Karrierefrau

Im folgenden ein Gesprächsausschnitt zwischen einer (glücklich vergebenen) Freundin und mir:

8091068c60e8edcdbc5408e4885482df_business-women-vector-business-woman-silhouette-clipart_501-351„Ich werde einfach reiche Single-Karriere-Frau“

„Und damit qualifizierst du dich direkt als erste Paten-Tante, die unserem Kleinen teure Sachen schenkt, dann müssen wir das nicht machen.“

„Allerdings habe ich für den Kleinen dann auch nicht viel Zeit. Schließlich warten meine Kunden auf der ganzen Welt auf mich und meine hochgeschätzten Kompetenzen in Management und Marketing. 😉 „

„Aber später kann er dann coole Praktika bei dir machen. :D“

Das kurze Gespräch ist mittlerweile schon einige Wochen her und ich habe mir seitdem über den damals spontan dahergequatschten Einfall einige Gedanken gemacht. Ehrlich gesagt gefällt er mir. Sogar sehr. Ich freunde mich mehr und mehr mit diesem Gedanken an, die „Karrieretante“ zu werden. Natürlich bediene ich mich ein bisschen an dem Klischee, dass Frauen sich zwischen Familie und Karriere entscheiden müssen. Aber darauf will ich garnicht hinaus. Was ich meine ist, dass ich eine glückliche Zukunft sehe, auch ohne einen Partner oder eine eigene Familie zu haben.

Wenn ich das so zu Papier bringe, klingt das komisch. Ich bin ja erst Mitte Zwanzig und muss mich garnicht entscheiden. Ich hab noch mein Leben vor mir. Aber die Vorstellung eines Lebens mit nur mir selbst, meinen guten Freunden und einem Job, den ich liebe, gefällt mir immer mehr. Das macht mir eines bewusst: diese Suche und den Wunsch nach einer Beziehung, der für mich die letzten Monate und Jahre sehr aktuell war, ist mir garnicht mehr so wichtig.

Das scheint sich offenbar auch an meinem Verhalten zu zeigen. Ich hatte diesen Monat zwei Dates – mit Mr Mutig und Mr Tinderjüngling. Ich hatte nicht nach Dates gesucht oder gefragt. Die haben sich eher aus Zufall ergeben.

Die Dates beschreibe ich in den nächsten Tagebucheinträgen. Quintessenz der Dates war aber, dass ich wohl eine spürbare „Egal-Haltung“ einnehme. Und das nicht unbedingt im negativen Sinne. Ich musste mir anhören, dass ich „schwer einzuschätzen“ bin. Das habe ich bisher noch nie gehört. Wenn mir etwas oder jemand gefällt, dann zeige ich das sehr schnell und sehr deutlich. Meistens zu deutlich, weshalb die Männer dann genauso schnell auch wieder weg sind. Nach den zwei Dates und dieser Aussage wurde mir aber bewusst: ja, irgendwie waren die Kerle egal.

Mir war es egal, was sie von mir dachten oder ob man sich nochmal trifft. Wenn sie mich toll fanden und sich nochmal meldeten, schön! Wenn nicht, dann halt nicht. Ich hab zur Zeit genug zu tun, nehme mir viel vor und freue mich auf die kommende Zeit, das neue Semester, bald Finnland… Ich genieße es, Single zu sein, niemanden Treffen zu müssen, das machen zu können, was ich will, wann ich es will. Ich kann meine Zukunft planen, wie ich sie mir selbst ausmale und immer ausgemalt habe.

Das traurige Gegenteil macht meine beste Freundin zur Zeit leider durch. Als wir uns während meines Heimatbesuches endlich mal wieder treffen konnten, war sie die fröhliche aufgeschlossene Person, die sie immer ist. Aber ich weiß, was zur Zeit an ihr nagt und sie war froh, mit mir offen darüber sprechen zu können. Sie ist seit dem Sommer letzten Jahres in einer Fernbeziehung mit einem Finnen. Sie liebt ihn und die beiden passen meiner Meinung nach super zusammen. Nur leider können die zwei aufgrund der Entfernung nicht diese hunderprozent glücklicke Beziehung führen. Einer muss immer einen Kompromiss eingehen und Geld und Zeit für einen Besuch aufbringen. Eigentlich sollte meine beste Freundin bereits mit dem Studium fertig sein, aber sie ist durch ihre letzte Prüfung gefallen. Ein Studentenjob in Finnland ist für eine Deutsche schier unmöglich zu finden, die Bewerbung für ein Masterstudium in Helsinki muss verschoben und der GMAT-Test muss dafür auch erstmal bestanden werden.

Sie hat nun lange nach einem passenden Praktikumsplatz gesucht, der ihr hoffentlich nach abgeschlossenem Studium Türen in den Bereichen öffnen kann, die sie interessiert. Sie fand zum Glück auch ein Praktikum in München. Ihr Freund hat nun einen dreimonatigen Vollzeit-Summerjob in seinem kleinen finnischen Dorf. Er möchte nach seinem Bachelor nicht unbedingt in Deutschland einen Master machen. Insgesamt möchte er sich nicht festlegen auf irgendwas. Er hat aber Angst, dass, wenn er sich für Finnland entscheiden sollte und meine Freundin dort nicht studieren kann, Schluss sein könnte. Diese unmögliche Planung treibt die beiden verständlicherweise in den Wahnsinn.

Ich konnte, so gerne ich es auch wollte, meiner besten Freundin in dieser Sache nicht helfen. Ich habe beide sehr gerne und wünsche ihnen sehr, dass sie es schaffen. Die zwei passen so wunderbar zusammen. Aber ich habe gesehen, wie die Zweifel und Gedanken an die Zukunft meine Freundin schier von innen zerreißen. Weil sie mir so wichtig ist und ich sie so nicht sehen kann und will, musste ich sie an etwas erinnern, was wir uns beiden als unschuldige junge Teenies geschworen hatten: wir machen unsere Zukunftsplanung niemals abhängig von Männern.

Ich hoffe sie erinnert sich daran. Ich hoffe sie tut das, was sie glücklich macht. Es ist ihre Zukunft und ihr Leben.

So traurig es mich für meine beste Freundin macht, hat mir dieses Fiasko auch gezeigt, dass ich froh bin Single zu sein. Ich muss meine Planung nicht abhängig machen von jemand anderem. Meine Zukunft gehört mir. Und ich kann genauso glücklich werden als Karrierefrau, wie ich es mit einem tollen Partner und Familie werden könnte. Vielleicht ja auch glücklicher. Oder vielleicht klappt auch beides.

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10 Gedanken zu “Karrierefrau

  1. Du sprichst mir so aus dem Herzen 🙂
    Genau so sehe ich das auch. Ich habe auch mein Leben noch vor mir, doch merke immer mehr, dass auch ich mir ein Leben nur mit mir selbst, gut vorstellen kann.
    Das nimmt so viel Druck von den Schultern. Zu wissen, die ganzen Anstrengungen in Sachen Partnersuche und Beziehung, sind kein Zwang. Auch ein Leben mit mir, Freunden und Job, reicht aus um glücklich zu sein.
    Ich finde, diese Einstellung macht es einem leicht sein Leben zu leben. Wenn sich doch eine Beziehung oder gar eine Familie ergibt, toll, das ist der Bonus, der sich zusätzlich ergeben kann.

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  2. Ich habe nach längerer Trauerphase um meine Frau auch nach einer neuen Partnerin gesucht – und mich dabei richtig unter Druck gesetzt. Es hat bei mir Jahre gedauert bis ich mit mir selbst zufrieden war. Jetzt kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, mit einer Frau zusammenzuleben. Und bin glücklich.

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    1. Oh, das tut mir leid zu hören mit deiner Frau.
      Aber es ist gut, dass es dir jetzt besser geht und du glücklich bist! 🙂
      Ich habe immer mehr das Gefühl, mit sich selbst zufrieden zu werden ist essentiell im Leben. Es ist schwer, aber wenn man es versucht, daran arbeitet und lernt sich selbst zu lieben, wird und bleibt das Leben schön, egal was auch kommen mag.

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  3. Ich finde den Beitrag super! Auch wenn ich andere Pläne hatte, führe ich heute das Leben als Single Karrierefrau welches Du beschreibst und empfinde es als sehr erfüllend. Natürlich ersetzt das nicht einen Partner, nach dem ich mich in schwachen Momenten durchaus sehne, aber wie ich heute schon woanders schrieb, Beziehung ist nicht immer unbeschwert. Aber man kann nicht alles haben, zumindest nicht zur gleichen Zeit. Die Kunst ist es, sich das Leben in jeder Situation schön zu machen und zu genießen was man hat.

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    1. Wahre Worte! 🙂
      Es ist wahrscheinlich normal, sich in „schwachen Momenten“ nach einem Partner zu sehnen. Wenn man dann einen hat und die rosarote Brille im Alltag abgesetzt hat, sehnt man sich dann vielleicht sogar manchmal nach dem Single Leben. So oder so finde ich, man kann nur ein glückliches Leben führen, wenn mit sich selbst gut leben und klarkommen kann. 🙂

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