Traummann

Januar:

Er: „Ich liebe dich.“

Sie: „Ich kann darauf leider noch nicht antworten – das weiß ich noch nicht. Aber was ich weiß ist, dass ich noch niemals zuvor so verliebt war wie ich es in dich bin.“

Er: „Das ist in Ordnung, wenn du darauf noch nicht antworten kannst. Jeder Mensch fühlt anders.“

Februar:

Sie: „Eigentlich wäre es doch sinnvoll, wenn wir zusammenziehen würden, oder? Andererseits weiß ich nicht, wo ich nach dem Studium einen Job finden werde…“

Er: „Ja, das ist zu unsicher.“

Sie: „Aber schön wäre es.“

März:

Er: „Möchtest du mit mir zusammenziehen?“

Sie: „Ja!“

April:

Er: „Ich wäre traurig, wenn du von hier wegziehen müsstest. Aber ich möchte dich nicht einschränken und deiner Freiheit berauben. Ich unterstütze ich in all deinen Entscheidungen.“

Sie: „Ich habe entschieden noch eine Weile zu bleiben. Vielleicht ergibt sich ein Job hier. Aber ich möchte nicht für immer hier leben.“

Er: „Das möchte ich auch nicht. Wir werden zusammen die Welt erkunden!“

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Ich liebe diesen Mann. Wenn es der Richtige ist, fühlt sich nichts zu schnell, zu langsam oder zu falsch an. Nächsten Monat sind wir ein halbes Jahr zusammen. Ich ziehe zum ersten Mal mit einem Partner zusammen.

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Neun Monate

Neun Monate dauert eine Schwangerschaft. Bis ein neuer Mensch das erste Mal Luft atmen und ein Leben beginnen darf. Bis für die Eltern aus der ungewissen Zukunft ein „Heute“ wird. Neun Monate haben sie, um sich darauf vorzubereiten. Irgendwie eine lange Zeit. Aber irgendwie ist die Zukunft doch so nah.

Neun Monate sind es, bis für mich die Zukunft beginnen wird. Wie ein dunkler Schatten stellt sich mein Gehirn die Zukunft bildlich vor. Wie eine Wand, an der ich nicht hindurch oder darüber sehen kann. Lieber bevorzuge ich das Bild eines Babys. Natürlich bin ich nicht schwanger. Um das Wort Schwangerschaft im gleichen Kontext mit meiner „nahen Zukunft“ zu nennen bin ich noch viel zu jung. Das ist nur meine Metapher. Mein Baby der Zukunft. Ich habe keine Ahnung wie sein Name sein wird, wie es aussehen wird oder ob ich in der Lage bin es groß zu ziehen. Aber ich weiß, ich sollte mich diese kommenden neun Monate darauf vorbereiten.

Die Situation ist wie damals, kurz vor dem Abi. Für jeden beginnt danach ein neuer Lebensabschnitt. Niemand weiß aber wie er aussehen wird. Ich hatte zumindest eine Vorstellung. Es sollte ein Auslandsjahr und danach ein Studium sein. Ganz klar. Ohne Zweitgedanken. Und genau das wurde es.

Aber jetzt… ist da nichts. Oder zu viel. Ende Dezember möchte ich meine Bachelorthesis geschrieben haben. Danach hört meine Planung auf.

Einen Master beginnen? Wo?

Hier? In der Nähe meiner alten Heimat? Woanders in Deutschland? Oder lieber im Ausland?

Mit dem Beruf starten?

Selbe Frage: wo? Und was? Bekomme ich überhaupt den Job, den ich möchte? Was möchte ich denn?

Lieber noch eine Weile ein Praktikum machen?

Weiß ich dann, was ich will? Ist das nicht Zeitverschwendung?

Oder schon wieder die Entscheidung verschieben und etwas reisen?

Wohin? Wie lange kann ich es mir erlauben? Habe ich das Geld dazu? Will ich das denn schon wieder, nachdem ich gerade erst zurück nach Deutschland gekommen bin?

Und wenn ich doch nicht die Zeit zum längeren reisen nutze, habe ich jemals wieder die Chance?

Eigentlich habe ich immer einen Plan. Ich bin die Person, die immer eine Liste schreibt. Einen Zeitstrahl malt. Die Antwort parat hat, sobald die Frage aufkommt. Und immer den perfekten Plan B hat, falls das Vorhaben scheitert.

Es treibt mich in den Wahnsinn, dieses mal vor der undurchdringlichen Wand zu stehen. Nichts konkretes zu wissen. Und es sind nur noch verdammte neun Monate. Aber vielleicht hilft die Baby-Metapher. Ist es nicht so, dass sich aus einem Zellklumpen ein neues, funktionierendes Leben entwickelt? Kann ich da nicht irgendwie helfen? Was soll ich tun? Was ist die beste Lösung?