Ich bin clean – keine Pille mehr

Ich hatte in meinem letzten Beitrag ja angekündigt, dass ich zu meinem „Aussteig“ der Pille schreiben wollte. Das könnte ein etwas anderer Beitrag werden: kein reiner Tagebucheintrag über meine Erlebnisse, Gedanken und Gefühle. Es wird ein bisschen informativer – aber nur ein kleines bisschen. Im folgenden Beitrag möchte ich über meine Erfahrungen und meine Gründe zum Absetzen der Pille schreiben. Ich möchte nicht, wie man es oft liest, irgendjemandem abraten die Pille zu nehmen. Schließlich muss jeder selbst Nutzen und Risiko abwägen. Jeder Körper reagiert anders und ist den Risiken anders ausgesetzt.

Zu den schwerwiegendsten Nebenwirkung bei der Einnahme der Pille zählen das erhöhte Thromboserisiko, Depressionen, Scheidenpilz, Wassereinlagerungen, Lungenarterienembolien, Gelbsucht, hoher Blutdruck, Hirnschlag, Herzinfarkt, Sehstörungen, Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Leberschaden, Diabetes, Unfruchtbarkeit, Störung der Schilddrüse, Kopfschmerzen, Libido-Verlust. Wie gefährlich die Pille hierbei tatsächlich sein kann, weiß ich nicht. Ich kenne mich selbst zu wenig mit den medizinischen, chemischen und biologischen Auwirkungen aus um eine professionelle Meinung abgeben zu können oder wollen. Alles Wissen über die Pille habe ich mir selbst durch googlen oder schlaues Erfragen angeeignet. Wie gesagt, werde ich hier einfach über meine eigenen Erfahrungen schreiben.

Ich habe sehr früh angefangen die Pille zu nehmen und habe sie schließlich über neun Jahre lang genommen. Meine Periode habe ich relativ früh bekommen – mit 12 Jahren. Mit Anfang 15 hatte ich meinen ersten Freund. Zusammen mit ihm beschloss ich, dass ich mir ja die Pille verschreiben lassen könnte. Ich sprach meine Mutter darauf an, die natürlich nicht sehr erfreut über meinen Vorschlag war. Aber trotzdem vereinbarte sie mit mir meinen ersten Frauenarzttermin. Ich fühlte ich mich sehr erwachsen. Damals klärte sich mich über die Nebenwirkungen in einem Halbsatz auf. Wie das damals gemacht wurde und wie das heutzutage wahrscheinlich immer noch gemacht wird bei jungen Frauen.

Ich bemerkte keine Nebenwirkungen. Ich war eher froh, dass ich nun immer genau wusste, wann meine Periode kam. Und dass ich mir keine Gedanken über eine ungewollte Schwangerschaft machen musste. Zu den Themen Akne, Wassereinlagerungen, Gewichtszunahme oder Stimmungsschwankungen kann ich nichts sagen. Mit 15 geht es eh drunter und drüber. Großartige Veränderungen, die typischerweise beim Einnehmen der Pille auftreten, habe ich nicht festgestellt. Vielleicht wurde mein Körper in meiner Pubertät aber auch immer von der Pille kontrolliert? Darüber machte ich mir keine Gedanken. Es war ja irgendwie normal die Pille zu nehmen.

Erst als meine beste Freundin mit 18 anfing, selbst die Pille zu nehmen um damit gegen ihre furchbaren Regelschmerzen anzukämpfen, wurde mir bewusst, dass die Einnahme der Pille auch Nebenwirkungen haben kann. Meine beste Freundin bekam schlimme Wassereinlagerungen. Sie sah aus wie aufgedunsen. Zuerst dachten wir, sie hätte schnell viel zugenommen, da wir in dieser Zeit zusammen in Australien waren und sie sich gleichzeitig sehr ungesund ernährte. Aber die Begründung wollte sie nicht wahrhaben und setzte im Selbstversuch die Pille wieder ab. Und voilá, sie war bald wieder normalgewichtig. Kurz darauf verschieb ihr Frauenarzt ihr ein anderes Präperat und dieses mal verlief alles gut. Ich war froh, dass ich keine solchen Auswirkungen hatte.

Ich nahm die Pille sechs Jahre lang ein, bis ich sie irgendwann spontan einfach nicht mehr für nötig befand und absetzen wollte. Ich fand es zwar sehr angenehm, dass ich immer wusste, wann ich meine Tage bekommen würde und dass ich mir nie Sorgen machen musste ungewollt schwanger zu werden. Aber zu der Zeit hatte ich keinen Freund mehr und dachte mir, ich könnte mir die 60 Euro im Jahr ja sparen und mit Kondomen verhüten, wenn ich mal meinen Spaß haben wollte.

Mit Absprache meiner Frauenärztin hörte ich also auf, die Pille zu nehmen und wartete geduldig, bis sich meine Periode wieder einpendelte. Tat sie aber nicht. Ich bekam neun Monate lang meine Tage nicht. Nach mehreren Untersuchungen stellte meine Frauenärztin eine „Ovarialinsuffizienz“ fest (was das genau ist, kann man hier nachlesen). Kurz mit den Worten erklärt, die meine Frauenärztin verwendete: meine Hirnanhangsdrüse produziert nicht die Hormone, die meine Gebärmutter benötigt um Östrogen herzustellen. Ich bekomme also keinen Eisprung (und somit auch nicht meine Periode) und habe zu wenig Östrogen im Blut. Das kann auf Dauer zu brüchigen Knochen führen. Diese Insuffizienz kann entweder genetisch bedingt sein (was sie bei mir nicht ist) oder durch hohen Stress ausgelöst werden. Dafür wüsste ich einige Gründe (den Stress, den ich mir ständig wegen meiner Ernährung und Sport mache oder den Stress, den ich durch mein Studium habe). Ich sollte die Pille also aus „medizinischen Gründen“ weiter nehmen. Fand ich größtenteils doof, weil das extra Ausgaben waren. Aber naja, sonst war es ja nicht so schlimm. Alternativ wäre es sonst ein Präperat gewesen, das Frauen in den Wecheljahren nehmen. Davon riet mir meine Frauenärztin ab.

Also nahm ich die Pille weitere drei Jahre. Bis im letzten Jahr von vielen Seiten die Stimmen lauter wurden, die gegen die Einnahme der Pille sprachen. Ich wurde hellhörig. Immer öfter las man von den unaufgeklärten Nebenwirkungen der Pille. Man konnte sehr häufig lesen, dass dieses Medikament damals eigentlich nie genug erforscht wurde. Es gibt kaum Langzeitstudien. Oft wird beschrieben, dass die Pille dem weiblichen Körper einen Hormoncocktail verpasst, der nicht gesund ist. Schließlich wird dem Körper ja eine ständige Scheinschwangerschaft vorgegaukelt. Und das Thromboserisiko sei durch die Pille extrem erhöht wird.

Nachdem ich sowieso wieder Single war, beschloss ich die Pille nochmal abzusetzen. Ich glaube, den ausschlaggebenden Grund dafür gab mir aber meine Mitbewohnerin. Sie erzählte mir irgendwann beiläufig von einem „Gerücht“, das sie gehört hatte. Nämlich dass es nach dem Absetzen der Pille passieren kann, dass die Frau ihren Partner nicht mehr attraktiv finden könnte. Dadurch, dass der Körper ständig unter einer dem eigenen Körper untypischen Hormonzusammensetzung (oder Hormonmenge) ausgesetzt ist, finden Frauen wohl Männer „anders“ attraktiv. Da ist es irgendwie logisch, dass sich die Anziehung bei einer anderen Hormonzusammensetzung ändern kann. Das wollte ich auf keinen Fall. Wenn ich irgendwann meinen Traummann kennen lernen sollte, dann will ich ihn als „ich“ attraktiv finden. Mit meinen körpereigenen Hormonen. Klingt total komisch und ich weiß nicht, ob es für die Leser hier logisch erscheint. Für mich ist es das aber. 😀 Also beschloss ich die Pille abzusetzen.

Vielleicht könnte sich mein Körper dieses mal selbst einpendeln. Meine Frauenärztin fand es in Ordnung, aber ich sollte mich melden, wenn ich wieder meine Tage nicht bekomme. Ende September nahm ich also die letzte Pille. Seit dem habe ich meine Tage wieder nicht bekommen. Die negativen Auswirkungen, vor denen so viele Frauen Angst haben, bekam ich teilweise: die ersten drei bis vier Monate sprießten mehr Pickel, aber das legte sich recht schnell. Außerdem bekam ich Schuppen auf meiner Kopfhaut. Das hatte ich sonst nie! Dazu kommt, dass ich mehr Haare als sonst verliere. Das hat sich erst seit ein paar Wochen nun gebessert und schockierte mich anfangs noch ziemlich – aber solange ich noch genug auf dem Kopf habe muss ich noch nicht in Panik ausbrechen.

Am meisten ärgert mich aber meine Gewichtszunahme. Nachdem mir letztens die Zeiträume bewusst wurden, beschlicht sich mir die Vermutung, dass meine extreme Gewichtszunahme auf das Absetzen der Pille zurückzuführen ist. Seit dem Absetzen (vor acht Monaten) sind es schließlich sieben Kilo gewesen. Wie ich bereits in meinem letzten Beitrag kurz erwähnt hatte, googelte ich meine Beobachtung. Es scheint, als hätten viele Frauen ähnliche Probleme. Studien gibt es dazu allerdings nicht. Allgemein gibt es keine Langzeitstudien zu den Auswirkungen bei der Einnahme oder dem Absetzen der Pille. Ein weiterer Grund, die Pille mit Vorsicht zu betrachten.

Neben den negativen Auswirkungen spürte ich nach dem Absetzen gleichzeitig positive Veränderungen. Ich hatte das Gefühl, dass ich irgendwie fröhlicher war und mein Kopf klarer. Vielleicht war es aber nur Einbildung. Trotzdem fühlte es sich gut an. Die übertrieben fröhliche Stimmung hat sich nun (leider) wieder gelegt. Aber ich fühle mich trotzdem „natürlicher“. Es ist schwer zu beschreiben. Aber einen Unterschied merke ich schon irgendwie…

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Auch wenn ich meine Periode seit acht Monaten nicht mehr bekommen habe, einen sehr niedrigen Östrogenspiegel habe, mir mehr Haare ausfallen und mein Gewicht durch die Pille (eventuell) gestiegen ist – ich möchte die Pille trotzdem nicht mehr nehmen. (Über Verhütung muss ich mir derzeit ja sowieso keine Gedanken machen. ) Nächste Woche habe ich einen weiteren Termin bei meiner Frauenärztin. Ich werde ihr von meinen Beobachtungen berichten. Wenn sie mir wieder empfehlen möchte, die Pille „aus medizinsichen Gründen“ einzunehmen, werde ich mir eine zweite (und wenn es sein muss auch eine dritte) Meinung einholen. Mein Körper muss doch wohl ohne Hormon-Cocktail wieder klar kommen. Warum auch meinem gesunden Körper Medikamte zuführen, die er nicht braucht und die auch noch so bedenklich sind?

Mal sehen, wie es weiter geht.

Wenn es euch Lesern interessiert, oder es spannend genug ist um dem Thema einem weiteren Tagebucheintrag zu widmen, schreibe ich gerne über meine weiteren Erfahrungen. 🙂

 

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23 Gedanken zu “Ich bin clean – keine Pille mehr

  1. Vielen Dank für den Eintrag, ich finde es sehr erschreckend, was den allgemeinen Kenntnisstand zur Pille angeht. Gerade weil es von so vielen Frauen genommen wird, sollte es nicht mal eben im Nebensatz erklärt werden, was passieren kann. Ich wünsche dir, dass dein Körper einen Weg ohne die Pille findet, um sich wieder einzupendeln. Und ich muss gestehen, dass ich an deiner Stelle nicht den Mut gehabt hätte, die Pille abzusetzen, bei den aktuellen „Nebenwirkungen“. Du hast meinen höchsten Respekt für deine Offenheit und für den Weg, den du gehst.

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    1. Vielen Dank für den lieben Kommentar! Ich finde es auch erschreckend, dass so ein Medikament in den „Massenmarkt“ eintreten konnte, ohne ausreichende Erkenntnisse über die Langzeitfolgen. Bzw. dann, als die Erkenntnisse oder Vermutungen vorlagen, die Pille immer noch weiter unbedacht verkauft und empfohlen wird!

      Eine großartige Alternative zu meinen Weg gibt es nicht, finde ich. Entweder ich pumpe mich weiterhin mit Hormonen voll, oder ich ertrage eben das Ausmaß an negativen Auswirkungen durch das Absetzen. 😄 Aber das ist es mir wert, um meinem Körper diese Chemiekeule nicht mehr antun zu müssen.

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    1. Ja das stimmt, es ist echt skurril! Vielleicht wurde aber auch nicht weiter geforscht, weil man ja schon die Pille hatte und sie für ausreichend befand? Man weiß auch nie so genau in wie fern pharma Unternehmen ihre Finger im Spiel haben…
      Ich hab zumindest öfter was von „Pille für Männer“ gehört, die aber aufgrund von fehlenden forschungsgeldern nicht weiter entwickelt werden konnte. In wie weit das wahr ist, weiß ich aber natürlich auch nicht… Hört und liest man/frau sich ja alles im internet zusammen…

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  2. Ich finde es immer schön, wenn jemand über das Risiko Pille aufklärt. Die meisten nehmen sie nämlich einfach so, ohne sich darüber Gedanken zu machen. Ich hatte sie genommen und direkt, eine Thrombose bekommen. (Ich war 19) Ich darf sie jetzt nicht mehr nehmen und würde es auch nie mehr tun. Leider ist das mit der Thrombose ja kein Einzelfall, das kann so schnell passieren. Man bemerkt das vielleicht nicht mal. Ich finde es schlimm, dass so wenig Leute, Frauen wie Männer, um die Risiken wissen. Danke für den Beitrag. 🙂

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      1. Sagen wirs so, ich fand sie hässlich, aber sie hat mich so unter druck gesetzt, dass ich nachgegeben hab…war aber nicht schön….verbuche ich jetzt nicht als sex gehabt, ist jetzt n jahr her

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  3. Die Risikoaufklärung gehört mit in den Aufklärungsunterricht!
    Durch die Verschreibung der Pille sichern sich wohl viele Gynäkologen ein gewisses Grundeinkommen… Und die Pharmaindustrie versucht seit Jahrzehnten, risikoarme/-freie Präparate zu entwickeln. Warum sollen sie das tun, wenn bestehende Präparate sich gut verkaufen?
    Vielleicht ist Vasektomie nach Einfrieren von Spermien (wegen eines Kinderwunsches) auf Dauer die risikoärmste Alternative?

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  4. Oh ja, gerne noch ein Beitrag über deine weiteren Erfahrungen. Ich habe vor einem halben Jahr die Pille abgesetzt und meine Erfahrungen sind etwas andere. Dass man beinahe über nach plötzlich fettige Haare hat wo sie vorher eher trocken waren und eine furchtbar ölige Haut, die sich ständig entzündet, das ist auch bei mir so. Ich habe sogar richtige Schübe (immer dann, wenn ich menstruieren würde, was ich nicht mehr tue, denn mir fehlt nun die Gebärmutter, da die Eierstöcke aber noch da sind, hab ich noch immer einen Zyklus, nur ohne Blutung.), in denen ich im Gesicht, an Hals, Schultern und im Dekolleté mit Pusteln und Pickelchen übersät bin, trotz penibler Reinigung und Umstellung auf passende Hautpflege. Das ist besonders belastend für mich, denn vorher hatte ich einen regelrechten Porzellanteint und eher trockene Haut. Auch ich vermute, dass es bei mir an einem Überschuss an Androgenen liegt und will nächste Woche einen Hormonstatus beim Hausarzt machen lassen.

    Auch in der Libido habe ich Veränderungen bemerkt, war sie vorher auf einem gleichbleibend hohen Level, ging sie direkt nach dem Absetzen komplett in den Keller. Das hat sich wieder etwas eingepegelt, ist aber jetzt ebenfalls dem Zyklus unterworfen, mit Pille hatte ich diese Schwankungen nicht.
    Außerdem hat sich die Empfindlichkeit der Lustzonen verändert, sprich, waren Berührungen der Nippel vorher immer mein zuverlässiger Sex-An-Schalter, tut sich dort nun nicht mehr viel oder war in der ersten Zeit sogar unangenehm. Auch das kommt laaaaangsam wieder, hoffentlich wie vorher.
    Zugenommen habe ich nicht, sondern abgenommen. Als ich mit der Pille anfing, hab ich innerhalb weniger Wochen etliche Kilo zugenommen und hatte danach immer viel Disziplin aufzuwenden, diese wieder abzunehmen und die Abnahme zu halten, jetzt reguliert sich mein Gewicht von selbst nach unten, obwohl es gar nicht unbedingt müsste.

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