Traummann

Januar:

Er: „Ich liebe dich.“

Sie: „Ich kann darauf leider noch nicht antworten – das weiß ich noch nicht. Aber was ich weiß ist, dass ich noch niemals zuvor so verliebt war wie ich es in dich bin.“

Er: „Das ist in Ordnung, wenn du darauf noch nicht antworten kannst. Jeder Mensch fühlt anders.“

Februar:

Sie: „Eigentlich wäre es doch sinnvoll, wenn wir zusammenziehen würden, oder? Andererseits weiß ich nicht, wo ich nach dem Studium einen Job finden werde…“

Er: „Ja, das ist zu unsicher.“

Sie: „Aber schön wäre es.“

März:

Er: „Möchtest du mit mir zusammenziehen?“

Sie: „Ja!“

April:

Er: „Ich wäre traurig, wenn du von hier wegziehen müsstest. Aber ich möchte dich nicht einschränken und deiner Freiheit berauben. Ich unterstütze ich in all deinen Entscheidungen.“

Sie: „Ich habe entschieden noch eine Weile zu bleiben. Vielleicht ergibt sich ein Job hier. Aber ich möchte nicht für immer hier leben.“

Er: „Das möchte ich auch nicht. Wir werden zusammen die Welt erkunden!“

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Ich liebe diesen Mann. Wenn es der Richtige ist, fühlt sich nichts zu schnell, zu langsam oder zu falsch an. Nächsten Monat sind wir ein halbes Jahr zusammen. Ich ziehe zum ersten Mal mit einem Partner zusammen.

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Komische Konstellation (Teil II)

Fortsetzung von Komische Konstellation (Teil I)

Das geplante Date zwischen Mr Tiger und mir am Donnerstag war aber nicht das nächste mal, an dem wir uns wiedersahen. Ursprünglich hatte ich mit meinem besten Freund ausgemacht, an diesem Tag bouldern zu gehen, was ja nun ins Wasser fallen würde. Da ich ungerne meinen Sportplan umwerfe, schlug ich Mr Tiger vor, er könne doch dann zumindest am Mittwoch mit mir zum Bouldern. Ich hielt das für eine perfekte Idee, denn er hatte sowieso einige Kilos zugelegt, seit wir zusammen waren, und falls ihm der Sport gefällt, könnte er damit sicher gut weiter machen. (Wie uneigennützig ich doch bin. 😉 ) Wir nahmen einen weiteren Kumpel und seine Freundin mit. Mr Tiger war blutiger Anfänger und konnte natürlich nicht viel. Ich dagegen genoss es, ihm meinen Sport zu zeigen und mich selbst darin vorzuführen. 😉 Er hatte Spaß und war sofort dabei, als ich vorschlug, das ganze kommende Woche zu wiederholen.

Am Date-Donnerstag wusste ich immer noch nicht, was er geplant hatte. Ich liebe Überraschungen (was er auch wusste), deshalb fand ich es schön, nichts zu wissen. Abends lief ich zu seiner Wohnung (weniger als fünf Geh-Minuten entfernt) und nachdem er seinen Kram zusammengesucht hatte, stiegen wir ins Auto. Es ging in die Stadt. Als wir parkten fragte er mich, ob ich schon eine Ahnung hatte, wo es hingehen würde. Nein noch nicht. Die hatte ich dann erst, als wir eine mir sehr bekannte Straße entlang liefen. Das konnte doch nur… das Planetarium sein! Ich freute mich wie ein kleines Kind. Ich habe das Planetarium geliebt, wollte sogar sehr lange Astronomin werden (das dafür benötigte Physik-Studium schreckte mich aber doch ab). Heute fand dort eine kleine Veranstaltung mit Live-Musik und passender Bildershow in der Kuppel statt. Hammer Idee von ihm! Er erstaunt mich immer noch. Es war eine schöne (und sehr entspannende) Veranstaltung.

Danach plante er ein kleines Mitternachtspicnick auf unserem Dorf-Berg. Er hatte Decken, Weintrauben und Schokolade dabei. Den Wein hatte er vergessen. Was aber überhaupt nicht schlimm war, denn wir können eh über alles offen reden. Wieder kuschelten wir. Wieder redeten wir. Wieder gab es keinen Kuss.

Meine beste Freundin wurde schon ganz wahnsinnig. „Küsst euch doch endlich! Habt doch endlich Sex!“ Aber irgendwie brauchten wir das nicht. Ich genieße es einfach, in seiner Gegenwart zu sein. Ich genieße es, wie ich mich in seiner Gegenwart fühle, wie wir uns gegenseitig gut tun, wie sich unsere damalige Beziehung wieder vor meinen Augen abspielt. Wirklich schade, dass wir keine Zukunft miteinander haben können.

Auch dieser Abend ging irgendwann vorbei. Unser nächstes Treffen sollte am folgenden Wochenende sein, an dem die komischte aller Konstellationen zusammentreffen wird: ich bekam Besuch von Freunden meines Exfreundes, Mr Schützenverein. Vier seiner Freunde, mit denen ich mich damals schon gut verstand und jetzt immer noch viel Kontakt habe, wollten mich für einen Tag wegen des Oktoberfests besuchen kommen und bei mir schlafen. Da Mr Tiger und ich uns letztes Jahr zum Oktoberfest verpasst hatten, fragte ich ihn bereits vor mehreren Wochen, ob er zufällig an dem Tag gehen würde. Ja, vielleicht, er würde noch seinen Arbeitskollegen fragen. Auch meine beste Freundin wollte mitkommen. Kurz vorm Wochenende sagten dann sein Arbeitskollege und meine beste Freundin ab. Mr Tiger würde aber trotzdem gerne mitkommen. Ich hatte damit kein Problem, denn Mr Tiger kommt mit allen Menschen gut klar. Und mein Besuch ist zwar chaotisch, aber immer gut drauf. Also genau gesehen ist es nur äußerlich eine komische Konstellation: einer meiner Exfreunde, gute Freunde meines anderen Exfreundes und ich auf dem Oktoberfest. 😀

Fazit des Tages: „Mensch, wieso seid ihr denn nicht mehr zusammen? Er ist so ein toller Kerl! Ihr passt so toll zusammen! Tausend mal besser als Mr Schützenverein und du!“

Und endlich gab es sogar den Kuss, der so lange auf sich warten ließ. Und danach gab es noch mehr Küsse zwischen Mr Tiger und mir. Er konnte kaum die Finger von mir lassen. Er war froh um jede Sekunde, an der ich ihm meine Aufmerksamkeit schenkte. Er schoss mir eine Rose, machte Selfies mit mir, kuschelte sich an mich, war eifersüchtig, wenn sich andere Männer mit mir unterhielten. Und bei mir gab es Gefühlschaos… Nicht wegen eines anderen Mannes. Nur wegen ihm.

Kann man sich nochmal in seinen Exfreund verlieben? Darf man das? Sollte man das? War ich je nicht in ihn verliebt? Während der fünf Jahre (und ganz besonders wenn ich neue Männer kennenlernte) dachte ich an ihn. Ich dachte an unsere Beziehung. Wie schön sie gewesen war. Ob ich jemals wieder eine so perfekte Beziehung finden würde. Ob wir in weiteren fünf Jahren noch eine Chance hatten, wenn ich mit dem Studium fertig bin.

Dazu kamen weitere Gedanken: wie ernst meint er das Ganze? Tut er das nur, weil er zwar gerne Zeit mit mir verbringt, aber weiß, dass ich sowieso bald wieder weg bin? Weil er Nähe will, und ich gerade da bin? Weil wir damals eine tolle Zeit zusammen hatte, aber es in nächster Zeit eh nicht mehr davon geben wird?

Mein Herz sagt nein. So war Mr Tiger nie. Seine Worte und Gesten müssen echt sein. Andererseits weiß ich nicht, wie er sich in den letzten fünf Jahren entwickelt hat. Ich war schon immer naiv, habe aber leider viel Gemeines erleben müssen, wenn es um Gefühle geht und bin nun vorsichtiger.

Und vorallem bin ich etwas sauer. Ich bin sauer auf Mr Tiger. Obwohl ich nicht weiß, wie er tatsächlich denkt. Ich bin sauer auf Mr Schützenverein, dass er mich zu einer Person gemacht hat, die wohl nun keine Komplimente und schönen Gesten mehr ohne Hintergedanken genießen kann. Ich bin sauer auf alle Männer, denen ich die letzten fünf Jahre näher gekommen bin, die mich umschmeichelt haben und sich Mühe gegeben haben. Bis ich mich verliebt habe. Dann haben sie mich fallen gelassen, verletzt zurück gelassen und vergessen. Es ist doch immer das Selbe.

Die meiste Wut habe ich allerdings mir selbst gegenüber. Wieso entwickle ich immer so schnell Gefühle? Ganz besonders jetzt, wo es doch eh hoffnungslos ist? Ich werde ihn, sobald ich in meiner Unistadt bin, unglaublich vermissen. Vermutlich werde ich irgendwann nicht mehr an ihn denken. Aber vergessen werde ich ihn nie. Vermutlich habe ich immer unterbewusst die Hoffnung, dass wir uns nochmal genau so in fünf Jahren begegnen. Und wir dann endlich eine Zukunft haben können…

Komische Konstellation (Teil I)

Da sitze ich. Immer noch in der Heimat. Und drücke mich momentan davor, weiter an meinem Unikram zu arbeiten. Kenn man. Leider geht es in knapp einer Woche wieder zurück in meine Uni-Stadt. Dass ich in diesem Satz jemals wieder das Wort „leider“ benutzen würde, hätte ich nicht gedacht, denn normalerweise halte ich es nicht mehr sehr lange in meiner Heimat aus. Dieses mal verging die Zeit jedoch einfach zu schnell. Und es gibt Menschen, die mich zurückhalten. Dazu gleich mehr.

Die „Ex-Freund-Woche“ verlief unproblematisch. Das Treffen mit Mr Schützenverein und dem Kumpel war ein bisschen seltsam. Ich habe ihn zwar begrüßt und wir haben uns verhalten, als wäre nie irgendwas vorgefallen. Aber seine pure Anwesenheit machte mich unruhig. Unser gemeinsamer Kumpel, der noch mit ihm dabei war, wollte mich nach dem Bouldern unbedingt noch zu einem Kaffee einladen, also blieb ich noch eine kurze Weile, nachdem meine Leute schon gegangen waren. Wir saßen zu dritt am Tisch und unterhielten uns. Aber, wie gesagt, fühlte ich mich in der Situation komplett unwohl. Spätestens danach wurde mir bewusst, dass ich mit Mr Schützenverein nichts mehr zu tun haben möchte.

Lustiges Ereignis dazu: Als ich an diesem Abend wieder zuhause saß, schrieb ich noch eine Weile mit dem Kumpel. Ich nenne ihn mal Mr Angeber (weil er es ist 😀 ). Er begann (wie er es oft tut) zu flirten. Irgendwann fragte er mich, ob er mich zum Essen einladen dürfte, wenn ich zurück wäre in meiner Unistadt. Ich zögerte. „Fühl dich nicht gezwungen. Nur wenn du wirklich Lust darauf hast.“ Dieses ganze Flirten von ihm konnte ich eh nie ernst nehmen. Mr Angeber flirtet mit allem, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Also wollte ich gleich eines klar stellen: „Ich weiß ja nicht wie du dir das vorstellst: als Date-date oder als freundschaftliches Date?“ „Keine Angst, einfach nur so. Ich weiß ja, dass ich nichts für dich bin.“ Okay, darauf lasse ich mich dann wohl ein. Neugierig wie ich aber bin, musste ich aber trotzdem nochmal nachfragen: „woher weißt du, dass du nichts für mich bist?“ „Ich würde mal behaupten, dass ich es merken würde, wenn es anders wäre. Außerdem verdienst du dieses mal einen guten Freund.“ Wo er recht hat, hat er recht. 😉 Nein, keine Sorge, ich ließ ihn nicht mit der Aussage stehen. Wenn er die richtige Frau findet, ist er sicher ein guter Freund. Allerdings hat er vollkommen recht: er ist nichts für mich (aus diversen Gründen, die ich jetzt nicht aufzählen werde).

Ex-Freund-Treffen Nr. 2 verlief dagegen wirklich schön. Ich ging hinein in der Erwartung, dass wir uns einfach treffen zum quatschen und uns auszutauschen, was die letzen fünf Jahre in unserem Leben alles passiert ist. Im weiteren Verlauf nenne ich ihn liebevoll Mr Tiger (hat was mit seinem eigentlichen Spitznamen zu tun). 😉

Es begann harmlos mit einer Führung durch seine neue WG, danach Kaffee und Kekse mit seinen Mitbewohnern. Ich wusste garnicht, dass man in einem Dorf auch in einer WG leben kann… Aber man lernt wohl nie aus. 😉  Zu zweit suchten wir uns aus, was wir abends kochen würden. Er wollte etwas „lukratives, orginelles und leckeres“. Unter Lachen googelten wir diese und weitere Begriffe, bis wir mit unserer Menü-Auswahl zufrieden waren. Wir gingen einkaufen und legten los mit kochen. Dabei unterhielten wir uns und hatten Spaß, als wären niemals fünf Jahre dazwischen gewesen.

Das Essen war fertig, er deckte den Tisch und zündete Kerzen an. Oho, ein Candlelight-Dinner? Das hatte ich nicht erwartet. Ich war immer noch der Meinung, dass wir uns freundschaftlich treffen. Aber Kerzen heißen ja nichts, schließlich gehören Kerzen zum typischen Herbst-Haushalts-Inventar (wohl auch in Männer-WGs?). Etwas melancholisch wurde ich dann doch dabei. Mr Tiger war schon immer ein sehr romantischer Kerl gewesen. Ich genoss es sehr in unserer damaligen Beziehung. Den Rest des Weines, den wir zum essen nicht geschafft hatten, begleitete uns aufs Sofa. Langsam angeheitert unterhielten und lachten wir weiter. Den ganzen Abend schon spürte ich in seiner Gegenwart ein Gefühl, dass ich bei nicht vielen Menschen spüre: ich fühle mich wohl in seiner Gegenwart, ganz egal was jemals passiert war. Ich fühlte mich akzeptiert und wertgeschätzt. Und als würde es mir nichts auf der Welt fehlen.

Ja, unsere Beziehung war wirklich toll gewesen. Meine Schönste bisher. Wären da nicht unsere unterschiedlichen Zukunftsvorstellungen gewesen. Ich wollte nach dem Abi hinaus in die große weite Welt. Er nicht. Jedenfalls nicht lange und nicht für immer. Was ich vollkommen akzeptiere und respektiere. Wir haben unsere Ansichten immer akzeptiert und respektiert. Aber bei dieser Sache konnten wir uns keine gemeinsame Zukunft vorstellen. Vielleicht waren wir noch zu jung gewesen, um weit genug zu denken? Wer weiß schon, was passiert wäre, wenn wir eine Fernbeziehung eingegangen wären. Für uns beide (oder vielleicht hauptsächlich für mich) kam das aber nicht in Frage. Deshalb trennten wir uns.

Zurück zum Sofa: wie nicht anders zu erwarten war, kamen wir uns näher. Der Auslöser kam von ihm, er kuschelte sich an mich. So lagen wir mehrere Stunden zusammen auf dem Sofa, ab und zu ein Schlückchen Wein, und plauderten über unser Leben und unsere damalige Beziehung. Irgendwann jedoch musste der Spaß natürlich ein Ende nehmen. Der Auslöser kam von mir: ich wollte nach Hause. Wir verabschiedeten uns aber vereinbarten gleich, dass wir uns am kommenden Wochenende wieder sehen würden. Da fand eine große Geburtstagsparty eines Kumpels statt, inklusive Bierpong-Turnier statt. Schriftlich erklärten wir, dass wir ein Team zusammen bilden würden.

Das besagte Wochenende kam. Aufgrund eines unglücklichen Zufalls (ungerade Zahl an Mannschaften) konnten Mr Tiger und ich nicht am Turnier teilnehmen. Was uns nicht hinderte trotzdem zu trinken. Diverse andere Trinkspiele (und einfach-so-Trinken) später, ging es mir richtig gut – und dann nicht mehr so gut. 😀 Mr Tiger nahm sich meiner an und brachte mich ins Wohnzimmer. Wieder landeten wir quasselnd und kuschelnd auf dem Sofa. Mir ging es aber nicht gut genug um irgendwas sinnvolles zu tun oder zu sagen. Zum Glück war er auch eher das Gegenteil von nüchtern. Irgendwie lagen wir da ganz schön lange, denn bald war niemand mehr auf der Party. Also brachte mich Mr Tiger sicher und ganz gentlemanlike nach Hause. Einen Abschiedskuss gab es auch diesmal nicht. (Wäre wahrscheinlich in unserem Zustand sowieso nicht so angenehm geworden 😀 )

Tags darauf bat er mich um ein Date: Donnerstag, ich solle mich überraschen lassen, er habe da eine Idee…

Fortsetzung folgt…

Ich will nicht wieder alleine sein

Ich habe Angst wieder alleine zu sein. Wenn das mit Mr Schützenverein bald vorbei ist, bin ich wieder alleine, schwimme ich wieder im Haifischbecken, werde wieder Enttäuschungen und Schmerz erleben müssen. Wird das wieder vier Jahre lang so gehen? Oder finde ich endlich mal den rettenden Beckenrand?

Ich habe das mit Mr Schützenverein nun einen Monat lang beobachtet. Ja, er hat sich Mühe gegeben. Er tut viel für mich. Aber es ist mir wohl nicht genug. Es ist nicht das Richtige. Es sind so viele weitere Dinge, die mich stören. Es ist seine Persönlichkeit. Wir passen nicht zusammen. Ich fühle mich jedes Mal klein neben ihm. Ich kann mich nicht mit ihm unterhalten, ohne dass es eine Diskussion gibt. Diskussionen bei denen er ohne wenn und aber Recht haben will und ich mit keinen noch so guten Argumenten Einsicht von ihm erhalte. Will ich kuscheln, rückt er weg. Knutschen gibt es nicht mehr, nur noch seltene kurze Küsschen und dann schnell wieder wegdrehen. Sex gibt es nur, wenn er es will. Sehen können wir uns nur, wenn er Zeit hat.

Orginaldialog:

Ich: „Hast du Mittwoch Zeit? Wir könnten uns abends treffen.“

Er: „Bis jetzt spricht nichts dagegen.“

Es spricht nichts dagegen. Bis jetzt. Also wenn etwas Besseres zur Wahl steht, dann muss ich mich hinten anstellen.

Er möchte weder meine Eltern, noch meine neuen Mitbewohner, noch meine Freunde kennenlernen. Er interessiert sich nicht für meinen Alltag und nicht für mein Leben.

Und dabei meint er das nicht mal böse. Das ist wohl das Schlimmste an dem Ganzen. Er ist einfach ignorant, stur, empathielos, unaufmerksam. Es ist Teil seiner Persönlichkeit. Vielleicht gibt es eine Frau, die damit klar kommt. Die besser zu ihm passt. Ich wünsche es mir für ihn. Irgendwo in ihm steckt ein toller Mann. Aber ich bin nicht die richtige Frau. Besser, wir beide sind wieder alleine, als zusammen Zeit zu verschwenden. Wir passen einfach nicht zusammen.

Anfang Mai steht noch ein gemeinsamer mehrtägiger Ausflug mit ihm und seinen Freunden an. Bis dahin ziehe ich dieses Beziehungsding noch durch. Dann muss aber Schluss sein. Er tut mir nicht gut. Ich bin unzufrieden. Wir passen nicht zusammen. Wir verschwenden unsere Zeit. Ich hab Angst. Ich will nicht wieder alleine sein.

Beobachten

Ich schlüpfe nun mal in die Rolle der Beobachterin.

Ja, Mr Schützenverein und ich sind noch zusammen.

Wieso?

Er hat es bemerkt. Er hat es verstanden. Hat kapiert, dass ich das nicht mehr mitmachen wollte und schon bald Schluss machen wollte. Er zog die Handbremse und vollführt gerade eine 180-Grad-Wendung. Er ist bestrebt, mich wieder für sich zu gewinnen. Aber ich bleibe nüchtern. Mal sehen wie lange es dauert, bis die Mühe wieder abebbt. Ich genieße es, von ihm mit Komplimenten überhäuft zu werden, seine Aufmerksamkeit, sein Ehrgeiz, die Gefühle, die er wieder in mir weckt. Und ich würde mir wünschen, so wie er jetzt ist, würde zum Alltag werden. Wenn er das allerdings nicht schafft, mich wieder missachtet, ich wieder unglücklich bin, weiß ich, dass damit endgültig Schluss sein muss. Bis dahin werde ich den „Alltag“ beobachten.

Ich fühle mich nicht schlecht

Ich habe einen Fehler gemacht.

Nur so fehlerhaft fühlte es sich währenddessen und auch danach nicht an.

Ich habe meinen Freund betrogen…

Die Geschichte verlief so:

Montag bis Mittwoch besuchte ich meine beste Freundin am Bodensee. Da sie dort studiert, ich die Gegend liebe und sie von meinem Heimatort besser zu erreichen ist als von meiner Studienstadt, plante ich spontan einen Kurztrip dorthin. Montags ist dort der „Partytag“ für die Studenten (abartig eigentlich…). Wir schmissen uns also nach meiner Ankunft und einem schnellen Abendessen in Schale. Zum Vortrinken waren wir in die WG eines Freundes von ihr eingeladen. Es war nicht das erste Mal, dass ich meine beste Freundin besuchte. Ich kannte bereits viele ihrer Kommilitonen und Freunde. So wie auch den Kumpel, zu dem wir eingeladen waren. Den kannte ich sogar, sagen wir mal, „sehr gut“: jedes Mal, wenn wir uns sehen, fangen wir irgendwann an rumzumachen. Aufgrund vieler unglücklicher Zufälle kam es aber nie weiter als knutschen. Naja, und jetzt habe ich einen Freund. Also wird es auch kein knutschen geben. Sollte es jedenfalls nicht. Schade eigentlich. Und irgendwie eine gefährliche Situation…

Meine beste Freundin weiß natürlich Bescheid. Über die kleinen bisherigen „Affären“ zwischen ihrem Kumpel und mir und meine momentane nicht-so-hervorragende Beziehung zu meinem Freund. Außerdem mag sie Mr Schützenverein sowieso nicht so gerne. Deshalb gab sie mir gleich zu verstehen, dass sie nichts dagegen hätte, wenn heute mal wieder was mit mir und ihrem Kumpel laufen würde.

Ich nenne den Kumpel mal Mr Spiel. Denn für ihn ist die Welt und das Leben ein einziges Spiel. Er ist jung, naiv und nimmt das Leben auf die leichte Schulter. Eigentlich eine attraktive Einstellung. Nur ist für eine solche Person eine Beziehung ebenso unwichtig. Von meiner besten Freundin habe ich mir sagen lassen, dass Mr Spiel zwar mehrmals eine Beziehung geführt hatte, allerdings hatte es nie lange gehalten. Seine Naivität führe nun mal zum Grundsatz „aus den Augen, aus dem Sinn“. Also habe ihn bereits sehr früh, nach unserem ersten Kennenlernen, als potentiellen Partner ausgeschlossen. Aber Spaß kann man ja immer haben. Nur bisher halt irgendwie nie mehr als Knutschen.

Wir erreichten also die WG von Mr Spiel, begrüßten alle (ich kannte erstaunlich viele Leute, dafür dass ich so selten dort bin) und begannen zu trinken. Bereits nach dem ersten Bierpongspiel spürten meine Freundin und ich den Alkohol sehr deutlich. Irgendwann plapperte ich vor einem Mitbewohner von Mr Spiel heraus, dass ich ja immer mit ihm rummachen würde, aber dieses mal würde es ja nicht gehen, weil ich einen Freund habe… aber vielleicht ja doch, weil ich gerade so unglücklich bin. Ich dachte natürlich nicht weiter darüber nach, was ich da gerade erzählte, aber der Mitbewohner nahm an dem Abend die Beschützerrolle ein. Er fragte mich mehrmals, ob er mich vor Mr Spiel retten solle und ob alles in Ordnung wäre. Hach, aufmerksame Männer sind wirklich goldwert. 🙂

Viel gebracht hat mir mein Beschützer aber nicht. Was allerdings natürlich nicht seine Schuld ist, denn wie man erkennen kann, hatte ich mir der Alkohol bereits mein Vorhaben in den Kopf gesetzt. Oder vielleicht war da noch nicht mal der Alkohol Schuld. Wir gingen später alle (mehr oder weniger) gemeinsam in den Club. Nach ein paar Shots ging es auf die Tanzfläche aber von Mr Spiel war lange nichts zu sehen. Wo war der denn? Ich wollte doch flirten! Meine beste Freundin machte bereits mit einem Kerl herum und ich entdeckte nach einer gefühlten Ewigkeit Mr Spiel mit einem Getränk am Rand. Ich gesellte mich zu ihm und nach kurzem Quatschen gab er mir ein Gin Tonic aus. Als wir leer getrunken hatten gingen wir tanzen. Ich glaube danach gingen wir nochmal an die Bar (es kann sein, dass ich die Reihenfolge nicht mehr so ganz rekonstruieren kann… an diesem Abend schlug der Alkohol recht hart an 😀 ).

Wir tranken einen weiteren Gin Tonic und redeten darüber, dass ich ja einen Freund habe und es schade wäre, dass heute Abend nichts laufen kann. Trotzdem flirteten wir heftig. Bis mich meine beste Freundin auf die Toilette bat. Ich erzählte ihr von meiner misslichen Lage und sie entschied, dass es wohl besser wäre, wenn wir gingen. Mit ihrem Lover wollte sie sowieso nicht weiter gehen, sondern auch lieber zuhause schlafen. Sie erzählte mir, dass ihr Lover ein guter Freund von Mr Spiel sei und er ebenfalls eine Freundin hatte. Er betrog also gerade auch seine Freundin, mit meiner besten Freundin. Oh mann, was passiert hier eigentlich? Für ihren Kerl sah es aber so leicht aus. Als würde er überhaupt nicht nachdenken müssen. Wie kann er das nur? Was sind das für Monster? Bin ich auch so eins??

Naja, wir wollten gehen, aber ich wollte mich zumindest noch von Mr Spiel verabschieden. Und jetzt lasst euch gesagt sein, liebe Leser: Verabschieden ist in einer solchen Situation eine ganz schlechte Idee. Nach unserer Ankündigung zog mich Mr Spiel vor die Bar um noch ein bisschen zu tanzen (nicht mehr auf die Tanzfläche), während meine beste Freundin und ihr Lover zum Abschied weiter wild knutschten. Ich guckte Mr Spiel an und gab zu, ich würde ihn jetzt auch gerne küssen. „Das ist deine Entscheidung…“, war seine Antwort. Und nach einem langen Seufzen drückte ich meine Lippen auf seine. So war es geschehen. Ich betrog gerade meinen Freund. Aber spürte wieder die Aufregung eines leidenschaftlichen Kusses, diese kleinen Purzelbäume, die der Magen dann so gerne macht. Nach ein paar Minuten guckte ich mich nach meiner Freundin um. Ohne Worte flüchteten wir zur Gardarobe um unsere Jacken zu holen. Ich murmelte ihr zu „ich kann das nicht“, wobei im Nachhinein der Satz keinen Sinn macht, denn ich habe ja schon.

Es dauerte natürlich nicht lange bis die Jungs wieder auftauchten. Noch an der Garderobe umarmte mich Mr Spiel zärtlich von hinten und flüsterte mir ins Ohr „Aufgeben ist aber nicht so mein Ding“. Ein klitzekleines Gefühl der Freunde beschlich mich. Aber gott, wieso freute ich mich denn?! Meine beste Freundin und ihr Lover bezahlten bereits ihre Verzehrkarte und gingen vor die Tür. Ich wartete höflich aber mit gemischten Gefühlen auf Mr Spiel, der noch in der Schlange stand. Zumindest würden wir noch zusammen ein kurzes gemeinsames Stück in Richtung unserer Wohnungen laufen. Als er wieder bei mir war legte er den Arm um mich. Wir küssten uns noch mehrmals und es war klar, dass jetzt die Frage im Raum stand, ob ich zu ihm kommen würde. Betrogen hatte ich meinen Freund doch eh schon.

Jedoch ist es für mich ein viel größerer Schritt während einer Beziehung mit einem anderen Mann zu schlafen als „nur“ zu knutschen, sei die Beziehung noch so blöd. Andererseit hatte ich sowieso vor einigen Tagen den Beschluss gefasst, nach meiner Rückkehr in meine Studienstadt mit Mr Schützenverein Schluss zu machen. Und fremdgegangen bin ich nun mit dem Knutschen ja eh schon. Und wer weiß, wann sich die nächste Gelegenheit mit Mr Spiel ergeben würde? Ich war neugierig auf Mr Spiel und hatte auch irgendwie Lust. Wir liefen das Stück Weg gemeinsam und ich grübelte und grübelte. Kann ich das tun? Sollte ich das tun? Wollte ich das tun?

Es ging nun nur noch in seine Richtung oder in unsere. Ja, los. Bevor ich meine Meinung nochmal ändere. Wir gingen ein paar Schritte in seine Richtung, während meine beste Freundin mit ihrem Lover in Richtung ihrer Wohnung lief.

Halt, nein. Ich kann das nicht. Oder doch? Ich blieb stehen. Verzweiflung machte ich breit. Bis hierhin hatte ich eh schon fast eine halbe Stunde gegrübelt. Jetzt wo unsere Wege sich wirklich trennen und der Entschluss feststehen würde, wurde der Druck zu groß.

Nein. Nein, ich kann das wirklich nicht. Ich lief auf meine beste Freundin zu. Sie schickte ihren Lover weg und gingen zusammen den Weg zu ihrer Wohnung. Ohne uns ein letztes Mal umzudrehen. Mr Spiel tat mir Leid.

Auch am nächsten Tag: kein Gefühl der Reue. Mr Spiel tat mir immer noch mehr Leid als Mr Schützenverein.

Und falls folgende Fragen noch offen sein sollten: Nein, Mr Spiel hat sich nicht mehr gemeldet (denn „aus den Augen, aus dem Sinn“, bis zum nächsten Mal zumindest) und nein, ich werde Mr Schützenverein nichts erzählen. Ich werde Schluss machen. Es passt einfach nicht. Es ist schade aber es passt nicht. Unsere Persönlichkeiten und unsere Erwartungen an eine Beziehung sind zu unterschiedlich.

Beziehungsleben

Reizende Komplimente und süße Geschenke bekommen,

Auf romantische Dates gehen,

Stundenlanges knutschen und kuscheln,

Guter Sex,

Die gemeinsame Zukunft planen (auch wenn sie so nicht unbedingt eintreten muss),

Küsschen und Händchenhalten auch in der Öffentlichkeit,

Respekt, Wertschätzung und Zuneigung erfahren,

Nach Streitereien gemeinsam Lösungen finden und Kompromisse eingehen,

Über alles reden können…

Hach, klingt das nicht nach einer wunderschönen Beziehung? Ich finde schon… Nur leider ist meine nicht so.

Bis auf den Punkt mit „gutem Sex“ trifft das alles nicht zu. Oder, ich korrigiere: es trifft nur zu, wenn ich die Initiative ergreife. Allerdings bin ich es gewohnt, dass ein Mann sich um die Frau Mühe gibt. Eine Frau will erobert werden. Auch in einer Beziehung. Sie möchte immer und immer und immer wieder erobert werden. So verliebt sie sich und so bleibt sie verliebt.

Aber mein Mr. Schützenverein hat dieses Prinzip nicht verstanden.

Ich bin noch verliebt. Und zwar sehr. Nur leider ist es seit einigen Monaten eher ein „Unglücklich-Verliebt-Sein“. Mr. Schützenverein und ich sind nun seit bald vier Monaten zusammen. Und seit drei-einhalb Monaten überlege ich, ob er mir in dieser Beziehung das gibt, was ich brauche. Bevor wir zusammen kamen, machte er Versprechungen, die er nun nicht einhält. Er sei in einer Beziehung romantisch, küsse und kuschele gerne, man könne mit ihm über alles reden… Wir planten unsere Zukunft zusammen (natürlich scherzhaft, wie man es macht), er schlug Dates vor, er machte mir Komplimente und zeigte mir, wie verliebt er sei. Es klang perfekt. Genau so etwas brauche ich in einer Beziehung. Ich brauche jemand, der mir Zuneigung zeigt, mich respektiert und mir zuhört. Ich küsse und kuschele gerne und brauche das auch. Er klang perfekt.

Dann kamen wir zusammen.

Und dann war es aus. Innerhalb von ein paar Wochen gab es das alles nicht mehr. Was war passiert? Ist er nicht mehr verliebt?

Ich sprach es an. Nein, natürlich sei er noch verliebt. Bei ihm trete der Alltag nur sehr schnell ein. Er brauche das ständige Küssen nicht und findet Händchenhalten albern. Möchte ich mit ihm reden, kommen nur knappe Antworten. Überhaupt ist er relativ oft schlecht gelaunt. Morgens nach dem Aufwachen, abends, wenn er müde wird, tagsüber, wenn er gestresst ist. Und bei schlechter Laune verhält er sich respektlos. Ich solle sein Verhalten bei schlechter Laune einfach nicht ernst nehmen, er sei da nicht er selbst, sagte er mir, nachdem ich es zum wiederholten Male ansprach. Meiner Meinung nach ist schlechte Laune jedoch keine Ausrede um sich respektlos gegenüber anderen Menschen, und schon garnicht der eigenen Freundin, zu verhalten. Wir fanden keine Lösung und keinen Kompromiss nach dieser Diskussion.

Mühe gibt er sich mir gegenüber zumindest beim Sex. Wir haben guten Sex. Und das ist mir auch wichtig in einer Beziehung. Aber ich denke oft darüber nach, ob eine reine Sexbeziehung zwischen ihm und mir nicht besser und einfacher für uns beide wäre. Dann würde ich die genannten Ansprüche an ihn nicht mehr stellen. Denn für unsere „Liebesbeziehung“ gibt er sich keine Mühe mehr. Keine Romantik, keine Komplimente, keine Dates, kein Kuscheln. Ich habe noch nicht mal ein Weihnachtsgeschenk bekommen. Ich gab mir damals größte Mühe etwas zu finden, was er nicht hat und was ihm gefallen könnte. Ich wurde fündig, er freute und bedankte sich. Er sagte, er mache lieber das Jahr über verteilt kleinere Geschenke, wenn er etwas passendes sehe. Ratet mal was ich bis jetzt alles bekommen habe? Genau. Nichts.

Ich möchte nicht materialistisch sein, aber eine gewisse Gerechtigkeit sollte schon bestehen. Ich versuchte die Taktik „mit guten Beispiel voran gehen“: ich brachte ihm eine Kleinigkeit aus meinem Finnlandurlaub mit, kaufte ihm Sushi, nachdem er es sich gewünscht hatte , lud ihn mit meinem Gutschein ins Kino ein. Es kam immer noch nichts. Ich verhalte mich höflich und nett, wenn er schlechte Laune hat, ich kuschele mich an ihn, versuche ihn öfter zu küssen, suche seine Hand, wenn wir unterwegs sind, überrede ihn mit mir zu zweit etwas zu unternehmen. Es hilft alles nichts. Es kommt nichts zurück.

Vor Verzweiflung sprach ich mit seinen Freunden. Mit ihnen verstehe ich mich super. „Das ist eben seine Art. Er ist verliebt in dich. Ihr passt super zusammen!“ Es ist zwar schön zu hören, wenn die Freunde finden man passe gut zu ihrem Freund. Aber dass das eben seine Art ist, macht mich nicht glücklicher. Bevor wir zusammenkamen war er ja nicht so. Er kann ja anders. Offensichtlich ruht er sich auf seinen „Lorbeeren“ aus. Wenn er sich keine Mühe mehr um mich gibt und meine bis jetzt anhaltende Verliebtheit weg ist, wird da nichts mehr sein. Dann werde ich wahrscheinlich noch deutlicher erkennen, dass unsere Persönlichkeiten und unsere Erwartungen an eine Beziehung nicht zusammen passen. Wir also nicht mehr zusammen passen.

Es ist ein verdammt harter Text, ich weiß. Aber leider sehe ich mein Beziehungsleben seit den letzten drei-einhalb Monaten so. Natürlich gab es zwischendurch auch schöne Momente. Man kann gut mit Mr. Schützenverein und seinen Freunden feiern und Spaß haben. Der Sex ist gut. Manchmal, ganz selten, kuscheln wir beim Serien gucken. Dennoch sind mir diese Momente für meine Definition einer schönen Beziehung zu selten. Ich möchte nicht in einer Beziehung bleiben, die mich die meiste Zeit unglücklich macht. In ein paar Tagen fahre ich wieder zu meiner Familie nachhause und werde über 500 Kilometer von meinem Freund entfernt sein. Und die Entfernung brauche ich auch erstmal um mir klarzumachen, was der nächste Schritt sein könnte. Alleine möchte ich eigentlich nicht sein, das war ich vier Jahre lang. Aber in einer unglücklichen Beziehung zu stecken, fühlt sich auch nicht schön an.

Ohne sie wäre ich nicht ich

Letztens habe ich auf Facebook ein Bild gesehen. Diese hübschen Fotos von beeindruckenden Landschaften und davor ein bedeutender Spruch. Das Bild ist egal, der Spruch ging ungefähr so:

Jeder hat einen Mensch in seinem Leben, ohne den er nicht die Person wäre, die er jetzt ist.

(Hmm, wahrscheinlich ging der Spruch anders. Hört sich komisch an. Aber den Sinn dahinter versteht man ja.)

Ich musste garnicht lange überlegen, denn eine bestimmte Person schoss mir direkt durch den Kopf. Natürlich wären die ersten Menschen, denen man sein Dasein zu verdanken hat, die eigenen Eltern. Ich bin ihnen dankbar, dass sie mich zu der Person erzogen haben, die ich jetzt bin. Ich bin ihnen dankbar, dass sie mir so unglaublich viel geben. Ja, vermutlich alles geben, was sie können. Zusätzlich verändert jeder Freund, jeder Partner, sogar jede Person, die man kennenlernt, einen irgendwie. Wenn auch nur auf kleinste Weise. Aber es gibt in meinem Leben eine Person, die meine Denkansätze von Grund auf verändert hat. Ich wäre nicht die Person, die ich heute bin, hätte ich sie niemals kennengelernt. Es ist meine beste Freundin.

Mit keiner anderen Person habe ich so viel erlebt, wie mir ihr. Wir hatten gute Zeiten und schlechte Zeiten, gemeinsam und alleine. Wir haben größere und kleinere Meinungsverschiedenheiten. Wir haben sogar relativ häufig Streit, weil wir so unterschiedliche Personen sind. . Auf sie kann ich mich immer verlassen. Wir schon unglaublich viel gemeinsam durchgemacht.

Dabei ist es nicht diese typische Geschichte, die mit Sandkastenfreundschaft beginnt. Wir kennen uns seit wir 12 Jahre alt sind. Befreundet waren wir damals nicht. Wir waren gemeinsam in einer Freundesgruppe, hatten aber nicht viel miteinander zu tun. Ich wusste, sie wurde öfter gemobbt in ihrer Klasse. Ich habe es nur am Rande mitbekommen, fand es damals natülich nicht richtig, war aber zu schüchtern um irgendwie zu helfen. In der Oberstufe wurden die Klassen durchgemischt und wir kamen zusammen in eine Klasse. Von da an wurden wir sehr gute Freunde. Unsere Freundesgruppe wurde kleiner und verfestigte sich, das Mobbing hörte auf, da wir nun alle erwachsener waren. Sie hatte die Freundin, die sie schon lange gebraucht hatte. Und ich hatte die beste Freundin, die ich mir immer gewünscht hatte. Wir haben viel von einander gelernt.

Ich bin nicht mehr die schüchtene und verunsichtere Person, die ich damals war. Und das habe ich ihr zu verdanken. Ich bin durch sie mutiger und selbstbewusster geworden. Ich liebe Planung. Aber dank ihr habe ich eine gewisse Liebe zur Spontanität entdeckt. Ich brauche Kontrolle. Aber dank ihr bin ich toleranter geworden. Und sie wurde durch mich vernünftiger. Sie macht sich selbst nicht mehr unglücklich durch ihre selbstverschuldeten Dramen. Sie weiß nun, was sie vom Leben will. Sie schafft es nun auch pünktlich zu Verabredungen zu erscheinen (meistens jedenfalls 😉 ).

Sie ist die Person, mit der ich Nachts unter dem Sternenhimmel über den Sinn des Lebens philosophieren kann. Mit der ich auf Parties meine Probleme vergessen kann und jede Vernunft über Bord werfen kann. Wir können uns gegenüber von Grund auf ehrlich sein. Ihr kann ich mein wahres Ich zeigen und sie kann mir Ihrs zeigen und wir werden trotz Allem für einander da sein. Sie kann noch so großen Mist bauen und ich müsste ihr irgendwann vergeben, da mir sonst ein Stück in meinem Leben fehlen würde.

Als ich anfing diesen Beitrag zu schreiben hatten wir gerade gestritten. Es war eigentlich nur eine Kleinigkeit. Sie war sauer auf mich und ich genervt, dass sie mal wieder sauer war. Wir sprachen und schrieben nicht mehr für drei Wochen. Länger hielten wir nicht durch. Gestern kam eine Nachricht von ihr. Und nachdem wir uns heute kurz ausgesprochen hatten war alles wieder gut. Weil wir wissen, dass wir einander brauchen.

Ja, sie ist die Person, an die ich sofort dachte, als ich den Spruch gelesen habe. Ich wohne über 500 Kilometer von ihr entfernt aber es macht keinen Unterschied. Sie reiste sogar um die halbe Welt um mich während meines Auslandssemesters zu besuchen. Ich bin froh, sie kennengelernt zu haben und so viel von ihr gelernt zu haben. Ohne sie wäre ich nicht die Person, die ich heute bin.