eine Ausbildung gemacht hat. Er hat damit komplett andere Lebenserfahrungen gemacht als ich sie gemacht habe. Sonst war es für mich immer ein wichtiger Grund, dass der potentielle Partner doch bitte auch Student sein sollte oder studiert haben sollte. Aber bei ihm finde ich es nicht schlimm. Es passt ja alles andere so wunderbar. Er macht alles richtig. Er schreibt mir täglich, er macht mir Komplimente, er gibt mir die Aufmerksamkeit, die ich brauche. Aber woran liegt es dann, dass ich mich nicht in ihn verliebe, obwohl er es unumstreitbar in mich ist?

Mich beschleicht das Gefühl, dass ich zu oberflächlich bin. Mr Hashtag ist sportlich, hat einen wunderbaren, musklösen Körper, genau die richtige Körpergröße für meine Größe – aber würde ich ihn im Club oder auf der Straße sehen, ich würde an ihm vorbei sehen. Er ist nicht mein Typ. Er hat ein einzigartiges Gesicht und ein bisschen abstehende Ohren. Sehen wir uns zu zweit, ist mir es egal, dass er nicht mein Typ ist. Aber vergleiche ich ihn mit anderen Männern, die ich bisher gedatet habe, fällt es mir auf, dass er im Ranking nicht sehr weit oben landet. Während ich das hier schreibe, hört es sich so furchtbar an. Ich will nicht so oberflächlich sein. Ich hab ihn wirklich sehr gerne und würde behaupten, es fehle mir nicht mehr viel zum verliebtsein. Aber ein kleiner oberflächlicher Teufel auf meiner Schulter flüstert mir zu: „verkauf dich nicht wieder unter Wert.“

Diese Worte hatte mein Mitbewohner vor einigen Monaten zu mir gesagt. Anscheinend sei ich eine attraktive Frau.Ich kann das schlecht beurteilen. Nach 25 Jahren gewöhnt man sich eben an den Menschen, der aus dem Spiegel auf einen zurück blickt. Ich mag mich selbst mittlerweile ganz gerne. Aber ich habe keine Ahnung wo ich in einem „Ranking“ stehen würde und muss wohl auf das Urteil und Komplimente anderer zurückgreifen. Und mein Mitbewohner, sowie mehrere aus meinem Umfeld fanden, dass ich mir ruhig hübschere Männer hätte aussuchen können.

Aber Mr Hashtag zählt da nicht unbedingt dazu. Nur – sollte das nicht egal sein? Es ist furchtbar, dass Menschen so viel Wert darauf legen, sich gegenseitig nach ihrem Aussehen zu bewerten. Was soll das denn? Es gibt so viel Wichtigeres, für das es sich lohnt, jemanden kennen zu lernen, befreundet zu sein, zu daten, zu lieben…

Und wie bringe ich nun diesen oberflächlichen Teufel auf meiner Schulter zum Schweigen? Das hat Mr Hashtag nicht verdient. Auch wenn ich erstmal keine Beziehung eingehen kann, würde ich ihm zumindest trotzdem gerne versichern können, dass ich mich freue, im Januar dort weiter zu machen, wo wir aufgehört haben. In fünf Monaten kann zwar viel passieren, aber es kann auch nichts passieren und Mr Hashtag und ich haben eine Chance. Wäre nur nicht dieser böse Teufel…

Fünf Monate Abhängigkeit

In einem meiner letzten Beiträge habe ich geschrieben, dass ich mich niemals abhängig machen möchte von einem Mann. Ich möchte mein Leben selbstbestimmt leben  und meine Zukunft gestalten können, so wie ich sie mir vorstelle. Ich hatte lange die Idee für den Beitrag „Karrierefrau“ im Kopf, hab ihn abgetippt und am Ende mehrmals durch- und Korrekturgelesen, wie ich es immer mache. Meine Beiträge veröffentliche ich nur, wenn ich mindestens zu 90% zufrieden bin, mit dem was ich da geschrieben habe. Und ich war verdammt stolz, auf das, was ich da geschrieben habe. Ja, so will ich sein und so will ich leben! Das bin ich!

Ein leiser Gedanke schwirrte trotzdem ständig durch meinen Kopf. Ein Gedanke, der vielleicht auch der Grund war, wieso ich meine letzten beiden Dates (mit Mr Gryffindor und Mr Tinderjüngling) so herrlich locker gesehen habe. Ein Gedanke, der damals noch lauter war, als mich mein Exfreund (und damals wirklich guter Freund) im Winter besucht hatte, und ich ihm nicht die Nähe geben konnte, die er sich gewünscht und auch verdient hatte. Ein Gedanke, der mich keinen einzigen Tag der letzten fünf Monate losgelassen hat. Ein Gedanke, der mich abhängig machte. Jeden einzelnen Tag hasste ich mich dafür. Und heute hasse ich mich am meisten dafür.

Heute habe ich erfahren, dass Mr Regisseur nicht wiederkommt. Er kam nicht wieder, wie zuerst geplant, nach drei Monaten. Er kommt auch nicht wieder nach sechs Monaten. Er kommt vielleicht irgendwann wieder. Keine Ahnung wann. Er bleibt in L.A. bis er seinen fucking Film fertig hat.

Ich bin wirklich traurig. Und gleichzeitig ärgere ich mich so über mich selbst. In den letzten fünf Monaten habe ich jeden einzelnen Tag an ihn gedacht. Wie konnte ein Mensch mein Herz nur so berühren? Ein Mensch, der dann fünf Monate nicht da ist, sich sogar zwei Monate davon in keinster Weise gemeldet hat? Ein Mensch, den ich über Tinder kennengelernt habe und „nur“ einen Monat lang gedatet habe?

Ich habe das Gefühl, irgendwann war er in meinem Kopf nicht mal mehr ein Mensch. Er war nur eine verzerrte Gestalt – eine Mischung aus Erinnerungen von den Momenten, die wir zusammen gelacht und geredet und philosophiert hatten und der Person, dessen Tag ich auf den sozialen Medien verfolgen darf. Es war aber nicht mehr der wahre Mensch, an den ich dachte.

Ich habe so oft versucht ihn zu vergessen. Habe mir gewünscht, jemand anderen kennen zu lernen, an den ich stattdessen denken konnte. Habe mir eingeredet, dass ich gerne Single bin. Dass er eh nicht zu mir passt. Dass es keine Zukunft gibt. Dass ich übertreibe.

So wie ich jetzt beim Schreiben und Lesen erkenne, dass das alles völlig übertrieben ist. Aber es ist leider so wahr. Fünf fucking Monate sind genug Zeit, sich in ein Gedankenkonstrukt hineinzusteigern.

Aber jetzt wird es wirklich Zeit loszulassen. Ich denke, was die Situation von vornherein so schwierig macht, ist, dass es für mich nie ein richtiges „Ende“ gab. Am Tag nachdem wir uns erst richtig nah gekommen sind, ist er geflogen. Ich wusste, er würde in drei Monaten wieder kommen. Drei Monate konnte ich warten.

Aber aus drei Monaten wurden sechs Monate. Okay, die gingen auch irgendwie schnell vorüber. Und er schrieb mir ja immer wieder mal, flirtete, machte mir Komplimente.

Aber heute – heute ist es wirklich genug. Heute muss ich abschließen. Er schrieb mir, er würde noch länger bleiben müssen. Meine einzige Antwort: „schade“, dann schmiss ich das Handy auf mein Bett. Ich wollte seine Antwort darauf nicht sehen. Erstmal. Und beschäftigte mich zwei Stunden mit etwas anderem. Währenddessen schrieb er mir. Weil ich nicht antwortete nochmal. Ob ich traurig wäre.

Nachdem ich mich bereit fühlte zu lesen, was er geschrieben hatte, antwortete ich, dass ich schon traurig wäre. Ich hätte mich gefreut, ihn bald wieder sehen zu können.

Das wird das Letzte sein, was ich ihm schreibe. Bei den meisten Arten der Abhängigkeit sagt man doch, ein kalter Entzug wäre das Beste. Ich versuche es mal damit. Ich muss ihn endlich vergessen. Was soll das schließlich? Diese Gedanken haben die letzten fünf Monate schon viel zu viel meiner Energie gefressen. Verschwendete Gedanken.

Ich bin einzig und allein auf mich selbst sauer. Ich kann nicht mal ihm sauer sein, denn ich würde es nicht anders machen. Ich würde unabhängig mein Ding durchziehen und meinen scheiß Film produzieren weil ich ein verdammter erfolgreicher Regisseur sein will. Und das werde ich sein. Keine Regisseurin, aber verdammt erfolgreich und unabhängig. Der letzte Schritt, den ich gehen muss, um meine stolzen Worte im Beitrag Karrierefrau tatsächlich zu leben. Ein leiser Gedanke, der endlich zu einem stummen Gedanken werden muss.

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