Kryptonit

Er ist wohl also dein Kryptonit-Mensch?“ fragte meine Mitbewohnerin mich.

„Kyptonit-Mensch?“

„Ja. Kennst du die These nicht? Jeder hat einen Kyptonit-Menschen, den er nicht vergessen kann und dem er immer wieder begegnet.“

Hm. Klingt ja nach einer schönen These. Und einleuchtend in meinem Fall.

Und dann traf es mich wie ein Schlag ins Gesicht.

Kryptonit.

Das hatte er sogar zu mir gesagt. Genau um diese Zeit vor einem Jahr. Ich erinnere mich genau daran. Wir saßen in seiner WG auf dem Sofa. Nein – wir kuschelten auf dem Sofa. Beide glücklich. Es fühlte sich an wie früher. So schön. So vertraut. Dann sagte er:

„Ich konnte dich nie vergessen. Mein Kumpel sagte, dass du mein Kryptonit bist. Ich glaube wirklich, du bist mein Kryptonit.“

Damals hatte ich mir nicht viel dabei gedacht. „Kryptonit“, was für ein komischer Ausdruck. Aber in Ordnung, dann ist er eben Superman und ich sein Kryptonit.

Nachdem meine Mitbewohnerin mich aber oberflächlich über diesen Ausdruck aufgeklärt hatte, musste ich mich nochmal näher damit beschäftigen.

„Ich habe da so eine Theorie, nämlich dass jeder so einen Menschen hat, an dem er für immer hängen wird – ganz egal, wie lange die Beziehung gedauert hat oder wie intensiv sie war. Für diese Menschen würden wir alles tun, ganz egal, wie schön unsere Leben gerade sind und wie toll unsere Beziehungen oder Freundschaften oder Jobs. Wenn sie plötzlich wieder vor der Tür stünden, würden wir öffnen, egal wie sehr sie uns damals verletzt haben, und dann würden wir unsere Koffer packen und einfach abhauen, mit ihnen, bis an das Ende dieser Welt und weiter, so wie das früher mal geplant war, mit der Kryptonit-Person, und wenn es nur in unseren Köpfen war.“

Aus: beziehungsweise-magazin.de

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das für ihn auf mich zutrifft. Würde ich vor seiner Tür stehen und ihn darum bitten, es mit mir nochmal zu versuchen, würde er sofort Ja schreien. Aber auch andersherum könnte es ähnlich laufen. Wir waren letztes Jahr kurz davor, es nochmal miteinander zu versuchen. Dieses Mal eine Fernbeziehung. Wir waren jetzt alt genug. Ich hätte es nur sagen müssen. Aber ich entschied mich dagegen. Wir verabschiedeten uns von einander und von dieser schönen Sommeraffäre. Ich musste wieder zurück in meine Unistadt. Wir telefonierten noch viel. Er buchte einen Zug um mich besuchen zu können. Dann lernte ich jemand anderen kennen. Und konnte diesen anderen nicht vergessen. Der andere war zwar kein Kryptonit – aber ganz sicher ein kleiner Splitter. Es ist Mr Regisseur. Und Mr Tiger musste leiden.

Seit seinem Besuch, bei dem ich ihm nicht die Aufmerksamkeit entgegenbringen konnte, die er verdient hatte, haben wir keinen Kontakt mehr. Es ist wieder wie vor unserer Affäre. Wir gratulieren uns höchstens zum Geburstag. Würde ich allerdings erfahren, dass ihm etwas zugestoßen ist, würde meine Welt untergehen. Und würde ich erfahren, dass er eine neue Freundin hat, würde mir das ganz und gar nicht gefallen. Aber es steht mir nicht zu, mein Missgefallen auszudrücken. Denn ich war diejenige, die ihn enttäuscht hat. Und ich bin diejenige, die nicht an ein Happy End glaubt.

Trotzdem ist er mein Kryptonit und ich seins.

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The reasons I fell in love with nature.

Vor meiner Abreise habe ich es so oft gelesen und gehört: „die Natur in Finnland ist einzigartig und schön.“ (So oder so ähnlich).

Jajajaa, dachte ich mir immer. Natur ist doch überall schön, blabla.

Aber nein. Die Natur hier IST wahrlich einzigartig! Atemberaubend und magisch! In welch wunderbarem Land ich hier gelandet bin!

Nun zu meinen bisherigen Ausflügen, die eventuell zu dieser Erkenntnis geführt haben könnten. 😉

Nach unserer Ankunft verschwendeten eine beste Freundin und ich nicht allzu viel Zeit in Helsinki. Die Stadt hatten wir beide schon vor zwei Jahren gesehen. Nach nur einem Tag dort (der trotzdem sehr schön war), stiegen wir in den Zug nach Tampere. Wir hatten uns vorher eher weniger informiert, weshalb die drei Tage dort spontan gestaltet wurden. Schon in der Stadt und in der Gegend etwas außerhalb des Zentrums, an dem unser AirBnB lag, fiel mir auf, wie schön der Himmel über Finnland  aussah. Die entspannten Tage mit meiner besten Freundin genoss ich in vollen Zügen, bevor es dann alleine in meine neue Stadt gehen sollte um meine Mitstudenten kennen zu lernen.

Noch am ersten Wochenende in unserer neuen Heimatstadt, das wir Austauschstudenten hauptsächlich zum ausnüchtern nach der fünf-tägigen Orientierungswoche nutzten, konnten wir uns aufraffen, den Strand in der Nähe unserer Stadt zu erkunden. Angeblich soll es der längste Strand Finnlands sein. Ganze fünf Kilometer! Wir mussten knapp eine Stunde mit dem Bus dorthin fahren um festzustellen, dass der Strand ganz schön verlassen war. Aber was sollte man sich sonst unter einem finnischen Strand vorstellen, wenn der großteil des Landes ziemlich verlassen und naturbelassen ist. Schön und idyllisch war er trotzdem und ab und zu konnten wir ein paar Sonnenstrahlen einfangen.

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Für mich ging es eine Woche später etwas nördlicher zu meiner besten Freundin. Mit ihrem Freund zusammen unternahmen wir eine Wanderung, auf der ich zum erstem Mal wilde Blaubeeren pflückte und verspeiste. Der sonnige Tag mit meiner besten Freundin wurde noch perfekt abgerundet mit einem Feuer und Barbeque am Ufer mitten im Wald mit den finnischen Freunden des Paares und dem ruhigen plätschern des Meeres auf den Steinen.

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Ziemlich spontan reisten wir ein Wochenende danach nach Stockholm. Hier an der Westküste kann man mit der Fähre übernacht innerhalb von zehn Stunden Schweden erreichen. Auf unserer Hinfahrt staunte unsere Gruppe von 12 Leuten nicht schlecht: unter „Fähre“ hatten wir uns eben eine standardmäßige Fähre vorgestellt. Wir stiegen aber in ein riesiges Kreuzfahrschiff!!  15 Decks, fünf Restaurants, vier Clubs, ein großes Duty-Free-Shoppingcenter, einen Wellnessbereich und unsere Zimmer hätte man unter fünf-Sterne klassifizieren können. Wir fanden es ein bisschen schade, dass die Fahrt nur zehn Stunden dauerte.

Stockholm itself war ziemlich toll. Die „Hauptstadt Skandinaviens“ ist eine wunderschöne Stadt, es gibt viel zu sehen und zu erleben. Trotzdem wäre es keine Stadt, in der ich stattdessen hätte studieren wollen. Schweden ist ganz schön teuer und ganz schön trendy. In der Stadt darf man nicht einfach mal mit Klamotten der letzten Saison herumlaufen. Und als brünettes Normalo-Mädchen kann man eh nicht mit den blonden Schönheiten mithalten. Das am Boden gebliebene Finnland ist mir da ganz recht. 🙂

Mit Finnland kann ich mich ganz gut identifizieren. Die Kultur besteht, in Kurzform, aus viel Kaffee, viel Lakritz, viel Sauna, entspannte Menschen, sportliche Menschen, Natur und Winter. Hier passe ich ganz gut rein. 😀

Genauso spontan wie die Woche zuvor ging es danach mit dem Auto nach „Seenfinnland“. So nennt man – oder nennen wir – das Gebiet im Herzen des Landes, gespickt mit tausenden Seen. Rings um die Seen haben die finnischen Familien ihre Sommer- (oder manchmal auch Winter-) Häuser, die sie gerne über AirBnB oder ähnliche Seiten an Touristen vertreiben, wenn sie die Hütte selbst nicht gerade brauchen. Als eine Gruppe von 15 Austauschstudenten mieteten wir uns drei Autos und nahmen die 2,5-stündige Fahrt auf uns. Je älter der Mieter/Fahrer des Wagens, desto niedriger die Preise für Mietautos. Also bot ich mich an, das Mädelsauto zu fahren. Mein Auto war ein hochmoderner Toyota. Silber. Keine Ahnung was genau. Aber modern. Und ziemlich cool. Es fühlte sich an, als könnte das Ding sogar schon alleine ohne Fahrer fahren. Die Fahrt war zwar teilweise anstrengend, da man hier nur 100km/h auf Landstraßen, manchmal sogar auch nur 80 fahren darf, aber Spaß machte mir das Fahren trotzdem. Und das Wochenende war sowieso mal wieder unglaublich.

Erlebnis Nummer 1: Wir entschieden am ersten Tag die Gegend zu erkunden, gingen abseits der Wege, verliefen uns hoffnungslos und landeten irgendwann im Moor. Kein Schuh blieb trocken.

Erlebnis Nummer 2: Nachdem wir irgendwann das Moor, den Dreck und die nervigen Insekten zurück gelassen hatten und wieder zur Hütte fanden, durften wir feststellen, dass wir ein paar Mitbringsel dabei hatten: nicht alle Insekten blieben am Moor zurück. In unseren Haaren, Klamotten und Haut hatten sich hunderte Hirschlausfliegen gekrallt. Ekelhafte Viecher! Wer mehr erfahren will, kann es sich gerne durchlesen: Hirschlausfliege.

Erlebnis Nummer 3: Die Nacht hatten wir dann noch gut in der gemütlichen Hütte überstanden. Wir entschieden, aufgrund des vorhergesagten Regens, statt Wandern, die Stadt 100 Kilometer nördlich zu erkunden. Sonst gab es hier im nirgendwo nicht viel zu tun. Der ganze Tag blieb schön sonnig. Tja. Dafür hatten wir, dank der Sonne, am Abend an der Hütte den schönsten Sonnenuntergang, den ich je in meinem Leben gesehen habe. Ein Foto beschreibt es wohl am besten. Aber in Echt war der Sonnenuntergang nochmal tausendfach schöner.

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Erlebnis Nummer 4: Geflasht von Sonnenuntergang machten wir uns auf, unser Abendessen zu kochen. Mit vollem Magen sollte danach die Sauna getestet werden. Die Saunakultur habe ich im vorherigen Beitrag ja schon beschrieben. Saunas gibt es in oder an jeder Hütte und das Saunieren ist hier Alltag. Unsere Sauna war etwas den Hang herunter kurz vor dem See. Natürlich ideal, um sich nach der Hitze im See abzukühlen. So machen es die Finnen. Und so machen es wir! Nach dem ersten Saunagang rannten wir unter dem kühlen Sternenhimmel auf den Steg. Die anderen drei Mädels voraus, ich als Schlusslicht. Sie sprangen hinein, für mich blieb kein Platz, ohne auf eine der anderen draufzuspringen. Ich blieb bibbernd auf dem Steg stehen. Ich hatte zu lange Zeit es mir anders zu überlegen. Die Mädels kreischten vor Kälte, kletterten wieder die Leiter hinauf und rannten zurück zur Saunahütte. Ich rannte mit zurück. Ohne den Adrenalinstoß, ohne die Endorphine. Ich bereute es. Zum Glück waren die Mädels verständnisvoll. Als Letzte konnte man es sich fünfmal überlegen, ob man wirklich springt. Deshalb sollte ich nach dem zweiten Saunagang als Erste losrennen. Also scheuchten sie mich aus der Sauna zum Steg hinunter. Und unter dem kühlen Sternenhimmel sprang ich – endlich – in das tiefschwarze eiskalte Wasser. Nun hatte ich nichts mehr zu bereuen. Es war außerdem gar nicht so kalt wie erwartet. Ich hatte riesigen Spaß. Und kann nun zum Glück nicht nur über dieses Erlebnis berichten, sondern habe auch gelernt, dass man sich als letzte – trotz mehr Gedanke – zu solchen spontanen Aktionen mitreißen lassen sollte.

Schon länger geplant war der Ausflug am letzten Wochenende. Mit 18 Leuten ging es nach Lappland. Dafür hatten wir zwei Vans gemietet und nahmen die zehnstündige Fahrt auf uns. Fahrerin war ich dieses Mal nicht. Ich durfte stattdessen mit den anderen acht Mitfahrern versuchen während der Hinfahrt übernacht irgendwie eine bequeme Schlafposition zu finden. Zu allem Überfluss kamen wir vier Stunden vor der vereinbarten Zeit an unserer Hütte an und standen vor verschlossenen Türen. Also versuchten wir im abgestellten Auto weiter zu schlafen, bis unser Organisationsbeauftragter endlich die Besitzerin der Hütte erreichte. Wir stürmten hinein, suchten uns unsere Zimmer und Betten (nach dem Prinzip „der Schnellste siegt“) und hauten uns nochmal bis Mittags auf die Ohren. Der Tag verging dann recht schnell. Wir machten noch eine kurze Wanderung bei der wir das Naturschauspiel des „Ruska“ bestaunten. Ruska wird es genannt, wenn die Bäume die Farben des Herbstes annehmen. Es ist ein atemberaubendes Spektakel durch orangene, gelbe und rote Wälder zu spazieren. Zurück in der gemütlichen Hütte chillten wir bis das Kochteam Abendessen fertig hatte. Danach ging es, wie immer, in die Sauna, während wir auf Nordlichter hofften. Leider sahen wir keine.

Am nächsten Tag wollten wir den Weihnachtsmann besuchen. Sein Dorf liegt bei Rovaniemi, eine dreistündige Fahrt entfernt. Gelohnt hatte es sich eher weniger, da im September im Santa-Claus-Village nur vereinzelte Häuser geöffet hatten und die Gegend seinen erdachten Charme ohne Schnee wohl nicht entfalten konnte. Wir entschieden, im Winter nochmal zurückzukehren. Zumindest haben wir dem Weihnachtsmann noch einen kurzen Besuch abgestattet und waren überrascht, dass er sogar deutsch konnte! Der Weihnachtsmann war wirklich suuuuper nett. 🙂 Er verabschiedete sich von uns dann mit den Worten „wir sehen uns in 90 Tagen!“

Am nächsten und leider auch dem letztem Tag in Lappland unternahmen wir eine 13 Kilometer Wanderung auf einen der wenigen Berge Finnlands. Hier konnten wir die, bisher nur vom Boden gesehenen, farbigen Bäume von oben bestaunen. Die Natur zeigte sich natürlich wieder von der besten Seite, denn auf dem Weg trafen wir zwei nette Reintiere. Statt erschrocken davon zu laufen, als wir uns für Fotos näherten, blieben sie gemütlich stehen und knabberten weiter an ihrem Moos. Auch als ungefähr acht Mann um die beiden Tiere herumstanden, ließen sie sich nicht beirren. Nach circa 20 Minuten als Fotomodels wollten wir die Zwei wieder in Ruhe lassen. Aber stattdessen entschied sich das Pärchen mit uns ein paar Minuten mitzuwandern! Ein weiteres einzigartiges Erlebnis, das man sich wohl vorher nie erträumt hätte!

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Etwas traurig waren wir dann, als wir am Abend die Hütte aufräumen und unsere Sachen packen mussten um am nächsten Tag früh abreisen zu können. Ich freue mich schon auf Lappland im Winter! Schließlich müssen wir noch die Nordlichter sehen!

Nach den ganzen Erlebnissen der letzten Wochen sehnten wir uns alle nun endlich nach einem entspannten Wochenende zuhause. Wir  nahmen uns nichts vor und meine Mitbewohnerin und ich verzichteten sogar auf die Party. Es war angenehm, aber spätestens Sonntag Abend kam mir die Freizeit doch etwas verschwendet vor. Ich habe gar nichts erlebt oder gesehen! Hoffentlich wartet schon das nächste Abenteuer am kommenden Wochenende auf mich! 😉

Die vergangenen Auflüge sind es Schuld, dass ich mich nun wahrlich und endgültig in die Natur verliebt habe. Sie kann ekelhaft sein (Insekten), Nasse Füße bescheren, sich nicht an den Wetterbereicht halten, weitläufig und anstrengend sein – aber sie macht es immer wieder gut. Und kann einem immer und immer wieder aufs Neue den Atem rauben. Ich bin gespannt, was Finnland noch zu bieten hat!

Finnische Wochen

Ich habe es jetzt schon wieder so lange vor mir hergeschoben. Heute, endlich, schreibe ich etwas über meine bisherigen Erlebnisse im Auslandssemester. Bald ist schon Halbzeit! Wie schnell die Zeit doch vergeht. Grausam!

Ich bin also seit sieben Wochen in Finnland. Die ganzen Ängste und Sorgen, die vor einem Auslandssemester auftreten oder damit einhergehen habe ich getrost überspringen können. Ich bin ja ein alter Hase. Ich bin so eine Lisa, die nach dem Abi in Australien war. Und so eine hippe Wirtschaftsstudentin, die im Bachelor ein Semester auf Bali studiert hat. Ich bin ein Klischee schlechthin. 😉 Ist mir aber egal. Ich mache diese Dinge, weil ich Lust drauf habe und nicht weil es alle machen. Meist wird mir das dann eh erst später bewusst. 😀 Aber auch solche Erfahrungen auszulassen, weil andere sich darüber lustig machen, wäre schade. Na und, dann waren eben alle in Australien. Und auf Bali. Sind doch schöne Inseln. 😉

Naja aber jetzt geht es ja um Finnland. In Finnland sind nicht alle. Ist ja kalt hier. Und dunkel. Und teuer.

Stimmt nur eigentlich gar nicht. Jedenfalls nicht alles und nicht immer. Ja, Finnland war im August und September immer ein paar Grad kälter als Deutschland. Aber warm war es trotzdem hier. Ich habe mir sogar öfter die kühlere Jahreszeit herbei gewünscht, da ich natürlich keine Sommerklamotten eingepackt hatte. Hell ist es auch noch. Also gerade nicht, weil es ziemlich bewölkt ist. Aber generell schon. Der dunkelste und traurigste Monat ist angeblich November. Der steht uns noch bevor. Und teuer… ja teuer ist Finnland schon. Hauptsächlich merkt man das bei Lebensmitteln (außer Nudeln, die kosten pro Kilo nur 30 Cent) und beim Alkohol (durch die extrem hohen Steuern). Meine Miete ist hier geringer, aber das Zimmer und die Wohnung sind auch kleiner. Klamotten kosten genauso viel wie in Deutschland. Was eine hohe Summe im Gesamtbudget einnimmt, sind die Reisen. Die macht man natürlich eher weniger zuhause. Die letzten vier Wochen waren wir jedes Wochenende unterwegs. Erst auf jeglichen erdenkbaren Parties zum Semesterstart, dann war ich in Vaasa bei meiner besten Freundin, danach in Stockholm, Seenfinnland und Lappland. Meine einzelnen Erlebnisse auf diesen Reisen beschreibe ich in einem Extra-Beitrag, für den ich dieses Mal nicht so lange brauchen werde, da ich ihn schon geschrieben habe. 🙂

An dieser Stelle erwähne ich direkt mal im Voraus, dass wir Austauschstudenten alle Ausflüge selbst organisieren. Die Uni organisiert nichts für uns. Maximal Parties werden von unseren Tutoren für uns organisiert. Aber alleine bekommen wir die Ausflüge auch schon recht gut hin.

Das Unikonzept hier in Finnland unterscheidet sich ein wenig von dem in Deutschland. Ich empfinde es als angenehmer. Die einzelnen Semester sind nochmal aufgeteilt in zwei Perioden mit zwei jeweils darauffolgenden Klausurphasen. Allerdings hat man vor der Klausurenwoche eine Woche frei um zu lernen. Und wenn man, wie ich, Glück hat und hauptsächlich Fächer ohne Klausuren hat, dann hat man eben ganz frei. 😉 Für die meisten Fächer muss man zur Notenerbringung nur Hausarbeiten schreiben oder eine Präsentation halten. Meist sind diese auch noch Gruppenarbeiten. So verteilen sich die Aufgaben auf das gesamte Semester, statt, wie in Deutschland, erst zum Ende den großen Stress zu bekommen.

Meine erste Präsentation habe ich schon hinter mir und die Abgabe meines ersten Essays ist am Sonntag. Die 5-10 Seiten mit meiner dreier Gruppe sollte zu schaffen sein. Die Finnen in meiner Gruppe sind noch ultra entspannt. Also bin ich es auch. Die Noten sind mir hier eh egal, da in meinem späteren Zeugnis meiner Heimat-Uni nur stehen wird, ob ich bestanden habe oder nicht. Und bestehen werde ich. Das Niveau an deutschen Unis ist merklich höher als an den finnischen. Ich genieße es wirklich sehr, mal weniger Stress zu haben.

Vielleicht sind die Finnen aber auch von Geburt an so tiefenentspannt. Es gehen die Gerüchte umher, dass Finnen in der Sauna geboren werden. Das stimmt sicherlich so nicht ganz, aber finnische Familien nehmen ihre Kleinen in der Regel schon sehr früh mit in die Sauna. Die Saunakultur hier gefällt mir so viel besser als die „deutsche“. Die ist nämlich furchtbar. Tausend Regeln, die alle sinnlos sind. Hier in Finnland hat fast jedes Haus eine eigene Sauna. Unsere Studentenwohnheime haben auch eins. Bei den Studenten werden wöchentlich „Sauna-Parties“ veranstaltet. Da geht man mit Bier in die Sauna und reicht Wodkaflaschen umher. An „normalen“ Saunatagen kann man auch gerne ein Bier mitnehmen. Alles ist erlaubt. Man kann so lange in der Sauna bleiben, wie man sich wohl fühlt, man kann selbst so viele Aufgüsse auf die beheitzten Steine schmeißen, wie man es aushält, man kann ohne duschen und ohne Handtuch hinein, man kann sich einen Bikini anziehen oder nackt gehen, man kann kurz raus aus der Sauna und sofort wieder hinein, wenn man möchte. Alles kann, nichts muss. 😉 Super entspannt eben. Wie die Finnen.

Viel regelmäßigen Kontakt zu den Einheimischen haben wir als Austauschstudenten leider nicht. Vielleicht weil es stimmt, dass die Finnen ein stilles Völkchen sind? Im Unterricht kommt man zwar in den Gruppenarbeiten dazu, sich zu unterhalten und auch die Tutoren kann man jederzeit alles fragen. Aber oft sind wir 25 Austauschstudenten unter uns. Zumindest habe ich Kontakt mit waschechten Finnen, wenn ich meine beste Freundin und ihren finnischen Freund besuche. Nächstes Wochenende ist es schon wieder so weit. Dann feiern die beiden ihre Einweihungsfeier in ihrer schönen neuen Wohnung. Still ist der Freund übrigens ganz und gar nicht. Er redet manchmal mehr als meine beste Freundin und das muss wirklich was heißen.

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Die Einweihungsfeier ist meine erste Party seit zwei Wochen wieder. Seit der ersten Woche mit fünf aufeinanderfolgenden Parties (die letzte habe ich dabei schon sausen lassen), gab es dann „nur“ noch wöchentlich zwei Parties. Ich hätte dieses Partymachen und trinken schon viel früher aufgegeben (oder pausiert) aber ich habe mich immer wieder hingezwungen. Bis es auch meiner Mitbewohnerin zu viel wurde und wir  beide entschieden, die nächsten paar Parties getrost ausfallen zu lassen. Vielleicht liegt es ja doch am Alter? Meine Mitbewohnerin ist so alt wie ich. Wir stellen gerne Unterschiede zu den jungen Bachelorstudenten, die mit uns hier sind, fest. Ein Unterschied könnte tatsächlich sein, dass wir diese ganzen Parties gar nicht mehr brauchen oder wollen. Wir haben schon so manche Party erlebt und wissen, die nächste Party wird auch kommen… 😉

Meine Mitbewohnerin und ich haben sowieso recht viel gemeinsam. Nicht nur, dass wir beide gleich alt und exakt gleich groß sind (was ungewöhnlich ist, denn wir sind eindeutig größer als die Durchschnittsfrau), sondern die Gemeinsamkeiten gehen noch viel tiefer in die Psychologie. Ich möchte allerdings dazu einen eigenen Beitrag schreiben. Es wird wieder um mein Verhalten Rund um Essen und Sport gehen. Denn meine Essstörung lässt mich auch hier in Finnland leider nicht los. :/

Aber mein nächster Beitrag wird erstmal ein schöner! Bleibt also dran, es geht um unsere ganzen Ausflüge in diesem wunderschönen Land der tausend Seen. 🙂

// Reiseblog Ende. 😉 (für heute)

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Fühlt-sich-an-wie-Beziehung

Was für ein guter Tag heute. So wie fast jeder Tag hier in Finnland. Ich fühle mich durch und durch entspannt. Der heutige Tag ist ein Mustertag für meinen bisherigen Alltag hier in Finnland: entspanntes Aufstehen, um 10 Uhr für zwei Stunden in den Unikurs, in dem hauptsächlich Filme geschaut und in Gruppen diskutiert wird, danach in die hochwertige Mensa eins der gesunden günstigen Menüs inklusive einem riesen Salatteller wählen und in guter Gesellschaft essen. Anschließend erstmal zuhause ausruhen und verdauen (manchmal ausnahmsweise was für die Uni tun, wie heute: eine fünfminütige Präsentation vorbereiten), nachmittags mit dem Fahrrad in Begleitung der anderen Mädels in das Luxusfitnessstudio die Muskeln zerstören und schließlich vor dem gesunden Abendessen, die Möglichkeit der Sauna im Studentenwohnheim nutzen und dabei mit den Mädels den kommenden Wochenendtrip planen, quatschen und entspannen.

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Ich glaube, ich möchte nie wieder zurück.

Aber was würde dann Mr Hashtag wohl dazu sagen? 😉 Um den geht es in meinem heutigen Tagebucheintrag. Da gibt es nämlich unglaublich viel nachzuholen. Wo fange ich nur an? Ich versuche mal dort anzuknüpfen, wo ich aufgehört habe.

Es ist immer noch keine Beziehung zwischen uns. Aber es fühlt sich, auch mit mehreren Tausend Kilometern Entfernung, wie eine an. Wir schreiben immer noch jeden Tag. Mittlerweile etabliert es sich schon, dass wir jeden Tag telefonieren. Zum Abschied schenkte er mir Fotos von uns beiden. Ich sehe mir sie unheimlich gerne an. Wir beide sehen gut aus zusammen. Dazu schenkte er mir eine kuschelige Mütze, damit mir nicht kalt wird, wenn er mich nicht mehr wärmen kann die nächsten Monate.

A propos Geschenke: da ich anfang August (mal wieder) Geburtstag hatte (verdammt, 25 schon. Ich will forever young bleiben 😦 ) stand ihm die schwierige Aufgabe bevor, mir eine Überraschung zum Geburtstag zu machen. Verlangt oder erwartet habe ich nichts, aber ich konnte ahnen, dass er sich etwas einfallen lassen würde. Er hatte mir an einem unserer ersten Dates erzählt, dass er zu seinem 25. Geburtstag zum ersten Mal in seinem Leben eine Benjamin Blümchen Torte geschenkt bekommen hatte. Ich war begeistert von der Idee. Kreativ und lustig! Selbst hatte ich auch noch nie eine solche Torte bekommen. Natürlich behielt er das im Gedächtnis, der Traummann der er ist.

Am Abend vor meinem Geburtstag kam er vorbei. Da ich noch etwas krank war, brachte er mir etwas gegen Halsschmerzen und drei TrueFruit-Smoothies mit (für die Vitamine 😉 ). Wir machten uns etwas Leckeres zu essen und schauten den Film zuende, den wir letztes mal nur zur Hälfte geschafft hatten. Kurz vor Mitternacht wurden wir fertig und kuschelten in meinen Geburstag herein. Dann kam der Moment, in dem er mir ein in seinem Pulli gewickeltes Paket überreichte. Dieses Paket enthielt, welch Überraschung, eine Benjamin Blümchen Torte! Ich habe die Idee nochmal genauso gefeiert, wie beim ersten Mal, an der ich davon gehört hatte. Meine erste Benjamin Blümchen Torte! Und das zum 25.! Genial!

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Zusammen hatten wir ein Glas Sekt und aßen Kuchen. Der ist überigens überraschend lecker! Anschließend gingen wir Zähne putzen. Da er schon vor mir fertig war, ging er zurück in mein Zimmer. Als ich nachkam und mich zu ihm legte, entdeckte ich einen gelben Umschlag unter meinem Kissen. Verwirrt aber mit Vorfreude machte ich ihn auf, während Mr Hashtag mich beobachtete. Der Umschlag enthielt eine Karte mit einem kleinen Text von ihm und auf der linken Seite klebte eine SD-Karte – „für die zukünftigen schönen Fotos“. Wow. Womit hatte ich das verdient? Womit hatte ich ihn verdient? Ich fühlte mich wie dieser WhatsApp-Smiley mit den Herzchenaugen. Einige Tage später, als ich die SD-Karte dann in den Laptop steckte, entdeckte ich einen Ordner darauf: „Lieblingsbilder“. Er hatte Fotos von uns darauf gezogen, neuere sowie ältere von unseren ersten Dates. Hach… 🙂

Tja, aber unser „Gespräch“ hatten wir immer noch nicht geführt. Das stand diese Woche auf jeden Fall noch auf meiner Agenda. Dabei schob ich es immer und immer weiter vor mich her. Nie gab es eine gute Gelegenheit anzusprechen, wie das mit uns beiden während meines Auslandssemesters weiterlaufen soll. Ich wollte keine Beziehung eingehen, da es für mich sinnlos erschien, sich erst seit zwei Monanten zu kennen und sich dann vier Monate nicht sehen zu können.

Als wir eines Abends bei ihm am Fluss spazieren waren und uns auf den warmen Kies-Strand setzten, witterte ich die Gelegenheit. Wir unterhielten uns und planten, was wir noch alles gerne zusammen erleben wollen: snowboarden, an die Ostsee, ihm meine Heimatstadt zeigen… „Wenn ich aus Finnland und Bayern zurückkomme im Januar, machen wir dann wieder dort weiter, wo wir jetzt aufhören müssen?“ fragte ich und blickte ihm direkt in die Augen. Er verstand sofort, denn er antworete: „irgendwann müssen wir ja darüber reden, richtig?“ Und wir redeten.

Dabei hatten wir die gleiche Sichtweise. Und er fügte hinzu: „wieso erst im Januar? Ich könnte dich schon früher besuchen. In Finnland und in Bayern. Möchtest du, dass ich dich besuche?“. „Hm…“, antwortete ich. „Ja, ich glaube ich möchte das.“ Er blickte mich an: „du glaubst?“ Ich konnte mich nicht verbessern. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, ob ich das wirklich aus vollem Herzen wollte. Es kann noch so viel passieren.

Aber jetzt bin ich mir sicher. Ich möchte, dass er ich besucht. Ich möchte, dass er nach Finnland fliegt. Ich möchte wieder in seinen Armen einschlafen. Ihn wieder küssen und mit ihm Sex haben. Mit ihm spazieren gehen, Fotos machen, Essen kochen, reden. Und das weiß er auch. Denn vor zwei Wochen buchte er einen Flug. 🙂 Ende Oktober sehen wir uns in Helsinki wieder. Ich zähle jetzt schon die Tage.

Es fühlt sich an wie eine Beziehung. Es fühlt sich an, als würden wir uns schon viel länger als nur drei Monate kennen. Und doch müssen wir noch so viel übereinander erfahren. Ich könnte immer noch nicht mit einem lauten „JA“ einer Beziehung zustimmen. Was ist, wenn es wieder so wird, wie mit Mr Schützenverein? Er ist verliebt, alles ist super, er gibt sich Mühe. Dann sind wir zusammen und es ist einfach nur noch schrecklich. Zickereien, Streitereien, Erniedrigung.

Wenn es aber doch schön wird, wenn wir nach meinem Auslandssemester die Beziehung versuchen, ich aber nach meiner Masterthesis im Juli fortziehe? Weg von meiner Unistadt. Ich möchte meine letzten Monate als Studentin genießen und verreisen. Mich danach in ganz Deutschland bewerben… Keine guten Voraussetzungen für eine Beziehung.

Aber wie ging nochmal dieser unglaublich weise Ratschlag? „Mach dir nicht so einen Kopf“? Alles klar! Ich genieße das Jetzt. Mein Auslandssemester. Meine letzten Semester als Studentin. Und den Schwebezustand dieser „Fühlt-sich-an-wie-Beziehung“. 🙂

Der Norden

Tja. Respekt an alle Reiseblogger und Blogger, die es schaffen unterwegs Beiträge zu schreiben! Ich bin jetzt seit 17 Tagen in Finnland. Noch vor meinem Abflug habe mir vorgenommen, endlich mit meinen Erlebnissen aufzuholen und sie niederzuschreiben. Schließlich wollte ich noch über das Festival berichten, über meinen Geburtstag, über meine Vorbereitungen für mein Auslandsemester und auch natürlich über Mr Hashtag. Auch vergangene Woche hätte ich zwischendurch sicher mal Zeit gefunden um schnell was abzutippen. Schließlich hatte ich ja auch Zeit, immer mal wieder die Blogeinträge unserer kleinen „Blog Community“ zu lesen (wie ihr sicher an meinen Likes gemerkt habt. 😉)

Gerade sitze ich im Bus und nehme mir einfach die paar Minuten für ein ganz kurzes Update mit dem Versprechen auf ein paar längere Beiträge in den nächsten Wochen. So viel habe ich hier in meiner neuen Unistadt nämlich gar nicht zu tun.

Aber kurz von vorne – der Vollständigkeit halber: ich bin gut angekommen. Den kurzen Flug und die ersten Tage habe ich mit meiner besten Freundin auf Reisen verbracht. Vor knapp zwei Wochen bin ich dann in meine kleine aber schöne zukünftige Unistadt im Westen Finnlands gezogen. Die Leute, Finnen sowie Austauschstudenten, sind super. Ein bisschen nagt es immer mal wieder am Selbstbewusstsein, hier eine der älteren zu sein. Die Mehrzahl der Studenten sind im Bachelor. Aber ich rede mir einfach ein, wir Masterstudenten sind die weisen Erfahrenen. 😉 Uni habe ich kaum. An vier Tagen die Woche maximal drei Stunden am Tag. Den Rest des Tages verbringe ich mit Sport, lesen, chillen oder wir Austauschstudenten machen irgendwas Cooles zusammen. Letzteres hat meistens was mit Alkohol zu tun. Der ist nämlich, wenn man weiß wie, gar nicht mal so teuer hier.

Es tut wirklich unglaublich gut, einfach mal nichts zu tun zu haben, nach den letzten stressigen 1,5 Jahren im Master.

Viel mehr habe ich jetzt erstmal nicht zu sagen. Dieses Wochenende fahre ich zu meiner besten Freundin ein paar Busstunden nördlich meiner Unistadt. Sie macht dort ihr komplettes Masterstudium und ist hier mit ihrem finnischen Freund zusammengezogen. (Darüber hatte ich hier kurz berichtet). Jetzt genieße ich mal noch ein bisschen dir schöne finnische Natur, die an meinem Fenster vorbei fährt.

Ein weiterer Teufel und ein Fettnäpfchen

Es folgt gleich ein weiterer Beitrag. Ich hatte noch nicht alles zum Thema Mr Hashtag gesagt. 😉 Hier gehts zum ersten Beitrag von heute. Dort hatte ich geschrieben, dass ich das Thema „wohin-führt-das-alles“ aka DTR (=Define the Relationship) noch nicht angesprochen habe. Ich bin allerdings vor ein paar Tagen in ein kleines Fettnäpfchen getreten, von dem ich noch berichten möchte. 😀

Von Freitag auf Samstag war ich mal wieder bei Mr Hashtag übernacht. Wir hatten einen wunderschönen Freitagabend und gemütliches Ausschlafen, Kuscheln, Morgensex und leckeres Frühstück am Samstagmorgen. Spätestens zum Nachmittag wollte ich wieder an meiner WG sein, da meine neue Mitbewohnerin an dem Tag einziehen wollte. Wir fuhren also zusammen mit seinem BMW-Schlitten zu mir, halfen meiner Mitbewohnerin ein bisschen, machten nachmittags in meinem Stadtteil einen Pärchenspaziergang und gingen noch einkaufen für das Abendessen.

Mit den Helfern und Freunden meiner neuen Mitbewohnerin machten wir gemeinsam Pizza, tranken Bier und quatschten. Irgendwann ging es um ihre geplante Einweihungsfeier. „Für Phillipp müssen wir aber unbedingt ein paar Singlemädels einladen, ja?“, scherzte sie mit mir am Tisch in der Runde. Ich kannte ihren Kumpel Phillipp nicht und wusste auch nicht, ob ich an dem Tag ihrer Einweihungsfeier überhaupt noch da sein würde, aber ging darauf ein: „na klar, kriegen wir sicher hin!“. Dann fiel mir ein: „oh aber, in meinem Freundeskreis könnte das schwierig werden. Die sind alle schon vergeben… Ich bin – äh, war – ähhh bin – das letzte Singlemädel bei uns…“

Uuups. Was hatte ich da gerade gesagt? Den Blick zu Mr Hashtag wollte ich nicht riskieren. Ich lachte nur nervös, meine neue Mitbewohnerin lachte mit und wechselte zum Glück schnell und geschickt das Thema. Sie kannte Mr Hashtag selbst erst seit heute und hatte keine Ahnung von ihm und mir. Somit hatte sie zumindest auch nicht viel mehr Ahnung als wir voneinander. 😀

Das Thema kam nicht mehr auf den Tisch. Weder beim Pizza essen noch bei Mr Hashtag und mir. Aber somit ist diese ganze Sache immer noch unausgesprochen.

Einerseits würde ich gerne warten, bis er es anspricht. Andererseits halte ich es selbst nicht mehr lange aus. Ich muss meinen Standpunkt rüber bringen, was das Auslandssemester angeht. Ich möchte keine frische Beziehung haben, wenn ich vier Monate auf einem Erasmus-Auslandssemester bin. Nicht, weil ich da vorhätte rumzuvögeln. Wohl aber, weil ich da meinen Spaß haben möchte, gerne flirte, viel erleben und nicht viel an Zuhause denken möchte. Ich möchte nicht an etwas gebunden sein, von dem ich nicht weiß, ob es die Gedanken wert sind. Auch Mr Hashtag kann ja in der Zeit jemanden kennen lernen mit dem er vielleicht glücklicher wird, als er es je hätte mit mir sein können. Das weiß man nach zwei Monaten daten einfach nicht.

Bis ich fliege würde ich gerne die schöne Zeit mit ihm genießen, ohne mir Gedanken über die Zukunft machen zu müssen. Die Frage ist nur, ob er es auch so sieht. Deshalb muss es wohl irgendwann angesprochen werden. Allerdings merke ich immer mehr, dass diese ganze Kennenlernphase umso spannender ist, wenn man nichts anspricht. Trotzdem. Spätestens in 14 Tagen wird was passieren. Dann geht mein Flug.

Im letzten Beitrag habe ich schon geschrieben: ich würde ihm gerne versichern können, dass wir im Januar so weitermachen können, wie wir es zur Zeit tun. Aber Januar? Ein weiterer Teufel sitzt mir im Nacken. Immer noch. Schon seit viel zu vielen Monaten. Im Januar könnte ich Mr Regisseur wieder sehen… Wie ich auf ihn reagiere kann ich nicht sagen. Aber vermutlich würde ich jeden anderen Kerl stehen und liegen lassen für ein weiteres Date mit ihm. Diese verfluchten Teufel in meinem Kopf.

 

Das Teufelchen an der Oberfläche

Eigentlich wollte ich schon vor zwei Stunden anfangen mit Lernen. Andererseits wollte ich diesen Blogeintrag schon vor einer Woche schreiben. Also was hat eine höhere Priorität? 😉

Ich sags nur allzu gerne nochmal: Prokrastination kann ich. 😀

Es geht immer noch im Mr Hashtag. Es ist so viel passiert, dass ich nicht mehr umher komme, endlich mal wieder was nieder zu schreiben. Also eigentlich ist viel passiert – es lässt sich aber auch kurz fassen: mittlerweile haben wir uns schon sehr viele Male getroffen. Meine Regel, ihn nur einen Tag pro Woche zu treffen, habe ich gebrochen. Ich genieße es einfach zu sehr. Die Aufmerksamkeit, das Gekuschel, die verliebten Blicke. Das Gefühl, eine Beziehung zu haben. Wir haben aber keine. Also wenn es nach mir ginge, würde ich es jedenfalls nicht so benennen. Seit meinem letzten Eintrag zu diesem Thema habe ich es immer noch nicht geschafft, mit ihm darüber zu sprechen, wohin das Ganze hinführen soll. Oder besser gesagt, dass es nirgends hinführen kann, weil ich (nun mittlerweile) in zwei Wochen schon weg bin. Ich werde vier Monate in Finnland und danach einen Monat noch in Bayern sein. Das weiß er. Aber ich weiß nicht, ob ihm bewusst ist, dass wir jetzt keine Beziehung eingehen können.

… Oder ob ich es jemals mit ihm könnte.

Ich genieße zwar die Zeit mit ihm, die Aufmerksamkeit, das Gekuschel, die verliebten Blicke. Aber ich selbst bin nicht verliebt in ihn. Ich habe mich die letzten Wochen oft gefragt, woran es liegt. Alles scheint zu passen: seine Art, sein Humor, sein Geruch, unser Sex. Er kocht gut, er ist extrem sportlich, er fotografiert. Ich kann sogar darüber hinweg sehen, dass er nie studiert hat nach seinem Abi, sondern eine Ausbildung gemacht hat. Er hat damit komplett andere Lebenserfahrungen gemacht als ich sie gemacht habe. Sonst war es für mich immer ein wichtiger Grund, dass der potentielle Partner doch bitte auch Student sein sollte oder studiert haben sollte. Aber bei ihm finde ich es nicht schlimm. Es passt ja alles andere so wunderbar. Er macht alles richtig. Er schreibt mir täglich, er macht mir Komplimente, er gibt mir die Aufmerksamkeit, die ich brauche. Aber woran liegt es dann, dass ich mich nicht in ihn verliebe, obwohl er es unumstreitbar in mich ist?

Mich beschleicht das Gefühl, dass ich zu oberflächlich bin. Mr Hashtag ist sportlich, hat einen wunderbaren, musklösen Körper, genau die richtige Körpergröße für meine Größe – aber würde ich ihn im Club oder auf der Straße sehen, ich würde an ihm vorbei sehen. Er ist nicht mein Typ. Er hat ein einzigartiges Gesicht und ein bisschen abstehende Ohren. Sehen wir uns zu zweit, ist mir es egal, dass er nicht mein Typ ist. Aber vergleiche ich ihn mit anderen Männern, die ich bisher gedatet habe, fällt es mir auf, dass er im Ranking nicht sehr weit oben landet. Während ich das hier schreibe, hört es sich so furchtbar an. Ich will nicht so oberflächlich sein. Ich hab ihn wirklich sehr gerne und würde behaupten, es fehle mir nicht mehr viel zum verliebtsein. Aber ein kleiner oberflächlicher Teufel auf meiner Schulter flüstert mir zu: „verkauf dich nicht wieder unter Wert.“

Diese Worte hatte mein Mitbewohner vor einigen Monaten zu mir gesagt. Anscheinend sei ich eine attraktive Frau.Ich kann das schlecht beurteilen. Nach 25 Jahren gewöhnt man sich eben an den Menschen, der aus dem Spiegel auf einen zurück blickt. Ich mag mich selbst mittlerweile ganz gerne. Aber ich habe keine Ahnung wo ich in einem „Ranking“ stehen würde und muss wohl auf das Urteil und Komplimente anderer zurückgreifen. Und mein Mitbewohner, sowie mehrere aus meinem Umfeld fanden, dass ich mir ruhig hübschere Männer hätte aussuchen können.

Aber Mr Hashtag zählt da nicht unbedingt dazu. Nur – sollte das nicht egal sein? Es ist furchtbar, dass Menschen so viel Wert darauf legen, sich gegenseitig nach ihrem Aussehen zu bewerten. Was soll das denn? Es gibt so viel Wichtigeres, für das es sich lohnt, jemanden kennen zu lernen, befreundet zu sein, zu daten, zu lieben…

Und wie bringe ich nun diesen oberflächlichen Teufel auf meiner Schulter zum Schweigen? Das hat Mr Hashtag nicht verdient. Auch wenn ich erstmal keine Beziehung eingehen kann, würde ich ihm zumindest trotzdem gerne versichern können, dass ich mich freue, im Januar dort weiter zu machen, wo wir aufgehört haben. In fünf Monaten kann zwar viel passieren, aber es kann auch nichts passieren und Mr Hashtag und ich haben eine Chance. Wäre nur nicht dieser böse Teufel…

Literarisch unbrauchbar

Eigentlich hätte ich heute mal wieder ins Fitnessstudio gehen sollen. Ich war schon seit bald zwei Wochen nicht mehr.

Eigentlich sollte ich gerade an meiner Seminararbeit schreiben. Am Freitag in einer Woche ist die Abgabe und ich habe genau Null Seiten bisher geschrieben.

Eigentlich sollte ich heute anfangen für meine Klausur zu lernen.

Eigentlich müsste ich für das Start-Up, bei dem ich mitarbeite, einen kleinen Artikel schreiben.

Und eigentlich müsste ich duschen.

Stattdessen sitze ich hier, bin müde und überlege, ob ich meine Abendpläne auch absage. Nicht, weil ich irgendwie schlecht gelaunt wäre. Mir geht es wunderbar. Aber so eine „Irgendwie-Beziehung“ ist ganz schön zeitintensiv. Die Zeit habe ich nicht.

Mr Hashtag war gestern bei mir. Es war mal wieder ein toller Abend. Wir haben zusammen gekocht, Eis gegessen, einen Film geguckt, gekuschelt, Sex gehabt. Als wir uns dann schlafen legen wollten, waren wir beide nicht mehr müde und haben noch lange gequatscht. Endlich bekam ich die Gelegenheit ihn ein bisschen zu seiner „Beziehungsvergangenheit“ auszufragen. Er hatte bisher zwei ernste lange Beziehungen. Klang alles akzeptabel. Er hat es sehr sachlich erzählt. Außerdem kenne ich jetzt seine Lieblingsfarbe und sein Lieblingsessen und dass er nur Gemüse nur mit Buttersoße mag.

Irgendwann konnten wir doch einschlafen. Ich schlafe allerdings immer noch ziemlich schlecht mit einer zweiten Person im Bett. Er auch. Am nächsten Morgen, also heute, lagen wir noch ziemlich lange im Bett, massierten uns gegenseitig, hatten nochmal Sex und frühstückten dann ausgiebig zusammen mit meinem Mitbewohner und seiner Freundin. Danach wollte er gehen, aber irgendwie landeten wir nochmal kuschelnd in meinem Bett. Er konnte sich einfach nicht losreißen. Und ich wollte auch nicht, dass er geht. Es war einfach zu schön in seinen Armen zu liegen.

Und jetzt denke ich mir, dass dieser halbe Tag einfach vertrödelt war. Ich hab so viel zu tun. Verschwendet war der Vormittag nicht. Ich hab ihn sehr gerne. Ich fühle mich wohl in seinen Armen. Aber was soll das Ganze eigentlich? Ich kann es genießen so lange er da ist. Und danach überfällt mich das Stressgefühl, weil ich stattdessen so viel hätte tun können und müssen. Ich brauche einen Tag, der mindestens 30 Stunden hat. Oder einen Zeitumkehrer.

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Aus dieser Zeitnot tippe ich diesen unorganisierten Tagebucheintrag herunter….

Was es noch von den letzten Tagen zu erwähnen gibt:

Mein Arbeitskollege hat mir letzte Woche gestanden, dass er auf mich steht. Wir kennen uns seit etwas mehr als ein Jahr. Er ist ein sehr guter Freund geworden in der Zeit. Seit neun Jahren ist er in einer Beziehung. Seit zwei Jahren wohnt er mit seiner Freundin zusammen. Dass er auf mich steht, hatte ich allerdings schon seit Längerem vermutet. Woher? Keine Ahnung. Das merkt man einfach. Vielleicht weil er jedes Mal so komisch reagierte, wenn er erfuhr, dass ich jemand Neues kennengelernt habe. Aber trotzdem war es eine ziemlich krasse Sache, als er am Donnerstag nach unserem wöchentlichen Lunchdate damit herausrückte. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Dass es nicht geht, war ja klar. Ich stehe nicht auf ihn (was ich ihm nicht so direkt gesagt habe) und sehe ihn nur als guten Freund. Ich glaube, ich habe mehrmals gesagt, dass ich hoffe, diese Sache würde unserer Freundschaft nun in Zukunft nicht im Weg stehen. Als ich nach dem Gespräch zuhause war, habe ich ihm noch eine längere Nachricht geschrieben und es nochmal betont. Seine Antwort war beschwichtigend. Ich hoffe, es bleibt alles, so wie es bisher war.

Eine zweite Sache, die ich jetzt noch schnell erwähnen möchte, bevor ich doch endlich unter die Dusche springe, ist: In ein paar Tagen bin ich auf meinem zweiten Festival. Nachdem ich seit letztem Jahr keine Festival-Jungfrau mehr bin, weiß ich ja, was mich erwartet. Dieses Festival war zwar unglaublich teuer und ich musste mir außerdem ein eigenes Zelt kaufen. Ich fahre mit einer Kommilitonin und ihrem Bruder. Vor Ort schließen wir uns zusammen mit einer weiteren Freundin von mir und ihrer Gruppe. Also alles Menschen, die ich nicht sooo gut kenne. Aber das wird sicher trotzdem toll.

So. Jetzt habe ich alle Gedanken aus meinem Kopf auf Papier (bzw. auf die Tastatur) gebracht. Ich hoffe, jetzt kann ich (nach meiner Dusche) noch ein bisschen produktiv sein.

Was für ein chaotischer, literarisch unbrauchbarer Eintrag. Es freut mich, dass ich diese fünf Minuten eures Lebens verschwenden durfte. Gern geschehen. 😉

Widersprüche

Wer je behauptet hat, Frauen kann man nicht verstehen – der hat absolut Recht. 😉

Ich habe zwar gesagt „Er ist es nicht„, dennoch treffe ich mich weiter mit ihm. Er ist es immer noch nicht. Aber ich verbringe gerne Zeit mit ihm. Ich genieße es mal wieder, jemanden zu haben, der mich begehrt. Jemanden, der mir täglich guten Morgen und gute Nacht schreibt. Jemanden, der vor Freude ganz nervös ist, wenn er mich sieht. Jemanden, mit dem ich auf Dates gehen kann, so richtig pärchen-like. Jemanden, der meine Hand nimmt oder seinen Arm um mich legt beim Spazierengehen. Jemanden, den ich küssen kann, während er Spaghetti für uns kocht. Jemanden, an den ich mich bei gruseligen Filmen kuscheln kann.

Ich weiß, ich sollte mit ihm reden. Er weiß bereits, dass ich nicht mehr lange hier bin. Es sollte also doch glasklar sein, dass da nichts mehr sein kann, wenn ich in einem Monat weg bin. Für mich ist es das zu mindest. Aber damit ich mir sicher sein kann, dass wir auf der gleichen Ebene sind, sollte ich es ansprechen.

Vielleicht ist es noch nicht zu spät. Vielleicht sind wir ja noch auf der gleichen Gefühlsebene. Ist eine Aussage wie „du sorgst für Chaos in meinem Kopf“ ein eindeutiges Zeichen, dass bei ihm mehr Gefühle im Spiel sind? Oder ist es einfach eine Floskel? Ist der Satz „du bist wunderschön“ vor dem ersten Sex einfach ein wunderbares Kompliment? Oder steckt mehr Interesse dahinter?

Beim nächsten Treffen spreche ich es an. Versprochen.

Zum Schluss noch eine Anregung. Meine Mitbewohnerin stellte mir die Killerfrage: „Angenommen du wärst in einem Monat nicht weg … Wärst du jetzt in dieser Position?

Tja, wäre ich? Hätte ich ihn ein viertes Mal getroffen? Hätte ich mit ihm geschlafen? Würde ich ihm noch schreiben? Würde ich mich noch jedes Mal freuen, eine Nachricht von ihm zu bekommen?

Ich denke ja. Aber ich würde trotzdem denken, dass er es nicht ist. Ich fühle mich so egoistisch. Und so widersprüchlich.

Und nun noch ein allerletzter Gedanke: fühlte es sich damals genauso für Mr Regisseur an? Der sich mehrmals mit mir getroffen hat und wir beide eindeutig Interesse aneinander hatten – er aber dann auch fort musste? Will mir das Schicksal damit irgendwas sagen?

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