Leider ein gutes Date

Und direkt kommt ein weiterer brandaktueller Tagebucheintrag. Es geht um mein Tinderdate mit Mr Hashtag gestern. Nachdem wir wochenlang geschrieben hatten ohne uns treffen zu können, hatte ich Angst, dass ich zu hohe Erwartungen entwickeln könnte und er mir dann nicht gefallen könnte.

Endlich fanden wir aber einen Termin für ein Date und direkt vorweg: es war ein richtig guter Abend. 🙂 Leider. – Wieso leider? Da komme ich gleich dazu.

Ich denke nicht, dass ich trotz allen Guten-Morgen- und Gute-Nacht-Nachrichten zu hohe Erwartungen entwickelt habe. Eher fand ich es merkwürdig, da wir uns ja nicht kannten und habe ich mich gewundert, dass er das komplett durchzieht. Zwischendurch war ich auch genervt. Ich wollte keine Guten-Morgen- und Gute-Nacht-Nachrichten von irgendwem. Ich kenne ich ihn ja nicht. Was berechtigt ihn, mir die zu schreiben? Ein paar Stunden vor dem Date rechnete ich eher mit einem Reinfall und überlegte, wie ich am besten aus der Sache rauskomme, wenn es nicht passt. Als ich begann mich fertig zu machen und die Outfit-Frage anstand, wurde ich etwas nervös. Was war denn jetzt los?

Ich war von mir selbst genervt, dass ich nervös war. Ich stieg trotz allem in den Bus und fuhr zum Treffpunkt. Wir hatten geplant ein Eis essen zu gehen, ein bisschen spazieren und eventuell Fotos machen, da er auch eine schöne Spiegelreflexkamera hatte (das Nachfolgermodell von meiner).

Er hatte mich dann wohl von Weitem kommen sehen und stieg, kurz bevor ich da war, aus seinem Auto aus. Hm ja, er sieht aus wie auf seinen Fotos. Ein sympatisches Gesicht, man konnte sehen, dass er Wassersport betrieb (Muskeln! 😀 ) und die Größe passte wunderbar.

Ooookay – jetzt war meine sich vergrößernde Nervösität gerechtfertigt. Und das nervte mich noch mehr. Denn wenn ich nervös bin, labere ich nur Quatsch und bin tollpatschig wie sonst was. Ich hoffe, das fiel ihm nicht zu sehr auf. Eher fiel ihm direkt auf, dass ich typisch bayrisch mein „R“ rolle (was ich übrigens seit den fünf Jahren außerhalb Bayerns immer noch nicht wegbekommen habe). Ständig neckte er mich damit. Dafür hatte er auch einen ortstypischen Dialekt – damit hatte ich wenigstens etwas, womit ich zurück necken konnte.

Wir liefen also zur Eisdiele (ich verlief mich dabei gefühlte zehn mal) und unterhielten uns. Er konnte sehr viel reden, was mich aber nicht störte, da er zwischendurch auch einige Fragen stellte. Und irgendwie gefiel es mir, wenn er redete.

Wir redeten über alles Mögliche, allerdings nichts „Tiefsinniges“, wie ich es ganz gerne tue. Dabei lernt man den Menschen einfach am besten kennen. Aber es hätte zu unserem „Spätnachmittags-Eis-Date“ nicht gepasst. So erfuhr ich leider auch nichts über seine bisherigen Beziehungserfahrungen oder nach was er aktuell suche. Das muss ich wohl bei der nächsten Gelegenheit noch abchecken.

Nach unserem Eis, zu dem er mich sehr charmant einlud, liefen wir die typische Touristen-Strecke, die eine sehr schöne Seite meiner Unistadt zeigt. Er hatte noch Lust auf ein Feierabendbier und steuerte einen Kiosk an. Dieses Mal lud ich ihn spontan ein und wir setzen unseren Spaziergang fort. Dabei entdeckten wir ein paar coole Orte, an denen man Fotos machen konnte. Davon verstand er auf jeden Fall eine Menge. Was mich sehr beeindruckte.

Als wir schon Richtung Rückweg liefen, kamen wir an einer gemütlichen Kneipe vorbei und setzen uns mit einer Limo nach draußen. So nebeneinander vor der untergehenden Sonne, der kühlen Limo in der Hand und die Beine sich schon berührend, hätte ich ihn in dem Moment gerne geküsst. Tat ich natürlich nicht, denn ich spiele ja lieber die Gejagte. 😉 Er tat es aber leider auch nicht. Naja, vielleicht war es auch vernünftiger so.

Am liebsten hätte ich das Date nach der Kneipe beendet. Es war zwar richtig schön und ich fand ihn toll, aber irgendwie war ich müde, hatte schon seit meinem Mittagessen an der Uni-Mensa Bauchkrämpfe und wollte zurück. Er hatte aber noch Hunger, also teilten wir uns Pizzabrötchen und Kartoffelecken bevor wir dann endlich zu seinem Auto liefen. Er bot an, mich zurück zu fahren und ich erzählte ihm während der Fahrt von unserer schönen Aussicht auf die beleuchtete Uni. Die wollte er noch fotografieren, also wurde der Abend noch weiter in die Länge gezogen. Da wir dann eh schon an meiner WG waren, konnte ich ihm ja noch kurz eine Wohnungsführung geben.

Währenddessen bemerkte ich, dass er gar nicht mehr so gesprächig war wie bisher. Ich fragte, ob er schon müde wurde. Er meinte, er hätte von dem Essen gerade irgendwie Bauchkrämpfe bekommen. Ich erzählte ihm nicht, dass ich schon den ganzen Tag welche hatte. Man sah merklich, dass es ihm schlecht ging. Ich fragte ihn, ob er gerne einen Tee hätte oder ob ich ihn zum Auto zurück bringen sollte. Er entschied sich dafür, den Abend zu beenden und ich war innerlich zwar froh darüber, aber hätte mir natürlich gewünscht, dass es ihm nicht so schlecht ging. Wir umarmten uns ganz normal zum Abschied.

Als ich mir heute morgen allerdings den Abschied nochmal durch den Kopf habe gehen lassen, bemerkte ich, dass er vielleicht doch nicht ganz „normal“ gewesen war. Vielleicht war es Einbildung, aber ich glaube die Umarmung hatte eine Sekunde länger gedauert als üblich. 😀 – Aber vermutlich interpretiere ich da wieder nur was hinein.

Er hatte mir im Laufe des Abend erzählt, dass er am nächsten Tag nochmal kurz in meine Unistadt wegen seiner Arbeit fahren musste und wir uns ja auf einen Kaffee treffen konnten. Ich wusste nicht, ob das Angebot noch aktuell war und sagte zur Verabschiedung, er könne sich ja melden. Ich war dabei selbst sehr gespannt, ob er sich melden würde.

Und er meldete sich. 🙂 Wie es sich gehört, nachdem er zuhause angekommen war. Und am nächsten Morgen auch nochmal. Das Angebot stand noch und ich überlegte sehr lange, ob ich mir die Mühe machen sollte meinen Vormittagsplan umzuwerfen um ihn auf einen Kaffee zu treffen. Mir wäre das allerdings wirklich zu stressig geworden. Und andererseits ist es vielleicht auch besser, nicht immer verfügbar zu sein… Ich bot an, das nächste Treffen zu verschieben. Er ist ja unter der Woche eh immer in meiner Stadt.

Und man erkennt schon: ich mache mir mal wieder viel zu viele Gedanken. Deshalb das „leider“. Leider war es ein schönes Date. Leider gefiel er mir gut. Leider habe ich Interesse an ihm. Leider warte ich jetzt immer sehnsüchtig auf eine Antwort von ihm. Und leider werde ich es so vermutlich wieder verkacken.

Also wer lesen möchte, wie ich es wieder verkacke: einfach die nächsten Wochen dran bleiben. Wir werden sehen. Stay tuned.

Einfach was Unkompliziertes

Jetzt sitze ich wieder im Zug zurück in meine Unistadt. Ich hab ein bisschen Zeit und Lust zu schreiben. 🙂 Die Dame neben mir schielt immer mal wieder rüber, was ich denn so abtippe. Mal sehen, ob ihr der Folgende Text auch gefallen wird. 😉

Mr Tinderjüngling und ich haben uns am Dienstag Abend tatsächlich nochmal getroffen. (Hier gehts zu Date Nr. 1 und Date Nr. 2) Ich bin direkt zu ihm gefahren – Keine Umstände mehr mit Kaffee-Date oder zusammen in einer Bar was trinken. Einfach fix und unkompliziert zu ihm. Also wohl so ein richtiges Sex-Date. 😉

Es war wieder ein sehr angenehmer Abend mit ihm. Er begrüßte mich gleich mit einem Kuss und bot mir was zu trinken an. Für mich hatte er sogar extra zwei Flaschen Desperados gekauft, weil ich das auf unserem letzten Date in der Bar bestellt hatte. Ich wollte erstmal nur ein Wasser, davon ließ er mich aber maximal einen Schluck trinken bevor er mich zu sich aufs Bett zog, mich mit weiteren Komplimenten überschüttete und anfing mich überall anzufassen. Wie beim letzten Date entkleideten wir uns schnell und hatten zusammen unseren Spaß. Ich bin immer noch erstaunt darüber, dass der Sex so super ist. Dieses Mal kuschelten wir danach allerdings nicht sehr lange. Dafür war es an dem Tag einfach viel zu heiß. Er holte für mich und für ihn kühles Bier aus dem Kühlschrank und schlug vor, wir könnten uns eine Etage höher auf die Dachterrasse des Studentenwohnheims setzen. Es war eine geniale Idee! Dort oben hatte man eine tolle Aussicht.

Wir unterhielten uns gut sehr gut miteinander. Er erzählte mir viel von sich und seiner Kindheit. Seine Familie ist mit ihm aus einem der ärmeren postsowjetischen Staaten nach Deutschland geflüchtet als er 12 Jahre alt war. Er erzählte mir, wie hart das Leben dort gewesen war und wie es für ihn war, danach in Deutschland neu anzufangen, erstmal komplett Deutsch lernen zu müssen und die Schule schaffen. Danach schloss er eine Ausbildung ab und begann ein Studium. Und jetzt ist er bald fertig mit seinem Universitätsmaster in BWL. Da wurde mir bewusst, wie sehr er mich beeindruckte. Ich habe großen Respekt vor seiner Leistung!

Jetzt wollte er von meiner Kindheit und meinem Leben auch Einiges erfahren. Das schuldete ich ihm wohl, aber sehr leicht ging mir das nicht über die Lippen. Je mehr man von seiner Vergangenheit oder seinen Gefühlen preisgibt, desto emotional abhängiger wird man von der Person, mit der man es teilt. Das wollte ich nicht. Ich wollte was Unkompliziertes. Er und ich können uns eh frühestens nach meinem Auslandssemester wiedersehen. Außerdem betrachte ich ihn nicht als „Boyfriend Material“. Dafür sind wir zu verschieden und wohnen viel zu weit voneinander weg. Natürlich erzählte ich ihm trotzdem was von mir, aber ich achtete auf emotionalen Abstand – sofern das ging.

Als wir unser zweites Bier getrunken hatten wollten wir noch einen Film starten. Einen, den ich unbedingt mal sehen wollte. Meinen Eltern musste ich davor allerdings noch schnell eine Whatsapp schreiben, dass es später werden würde. Ich hatte ihnen erzählt, dass ich bei einer Freundin wäre, um blöden Fragen aus dem Weg zu gehen. Wenn ich dann sehr viel später als erwartet nach Hause komme, machen sie sich direkt Sorgen. Das ist das Nervige daran, wieder bei seinen Eltern zu wohnen – wenn es auch nur kurzzeitig ist.

Der Film ließ sich Zeit mit dem Laden. Die Zeit nutzen er und ich natürlich effizient mit einer zweiten Runde. 😉 Als der Film dann endlich gestartet werden konnte, war es schon ziemlich spät und ich merkte, dass ich unglaublich müde war. Ich konnte meine Augen kaum noch aufhalten und verschlief, glaube ich, die Hälfte des Films. Er hatte die ganze Zeit seinen Arm um mich und fand es ziemlich süß, dass ich ständig weg nickte. Natürlich wollte er wieder, dass ich die Nacht bei ihm schlafe, damit wir morgen nochmal ein bisschen Spaß haben könnten. Aber ich wollte die Toleranz meiner Eltern nicht noch weiter ausreizen und lehnte sein Angebot dankend ab. Als der Film zu Ende war, dauerte es noch eine Weile, bis ich es schaffte aufzustehen. Wir verabschiedeten uns und er bat darum, dass ich ihm schreibe, sobald ich Zuhause angekommen bin. Ich lachte und antwortete, er würde dann doch eh schon eingeschlafen sein.

Als ich eine halbe Stunde später durch meine Haustür trat, schrieb ich ihm brav. Und er antwortete mir direkt. Ob er wohl doch noch wach geblieben war?

Jetzt versuche ich gerade in mich zu hören, ob er es geschafft hatte, sich emotional in meinen Kopf zu bohren. Wenn meine Gedanken abschweifen, merke ich, wie ich an ihn denke. Aber nur kurz. Seine süßen Nachrichten und Komplimente schaffen es, mir ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Aber das ist nicht schwer zu schaffen. Bald werden wir eh kaum noch schreiben. Es ist unvermeidbar. Je mehr Kilometer dazwischen, desto weniger Kontakt. Aber er ist ein total lieber Mensch und ich habe mit ihm ein paar schöne Dates verbracht. Sache abgehakt. Ich denke, ich habe dieses Mal alles unter Kontrolle.

Ich sollte mir für meine Unistadt auch unbedingt jemanden suchen, mit dem ich so eine unkomplizierte Sache starten kann. Jemanden, der mir süße Komplimente macht, mein Selbstbewusstsein pusht und ich heißen Sex haben kann…

Vierzehn Kilo

Ich sitze gerade auf unserer wunderschönen WG-Terasse nach einem tollen Sommertag voller Nichts-tun. Jetzt kann ich den Abend abrunden mit einem Tagebucheintrag.

Die WG ist seit heute Nachmittag leer weil alle ausgeflogen sind. Macht mir aber nix. Mr Tiefsinnig kam spontan vorbei um meinen Mitbewohner zu besuchen (der aber ja weg war). Wir quatschten für ein Stündchen und bevor er ging fragte er noch, ob ich Lust habe mit ihm und ein paar Leuten in das Kneipenviertel zu gehen auf ein, zwei Bier. Aber eigentlich bin ich gerade zufrieden mit meiner Musik und meinem Laptop auf der Terrasse – mit Blick auf unseren Garten vor der untergehenden Sonne. Und eigentlich möchte ich einfach nicht mehr rausgehen, weil ich kein Bier oder Cocktail oder ähnliches mehr zu mir nehmen möchte. Traurig, dass ich deswegen den sozialen Kontakt ablehne.

Über was ich heute Abend schreiben möchte ist etwas das mir, neben dem Thema Männer und Dating, ebenfalls nie aus dem Kopf geht. Darüber habe ich sehr lange nichts mehr geschrieben. Es geht darum, dass ich mit meinem eigenen Körper noch nie  Frieden schließen konnte. Ganz besonders nicht seitdem ich mein Gewicht wieder beobachte. Ich habe schon seit vielen Jahren Probleme mit dem Verhältnis zu meinem Körper, meinem Gewicht und dem Essen oder Nicht-Essen. Letztens habe ich noch geschrieben, dass ich seit dem Beginn meines Studiums zugenommen habe, aber es mir nicht viel ausmacht, weil ich mich auch fitter fühle. Das ist nicht ganz richtig.

Ich habe immer mal Phasen, an denen ich mit meinem Essverhalten und meinem Körper zufrieden bin. Aber es überwiegt die Abscheu. Ganz besonders die letzten Woche. Ich habe mein Höchstgewicht und schaffe es nicht, trotz 6-7 Mal die Woche Sport, abzunehmen. Nun habe ich mir meinen gesamten Gewichtsverlauf, seit ich diese „Probleme“ mit meinem Essverhalten habe, mal genauer angesehen.

Mein niedrigstes Gewicht hatte ich damals kurz vor dem Abi. Ich wog ganze 14 Kilo weniger als jetzt (bei der gleichen Größe). Das war aber tatsächlich zu wenig. Das gebe ich mittlerweile zu und finde es im Nachhinein nicht schön, wie ich damals aussah. Zu der Zeit hatte ich die Tiefphase meines Essverhaltens und ich hungerte einfach. Ich hungerte nicht nur, weil ich dünn sein wollte. Ich hungerte nach Perfektion. Ich hatte alles unter Kontrolle. Es fühlte sich gut und richtig an. Mein Abi verlief gut und richtig. Mein Leben verlief gut und richtig. Mein Körper und mein Kopf sollten die Klappe halten. Hungern war richtig.

Das Gewicht konnte ich natürlich nicht lange halten und nahm nach dem Abi wieder ein kleines bisschen zu. Die Gedanken aber blieben. Während meiner Zeit in Australien aß ich wieder wenig und kam zwischenzeitlich nochmal auf mein Niedrigstgewicht. Danach ging es nur noch aufwärts. Zu Beginn meines Studiums hatte ich ein gutes Normalgewicht. Im Vergleich zu meinem jetzigen Höchstgewicht sind das 12 kg weniger. Ich fühlte mich so eigentlich ganz wohl. Ich begann mit dem Krafttraining und baute Muskeln auf. Im fünften Semester machte ich mein Auslandssemester und erlaubte mir viel zu essen. Ich legte 6 Kilo zu. Das war mein damaliges Höchstgewicht und ich fand es furchtbar. Ich wollte um jeden Preis abnehmen und erlegte mir selbst mein „Projekt Sixpack“ auf. Zu der Zeit bloggte ich hier übrigens schon. Ich konnte drei bis vier Kilo abnehmen. Es war zwar weniger als ich erhofft hatte, aber meine Figur war top. Ich hatte Muskeln und einen schönen Bauch.

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Vom letzten Sommer

Über den darauffolgenden Winter nahm ich nochmal zwei Kilo zu. Das war okay. Den Sommer über konnte ich sie zwar nicht abnehmen, aber auch das war okay. Mein damaliger Freund machte mit mir Schluss und ich aß aus Frust ziemlich viel. Zu der Zeit traute ich mich nicht auf die Waage. Aber ich konnte im Spätsommer trotzdem wieder zu einer Figur kommen mit der ich zufrieden war.

Dann kam der letzte Winter. Ich aß natürlich wieder viel. Wie man das so über den Winter und über die Feiertage eben macht. Und wog mich im Januar diesen Jahres wieder. Ach du scheiße.

Im Vergleich zu meinem Gewicht im Sommer davor waren es +6 Kilo. Ich dachte mir zwar „oh Gott, wie ekelhaft.“ Aber das sind doch nur die Weihnachtspfunde. „Die kann ich bestimmt schnell wieder abnehmen.“

Bis März konnte ich sogar drei Kilo abnehmen. Aber nur um sie dann wieder an Ostern zuzunehmen. Und bekam sogar vom Osterhasen nochmal ein Kilo dazu geschenkt. Ich habe zur Zeit mein Höchstgewicht. Ein Gewicht, das ich niemals auf der Waage sehen wollte. Und ich bekomme kein einziges Kilo wieder runter. Zwar schwankt mein Gewicht: wenn ich weniger esse über zwei, drei Tage habe ich auch einen oder zwei Kilo runter. Aber wenn ich dann wieder nur einen oder zwei Tage mehr esse, ist das Gewicht wieder wie vorher. Es ist zum Verzweifeln.

Insgesamt habe ich also seit meinem Niedrigstgewicht im Jahre 2011 Vierzehn Kilo zugenommen. Zu meinem ersten Wohlfühlgewicht und heute ist es ein Unterschied von 12 Kilo. Bezieht man mit ein, dass ich jetzt mittlerweile seit drei Jahre Krafttraining betreibe sind es immer noch 9 Kilo zu viel für mich.

Ich überlegte lange. Bisher hat das doch immer geklappt. Was mache ich anders? Ist es, weil es in meiner WG immer so leckeres Essen gibt und ich mich nicht zusammenreißen kann? Im Sommer letzten Jahres hat das aber auch nicht dazu geführt, dass ich so viel zunehme. Außerdem tracke ich schon seit langem mein Essen. Ja, ich esse öfter im Überschuss, aber ich treibe auch 6-7 Mal die Woche Sport. Liegt es vielleicht am Stress, den ich mir ständig wegen dem Studium und dem Lernen mache? Das spielt bestimmt auch eine Rolle, aber führt doch nicht zu einem Plus von 7 Kilo innerhalb von einem halben Jahr. Was, also, hat sich im letzten halben Jahr verändert?

Mir fällt da nur eine weitere plausible Antwort (neben Stress und WG) ein: ich habe im Oktober die Pille abgesetzt. Wie ich zu dieser Entscheidung kam und was sich dadurch für mich (außer meiner Gewichtszunahme) änderte, beschreibe ich in einem extra Beitrag.

Meine Beobachtungen zur Gewichtszunahme und dem Absetzen der Pille googelte ich. Es scheint, als hätten viele Frauen das gleiche Problem. Am häufigsten hört man von Frauen, die aufgrund der Pille und die dadurch entstehenden Wassereinlagerungen zunehmen. Diese nehmen dann natürlich beim Absetzen wieder ab. Einige Frauen aber nehmen, wie ich, beim Absetzen der Pille extrem zu. Einen Forumseintrag fand ich sogar von einer Frau, die innerhalb von einem Jahr 20 Kilo zugenommen hatte. Ich hoffe soweit kommt es bei mir nicht!

Ich verzweifle aber schon langsam an meinen nun sehr hohen Gewicht. Ich fühle mich nicht wohl, aber schaffe es nicht, wie sonst immer, wieder auf ein Wohlfühlgewicht zu kommen. Auch nicht mit weniger Essen und fast jeden Tag Sport. Die Pille würde ich aus dem Grund (noch aus irgendeinem anderen Grund) trotzdem nie wieder nehmen. Aber ich weiß nicht, was ich noch tun kann. Ich kann doch nicht weiter beobachten, wie mein Gewicht steigt und steigt. Vielleicht sind das mit der Pille, dem Stress und der WG auch nur blöde Ausreden. Vielleicht habe ich ich einfach wirklich nicht mehr unter Kontrolle und fresse zu viel.

Ich weiß zwar, dass ich sportlich bin und nicht dick. Meine Problemzone war für mich schon immer mein Bauch. Den Rest meines Körpers mag ich eigentlich. Die 7-9 Kilo zu viel sieht man auch nicht so extrem. Meine Hosen sind zwar enger, aber nicht so eng, wie man es mit 7-9 Kilo zu viel erwarten würde. Aber diese Zahl. Diese blöde Zahl. Die stört mich wahnsinnig. Und auch wenn ich aufhören würde, mich fast täglich zu wiegen, würde diese Zahl in meinem Kopf herumspuken. Ich würde, wie immer, meine unperfekte Figur sehen. Und mich zu schwer fühlen. Und mich weiterhin am Ende des Tages hassen, dass ich zu viel gegessen habe. So wie ich es schon seit sieben Jahren tue.

Ich will doch nur wieder die Kontrolle und Perfektion haben von damals. Zumindest habe ich heute kein Bier oder Cocktail mehr getrunken.

Auf der Suche: nach Mitbewohnern, Freundschaften und Selbstbewusstsein

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Ich hab in letzter Zeit oft Lust hier zu schreiben. Über dies und das, über meine vielen Gedanken, über meine zunehmenden Stimmungsschwankungen, über meine Pläne, über die Leute, die ich kennen lerne oder nicht kennen lerne… Aber ich komme nicht dazu. 😦

Ich dachte dieses Semester würde entspannter werden. Das ist es zwar, was Uni-Veranstaltungen angeht: ich habe nur noch eine Vorlesung und ein Seminar. Dafür arbeite ich aber jetzt mehr. Nebenbei organisiere ich mein Auslandssemester und habe meinen Tag mit Sport vollgepackt. Dazu kommt, dass einer meiner Mitbewohner im Sommer auszieht und ich auch für den Zeitraum meines Auslandssemesters einen Zwischenmieter finden muss. Also haben wir ständig WG-Bewerber hier.

Die gemeinsamen WG-Abende, die sich daraus ergeben, genieße ich sehr. Während wir nach einem passenden Neumitglied für unsere kleine Ersatzfamilie suchen, wachsen wir immer mehr zusammen. Das macht es aber schwieriger, jemanden zu finden, der unseren hohen Ansprüchen gerecht wird. Wir Fünf sind im vergangenen Jahr sehr vertraut geworden, wir wissen über das Leben jeden einzelnen Bescheid, stehen uns immer mit Rat und Tat zur Seite, kochen, backen und spielen zusammen, putzen und verschmutzen, zicken uns an und vertragen uns wieder. Die Person, die neu dazu kommen wird, muss einfach passen.

Trotz der vielen schönen WG-Abende, meinem vollen Tagesprogramm und dem vielen unterwegs sein, beschleicht mich in letzter Zeit oft ein Gefühl von Einsamkeit. Ich habe regelrechte Stimmungsschwankungen deswegen. Einerseits finde ich es angenehm, mal niemanden treffen zu müssen und tun zu können, was ich möchte. Andererseits hätte ich in diesen Momenten auch einfach jemanden, dem ich von meinem Tag erzählen und ihn ausklingen lassen kann. Dabei meine ich nicht mal unbedingt einen Beziehungspartner. Die Freundschaften, die mir in letzten Jahren in meiner Unistadt so wichtig waren, lösen sich schleichend auf. Die tolle Mädelstruppe, die wir waren – die im Bachelorstudium fast unzertrennlich war – trifft sich kaum. Vor einem Jahr zogen vier davon für das Masterstudium in eine andere Stadt. Wir drei, die übrig waren, trafen uns natürlich noch öfter, gingen Kaffee trinken, machten Filmabende oder gingen zusammen zum Sport. Aber vor ein paar Monaten zog die Eine mit ihrem Freund zusammen und in die Nachbarsstadt. Die Andere ist seit Anfang des Jahres frisch in einer Beziehung und ist deshalb oft bei ihm. Und ich? Ich bin immer noch hier. Ich habe keine Ersatz-Mädels-Truppe gefunden und keinen Freund mit dem ich zusammen ziehe oder meine Zeit verbringe.

In der Uni mache ich natürlich trotzdem hin und wieder neue Bekanntschaften. Durch mein Seminar habe ich einen netten Kerl kennengelernt, der gut backen kann. 😀 Er hat mir öfter schon Kekse vorbei gebracht. Ich unternehme gerne was mit ihm. Kumpelhaft. Eine neue „Freundschaft“ also. Glaube ich. Auf den ersten Blick wirkt er nicht anziehend auf mich. Aber trotzdem sehe ich in jedem Singlemann immer erstmal eine potentielle Datemöglichkeit. So ist es wohl, wenn man sich so lange als Single fühlt. Die Freundschaftsmöglichkeit besteht, wenn es dann nicht passt. Ich weiß wohl noch nicht so ganz wo ich hier stehe. Und auch nicht, wo er steht. Er fragt mich  abends ganz spontan, ob ich mit ihm spazieren gehen möchte. Er backt Kekse für mich. Er schreibt mir oft – aber oft auch nur Unibezogenes. Keine Ahnung. Jedenfalls unternehme ich gerne was mit ihm. Kumpelhaft.

Mit einem anderen Kommilitonen und den Leuten, die ich über das Start-up im November kennen gelernt habe, unternehme ich jetzt sehr viel. So war ich diese Woche und letzte Woche seit langer Zeit wieder feiern. Und seit noch längerer Zeit erst zum Morgengrauen zuhause. Ich habe getrunken und getanzt und Tränen gelacht. Ich habe es total genossen. Solche Abende wie gestern sind Erlebnisse, die mich wieder euphorisch stimmen und an denen ich mich nicht einsam fühle.

Einer aus dieser Freundesgruppe ist seit Kurzem wieder Single. Die Gruppe erwähnt mehr oder weniger subtil, dass sie uns doch verkuppeln können. Er ist ein super lieber Kerl und sieht auch nett aus. Und ich? Statt mit ihm normal umgehen zu können, wie ich es getan habe, als er noch in einer Beziehung war, werde ich plötzlich richtig schüchtern ihm gegenüber. Was ist nur los mit mir? Das Selbstbewusstsein, das ich dachte, das ich mittlerweile doch hätte, ist weg. Entschuldige mich, ich muss das kurz mal suchen gehen…

Vielleicht habe ich das bei Mr Gryffindor liegen gelassen? Nein, das kann nicht sein. Schließlich haben wir uns nie noch ein zweites Mal getroffen. Seit seinem Vorschlag versuchte er es hin und wieder mit spontanen Treffen. Wenn ich aber viel zu tun habe, kann ich nicht spontan sein. Dann ist jede Minute meines Tages verplant. Man muss dann Termine mit mir machen. Also versuchte ich es auf die Art. Ich schlug ihm immer wieder mögliche Treffen vor. Nie klappte es, er lehnte ab oder antworte dann einfach nicht mehr. Dann schrieb er mir einige Tage darauf eine banale Nachricht aus nur einem Smiley oder einem Wort. Was sollte das? Erst auf mutig tun und dann keine Taten folgen lassen? Lassen wir das doch einfach sein. Ich schrieb ihm noch ein letztes Mal, dass er was Konkretes ausmachen müsste, wenn er mich wirklich wiedersehen möchte. Oder es dann eben ganz sein lassen kann. Seine Antwort: „Okay.“ Und das wars. Dann eben nicht Mr Gryffindor.

Und solche Momente sind es, die mich zum grübeln bringen. Die Momente, in denen ich mich frage, ob meine Denkweisen eigentlich normal sind oder wieso ich ständig Bestätigung suche. Oder ob es nicht sogar völlig menschlich ist, Bestätigung im sozialen Umfeld zu suchen. Braucht das nicht jeder? Oder gibt es Menschen, die sich in jeder Hinsicht und zu jeder Sekunde des Tages selbst lieben und akzeptieren?

Ich brauche einfach mal wieder eine größere Aufgabe in meinem Leben. Etwas, mit dem sich mein Gehirn stattdessen beschäftigen kann. Ich freue mich auf meine Zeit im Ausland. Und dann auf mein letztes Semester im Master. Und dann auf den Berufsstart und dem Neustart in einer anderen Stadt. Aber Angst habe ich auch. Und genau an diesem Punkt stand ich schon mal. Kurz bevor ich mit meinem Bachelor fertig werden sollte.

Jetzt muss ich aber erstmal wirklich mein Selbstbewusstsein und meinen Optimismus suchen gehen. Und ich weiß schon wo: in mir selbst. Und in den positiven Erlebnissen, wie dem gestrigen Abend oder meinem Halbmarathon, den ich morgen schon antreten werde. Vielleicht liegen alle Antworten auf der 21-Kilometer-Strecke. 😉

 

Fünf Monate Abhängigkeit

In einem meiner letzten Beiträge habe ich geschrieben, dass ich mich niemals abhängig machen möchte von einem Mann. Ich möchte mein Leben selbstbestimmt leben  und meine Zukunft gestalten können, so wie ich sie mir vorstelle. Ich hatte lange die Idee für den Beitrag „Karrierefrau“ im Kopf, hab ihn abgetippt und am Ende mehrmals durch- und Korrekturgelesen, wie ich es immer mache. Meine Beiträge veröffentliche ich nur, wenn ich mindestens zu 90% zufrieden bin, mit dem was ich da geschrieben habe. Und ich war verdammt stolz, auf das, was ich da geschrieben habe. Ja, so will ich sein und so will ich leben! Das bin ich!

Ein leiser Gedanke schwirrte trotzdem ständig durch meinen Kopf. Ein Gedanke, der vielleicht auch der Grund war, wieso ich meine letzten beiden Dates (mit Mr Gryffindor und Mr Tinderjüngling) so herrlich locker gesehen habe. Ein Gedanke, der damals noch lauter war, als mich mein Exfreund (und damals wirklich guter Freund) im Winter besucht hatte, und ich ihm nicht die Nähe geben konnte, die er sich gewünscht und auch verdient hatte. Ein Gedanke, der mich keinen einzigen Tag der letzten fünf Monate losgelassen hat. Ein Gedanke, der mich abhängig machte. Jeden einzelnen Tag hasste ich mich dafür. Und heute hasse ich mich am meisten dafür.

Heute habe ich erfahren, dass Mr Regisseur nicht wiederkommt. Er kam nicht wieder, wie zuerst geplant, nach drei Monaten. Er kommt auch nicht wieder nach sechs Monaten. Er kommt vielleicht irgendwann wieder. Keine Ahnung wann. Er bleibt in L.A. bis er seinen fucking Film fertig hat.

Ich bin wirklich traurig. Und gleichzeitig ärgere ich mich so über mich selbst. In den letzten fünf Monaten habe ich jeden einzelnen Tag an ihn gedacht. Wie konnte ein Mensch mein Herz nur so berühren? Ein Mensch, der dann fünf Monate nicht da ist, sich sogar zwei Monate davon in keinster Weise gemeldet hat? Ein Mensch, den ich über Tinder kennengelernt habe und „nur“ einen Monat lang gedatet habe?

Ich habe das Gefühl, irgendwann war er in meinem Kopf nicht mal mehr ein Mensch. Er war nur eine verzerrte Gestalt – eine Mischung aus Erinnerungen von den Momenten, die wir zusammen gelacht und geredet und philosophiert hatten und der Person, dessen Tag ich auf den sozialen Medien verfolgen darf. Es war aber nicht mehr der wahre Mensch, an den ich dachte.

Ich habe so oft versucht ihn zu vergessen. Habe mir gewünscht, jemand anderen kennen zu lernen, an den ich stattdessen denken konnte. Habe mir eingeredet, dass ich gerne Single bin. Dass er eh nicht zu mir passt. Dass es keine Zukunft gibt. Dass ich übertreibe.

So wie ich jetzt beim Schreiben und Lesen erkenne, dass das alles völlig übertrieben ist. Aber es ist leider so wahr. Fünf fucking Monate sind genug Zeit, sich in ein Gedankenkonstrukt hineinzusteigern.

Aber jetzt wird es wirklich Zeit loszulassen. Ich denke, was die Situation von vornherein so schwierig macht, ist, dass es für mich nie ein richtiges „Ende“ gab. Am Tag nachdem wir uns erst richtig nah gekommen sind, ist er geflogen. Ich wusste, er würde in drei Monaten wieder kommen. Drei Monate konnte ich warten.

Aber aus drei Monaten wurden sechs Monate. Okay, die gingen auch irgendwie schnell vorüber. Und er schrieb mir ja immer wieder mal, flirtete, machte mir Komplimente.

Aber heute – heute ist es wirklich genug. Heute muss ich abschließen. Er schrieb mir, er würde noch länger bleiben müssen. Meine einzige Antwort: „schade“, dann schmiss ich das Handy auf mein Bett. Ich wollte seine Antwort darauf nicht sehen. Erstmal. Und beschäftigte mich zwei Stunden mit etwas anderem. Währenddessen schrieb er mir. Weil ich nicht antwortete nochmal. Ob ich traurig wäre.

Nachdem ich mich bereit fühlte zu lesen, was er geschrieben hatte, antwortete ich, dass ich schon traurig wäre. Ich hätte mich gefreut, ihn bald wieder sehen zu können.

Das wird das Letzte sein, was ich ihm schreibe. Bei den meisten Arten der Abhängigkeit sagt man doch, ein kalter Entzug wäre das Beste. Ich versuche es mal damit. Ich muss ihn endlich vergessen. Was soll das schließlich? Diese Gedanken haben die letzten fünf Monate schon viel zu viel meiner Energie gefressen. Verschwendete Gedanken.

Ich bin einzig und allein auf mich selbst sauer. Ich kann nicht mal ihm sauer sein, denn ich würde es nicht anders machen. Ich würde unabhängig mein Ding durchziehen und meinen scheiß Film produzieren weil ich ein verdammter erfolgreicher Regisseur sein will. Und das werde ich sein. Keine Regisseurin, aber verdammt erfolgreich und unabhängig. Der letzte Schritt, den ich gehen muss, um meine stolzen Worte im Beitrag Karrierefrau tatsächlich zu leben. Ein leiser Gedanke, der endlich zu einem stummen Gedanken werden muss.

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Für Anstrengung wird man nicht belohnt

Heute war der erste Tag seit circa vier oder fünf Monaten, an dem ich mir erlaubt habe auszuschlafen. Und es tat verdammt gut. Ich habe mir einfach mal nichts vorgenommen. Also – ein paar Dinge hatte ich auf meiner To-Do-Liste notiert. Aber ich habe mich zum ersten mal seit vier Monaten nicht selbst dazu gezwungen, irgendwas heute erledigt haben zu müssen. Und was ist heute dann passiert? Ich habe alles geschafft. Seltsam, wie das mit diesem Leben manchmal so funktioniert.

Meine Prüfungsphase und damit das zweite Mastersemester in meinem Marketingstudium ist vorbei. Es war ein verdammt hartes Semester. Das wusste ich vorher schon. Deshalb habe ich mich von Anfang an reingehängt. Nachdem mein erstes Semester eher daneben ging, wollte ich dieses Semester besser sein. Ich habe mich selbst unter Druck gesetzt, ich war unter Dauerstress und -strom, bin gegen Ende keinen sozialen Aktivitäten mehr nachgegangen, habe mich abgeschottet um Lernen zu können. Bisher lehrte mich das Leben, dass man belohnt würde, wenn man sich anstrengt.

Aber was in der Vergangenheit funktionierte, funktioniert in der Gegenwart nicht immer. Für mein Abi habe ich damals viel gelernt. Ich habe mir Ziele gesetzt und mich reingehängt. Die Belohnung war ein Abi von 1,8, worauf ich unglaublich stolz war. Harte Arbeit zahlt sich aus, erkannte ich. Während meines Bachelors habe ich viel gelernt und gleichzeitig das Studentenleben genossen. Die Kurse fielen mir nicht allzu schwer. Ich wurde ebenfalls mit guten Noten belohnt und hatte eine tolle Zeit. Im letzten Semester des Bachelors wollte ich dann den Einserschnitt, den ich erreicht hatte, erhalten. Aber aufgrund der schlechten Noten in meiner letzten Klausur (was ich bis heute nicht nachvollziehen kann) und einer Bachelorarbeit, die hätte besser sein können – kam ich „nur“ auf eine 2,0. Ich war etwas enttäuscht. Aber es war okay. Ich mache ja noch einen Master. Da ist die Bachelornote egal und ich schaffe da ganz sicher einen Einserschnitt.

Und jetzt bin ich so weit vom Einserschnitt entfernt, wie ich es mir niemals erträumt hätte. Das erste Semester des Masters lief bescheiden – das zweite Semester beschissen. Trotz des vielen Lernens. Trotz der Vernachlässigung jeglicher sozialen Kontakte. Drei der vier Klausuren liefen nicht so gut wie erhofft. Eine lief dagegen besser als gedacht. Die Seminararbeit gab ich erleichtert zwei Tage vor dem Abgabedatum ab. Das Resultat: Alle Noten schlecht. Auch von der Klausur, die gut lief. Noch schlimmer wurde es, als ich erfuhr, wie gut die Noten meiner Kommilitonen waren. Alle waren ausnahmslos besser. Was war da passiert?

Vielleicht setze ich die Anforderungen an mich selbst zu hoch. Ich habe es ja schon bemerkt: ich war beim Lernen unglaublich ineffektiv. Unkonzentiert. Ließ mich ständig ablenken. Während ich die Prüfung schrieb, hatte ich teilweise Blackouts. Meine Seminararbeit gab ich ab, ohne sie nochmal zu überprüfen. Das war dumm. Ich war dumm. Wieso kann ich es nicht mehr? Wieso kann ich nicht mehr zielstrebig und effektiv lernen? Ich starrte die letzten Tage stundenlang auf meinen im Onlinekonto errechneten Notenschnitt. Rechnete aus, ob der Schnitt wirklich stimmte, rechnete nach ob, ich noch in den nächsten Semestern auf den Einserschnitt kommen könnte. Überlegte, wieso mir das alles früher so viel leichter gefallen war. War es, weil ich meine Mädels-Lerngruppe vom Bachelor nicht mehr hatte? War es, weil letztes Jahr mir die Sache mit Mr Schützenverein so in die Quere kam – und dieses Jahr, weil meine Gedanken ständig bei Mr Regisseur waren? Oder studiere ich einfach schon zu lange? Ist mein Gehirn mittlerweile einfach ausgewrungen, wie ein zerfranstes Handtuch, das nicht mehr ordentlich seinen Zweck erfüllt? Ist der Master zu anspruchsvoll für mich? Hätte ich mir doch gleich einen Job suchen sollen?

Es ist unglaublich frustrierend, wenn man sich so reinhängt und es alles am Ende nichts bringt. Die letzten Tage war ich furchtbar verzweifelt. Jetzt geht es zum Glück wieder. Ich kann es nicht mehr ändern und sehe das vergangene Semester als Lektion und als Anreiz, ab jetzt mein Studium eben so gut es geht zu machen, ohne mich weiter so unter Druck zu setzen. Ich werde die kommenden Semester entspannter angehen. Ich bin überzeugt davon, dass ich auch mit einer schlechteren Note als meine Kommilitonen einen tollen Job finden werde. Ich kann Praktika und Auslandserfahrung nachweisen. Ich bin nicht ortsgebunden, habe viele Interessen und kann mich überall bewerben. Und die nächsten Semester werden sowieso schon entspannter. Ich werde das Studentenleben noch genießen.

Und ich sollte eindeutig öfter ausschlafen und mir nichts vornehmen. Dann klappt ja offenbar alles. 😉

Langersehntes Update

So, ich habe aus meinem Fehler gelernt: ich sollte keine Versprechen machen, die ich nicht halten kann.

Das hört sich dramatischer an, als es ist. Es geht mir darum, dass ich in meinem letzten Beitrag angekündigt hatte, dass ich so viel zu berichten habe. Und jetzt habe ich über zwei Wochen nichts mehr geschrieben. Ich hasse solche Menschen, die einen auf etwas heiß machen und dann passiert nichts. Furchtbar sind die. Furchtbar bin ich. 😀

Aber bitte entschuldigt, liebe Tagebuch-Mitleser, ich bin echt eingespannt in meinem Uni Kram. Fast täglich sitze ich noch bis 22 Uhr an meiner Seminarabeit. Die Tage zur Zeit sind anstrengend. Morgens erlaube ich es mir zwar immer noch eher gemütlich aufzustehen, mache meinen Sport und setze mich gegen 10 Uhr an das erste Fach. Das lerne ich, bis es Mittagessen gibt. Zum Glück habe ich hier zur Zeit einen kleinen Luxus: ich bin bei meinen Eltern und kann mich etwas verwöhnen lassen. Das ungemütliche und zeitaufwendige Haushaltszeug fällt weg: kochen, einkaufen, putzen…

Nach dem Mittagessen geht es weiter mit dem zweiten Fach. Die beiden Klausuren habe ich Ende März an direkt aufeinanderfolgenden Tagen. Wie ich sowas hasse. Gegen Abend setze ich mich dann an den PC zum schreiben. Leider nicht Tagebuch sondern eben die Seminararbeit. Am 31.3. ist aber endlich das schlimme Semester zuende. Ab dann kann ich alles an Tagebucheinträgen nachholen!

So sieht mein Alltag seit zwei Wochen aus. Also passiert wirklich nicht viel. Höchstens online: weil die Informationen angefordert wurden, und weil es wirklich das Interessanteste ist derzeit, hier ein kurzes Update über „meine Männer“. 😉

Nachdem ich Mr Tiefsinnig gefragt hatte, ob wir es schaffen uns nochmal zu treffen bevor ich in meine Heimat fahre, hat er sich nicht mehr gemeldet. Da-damm. Da zeigt man als Frau mal Interesse – dann meldet sich der Kerl nicht mehr. Wie gewohnt. Er liked aber noch meine Instagram-Fotos. Was ist eigentlich los mit den Kerlen heutzutage? Ich hatte Mr Tiefsinnig sogar vor ein paar Tagen nochmal beiläufig geschrieben. Es kam keine Antwort. Naja, soll mir egal sein.

Denn jetzt meldet sich Mr Regisseur ja wieder! Hach, ich werde ihn wohl nie los. Zum Glück. Oder nicht. Ach mann, ich weiß nicht, was mir lieber ist: dass er sich nicht meldet, damit ich ihn endlich vergessen kann. Oder dass er sich meldet, und mir sogar ständig Komplimente macht.

Sogar das hier schrieb er, wortwörtlich: „ich vermiss die Zeit ein bisschen. Mit Klettern und so. Das war cool.

Oh. Mein. Gott. Man kann sich nicht vorstellen, wie sehr ich über diese Aussage ausgeflippt bin. Damit man es mir auch glaubt, hier als Screenshot:

Er hat es tatsächlich so geschrieben! „Und so“ !! Vergesst das Klettern, ich weiß doch, was er mit „und so“ meint. 😉

Oh je, ich fühle mich wirklich wie eine kleine Teenagerin, die das erste mal mit ihrem Schwarm gesprochen hat. Was macht der Kerl nur mit mir? Genau aus diesem Grund will ich ihn aus meinem Kopf verbannen. Aber das ging die letzten vier Monate nicht und geht schon garnicht, wenn er ständig wieder so präsent ist. Dabei kommt er erst in zwei Monaten von seiner Reise zurück. Das ist nicht fair von ihm, mir so zu schreiben. Vermutlich testet er auch damit nur, ob ich immer noch Interesse habe.

Ich sollte mich einfach für die Komplimente bedanken mich darauf freuen, dass wir uns sehen wenn er wieder da ist. Und auch dann nichts erwarten. Keine Vorstellungen und Wünsche. Nur das wird der schwierige Teil. Ich werde es schon verkacken. So wie ich es immer verkacke, wenn mir ein Kerl gefällt. Ja wohl, das kann ich gut.

Bestimmt ist es aber so eh das Beste. Denn zwischen ihm und mir kann es nichts werden. Nicht nur, dass er durch seinen Job ständig unterwegs ist, sondern auch, weil ich nicht mehr lange in Deutschland bin. Denn – und jetzt kommt das, was ich in meinem letzten Beitrag angekündigt habe: die großen Neuigkeiten. Ich habe eine Zusage für ein Auslandssemester in Finnland bekommen! 🙂 Darüber schreibe ich aber nochmal in einem extra Beitrag. Hier geht es noch darum, dass ich mir endlich das mit Mr Regisseur ausreden muss.

Oh Gott, wie alt bin ich eigentlich? 14? Ich wünschte, ich könnte in Hinsicht meiner Emotionen gegenüber Männern endlich erwachsen werden…

Vier Uhr nachts und drei Flaschen Wein

War das nun ein „Date“ oder nicht? Ich kenne seine Absichten nicht. Und sie sollten mir nicht wichtig sein. Ich habe einfach den Abend genossen.

Ich hatte gestern mein Treffen mit diesem sehr interessanten Kumpel meines Mitbewohners. Der, mit dem ich über die tiefsinnigen Dinge des Lebens sprechen kann. Ich brauchte dringend gedankliche Zerstreuung. Nur Tag ein, Tag aus morgens aufzustehen um zu Lernen, tut der Psyche auf Dauer alles andere als gut. Dafür tun mir die Gespräche mir Mr Tiefsinnig gut.

Der Abend begann mit meinem Erstaunen über seine große Künstler-Loft-Wohnung und einem leckeren, von ihm gekochten Essen. Und endete um vier Uhr nachts und drei Flaschen Weißwein.

Dafür bin ich heute so müde, dass ich zwar ein bisschen lernen konnte, aber gerade eher schon im Halbschlaf vor dem Laptop sitze und nicht genau weiß, wie ich diese Gedanken, die in meinem Kopf herumschwirren, in schöne Zeilen abtippen kann. Dabei möchte ich so viel sagen. Alles erzählen, worüber wir beide uns acht Stunden unterhalten haben. Wie ich es empfand und wie er mich beeindruckt.

Aber ich kann es in keine verständlichen Sätze formulieren.

Ich werde es die nächsten Tage mal noch versuchen. Oder vielleicht auch nie. Oder vielleicht doch jetzt.

Jedenfalls ist er süß. Dunkle braune Locken, dunkle braune Augen, groß und lieb. Er hat mich nach den ersten zwei Flaschen Wein lange umarmt. Einfach so, aus dem nichts. Mehr hat er aber nicht versucht. Er schreibt sehr wenig auf Whatsapp. Was für mich sehr gewöhnungsbedürftig ist. Aber ich komme langsam damit klar. Und es ist erfrischend. Erfrischend, dass man nicht alles schreibt, sondern miteinander reden kann. Es war so leicht, das Gespräch am Laufen zu halten. Nie langweilig. Es war inspirierend und beeindruckend.

Wir kennen uns erst seit zwei Treffen. Ich mag ihn gerne und möchte ihn wieder sehen. Aber ich möchte auf garkeinen Fall Gefühle entwickeln. Oder gar verlieben. Nicht in ihn. Und nicht in irgendjemand anderen. Ich hasse Verliebtsein.

Und ich übertreibe mal wieder maßlos. Ich sollte jetzt besser schlafen.

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Dezemberpriorität 4: Männer

Na gut, da ist das verdammte Thema schon wieder. Ich hatte ja vor noch gar nicht allzu langer Zeit geschrieben, dass ich erstmal nichts mehr zu Männern schreiben werde, weil ich mich auf anderes konzentrieren möchte. Allerdings muss ich noch kurz ein letztes Update dazu raushauen: Mr Regisseur meldet sich wieder! Und ich hatte vor ein paar Tagen das letzte Date mit Mr Gemüselasagne.

Zu Mr Regisseur: Ich hatte bereits mit ihm abgeschlossen, war schon angepisst von seiner Wortkargheit und hatte beschossen, ihn endlich zu vergessen. Aber irgendwie traten wir – sofern das geht – über Instagram immer mal wieder in Kontakt. Dann musste ich ihn die letzten Tage zweimal anschreiben wegen Fragen zu meiner neuen Kamera. Mir bliebt hier leider nicht viel übrig, da ich sonst niemanden kenne, der sich mit der Kamera auskennt. Er antwortete auf meine Fragen immer sehr zeitnah und es folgte dann sogar immer die Frage, wie es mir geht und etwas Small Talk. Ein paar Tage darauf schrieb er mich sogar mal wieder an und wir schrieben wieder etwas mehr. Dabei wollte ich den Kerl doch vergessen. Ich war so gut dabei mir einzureden, dass es nicht funktionieren würde zwischen ihm und mir. Jetzt ertappe ich mich bei den Gedanken und der Hoffnung wieder viel mit ihm zu unternehmen, wenn er zurück ist. Meine Mitbewohnerin machte mir noch mehr Hoffnung, als sie mir bestätigte, dass es viele Männer gibt, die „digital“ und über eine gewisse Entfernung einfach sehr wortkarg werden. Es würde nicht bedeuten, dass er kein Interesse mehr hätte.

Naja, was soll ich tun? Ich warte einfach weiterhin ab, was so passieren wird. Zumindest beruhigen sich meine Gedanken wieder zum Thema Mr Regisseur. Vielleicht kann ich mir bald wieder erfolgreich eingestehen, dass er nichts für mich ist.

Zu Mr Gemüselasagne: Wie bereits in einem vorherigen Beitrag erwähnt, vereinbarten wir noch letzte Woche, uns vor den Weihnachtsferien noch zu treffen. Bei der „Intervention“ meiner Mitbewohner, rieten sie mir, dass ich das mit Mr Gemüselasagne doch endlich beenden sollten. Ich würde doch eh nix von ihm wollen, würde meine Zeit nur verschwenden und außerdem wäre es gut für mein angeknackstes Selbstbewusstsein, wenn ich ihm einen Korb verpassen kann. Das klang für meine Ohren etwas hart, aber irgendwie hatten sie schon recht. Also traf ich Mr Gemüselasagne mit dem Wissen, dass es das letzte Date sein würde.

Das Date jedenfalls verlief so: er kochte wieder für mich, vegetarisch, (sehr aufmerksam, der Mann) und danach wollten wir einen Film gucken. Da Studenten sehr oft kein Sofa haben, mussten wir es uns auf seinem Bett bequem machen. (Bestimmt werde ich es später mal vermissen, wenn man tatsächlich auf einem richtigen SOFA Filme guckt!) Um es nun nicht zu spannend zu machen: es lief nichts zwischen uns. Er war aber die ganze Zeit auffällig nervös. Vielleicht hatte er sich etwas erhofft für den Abend? Er hatte allerdings nie etwas versucht. Wie ein Gentleman brachte er mich nach dem Film zurück nach Hause und wir verabschiedeten uns. Es war sehr seltsam. Ich bin froh, dass er nichts versucht hat, aber es hat mich sehr verwirrt, dass er so nervös war. Ich habe ihm gegenüber zwar nichts erwähnt, aber es war von meiner Seite aus das letzte Date. Mal sehen ob er nochmal ein Treffen vereinbaren will. Dann muss ich ehrlich sein.

Ein letzter Herr fehlt noch: Mr Tiger. Ihn sehe ich vermutlich in wenigen Tagen wieder. Das letzte Treffen, als er über 1000 Kilometer gefahren ist, um mich in meiner Unistadt zu besuchen, verlief ja eher unangenehm. Wenn Mr Tiger Annäherungsversuche machen sollte die kommenden Tage, werde ich ihm erzählen, dass ich zurzeit jemand anderen date. Es entspricht nicht hundertprozentig der Wahrheit, aber ich denke, so kann er meine Gedanken besser nachvollziehen. Und das ist nur fair. Ich kann ihm momentan nicht mehr die Nähe schenken, die er sich von mir wünscht. Noch vor wenigen Monaten sagte mein Kopf, er ist die vernünftigste Wahl für mich, aber sobald ich wieder in meiner Unistadt war und meinen „Spaß“ hatte, vergaßen mein Kopf und mein Herz ihn gleichermaßen.

Das war es nun mit meinen Beiträgen zu meinem Dezemberstress. Mein Tagebuch ist hiermit wieder Up-To-Date. Ich genieße jetzt die Weihnachtsfeiertage – bis die Zeit kommt in der man sich dann Gedanken macht um die Vorsätze für das neue Jahr. Aber mir schwirrt da schon einiges im Kopf herum. 2016 war schon ein interessantes Jahr und 2017 wird ein super Jahr!

Ich wünsche all meinen Tagebuch-Mitlesern ein wunderbares Fest mit euren Liebsten! Ich freue mich, dass ihr euch für meine letzten Beiträge über mein Leben interessiert habt und gerne mitlest. Genießt das Fest so sehr wie ich es tue. Fröhliche Weihnachten! ❤

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