Mr Regisseur

Ich muss unbedingt Einiges nachholen hier. Mein letzter Tagebucheintrag ist ja furchtbar kurz ausgefallen. Dabei habe ich so viel zu erzählen. Besonders zu einem Thema. Damit nerve ich schon seit Wochen meine Freundinnen. Es wird Zeit meine ganzen Gedanken hier loszuwerden.

Es geht um Mr Regisseur. Ich hatte ihn kurz vorgestellt in meinem Beitrag zum Date Marathon (Teil 2) und auch erwähnt, dass er mir am allerbesten gefallen hat. Auch er war es, zu dem meine Gedanken ständig wanderten, als Mr Tiger zu Besuch war.

Ich finde ihn furchtbar interessant. Es ist nicht nur sein Beruf, es ist auch seine Art. Aber am interessantesten ist wohl die Situation, in der wir uns befinden. Oder ein besseres Wort wäre: frustrierend.

Wir hatten Ende Oktober über Tinder gematcht und daraufhin geschrieben. Anfang November uns dann getroffen. Die zwei Wochen danach haben wir jeden Tag geschrieben und uns auch ein zweites mal getroffen. Irgendwann setzten wir zwei Tage aus beim Schreiben, was mich direkt frustrierte. Aber als er mich wieder anschrieb, machten wir wieder ein Treffen aus. Das dritte Date, kurz darauf das Vierte. Jetzt war klar, es würde das letzte sein. Er hatte es schon von Beginn an erwähnt, dass er Ende November verreisen würde. Er würde in die USA fliegen für drei Monate. Unser viertes Date sollte also das letzte sein. Bis dahin hatten wir uns noch nicht geküsst, aber wir waren gleichermaßen aneinander interessiert. Wir konnten uns immer gut unterhalten und er ist wahnsinnig lustig. Er kann mich mit seiner kindisch-spielerischen Art ständig zum kichern und lachen bringen. Leider hatte er nie oft Zeit, da er viel arbeiten musste – aber wenn er auch nur einen Abend in der Woche Zeit fand, wollte er ein weiteres Date mit mir verabreden. Daher gehe ich davon aus, dass das Interesse da sein muss.

Zum Abschluss des vierten Dates gab es immer noch keinen Kuss. Vermutlich die vernünftige Entscheidung. Überhaupt ist er ein sehr vernünftiger Mann. Trifft man heutzutage leider nicht mehr sehr oft. Er fand es sehr schade, dass wir uns zu so einem dummen Zeitpunkt kennenlernen mussten. Drei Monate sind theoretisch nicht lang. Praktisch – in unserer Situation – leider doch. Gerade erst kennen gelernt und Interesse aneinander gefunden – schon ist man erstmal drei Monate getrennt. Er würde aber gerne mit mir skypen. Ich freute mich sehr, als er mich fragte. 🙂

Sein Flug sollte ein paar Tage darauf gehen. Wir schrieben das Wochenende über wieder nicht. Ich hatte nicht erwartet, dass er mir nochmal schreiben würde und plante schon, dass ich ihm am Tag seines Abfluges noch  anschreiben könnte.

Am Montag kam allerdings dann noch eine Whatsapp von ihm. Wir schrieben etwas hin und her bis er mich fragte, ob ich Dienstag abend Zeit hätte. Es war der Abend vor seinem Abflug. Natürlich habe ich Zeit! Ich antwortete natürlich nicht ganz so überschwänglich, aber ich freute mich wirklich, dass ich die Person bin, die er vor seinem Abflug nochmal sehen wollte. Wir planten einen kurzen Kamera-Crash-Kurs (da ich mir vor ein paar Tagen meine erste Spiegelreflexkamera geholt hatte) und anschließend gemütlich Film gucken bei mir. – Also das normale Film gucken. Nicht das „Film gucken“. Ihr wisst was ich meine. Er ist vernünftig. (Ich nicht so ganz. Aber er und das ist gut so.)

Dummerweise habe ich in meinem WG-Zimmer kein Sofa zum Fernseh- (bzw. Film-) gucken, also legten wir uns nebeneinander in mein Bett. Komische Situation erst, da wir uns noch nicht wirklich sehr nahe gekommen waren bisher. Ich glaube, unbewusst rückte ich während des Filmes immer näher zu ihm. Erst berührten sich unsere Füße, dann die Beine. Irgendwann lag ich halb im Löffelchen bei ihm… Die Arme hatten wir jeweils noch bei uns selbst.

Da ich eine kleine Mädchenblase habe, musste ich während des Filmes auf die Toilette. Als ich wieder kam, hatte er sich die Decke geschnappt. Als Bestrafung kitzelte ich ihn an den Füßen, woraufhin er mich natürlich zehnmal fieser zurück kitzelte. Da war das Eis gebrochen und der Körperkontakt hergestellt. Wir guckten den Rest des Filmes allerdings immer noch nur mit „Fuß-/Bein-Kontakt“. Ich weiß dann garnicht mehr genau, wie es dazu kam, aber ich glaube, als der Film zuende war, und er seine Position änderte, schlang ich einfach mal meinen Arm um seinen Bauch. – Oho! – Mir blieb die Luft weg. Was ein Sixpack!

Das musste ich ihm natürlich gleich sagen, denn wer freut sich nicht über Komplimente? Ich durfte dann auch etwas weiter seinen Bauch streicheln. 😀 Als er wieder seine Position änderte, kuschelte ich mich komplett an ihn. Und er legte seinen Arm um mich, vielleicht weil ich ihm keine andere Wahl lies, vielleicht aber auch freiwillig.  Jedenfalls kuschelten wir endlich und es fühlte sich richtig gut an. Er fühlte sich gut an.

Zusammengekuschelt quatschten und dösten wir, bis es immer später wurde. Erst zwei Uhr, dann drei Uhr, dann vier Uhr. Sein Flug ging morgen um elf Uhr. Was für einen dummen Zeitpunkt wir uns da nur ausgesucht hatten, um uns kennen zu lernen. Als es fünf Uhr war, musste ich leider widerwillig den Schlussstrich ziehen. Ich hatte am nächsten Tag schließlich auch Uni. Mehrmals hatte er gesagt, er würde gleich gehen. Er konnte sich aber genauso wenig wie ich losreißen. Um halb fünf schob ich mich dann weg, stand auf und gucke ihn traurig an. Er verstand, stand ebenfalls auf und sammelte Rucksack und Jacke ein und zog die Schuhe an. Unter allen anderen Umständen hätte ich mir einen Kuss gewünscht. Aber jetzt dachte ich mir „bitte nicht küssen“. Und er tat es auch nicht. Um fünf Uhr morgens ging er.

Ich schrieb ihm, ich würde ihn vermissen und wünschte ihm einen guten Flug. Er sagte, es würde ihm leid tun, dass er mir den Schlaf für die Nacht geraubt hatte, aber es hätte sich gelohnt. Am nächsten Tag schrieb ich, während er im Flugzeug saß. Er solle sich melden, wenn er da wäre und wünschte ihm einen guten Start. Er antwortete nach seiner Ankunft und sendete mir ein Foto aus dem Flugzeugfenster.

Und das wars.

Seit dem hatten wir nicht mehr geschrieben. Gelegentlich likte er meine Instagramfotos. Ich like seine Neuen aus Kalifornien zurück. Mein heutiges Instagramfoto hat er noch nicht geliked. Denkt er noch an mich? Er soll mir endlich mal schreiben.

Oder soll ich schreiben?

Ich hoffe wir können in drei Monaten weiter machen, wo wir aufgehört haben. Was für eine dumme Situation.

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12 Gedanken zu “Mr Regisseur

  1. Cool bleiben, genau. Er ist jetzt in einer völlig neuen Welt, neue Arbeit, neue Umgebung, neue Leute, neue Sprache, neue Clubs.. Gedanklich ist er damit sicher sehr damit befasst, dort anzukommen, sich einzufinden in die Strukturen dort und seinen Platz zu finden.
    Du hast sicher einen großen Eindruck hinterlassen bei ihm,ob der sich nach einer so kurzen Zeit des Kennenlernens über die Zeit der Trennung anhält, wird sich zeigen. Die Eindrücke, die er zur Zeit täglich um sich hat, überwiegen das sicher gerade und er denkt logischerweise nicht ständig daran, dir zu schreiben. Denn noch bist du nur eine Bekannte, aber er kommt ja wieder und dann ist deine Chance mehr für ihn zu werden. 😉

    Gefällt 2 Personen

    1. Ja du hast da vollkommen recht. Das versuche ich mir auch alles selbst zu sagen. Ich kann meine Gedanken da nur nicht so leicht ausschalten. Ich hätte mir wahrscheinlich einfach gewünscht, dass er sich Mühe gibt um mich, während er weg ist. Aber ja… Noch bin ich nur eine Bekannte…

      Gefällt 1 Person

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