Das hat er nicht verdient

Ich habe ihn nicht verdient.

Ich habe ihn nicht verdient.

Ich habe ihn nicht verdient.

Wie konnte das nur passieren?

Schon nach einer Woche habe ich ihn betrogen.

Oder war es  „betrügen“? Kann ich was dafür?

Ich erzähle mal die Geschichte. Ich habe lange überlegt, ob ich darüber schreiben soll. Es tut nämlich so weh. Und ich bereue nichts mehr in meinem Leben, als diese fünf Minuten.

Unsere Gruppe Austauschstudenten machte mal wieder einen Wochenendausflug. Dieses mal ging es nach Estland. Mit der Fähre nur ein Katzensprung von Finnland entfernt.

Ich überwand mich endlich mal wieder feiern zu gehen. Im Hostel tranken wir vor. Ich trank viel. Ich genoss das Gefühl, den der Alkohol auslöst. Dass er mich selbstbewusster  machte. Hier im Auslandssemester habe ich mein Selbstbewusstsein irgendwie verloren. Ich bin die „nette“, „langweilige“ hier. Ich weiß nicht mehr, wie das passiert ist. Anfangs dachte ich, es liegt daran, weil ich ein paar Jahre älter bin als der Großteil der Gruppe. Aber vielleicht tue ich mir einfach schwer meinen Platz zu finden in dieser Gruppe? Ich weiß es nicht. Zuhause werde ich nicht so abgestempelt. Deshalb freute ich mich, an diesem Tag mal wieder Teil der Gruppe zu sein.

Wir gingen in den Club. Meine Mitbewohnerin und ich feierten unsere Freundschaft und gaben uns ständig irgendwas aus. Wir waren beide schön beschwippst. Als von hinten zwei sehr, sehr große Herren an die Bar traten, sprach meine Mitbewohnerin den Hübscheren von beiden an. Wow! Cool, dass sie das macht! Zu mir sagt sie immer, sie wäre schüchtern.

Als wir unsere Drinks hatten, liefen wir zurück zur Tanzfläche, wo unsere Gruppe zur Musik feierte. Die zwei-Meter-Männer gesellten sich kurz darauf zu uns. Meine Mitbewohnerin und ich tanzten eine Weile weiter. Der Hübsche begann, sich mit mir zu unterhalten. Er versuchte es jedenfalls. Die Musik war viel zu laut. Er fragte, ob wir uns woanders unterhalten wollen.

Ich folgte ihm. Weil ich betrunken war, weil ich wohl immer noch Bestätigung suche, weil ich das Single-Leben nach einer Woche noch nicht abgelegt habe, weil ich naiv bin. Und weil ich mich tatsächlich mit ihm unterhalten wollte. Er ist Estländer. Bei nur 1,3 Millionen Einwohner hat man nicht so häufig die Gelegenheit, sich mit einem Estländer zu unterhalten. Und ja, das ging tatsächlich in meinem betrunkenen Kopf vor.

Wir gingen in einen Durchgangsraum neben der Tanzfläche und setzten uns auf das rote Sofa. Wir unterhielten uns. Er fragte, was ich in Estland mache und was ich studiere; ich fragte ihn, was er arbeitete. Ich weiß nicht mehr, ob wir uns über mehr unterhalten hatten. Ich weiß nicht mehr wie lange. Ich weiß aber noch, dass ich ihn eigentlich ganz nett fand.

Und dann weiß ich noch, dass er seine großen Hände um meinen Kopf legte und mich zu sich zog. Er presste seine Lippen auf meine. Seine Zunge drückte sich in meinen Mund. Ich war in Schockstarre.

Aber ich habe doch jetzt einen Freund! In den ich unglaublich verliebt bin! Ging es mir durch den Kopf. Aber gesagt habe ich nichts.

Ich glaube, ich sagte irgendwas wie „but I have lipstick on!“ Er antwortete nur „I don’t care“ und drückte wieder seine Lippen auf meine und schob seine Zunge in meinen Mund.

Ich ließ es über mich ergehen. Wenn ich ihn wegschubse, dann geht er bestimmt. Ich wollte mich doch noch weiter unterhalten. Ich wollte weiter Bestätigung. Er roch zwar nach Knoblauch, aber er sah gut aus.

Und jetzt passierte das, was ich am allermeisten bereue. Ich habe meine Hand während dem Kuss um seinen Hinterkopf gelegt. Wie man es beim Küssen eben macht. Zwar vorsichtig und zögerlich. …Aber wieso habe ich das getan?? Das bedeutete ja eindeutig, dass ich beim Küssen mitmache! Es fühlte sich verdammt falsch an.

Zum Glück brach er den Kuss dann ab. Seine nächsten Worte waren: „So, where should we go?“

Meie Naivität ist zum Glück nicht so schlimm ausgeprägt, dass ich nicht wusste, was er damit meinte. Meine Worte waren „definitly not to the hostel.“ Was für ne beschissene Antwort. Jetzt denkt er auch noch, ich will irgendwo mit ihm hin. Er schien zu überlegen. Aber bevor er noch was Weiteres sagen konnte, rutschte ich weg. „I have to go to the toilet. See you on the dancefloor.“ Und weg war ich.

Auf der Toilette traf ich eine Freundin. Als ich sie sah, waren meine ersten Worte „scheiße.“ An meinem Blick sah sie wohl direkt, dass irgendwas passiert war. Und an meinem Lippenstift. „Hast du mit jemandem rumgemacht?“ „Jaa, scheiße!“ Ich setzte mich neben sie, aber hörte ihre Antwort nicht mehr. Kurz darauf kam meine Mitbewohnerin. Wir diskutierten eine Weile darüber, was passiert war und wie schlimm es war. Aber ich war geistig nicht anwesend. Was hatte ich nur getan?

Nachdem wir uns entschlossen, wieder zur Tanzfläche zu gehen, kamen wir an dem roten Sofa vorbei. Ich sah, dass unser Erasmus-Pärchen auf dem Sofa gegenüber saß. Scheiße, waren die vorhin auch schon dort gewesen? Hatten die das alles gesehen?

Auf der Tanzfläche schaute ich mich natürlich erstmal um. Ich sah ihn circa auf der Mitte der Tanzfläche. Unsere Blicke trafen sich. Ich ging davon aus, dass er sich wieder zu uns stellen würde. Tat er aber nicht. Nach kurzer Zeit war er weg.

Darüber hätte ich froh sein sollen. Aber mein betrunkenes Gehirn dachte sich nur „oh wie schade, Tanzen wäre ja okay gewesen“. Hätte er mich nochmal Küssen wollen, wäre ich dieses Mal darauf vorbereitet gewesen und hätte ihm gesagt, dass ich einen Freund habe. Eigentlich hoffte ich, dass ich es ihm sagen könnte. Dann hätte es sich richtiger angefühlt, dachte ich.

Also tanzte ich alleine und hoffte einerseits, dass mich keine weiteren aus unserer Gruppe gesehen hatte, aber andererseits, dass sie mich zumindest hatten mit ihn Tanzen sehen. Dann wäre ich nicht mehr die „Langweilige“ gewesen.

Der Abend nahm nach ein paar mehr Stunden Tanzen ein Ende und diese Geschichte ließ mich natürlich nicht mehr los. Dass ich „fremd geküsst“ habe, hat sich herumgesprochen, was dazu führt, dass ich dauerhaft mit dem Thema konfrontiert werde. Nicht laut oder öffentlich. Aber in meinem Kopf.

Klar, es gibt auch schlimmere Formen des Betrügens. Zum Beispiel direkt mit dem Fremden zu schlafen. Oder den Kuss initiieren. Ein paar weitere Ausreden habe ich auch noch auf Lager… Ich habe es nicht genossen. Ich hatte meine automatisierte Single-Masche noch nicht abgelegt. Anderen ist das auch schon passiert. Ich suche Bestätigung und meinen Platz in der Gruppe. Wäre ich zuhause in Deutschland gewesen, wäre das alles nicht passiert.

Aber trotzdem werde ich das nie wieder gut machen können. Die Erinnerung an diese Nacht wird immer als schwarzer, hässlicher Parasit in meinem Kopf festsitzen. Das habe ich wohl so verdient.

Werbeanzeigen

Er ist es nicht

Okay, Fehlalarm Leute. Ich rudere zurück. 😉 Ich bin  nicht diejenige, die es verkackt mit Mr Hashtag. Eigentlich verkackt es keiner. Eigentlich ist es ganz schön. Gestern hatten wir unser drittes Date. Aber ich merke: vielleicht ist er es doch nicht.

Das zweite Date

Vergangenen Dienstag trafen wir uns zum zweiten Mal. Ich hatte nur nachmittags Zeit, weil ich abends unbedingt mal wieder in meinen Yogakurs wollte. Wir verabredeten uns am selben Treffpunkt wie beim ersten Date. Er hatte zwar angeboten mich abholen zu können, aber dafür hätte er quer durch die Stadt fahren müssen und für mich war es kein Problem schnell in den Bus zu hopsen und dort hin zu fahren.

Er hatte vorgeschlagen sein Longboard mitzunehmen und mir das Fahren beizubringen. Ich war zuvor noch nie auf einem Longboard gestanden und fand es eine wirklich coole Idee. Ich freute mich ihn wieder zu sehen nach dem ersten tollen Date.

Nach unserer Begrüßungsumarmung machten wir uns auf den Weg zur ausgewählten perfekten „Longboard-Straße“. Eine flache lange Straße eben. 😉 Er erklärte es mir  kurz (was gibt es auch großartig zu erklären beim Longboardfahren?) und ich stellte mich drauf. Direkt bot er mir seine Hand an. Natürlich nahm ich sie und so zog er mich einige Meter mit dem Longboad die Straße entlang. Ein bisschen anschubsen durfte ich dann auch selbst. Obwohl ich kein Naturtalent im Longboardfahren bin, machte es mir richtig Spaß und ich überlege nun, mir selbst eins zu holen. 🙂

Immer abwechselnd fuhren er und ich, während der andere nebenher lief und mit seiner Spiegelreflex ein paar Fotos „in Action“ machte. Da die Straße wirklich super lang ist, mussten wir aus zeitgründen irgendwann umkehren. Er hatte allerdings keine Lust mehr nebenher zu laufen und beschloss, dass wir jetzt zusammen auf dem Longboard fahren würden. Das hatte er noch nie gemacht und wir mussten er ein paar „Stellungen“ ausprobieren. 😉 Ich mit beiden Füßen vorne, unsere beiden Füße versetzt, Händchen haltend, Hände frei, er mich an der Hüfte haltend… Fast hätten wir aufgegeben, bis ich mich nach hinten stellte und er am vorderen Teil versuchte anzuschubsen. Und es klappte!

Anfangs noch sehr zögerlich und langsam, konnten wir aber bald das Tempo steigern und bretterten über den Asphalt. 😀 Haha. Absolute Date-Empfehlung, liebe Leser! Zusammen Longboard fahren! 😉 Ich hatte zwar die ganze Zeit Angst hinzuknallen, aber irgendwie vertraute ich ihm. Außerdem konnte mich gut hinter seinem muskulösen Rücken verstecken, sodass ich nicht auf die Straße sehen musste. Wir kamen heil zurück an seinem Auto an, ließen den hohen Adrenalinspiegel langsam abklingen und quatschten ein bisschen. Rechtzeitig vor meiner Yogastunde fuhr er mich zurück.

Natürlich schrieb er mir nach unserem zweiten Date weiterhin brav jeden Tag die Guten-Morgen- und Gute-Nacht-Nachrichten. Mittlerweile gefiel es mir, mich darauf verlassen zu können, dass er mir schreibt. Auch wenn ich bis mittags nichts geschrieben habe, kommt irgendwann eine Nachricht von ihm. Eigentlich schreibt sowieso immer er als erstes. Ein Vorschlag für das nächste Treffen ließ auch nicht lange auf sich warten: er wollte mit mir am Freitag ins Kino Fluch der Karibik angucken. Fand ich genial, denn den Film wollte ich eh noch sehen.

Wir verabredeten uns also für den Nachmittag, nach seinem Feierabend. Für mich war es leider relativ früh, eigentlich musste ich um 16 Uhr noch einiges für die Uni tun. Aber das ließ ich mal sausen und willigte ein. Ich wies ihm an vor meiner WG zu parken, da es in der Innenstadt schwierig ist Parkplätze zu finden. So konnten wir zusammen in die Stadt laufen und abends nach dem Kino auch wieder zurück.

Das dritte Date

Ausgerechnet seit einigen Tagen funktioniert unsere Klingel nicht, also hörte ich es nicht, als er ankam. Zum Glück ist er ja nicht blöd und klopfte an unserem Küchenfenster und erschreckte damit meine Mitbewohnerin, die ihn reinließ und mich rief. Als ich seine große Gestalt im Flur erspähte musste ich schon grinsen. Ich freute mich ihn zu sehen.

Wir liefen zusammen in die Innenstadt, machten dort einen kleinen Spaziergang, blieben eine Weile am Fluss stehen, wo er mir (mal wieder) von seinem Wassersport erzählte, überlegten uns dann, was wir essen wollten und steuerten auf den Vapiano zu. Nach meinem leider sehr klein ausgefallenen Salat beschlossen wir, auf jeden Fall noch ein Eis zu holen. Weil wir beide große Oreo-Fans sind, kauften wir außerdem noch vorm Kino zwei Packungen im Supermarkt und schmuggelten die in meiner großen Handtasche rein.

Er lud mich ins Kino ein, ich ihn daraufhin auf eine Cola (immerhin 😉 ). Während des Films überlegte ich heimlich, ob ich mich irgendwie bequem an seine Schulter anlehnen konnte. Dann hätte ich allerdings nur noch schief auf die Leinwand gesehen, also saßen wir einfach nur nebeneinander. Die Oreos hatten wir während des Films doch nicht ausgepackt, da wir von dem Eis noch gut gesättigt waren. Deshalb entschieden wir nach dem Film, eine Picknickpause auf dem Rückweg einzulegen. Während wir also zurückliefen und nach einem passenden Picknickort suchten, ergriff er irgendwann meine Hand. Mir fiel auf, wie lange ich schon nicht mehr Händchenhaltend durch die Stadt gelaufen bin…

Wir entdeckten eine Bank, er setzte sich und breitete sein Sweatshirt neben sich aus, damit ich mich darauf setzen konnte um nicht auf dem Metall frieren zu müssen. Süß. 🙂 Leider fing es genau in dem Moment an zu tröpfeln. Wir versuchten noch tapfer das Nasse zu ignorieren, während wir an den Oreos knabberten. Als der Regen stärker wurde, gaben wir auf und mussten uns etwas zum unterstellen suchen. Am Rand des Veranstaltungsgebäudes unserer Stadt, ein schönes und historisches Bauwerk, fanden wir eine überdachte Nische. Stehen war doof, also setzten wir uns einfach auf den Boden mit dem Rücken zur verschlossenen Glastür. Sofort zog er mich näher an sich heran und platzierte meine Beine über seinen Schoß. In der Position blieb mir nichts anderes übrig, als mich gemütlich an seine Schulter zu kuscheln. Das musste ziemlich ulkig und süß ausgesehen haben, wie wir in dieser Nische an dem historischen Gebäude zusammengekuschelt Oreos aßen und darauf warteten, bis der Regen nachließ. Ich fand es jedenfalls sehr gemütlich.

Auch als der Regen aufhörte, blieben wir so sitzen. Ich wartete eigentlich nur noch auf den Moment, an dem er mein Gesicht zu sich ziehen würde und mich küssen würde.

Aber er tat es nicht. Hm. Wieso denn nicht?

Irgendwann wurden wir von unserem gemütlichen Platz verscheucht, da die Veranstaltung, die an dem Abend statt gefunden hatte, zuende war Stühle durch diese Glastür heraus gebracht werden mussten. Wir liefen also das kurze restliche Stück zu mir und beschlossen schnell, dass es in der Küche zu ungemütlich war.

In meinem Zimmer stand Mr Hashtag erst etwas verloren herum, bis ich ihm sagte, er könne es sich doch gemütlich machen. Ich habe leider keine Couch oder ähnliches, nur ein großes Bett und einen Schreibtischstuhl. Erst als ich mich selbst auf mein Bett setzte, kam er dazu.

Dort plauderten wir weiter bis er mich wieder an sich zog. Er begann mich am Hals zu streicheln und ich wurde immer entspannter und schläfriger. Das bemerkte er und fragte mich, ob ich denn gar nicht kitzelig wäre am Hals. Nö, bin ich nicht. Er erwiderte, er möchte mal was ausprobieren… Er kam mir näher und begann mich sanft am Hals zu küssen. Zwar bekam ich immer noch keine Gänsehaut, aber ich genoss es. Er küsste weiter, bis er an meinen Lippen ankam. Endlich! Er küsste sehr gut.

Wir begannen zu knutschen und unsere Körper begannen sich ineinander zu wenden. Mir schoss nur ein Gedanke durch den Kopf: wenn das noch „wilder“ werden sollte, dann kommen wir an den „Point of no return“. Und an den wollte ich heute Abend nicht. Ich fand es zwar schön ihn zu küssen und zu knutschen, aber das reichte mir. Irgendwie schaffte ich es, das Geknutsche ruhiger werden zu lassen, bis ich die Chance witterte, etwas zu sagen um damit unaufällig eine Pause einzuschieben. Ich fragte ihn, ob er denn gar nicht mehr müde sei. Er grinste mich an, seine Augen funkelten und er verneinte. „Ich bin es aber“, sagte ich und packte meinen Rehblick aus. „Okay…“, Enttäuschung war jetzt in seinen Augen zu erkennen. Um ihn etwas aufzuheitern, da ich es ja nicht böse meinte, gab ich ihm noch einen kleinen neckischen Kuss auf den Mund und kuschelte mich dann an seine Brust.

Bis dahin hatte ich immer noch keine Ahnung, wie er denn beziehungstechnisch so tickte. Wir hatten bisher immer nur über alltägliche Themen gesprochen. Deshalb platze ich endlich mal raus mit meiner Frage: „wie lange bist du denn schon Single?“ Er erzählte mir ein bisschen von seiner zweijährigen Beziehung, die letztes Jahr im August zuende gegangen war. Anscheinend war es nicht leicht für ihn gewesen. Aber jetzt wäre alles wieder gut. Während er erzählte sprang er auf andere Themen über. Er erzählte von seiner Kindheit, seinen Reisen und seinen Kumpels. Mir fiel auf, dass er nie eine Gegenfrage stellte. Er fragte nicht, wie lange ich schon Single war, wollte nichts über meine Kindheit oder meinen Reisen wissen. Ich war nicht gekränkt deshalb, aber ich fand es komisch.

Irgendwann fragte er mich: „könntest du denn so angekuschelt schlafen?“ Wahrscheinlich hätte ich es gekonnt, aber ich entschied mich für eine situationsgerechtere Antwort: „nein, so nicht, aber ich finde es trotzdem schön bequem. Aber ich schlafe besser wenn ich allein bin.“ Jetzt musste er es aber verstanden haben.

Hatte er auch: „wenn ich gehen soll, musst du mich wahrscheinlich rausschmeißen.“ „Mache ich“, und ich kuschelte mich näher an ihn. Das könnte ich ja später auch noch machen.

Er begann mich wieder zu streicheln. Über den Hals, über meine Wange und über meine Lippen. Er fragte mich, ob ich garnicht empfindlich wäre an den Lippen. Wenn er dort berührt werde, kribbele es bei ihm so. „Und wenn ich dich küsse, kribbelt mein ganzer Körper“, fügte er dazu.

Oh oh.

Also bei mir kribbelt da nichts. Spätestens jetzt gab mir die ganze Situation zu denken. Ich finde es angenehm in seinen Armen zu liegen. Es macht Spaß ihn zu küssen. Wir verbringen eine lustige Zeit zusammen auf unseren Dates. Er ist ein Gentleman, er ist attraktiv und er mag mich. Aber ich mag ihn wohl nicht ganz so sehr wie er mich.

Wir lagen noch eine Weile kuschelnd und knutschend in meinem Bett, bis ich entschied, dass es Zeit war für mich schlafen zu gehen. Ich setzte mich auf und guckte ihn an. Er verstand und stand auf. An meiner Haustür zögerte ich nicht und küsste ihn zum Abschied. Ich wollte nicht, dass er meine Gedankengänge erkennen konnte. Ich wollte nicht, dass er enttäuscht ist. Er ist ein so sympatischer netter Mann.

Aber seit gestern Abend kann ich an nichts anderes denken als dieses fehlende Kribbeln. Eigentlich bin ich doch immer diejenige, die sich zu schnell verliebt. Vielleicht ist er ja auch garnicht verliebt und ich interpretiere wieder… Aber eins weiß ich nun:

Er ist nicht derjenige, für den ich mein derzeitiges Leben verändern würde. Er ist es nicht, für den ich weiterhin meine Pläne umschmeißen würde um ihn unter der Woche zu treffen. Er ist es nicht, mit dem ich vor meinem Auslandssemester eine Bindung eingehen würde. Er ist wohl einfach nicht der Richtige. Er ist es nicht.

Wie und wann sollte und muss ich es ihm sagen?

 

Mr Gryffindor

Heute folgt auch schon der nächste Eintrag. Es geht um das zweite Date, das mir zufällig diesen Monat unterkam. Im Beitrag „Karrierefrau“ hatte ich ihn noch Mr Mutig genannt, aber ich möchte ihn hiermit noch schnell umbenennen zu Mr Gryffindor. Das hatte er nämlich sogar selbst über sich gesagt. 😀

Mr Griffindor hatte mir einfach aus heiterem Himmel eine Freundschaftsanfage auf Facebook geschickt. Ich konnte erkennen, dass er an die gleiche Uni ging, aber ich kannte ihn nicht und wir hatten keine gemeinsamen Freunde. Ich sendete meinen Mädels aus der Uni einen Screenshot, weil ich wissen wollte, ob sie ihn kennen und ich ihn vielleicht einfach nicht erkannte. Manchmal kann ich  mir nämlich Gesichter einfach nicht merken. Nein, ihnen kam er auch nicht bekannt vor. Aber ich solle ihn doch einfach annehmen, der sehe ja gut aus und ich würde schon erfahren, was er wollte. Na gut, habe ich getan.

Nach kurzem Blabla war ich zu neugierig und fragte direkt, ob wir uns kannten. Nein, Facebook hatte mich ihm vorgeschlagen und weil ich so sympatisch aussehe, dachte er sich er könnte mich einfach anschreiben.

Ah, ist Facebook das neue Tinder? 😉 Nachdem wir ein bisschen geschrieben hatten, vertagten wir unser erstes Treffen auf nach den Klausuren. Das klappte dann ziemlich spontan an einem Freitag. Wir verabredeten uns in unserem Uni-Café. Ich war, wie immer, zuerst da. Bisher kannte ich ihn nur von seinen wenigen Facebookfotos. Der Kerl, der bald schon zielstrebig auf mich zukam, war sehr groß. Er hatte dunkle Haare und ein freundliches Lächeln. Ja, damit kann ich erstmal arbeiten. 🙂 Wir unterhielten uns gut, hauptsächlich über das Übliche, über das man bei ersten Treffen so spricht. Irgendwie kamen wir aber auf das Thema Sex und Sado-Maso (ich habe keine Ahnung wie das passieren konnte) – bis wir beide dann nur noch komisch verlegen schweigen konnten um dann schnell das Thema zu wechseln. 😀 Nach circa drei Stunden musste ich Aufbruchstimmung verbreiten, da ich noch einiges zu erledigen hatte. Wir verabschiedeten uns.

Das Wochenende darauf war ich dann nur unterwegs, Montag und Dienstag musste ich arbeiten und fuhr dann schon in meine Heimat. Ich hatte also irgendwie vergessen, mich bei ihm nochmal zu melden. Aber von ihm kam die ganze Zeit auch nichts. Bis vor ein paar Tagen.

Ich saß mit meinen Eltern auf dem Sofa vor irgendeinem Film, bei dem ich eh nicht aufpasste, weil ich gerade mit Mr Regisseur schrieb. In letzter Zeit schreibt er mir wieder öfter. Ja, der ist wichtiger als jeder Film. Ihm antworte ich immer gerne und meist sehr schnell. Unsere Gespräche sind immer noch lustig und ich freue mich so sehr ihn bald wieder zu sehen. Mittlerweile weiß ich zumindest, dass er „Ende Mai“ von seinem sechs-monatigen Trip zurück kommt. Aber jetzt geht es ja noch um Mr Gryffindor. Denn er ist mutig wir ein wahrer Gryffindor. 😀 Erstmal war es mutig mich einfach so über Facebook anzuschreiben. Das ist ja fast schon so mutig, wie echtes Ansprechen im Supermarkt oder auf der Straße. 😉 Aber was er an diesem Abend schrieb, war auch mutig.

Er schrieb mich an mit einem Screenshot meines Tinderprofils. Wir hatten anscheinend im August letzten Jahres sogar mal ein Match. Er hätte Tinder gerade erst wieder installiert… Jaja. 😉 „Da du ja so still warst nach unserem Treffen“ – beschwerte er sich. Ich konterte mit der schlechtesten aber offensichtlichsten Erwiderung: „du warst doch genauso still. ;)“

„Ich muss gestehen, dass ich zu lange gewartet habe.“ Er holte das sofort nach und fragte mich, ob ich ihn nochmal treffen möchte.

Ich antwortete mit ja, woraufhin er überrascht reagierte. „Man kann dich schlecht einschätzen, finde ich.“ Das hatte ich nicht beabsichtigt und höre ich sogar zum ersten mal.

Er wurde mutiger: „wie sehr willst du mich wieder sehen?“

Was war das für eine seltsame Frage? Einerseit eingebildet, andererseits machte es mich neugierig, auf was er hinaus wollte. Er hätte eine blöde Idee gehabt und muss deswegen die Antwort zuerst wissen.

Aha. Mehr als ein „wir können uns gerne wieder treffen“ bekommt er nicht von mir. Seine Antwort: „Meine Idee könnte sehr kuriös wirken, aber vielleicht kann ich es auch auf den Restalkohol schieben.“

„Ist akzeptiert. Also sag schon.“

„Wir treffen uns auf der Grasfläche an der Uni und küssen uns.“

Ich musste laut loslachen (und redete mich vor meinen Eltern, die noch neben mir auf dem Sofa saßen, mit einem lustigen Facebookvideo heraus). Das musste wohl wirklich Restalkohol sein. Aber trotzdem mutig. Oder überheblich? Oder eingebildet? Ich weiß es nicht.

Zum Glück konnte ich mich leicht herausreden, da ich über 500 Kilometer von der Uni entfernt in der Heimat festsaß. Er hoffte darauf, dass wir seine Idee verwirklichen können, wenn ich wieder zurück bin. „Das muss ich mir dann erstmal nochmal durch den Kopf gehen lassen.“

Seit Sonntag bin ich jedenfalls zurück. Meinem spontanen Vorschlag, ob er am Montag ins Unikino möchte, schlug er ab. Er war ehrlich und gestand, dass er keine Lust hat, dort seine Exfreundin zu treffen. Ich wurde neugierig und hakte nacht. Sie waren erst seit mitte Februar getrennt. Puh. Scheinbar diene ich also nur der Ablenkung. Auch okay für mich. Mal sehen ob das Date demnächst zustande kommt. 😀

 

Mr Regisseur

Ich muss unbedingt Einiges nachholen hier. Mein letzter Tagebucheintrag ist ja furchtbar kurz ausgefallen. Dabei habe ich so viel zu erzählen. Besonders zu einem Thema. Damit nerve ich schon seit Wochen meine Freundinnen. Es wird Zeit meine ganzen Gedanken hier loszuwerden.

Es geht um Mr Regisseur. Ich hatte ihn kurz vorgestellt in meinem Beitrag zum Date Marathon (Teil 2) und auch erwähnt, dass er mir am allerbesten gefallen hat. Auch er war es, zu dem meine Gedanken ständig wanderten, als Mr Tiger zu Besuch war.

Ich finde ihn furchtbar interessant. Es ist nicht nur sein Beruf, es ist auch seine Art. Aber am interessantesten ist wohl die Situation, in der wir uns befinden. Oder ein besseres Wort wäre: frustrierend.

Wir hatten Ende Oktober über Tinder gematcht und daraufhin geschrieben. Anfang November uns dann getroffen. Die zwei Wochen danach haben wir jeden Tag geschrieben und uns auch ein zweites mal getroffen. Irgendwann setzten wir zwei Tage aus beim Schreiben, was mich direkt frustrierte. Aber als er mich wieder anschrieb, machten wir wieder ein Treffen aus. Das dritte Date, kurz darauf das Vierte. Jetzt war klar, es würde das letzte sein. Er hatte es schon von Beginn an erwähnt, dass er Ende November verreisen würde. Er würde in die USA fliegen für drei Monate. Unser viertes Date sollte also das letzte sein. Bis dahin hatten wir uns noch nicht geküsst, aber wir waren gleichermaßen aneinander interessiert. Wir konnten uns immer gut unterhalten und er ist wahnsinnig lustig. Er kann mich mit seiner kindisch-spielerischen Art ständig zum kichern und lachen bringen. Leider hatte er nie oft Zeit, da er viel arbeiten musste – aber wenn er auch nur einen Abend in der Woche Zeit fand, wollte er ein weiteres Date mit mir verabreden. Daher gehe ich davon aus, dass das Interesse da sein muss.

Zum Abschluss des vierten Dates gab es immer noch keinen Kuss. Vermutlich die vernünftige Entscheidung. Überhaupt ist er ein sehr vernünftiger Mann. Trifft man heutzutage leider nicht mehr sehr oft. Er fand es sehr schade, dass wir uns zu so einem dummen Zeitpunkt kennenlernen mussten. Drei Monate sind theoretisch nicht lang. Praktisch – in unserer Situation – leider doch. Gerade erst kennen gelernt und Interesse aneinander gefunden – schon ist man erstmal drei Monate getrennt. Er würde aber gerne mit mir skypen. Ich freute mich sehr, als er mich fragte. 🙂

Sein Flug sollte ein paar Tage darauf gehen. Wir schrieben das Wochenende über wieder nicht. Ich hatte nicht erwartet, dass er mir nochmal schreiben würde und plante schon, dass ich ihm am Tag seines Abfluges noch  anschreiben könnte.

Am Montag kam allerdings dann noch eine Whatsapp von ihm. Wir schrieben etwas hin und her bis er mich fragte, ob ich Dienstag abend Zeit hätte. Es war der Abend vor seinem Abflug. Natürlich habe ich Zeit! Ich antwortete natürlich nicht ganz so überschwänglich, aber ich freute mich wirklich, dass ich die Person bin, die er vor seinem Abflug nochmal sehen wollte. Wir planten einen kurzen Kamera-Crash-Kurs (da ich mir vor ein paar Tagen meine erste Spiegelreflexkamera geholt hatte) und anschließend gemütlich Film gucken bei mir. – Also das normale Film gucken. Nicht das „Film gucken“. Ihr wisst was ich meine. Er ist vernünftig. (Ich nicht so ganz. Aber er und das ist gut so.)

Dummerweise habe ich in meinem WG-Zimmer kein Sofa zum Fernseh- (bzw. Film-) gucken, also legten wir uns nebeneinander in mein Bett. Komische Situation erst, da wir uns noch nicht wirklich sehr nahe gekommen waren bisher. Ich glaube, unbewusst rückte ich während des Filmes immer näher zu ihm. Erst berührten sich unsere Füße, dann die Beine. Irgendwann lag ich halb im Löffelchen bei ihm… Die Arme hatten wir jeweils noch bei uns selbst.

Da ich eine kleine Mädchenblase habe, musste ich während des Filmes auf die Toilette. Als ich wieder kam, hatte er sich die Decke geschnappt. Als Bestrafung kitzelte ich ihn an den Füßen, woraufhin er mich natürlich zehnmal fieser zurück kitzelte. Da war das Eis gebrochen und der Körperkontakt hergestellt. Wir guckten den Rest des Filmes allerdings immer noch nur mit „Fuß-/Bein-Kontakt“. Ich weiß dann garnicht mehr genau, wie es dazu kam, aber ich glaube, als der Film zuende war, und er seine Position änderte, schlang ich einfach mal meinen Arm um seinen Bauch. – Oho! – Mir blieb die Luft weg. Was ein Sixpack!

Das musste ich ihm natürlich gleich sagen, denn wer freut sich nicht über Komplimente? Ich durfte dann auch etwas weiter seinen Bauch streicheln. 😀 Als er wieder seine Position änderte, kuschelte ich mich komplett an ihn. Und er legte seinen Arm um mich, vielleicht weil ich ihm keine andere Wahl lies, vielleicht aber auch freiwillig.  Jedenfalls kuschelten wir endlich und es fühlte sich richtig gut an. Er fühlte sich gut an.

Zusammengekuschelt quatschten und dösten wir, bis es immer später wurde. Erst zwei Uhr, dann drei Uhr, dann vier Uhr. Sein Flug ging morgen um elf Uhr. Was für einen dummen Zeitpunkt wir uns da nur ausgesucht hatten, um uns kennen zu lernen. Als es fünf Uhr war, musste ich leider widerwillig den Schlussstrich ziehen. Ich hatte am nächsten Tag schließlich auch Uni. Mehrmals hatte er gesagt, er würde gleich gehen. Er konnte sich aber genauso wenig wie ich losreißen. Um halb fünf schob ich mich dann weg, stand auf und gucke ihn traurig an. Er verstand, stand ebenfalls auf und sammelte Rucksack und Jacke ein und zog die Schuhe an. Unter allen anderen Umständen hätte ich mir einen Kuss gewünscht. Aber jetzt dachte ich mir „bitte nicht küssen“. Und er tat es auch nicht. Um fünf Uhr morgens ging er.

Ich schrieb ihm, ich würde ihn vermissen und wünschte ihm einen guten Flug. Er sagte, es würde ihm leid tun, dass er mir den Schlaf für die Nacht geraubt hatte, aber es hätte sich gelohnt. Am nächsten Tag schrieb ich, während er im Flugzeug saß. Er solle sich melden, wenn er da wäre und wünschte ihm einen guten Start. Er antwortete nach seiner Ankunft und sendete mir ein Foto aus dem Flugzeugfenster.

Und das wars.

Seit dem hatten wir nicht mehr geschrieben. Gelegentlich likte er meine Instagramfotos. Ich like seine Neuen aus Kalifornien zurück. Mein heutiges Instagramfoto hat er noch nicht geliked. Denkt er noch an mich? Er soll mir endlich mal schreiben.

Oder soll ich schreiben?

Ich hoffe wir können in drei Monaten weiter machen, wo wir aufgehört haben. Was für eine dumme Situation.

Mr Schlagzeuger

Und das Glücksgefühl hält an. 🙂

Ich bin endlich wieder mein altes Selbst geworden. Ich bin wieder die lebensfrohe, flirt-liebende, unternehmungslustige Tagebuchschreiberin. Die Zeit mit Mr Schützenverein hat mich mehr heruntergezogen, als ich vermutet hatte. Während und kurz nach der Beziehung fühlte ich mich völlig ausgelaugt, irgendwie eingeschüchtert vom Leben. Woher das genau kam, kann ich nicht sagen. Aber ich kann sagen, dass ich nie wieder eine solche Beziehung eingehen möchte. Ich bin wieder ich selbst und möchte es bleiben. Ob alleine oder in einer Beziehung. „Wie“ ich tatsächlich genau bin, wird sicher in den nächsten Beiträgen klar. 😀

Seit letzter Woche gibt es wieder ein bisschen zu berichten:

Wie bereits angekündigt, konnten Mr Schlagzeuger und ich unsere Flirtereien auf der WG-Party am Samstag fortsetzen. Auf der Party entdeckten wir uns schnell und klebten ab da den ganzen Abend aneinander. Aber nur „verbal“. Wir unterhielten uns lange und gut, wechselten immer mal zwischen Gemeinschaftsraum, Balkon und Flur. Ständig liefen Leute an uns vorbei, darunter auch meine Mitbewohner und Freunde von mir. Sie hatten es sich wohl für den Abend zum Auftrag gemacht Mr Schlagzeuger und mich zu verkuppeln. Trotz Alkohol war Mr Schlagzeuger immer noch unglaublich schüchtern. Freundinnen meinten, wenn man uns von außen beobachtete, war es so offensichtlich, dass wir uns küssen wollten. Aber es kam nichts zustande. In der Situation selbst habe ich davon wenig bemerkt. Ich war ehrlich gesagt ganz glücklich damit, mich gut zu unterhalten. Bis die „Verkupplungsversuche“ auf das höchste Level hochfuhren. „Mensch, habt ihr euch immer noch nicht geküsst?!„, „Mr Schlagzeuger, so wird das aber nichts!„, „Jetzt trau dich doch mal!„. Alles Mögliche wurde uns von der Seite entgegen gerufen. Ich fand es lustig (im Nachhinein sogar noch lustiger, nachdem mir meine Mitbewohner von ihrer Strategie erzählten). Mr Schlagzeuger nervte es aber tierisch und flüchtete mit mir auf das Sofa auf dem Balkon. Dort schlang ich mutig (und beschwippst vom Alkohol) meine Beine über seine. Was wohl der endgültige Auslöser war. Er beugte sich zu mir und… küsste mich!

Und er küsste verdammt gut. 🙂

Den weiteren Verlauf der Party weiß ich garnicht mehr so genau. Meine Mitbewohner und Freunde freuten sich über ihre gelungene Verkupplung. Leider brachen sie aber schon bald auf (jedenfalls kam es mir so vor als wäre es sehr bald gewesen). Mr Schlagzeuger brachte dann wohl irgendwann seinen ganzen Mut auf und fragte mich, ob wir nicht auch mal ein Stockwerk tiefer in meine WG zurück gehen wollten. Klar, sagte ich. Dabei muss ich nun aber gestehen, dass ich schon sehr viel getrunken hatte zu dem Zeitpunkt, und mein Gehirn meist dann nur noch auf Automatik fährt. Ich dachte nicht weiter nach, ging mit ihm nach unten und wir knutschten in meinem Bett weiter. Mein mit „Automatik betriebenes Gehirn“ schlussfolgerte, dass es doch wohl nun zu Sex kommen würde. Ich zog ihm also sein T-shirt aus und eins folgte dem anderen.

Im Nachhinein glaube ich, der Arme war bestimmt etwas überrascht und überfordert. Der Sex war zwar gut (also so gut, wie er sein kann, wenn man betrunken das erste mal zusammen schläft 😀 ). Aber er hätte wahrscheinlich nicht sein müssen. Knutschen und irgendwann einschlafen wäre auch völlig okay, wenn nicht sogar besser gewesen. Aber was solls – jetzt ist es passiert. Und er meldet sich tatsächlich immer noch. 😉 Was aber eher mir erstmal zu verdanken ist..

Am nächsten Tag musste ich um 9 Uhr aufstehen, weil ich arbeiten musste. Er wusste Bescheid, dass er weiter in meinem Bett schlafen könne während ich weg war. Wie ich von meinem Mitbewohner (seinem Kumpel) erfahren habe, ist er wohl gegen Mittag irgendwann gegangen.

Am Tag darauf (Montag mittlerweile) unterhielt ich mich mit der Freundin, die mit mir auf der Party gewesen war (und Teil des „Verkupplungskomitees“). Ich erzählte ihr, dass Mr Schlagzeuger sich bisher nicht gemeldet habe und fragte, ob ich ihm schreiben sollte. Sie meinte, er wäre doch so ein schüchterner Typ, vielleicht würde er sich ja nicht trauen. Aber ich könne ihm ja schreiben.

Und da mir meine früher gesetzten „Regeln“ mittlerweile ziemlich schnuppe sind, schrieb ich ihm. Seitdem schreiben wir wieder ein bisschen hin und her.

Dienstag traf ich ihn im Fitnessstudio. Irgendwie war es etwas seltsam. Ich war bereits am Ende meine Trainings als er herein kam. Während ich zum Abschluss noch eine halbe Stunde Cardio am Crosstrainer machte, wärmte er sich auf dem Fahrrad auf. Ebenfalls die komplette halbe Stunde… Komisch auffällig, sich eine komplette halbe Stunde „aufzuwärmen“. Wohl nur damit er sich mit mir unterhalten könne. Er war auch merkbar nervös… Schon irgendwie süß. Aber selbstbewusste Männer finde ich einfach attraktiver.

Wann ich Mr Schlagzeuger wieder sehen werde, weiß ich nicht.

Damit dieser Eintrag nicht schon wieder ein Buch wird, kommen alle weiteren Neuigkeiten der letzten Woche im nächsten Beitrag. 😉 Stay tuned…

„Freundschaft-Plus“?

Ich habe die Wohnung immer noch nicht geputzt und ein Thema für meine Bachelorarbeit habe ich auch noch nicht. Zum Glück ist morgen ja (mal wieder) ein Feiertag.

Trotzdem nutze ich meine knappe Zeit um heute kurz über ein wichtiges Thema zu berichten: Das „Treffen-kein-Date“ mit Mr Unfotogen am Sonntag. 😉

Wir trafen uns in der Stadt und liefen zu dem Café, das ich mir ausgesucht hatte. Er war mal wieder furchtbar nervös. Ich nicht. Brauche ich nicht sein, er ist überhaupt nicht mein Typ, ich will ihn nicht beeindrucken und es wird nichts zwischen uns. Wir bestellten uns jeweils einen großen Eisbecher und quatschen über dies und das. Dazwischen mal eine komische unangenehme Pause, wobei ich mir aber keine Mühe machte, sie zu füllen. War mir alles egal. Wir aßen auf und bestellten noch einen Eistee. Als der leer war erwähnte er, dass er hier nicht unbedingt noch etwas essen wolle. Das verstand ich als „Aufbruch-Signal“ und schlug ihm vor, dass wir entweder ins Kino gehen könnten oder bei mir einen Film gucken können. Wie in meinem vorherigen Blogbeitrag erwähnt, wäre mir Kino lieber gewesen, ich ließ ihm aber die Wahl. Er entschied sich für Fim zuhause. Na gut, dann halt nach Hause.

Auf dem Weg zum Bus scrollte er kurz durch seine Whatsapp-Nachrichten. Oh, er musste sich bis 12 Uhr Mitternacht für eine Klausur anmelden. Das ginge nur von ihm Zuhause, weil er irgendwas dafür brauchte (keine Ahnung, hab ich nicht ganz verstanden). Ich erzählte, dass ich am nächsten Tag eh um sieben aufstehen musste. Damit war die Sache geklärt, dass es kein Übernacht-bleiben geben wird. Puhh…

Zuhause angekommen guckten wir ein paar lustige YouTube-Videos an und entschieden uns dann für den Film Avengers (den Ersten). Den hatten wir beide schon gesehen, aber ich wollte ihn nochmal sehen. Ich liebe die Marvel Filme, also würde ich den Film tatsächlich auch ganz angucken. Also kein „Film gucken“-ihr wisst schon. Pech für ihn. 😀 Übrigens kennt er sich gut aus mit Filmen. Das gefällt mir, sowas finde ich beeindruckend. Ich richtete meinen Laptop vor dem Bett ein (ich habe leider keinen Fernseher) und wir machten es uns bequem. Ich ruckte gleich ein Stück näher zu ihm und seine Hand legte sich wie selbstverständlich auf mein Knie. So gefällt mir das besser – nicht wie bei Mr Höflich, bei dem es eine Ewigkeit dauerte, bis er sich traute mich anzufassen. Kurze Zeit später rutschte seine Hand auf mein Oberschenkel und irgendwann war sie schon fast zwischen meinen Beinen. Wow. Sollte ich die lieber wieder richtig positionieren? Nö, gefällt mir so. Macht mich ein etwas wuschig. Als die Position nach einer Weile unbequem wurde musste ich mich kurz bewegen. Er nahm seine Hände von meinem Oberschenkel. Dafür umfasste er aber mein Gesicht. Er zog mein Gesicht an seins und wir küssten uns. Keine große Überraschung für mich. War mir klar, dass das heute passieren wird. Er küsste ganz okay. Nicht so toll wie Mr Höflich aber es klappte trotzdem gut. Nach einer oder zwei Minuten musste ich unterbrechen. Mit Hundeblick erklärte ich ihm „Ich wollte doch den Film sehen…“ Wollte ich wirklich. Ich mag Marvelfilme eben. „Okay, na gut“ – er klang nicht enttäuscht, er klang eher siegessicher.

Wir guckten den Film zuende und da der ziemlich lange geht war es schon relativ spät. Danach suchten wir ihm eine Bahnverbindung raus und hatten noch 10 Minuten Zeit. Wir küssten uns noch ein bisschen, er suchte dann seine Sachen zusammen, ich drückte ihm zum Abschied einen Knutscher auf die Lippen und er ging.

Als er in seinem Zug saß kam direkt die Frage, ob wir uns bald wieder sehen. Ich ließ mir etwas Zeit mit der Antwort. Hmm, eigentlich wollte ich ihn wieder sehen. Aber nicht weil ich Gefühle hätte. Es hört sich furchtbar egoistisch an, aber ich würde ihn wieder treffen wollen, weil ich weiß, dass ich von ihm das bekomme, was ich möchte und wann ich es brauche. Kuscheln, Küssen, Sex… Komplimente, Anerkennung… Ich antwortete „Ja gerne, aber nennen wir es dann wieder Treffen und nicht Date?“ Er antwortete, dass ich ja oft genug erwähnt hatte, dass ich an einer Beziehung kein Interesse hatte. Und dass er perfekt für eine Freundschaft-Plus wäre. Hmm, ich war mir da nicht sicher. Ich weiß ja, dass er ziemlich auf mich steht. Und dass er auf der Suche nach einer Beziehung ist. Ich wollte das aber nicht jetzt bereden, sagte ihm das, wechselte das Thema und ging bald schlafen.

Am nächsten Tag erzählte ich meinen Mädels von dem Treffen. Unter anderem M., über die ich Mr Unfotogen kennengelernt hatte, die eine gute Freundin von ihm ist. Sie meinte, dass sie ihn schon ausgequetscht hatte und ihrer Meinung nach stehe einer „Freundschaft-Plus“ nichts im Wege. Okay, dann ziehe ich das in Betracht. Ich finde allerdings, dass ich ihm zuerst nochmal verdeutlichen muss, dass wirklich nicht mehr wird mit ihm und mir. Außerdem muss erstmal der Sex klappen. Gestern schrieben wir lange über unsere Sexvorlieben und Erfahrungen. Ein weiteres Treffen haben wir für Freitag ausgemacht. Sex gibt es da aber noch nicht, weil ich an dem Tag meine Tage habe. 😀 Dafür gucken wir sicher nochmal einen guten Film. 😉 Und Kuscheln mag ich auch ganz gerne.