Persönlicher Jahresrückblick: 2016 – Jahr der Selbstreflexion

Es scheint ja schon, als wäre ich eine der Letzten für den traditionellen Blogger-Jahresrückblick! 😉 Ich will auch noch mitmachen!

Aber ich will nicht über diesen ganzen „2016 war Mist“-Quatsch schreiben. Ja, es sind hinsichtlich Weltpolitik einige schreckliche Dinge passiert. Schreckliche Dinge gab es 2015 aber auch schon. Und das Jahr zuvor. Ich schreibe jetzt mal lieber über wie ich mein persönliches 2016 empfunden habe. Ich habe nämlich verdammt viel über mich selbst gelernt. Vermutlich war es das Jahr zuvor auch schon so. Aber da habe ich keinen Jahresrückblick gemacht. 😉

Nein, ehrlich: einen Rückblick über das eigene vergangene Jahr zu machen, finde ich wichtig und hilfreich. Es ist mittlerweile eine wohlbekannte Tatsache: je älter man wird, desto schneller vergeht leider die Zeit. Besser wäre tatsächlich, man würde jeden Abend über den vergangenen Tag reflektieren. Wird doch so häufig auf diesen ganzen „Mach-Dich-Wahr“/“Werde Erfolgreich“-Seiten empfohlen. Macht aber sicher kaum einer. Wenn man es sich abends im Bett gemütlich macht, fertig ist mit Facebook, Whatsapp, Instagram und Co. und das Licht endlich ausschaltet – dann schläft doch jeder ein. Wer denkt da noch über seinen kompletten Tag nach?

Zumindest kann jeder Ende des Jahres die Gelegenheit nutzen zu reflektieren. Ich finde ein kurzer persönlicher Jahresrückblick macht einem tatsächlich bewusst, wie man sich im vergangenen Jahr weiterentwickelt hat. Ich habe mal gehört, das menschliche Gehirn wäre so eingestellt, dass langfristig positive Erinnerungen hängen bleiben. Bei mir trifft es auf jeden Fall zu. Und wenn ich so zurückblicke auf mein Jahr: es gab natürlich ein paar richtig miese Erfahrungen. Aber ich möchte sie nicht missen. Denn ich habe mich selbst richtig gut kennen gelernt. Und ich bin immer noch dabei zu lernen, mich selbst zu verstehen.

Ich habe gerade ein bisschen durch meine Einträge von Januar 2016 bis Dezember 2016 durchgeblättert. Bis auf meine lange 3,5-monatige Pause habe ich ja sogar relativ regelmäßig geschrieben. Da bin ich schon etwas stolz auf mich und erkenne daran mal wieder, dass mir Schreiben Spaß macht. Heute fasse ich mich aber kurz. Das Kurzfassen muss ich nämlich auf jeden Fall noch lernen!

Im Februar habe ich meine Bachelorarbeit abgegeben und damit den Bachelor erfolgreich abgeschlossen. Ich hätte zwar gerne eine Eins-Komma-Note gehabt, aber letzendlich war es egal, denn ich habe mich ja für ein Masterstudium entschieden. Die Entscheidung, nach dem Bachelorabschluss doch noch nicht zu arbeiten, habe ich noch im Dezember letzten Jahres sehr spontan getroffen. Eine untypische Aktion von mir, da ich mich gerne festfahre in meine bisherige Planung.

Die Entscheidung für den Master habe ich dann nur ein Mal bereut: als ich nicht hinterher kam mit dem Lernen in der ersten Klausurphase. „Bereuen“ ist da allerdings auch das falsche Wort. Ich hatte eine Phase, in der es mir wirklich nicht gut ging. Ich wusste nicht, was ich kann und was ich wollte. Mir ging es schlecht, weil mein Exfreund Schluss gemacht hatte. Nach einer sowieso furchtbar verlaufenen Beziehung, die mir alle Kraft ausgesaugt hatte.

Ich bin allerdings froh um die Erfahrung. Ich habe für die Zukunft gelernt, dass ich niemals wieder an etwas festhalten sollte, was mir nicht gut tut. Ich hatte ja schnell erkannt, dass er und ich nicht zusammen passten. Dass er mich nicht behandelte, wie man seine Freundin behandeln sollte. Dass ich mich deshalb nicht verhielt, wie ich es sollte und wollte. Ich wollte tausendmal Schluss machen, habe es aber nie gemacht, weil ich nicht wieder alleine sein wollte. Weil ich nicht scheitern wollte.

Als er dann Ende Juli Schluss gemacht hatte und direkt danach eine Neue hatte, war ich am Boden zerstört. Aber dank meiner fürsorglichen Freunde und meiner Familie, bei der ich immer willkommen bin, rappelte ich mich sehr schnell wieder auf. Ich merkte, was es bedeutet dankbar zu sein und es zu genießen, glücklich sein zu können. Ich setzte mir als Ziel, mich selbst lieben zu lernen.

Und seit dem kam ich diesem Ziel jeden Tag einen Schritt näher. Ich war zwar wieder Single – aber verdammt glücklich. Ich machte wieder das, worauf ICH Lust hatte. Ich datete und hatte meinen Spaß. Genoss die Aufmerksamkeit der Männer. Lernte widerum, dass ich der Aufmerksamkeit leider einen viel zu hohen Stellenwert beimaß. Und schraubte hier wieder zurück. Von meinem mehr oder weniger unbeabsichtigten „Date-Marathon“ (hier und hier zu lesen), gab es nur zwei Männer, die bis jetzt noch aktuell sind: Mr Gemüselasagne und Mr Regisseur. Hauptsächlich aber Mr Regisseur. Ich weiß nicht wie es mit ihm weitergehen wird und es ist mir ehrlich gesagt egal. Ob es mehr mit ihm wird oder nicht – ob ich mein ganzes Studium Single bleibe oder nicht – ob ich meinen Traummann finde oder nicht – ich bin mir mittlerweile sicher, ich werde in meinem Leben die richtigen Entscheidungen treffen und glücklich werden.

Ich habe noch viel vor: über meine Studienplanung habe ich im vergangenen Monat viel nachgedacht und einen guten Plan ausgearbeitet. Aber wie ich aus den Erfahrungen zum Beginn des Jahres weiß: Pläne kann man auch guten Gewissens mal spontan umwerfen. Und es kann dabei sogar was Besseres dabei herauskommen. Ich lasse mich überraschen, was das Jahr 2017 mit sich bringt!


Na gut, kurz gefasst habe ich mich nun auch wieder nicht. Das wäre mal ein Vorsatz für 2017… Nicht, dass ich mir nicht schon genügend andere Vorsätze überlegt hätte. 😉 Darüber wollte ich auch noch schreiben! Aber nicht mehr in diesem Beitrag und nicht mehr heute.

picsart_12-28-09-42-43Ich wünsche Euch, liebe Leser meines Tagebuches, einen guten Rutsch in das Jahr 2017! Es freut mich, dass Ihr euch für mein Geschreibe wohl doch irgendwie interessiert. 😉 Und ich bedanke mich für all die aufmunternden und hilfreichen (und lustigen) Kommentare, die mir oft den nötigen Denkanstoß gegeben haben. Sogar der ein oder andere Leser hat sich getraut, mir persönlich per Mail zu schreiben, worauf sich interessante Gespräche ergeben haben. 🙂 Offenbar regt mein Geschreibe euch auch manchmal zum Nachdenken an.

Bitte macht weiter so in 2017!

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Dezemberpriorität 4: Männer

Na gut, da ist das verdammte Thema schon wieder. Ich hatte ja vor noch gar nicht allzu langer Zeit geschrieben, dass ich erstmal nichts mehr zu Männern schreiben werde, weil ich mich auf anderes konzentrieren möchte. Allerdings muss ich noch kurz ein letztes Update dazu raushauen: Mr Regisseur meldet sich wieder! Und ich hatte vor ein paar Tagen das letzte Date mit Mr Gemüselasagne.

Zu Mr Regisseur: Ich hatte bereits mit ihm abgeschlossen, war schon angepisst von seiner Wortkargheit und hatte beschossen, ihn endlich zu vergessen. Aber irgendwie traten wir – sofern das geht – über Instagram immer mal wieder in Kontakt. Dann musste ich ihn die letzten Tage zweimal anschreiben wegen Fragen zu meiner neuen Kamera. Mir bliebt hier leider nicht viel übrig, da ich sonst niemanden kenne, der sich mit der Kamera auskennt. Er antwortete auf meine Fragen immer sehr zeitnah und es folgte dann sogar immer die Frage, wie es mir geht und etwas Small Talk. Ein paar Tage darauf schrieb er mich sogar mal wieder an und wir schrieben wieder etwas mehr. Dabei wollte ich den Kerl doch vergessen. Ich war so gut dabei mir einzureden, dass es nicht funktionieren würde zwischen ihm und mir. Jetzt ertappe ich mich bei den Gedanken und der Hoffnung wieder viel mit ihm zu unternehmen, wenn er zurück ist. Meine Mitbewohnerin machte mir noch mehr Hoffnung, als sie mir bestätigte, dass es viele Männer gibt, die „digital“ und über eine gewisse Entfernung einfach sehr wortkarg werden. Es würde nicht bedeuten, dass er kein Interesse mehr hätte.

Naja, was soll ich tun? Ich warte einfach weiterhin ab, was so passieren wird. Zumindest beruhigen sich meine Gedanken wieder zum Thema Mr Regisseur. Vielleicht kann ich mir bald wieder erfolgreich eingestehen, dass er nichts für mich ist.

Zu Mr Gemüselasagne: Wie bereits in einem vorherigen Beitrag erwähnt, vereinbarten wir noch letzte Woche, uns vor den Weihnachtsferien noch zu treffen. Bei der „Intervention“ meiner Mitbewohner, rieten sie mir, dass ich das mit Mr Gemüselasagne doch endlich beenden sollten. Ich würde doch eh nix von ihm wollen, würde meine Zeit nur verschwenden und außerdem wäre es gut für mein angeknackstes Selbstbewusstsein, wenn ich ihm einen Korb verpassen kann. Das klang für meine Ohren etwas hart, aber irgendwie hatten sie schon recht. Also traf ich Mr Gemüselasagne mit dem Wissen, dass es das letzte Date sein würde.

Das Date jedenfalls verlief so: er kochte wieder für mich, vegetarisch, (sehr aufmerksam, der Mann) und danach wollten wir einen Film gucken. Da Studenten sehr oft kein Sofa haben, mussten wir es uns auf seinem Bett bequem machen. (Bestimmt werde ich es später mal vermissen, wenn man tatsächlich auf einem richtigen SOFA Filme guckt!) Um es nun nicht zu spannend zu machen: es lief nichts zwischen uns. Er war aber die ganze Zeit auffällig nervös. Vielleicht hatte er sich etwas erhofft für den Abend? Er hatte allerdings nie etwas versucht. Wie ein Gentleman brachte er mich nach dem Film zurück nach Hause und wir verabschiedeten uns. Es war sehr seltsam. Ich bin froh, dass er nichts versucht hat, aber es hat mich sehr verwirrt, dass er so nervös war. Ich habe ihm gegenüber zwar nichts erwähnt, aber es war von meiner Seite aus das letzte Date. Mal sehen ob er nochmal ein Treffen vereinbaren will. Dann muss ich ehrlich sein.

Ein letzter Herr fehlt noch: Mr Tiger. Ihn sehe ich vermutlich in wenigen Tagen wieder. Das letzte Treffen, als er über 1000 Kilometer gefahren ist, um mich in meiner Unistadt zu besuchen, verlief ja eher unangenehm. Wenn Mr Tiger Annäherungsversuche machen sollte die kommenden Tage, werde ich ihm erzählen, dass ich zurzeit jemand anderen date. Es entspricht nicht hundertprozentig der Wahrheit, aber ich denke, so kann er meine Gedanken besser nachvollziehen. Und das ist nur fair. Ich kann ihm momentan nicht mehr die Nähe schenken, die er sich von mir wünscht. Noch vor wenigen Monaten sagte mein Kopf, er ist die vernünftigste Wahl für mich, aber sobald ich wieder in meiner Unistadt war und meinen „Spaß“ hatte, vergaßen mein Kopf und mein Herz ihn gleichermaßen.

Das war es nun mit meinen Beiträgen zu meinem Dezemberstress. Mein Tagebuch ist hiermit wieder Up-To-Date. Ich genieße jetzt die Weihnachtsfeiertage – bis die Zeit kommt in der man sich dann Gedanken macht um die Vorsätze für das neue Jahr. Aber mir schwirrt da schon einiges im Kopf herum. 2016 war schon ein interessantes Jahr und 2017 wird ein super Jahr!

Ich wünsche all meinen Tagebuch-Mitlesern ein wunderbares Fest mit euren Liebsten! Ich freue mich, dass ihr euch für meine letzten Beiträge über mein Leben interessiert habt und gerne mitlest. Genießt das Fest so sehr wie ich es tue. Fröhliche Weihnachten! ❤

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Dezemberpriorität 3: Kunst

Ich wollte schon länger ein Beitrag zu diesem Thema schreiben. Denn ich freue mich sehr: meine Begeisterung für Kunst ist zurückgekehrt!

Eigentlich ungeschickt ausgedrückt, da die Begeisterung nie weg war. Ich habe es schon immer geliebt, die Kunst anderer zu sehen, hören, fühlen… aber seit einigen Jahren habe ich selbst kaum etwas gemacht. Früher habe ich gerne gezeichnet, später dann kleine eigene Kurzfilme gedreht und geschnitten und auch sehr viel fotografiert. Ich würde von mir behaupten, dass meine Zeichnungen und Fotos nicht mal so schlecht waren. In der Oberstufe wählte ich Kunst und trat einem Fotografie-Club in der Schule bei. Meine beste Freundin und ich zogen oft los um schöne Fotos zu machen oder trafen uns für ein Indoor-Shooting.

Zu Beginn des Studiums zeichnete ich dann schon nicht mehr. Und bald hörte ich auch auf zu fotografieren. Nur sporadisch stellte ich ein paar hübsche Schnappschüsse auf Instagram und empfand sie als Kunst. Ich wunderte mich immer, woher ich früher so viel Kreativität und Motivation nahm. So lief das drei, vier Jahre lang.

Und – ganz plötzlich – spüre ich seit einigen Wochen einen unbändigen Drang meine „künstlerische Ader“ wieder Ausdruck verleihen zu müssen. Als hätte all die Jahre etwas in mir geschlummert, das jetzt ausbricht. Vielleicht lag es daran, dass ich mich nach dem Schlussstrich von Mr Schützenverein so frei fühlte. Vielleicht lag es an dem künstlerischen Einfluss von Mr Regisseur. Vielleicht lag es aber auch einfach ganz allein an mir.

Hauptsächlich fing es an, dass ich wieder Motivation fand, regelmäßig hübsche Handy-Schnappschüsse auf Instagram zu posten. Aber das reicht mir nicht. Ich will Stift und Block in die Hand nehmen. Zeichnen. Ich analysiere wieder Filme und lasse mich nicht nur berieseln. Ich will selbst wieder Filmen und Schneiden. Ich will Blog schreiben. Ich will hinausgehen. Fotografieren.

Der erste Schritt zur Behebung meines Problems erschien mir einleuchtend: nachdem ich es mir seit über fünf Jahren überlege, werde ich mir endlich meine erste eigene Spiegelreflexkamera zulegen. Eine Gebrauchte reicht mir erstmal vollkommen. Dafür habe ich ja einen qualifizierten Ansprechpartner: Mr Regisseur. Ich erzählte ihm von meinem Vorhaben und er unterstützte mich sofort. Er empfahl mir Kameras und suchte für mich. Schließlich fanden wir dann über eine Facebookgruppe ein perfektes Angebot: eine Canon 60d. Ich verhandelte nur kurz im Preis und entschied aus dem Bauch heraus. Sehr ungewöhnlich für mich, da ich in teuren Anschaffungen lange überlegen muss. Aber dieses Mal ging es fix. Und genauso fix war sie dann auch in meinen Händen. Ich freute mich riesig.

Die Grundlagen frischte ich im Crash-Kurs mit Mr Regisseur auf und knippste zum Üben ein bisschen mit unserer Weihnachtsdeko. Doch so richtig fand ich bisher kaum Zeit zum Fotografieren. Die letzten Wochen wäre das Wetter perfekt gewesen, aber meine Prioritäten fielen dann leider doch zu Ungunsten der Kamera aus. Zumindest konnte ich am Wochenende für das Start-Up einige Fotos machen. Und verzweifelte, weil die Kamera nicht so wollte, wie ich es mir vorstellte. Ich denke, wir müssen uns erst anfreunden.  Schließlich ist es schon einige Jahre her, seit ich regelmäßig fotografierte.

Vor Kurzem kam dann noch die Begeisterung dazu, Fotos zu bearbeiten. Auf dem Handy habe ich eine wunderbare App, mit der man ganz leicht Foto-Manipulationen (inklusive Ebenen und so nen Kram) erstellen kann. Aber wie gesagt: es ist nur eine Handy-App. Photoshop besitze ich nicht und habe ich leider noch nie besessen. Aber einige Freeware-Programme habe ich schon in Aussicht. Es ist nicht jedermanns Geschmack, aber Fotomanipulationen á la surrealer Welt beeindrucken mich schon seit langer Zeit. Ich möchte das selbst lernen.

Meine Hoffnung ist es, dass ich mir über die Weihnachtsferien die Zeit nehmen kann, richtig zu Fotografieren und mich dann auch in ein Fotobearbeitungsprogramm einzuarbeiten… Neben all meinen anderen Interessen und Prioritäten… Ich weiß, ich nehme mir eindeutig unrealistisch viel vor…

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Das nennt man „abstrakte Kunst“ (oder auch: „ein Schnappschuss bei dem ich mit Belichtungszeiten gespielt hab“) 😉

Dezemberpriorität 2: Start-up

Was ist dieses komische amerikanisiert-klingende Wort? „Start-Up“? Klingt so cool.

Jawohl, ich gehöre nun zu den Coolen. 😉 Als hätte ich nicht schon genug mit meinem eigenen Kram zu tun, habe ich mir natürlich noch mehr Arbeit angehäuft. Aber da es hier um Kram geht, den ich liebe, bin ich vor Kurzem dem studentischen Start-up meines Kommilitonen beigetreten.

Es fing damit an, dass er mich bereits vor einigen Monaten eingeladen hatte, seine Facebookseite zu liken. Da dort kaum irgendwas Interessantes zu sehen war, ignorierte ich die Einladung. Bis ich vor einigen Wochen neben ihm in einer Vorlesung saß und er mir erzählte, er wäre am Tag zuvor noch bei Microsoft in München gewesen wegen einem Interview für sein Start-up. Ich quatschte ein bisschen mit ihm darüber und gucke mir die Seite noch einmal an. Mittlerweile gab es da schon mehr zu sehen!

Seine ursprüngliche Idee für das Start-up mit zwei weiteren Freunden war es, Merchandise und Sammelfiguren in einem Onlineshop zu vertreiben und gleichzeitig im Blog über die neusten Infos zu nerdigen Themen wie Science-Fiction, Action und Fantasy, -Filme, -Serien und -Games zu berichten. Nerdig – aber cool! Wie ich schon so oft erwähnt habe, bin ich ein riesen Marvel-Fan. Außerdem kenne ich mich besser aus mit Games als die meisten Frauen und Star Wars, Games of Thrones, Herr der Ringe und Harry Potter liebe ich sowieso. (Wer das nicht tut, ist ein Kulturbanause! 😉 )

Ich behielt die Seite noch etwas im Auge. Nach ungefähr einer Woche traute ich mich dann, ihn zu fragen, ob sie denn eigentlich noch jemanden suchten in ihrem Start-up, der Artikel schreibt (was ich ja auch super gerne mache). Er war sichtlich begeistert und lud mich direkt zu ihrem nächsten Meeting ein. Die Truppe besteht aus momentan acht Leuten, darunter nur zwei Mädels (inklusive mir jetzt). Alle sind super nett und lustig. Und was soll ich noch groß dazu schreiben? Ich bin dabei! 😀

Die Arbeit ist unbezahlt, da das Start-Up gerade erst ein paar Monate alt ist und noch kein Geld abwirft. Aber es ist super interessant zu sehen, wie das alles funktioniert. Allein durch die Erfahrungen, die ich machen kann, lohnt sich die Arbeit.

Ich habe bereits meine ersten Artikel geschrieben und darf vollständig die Instagram-Seite übernehmen. Vergangene Woche waren wir zur Premiere von Rogue One mit einem Stand im Kino vertreten und durften mit einem kleinen Gewinnspiel, für das wir vorher viele Sponsoren akquiriert haben, durchführen und für uns Werbung machen. Am Wochenende hatten wir dann wieder einen Stand auf einer Messe. Unsere Klickzahlen und Likes sind explodiert.

Jetzt schon habe ich über mich gelernt, dass ich in Instagram und Social-Media-Themen wohl recht gut informiert bin. Vielleicht wäre ein Job in die Richtung für mich ja das Richtige? Marketing im Allgemeinen begeistert mich ja sowieso schon seit langer Zeit. Beim Start-Up mache ich auf jeden Fall weiterhin gute Erfahrungen und habe damit hoffentlich nach meinem Abschluss schon was vorzuweisen.

Dezemberpriorität 1: Studium

Ich sitze gerade im ICE in Richtung meiner Heimat. Ich habe zwar morgen noch eine Vorlesung, aber ich habe vor Kurzem (mit großen Entsetzen) festgestellt, dass ich bisher vorbildlich alle – wirklich alle – Vorlesungen besucht habe dieses Semester. Deswegen sitze ich jetzt schon im Zug und beruhige mein Gewissen damit. Heute war die Zugverbindung noch gut bezahlbar und es ist leer genug, dass ich ungestört Tagebuch schreiben kann.

Ich möchte noch einiges über meinen vollgepackten Dezember schreiben. Weil es um so viel Unterschiedliches geht, kommen mehrere Beiträge.

Den schlimmsten Stress mache ich mir eindeutig wegen meinem Studium. Da mein letztes Semester in die Hose ging, stehen mir dieses Semester ganze fünf Master-Klausuren UND eine Seminararbeit an. Dieses Semester möchte ich sie alle gut bestehen! Die Masternote ist schließlich die, die zählt! Ich hatte zwar geplant, wieder eine Klausur ins nächste Semester zu schieben, allerdings liegen alle zeitlich nun so gut, dass ich sie theoretisch schreiben könnte. Das wird aber trotzdem hart.

Hinzu kommt, dass ich auf jeden Fall bald ein weiteres Auslandssemester machen möchte. Die Klausuren im kommenden Jahr muss ich also gut planen. Mein Masterstudium bietet mir die letzte Gelegenheit gut, relativ günstig und lange ins Ausland zu gehen. Ich sollte mir sie nicht entgehen lassen. Dennoch wechseln sich meine Phasen des Fernwehs mit Phasen der „Vernunft“ ab. Ich nenne es mal „Vernunft“, denn gegen ein Auslandssemester spricht: dass ich an meine vier Semester Regelstudienzeit ganze zwei Semester dranhängen müsste, dass ich mein teures WG-Zimmer irgendwie untervermieten müsste, dass ich mich zeitaufwendig nach Fächern zur Anerkennung an meinen Wunschunis kümmern muss. Und dass ich vielleicht zu viel erwarte… Ich bin schließlich dann nicht mehr „Anfang 20“. Ich würde unter den Bachelorstudenten eine der „Älteren“ sein.

Vielleicht will ich auch gar nicht so unbedingt wieder weg. Andererseits würde ich es vermutlich lange bereuen, wenn ich die Chance nicht noch mal nutze… Wie ich mich kenne, werde ich mich bewerben und erst dann entscheiden. Wann ich das Auslandssemester antrete, steht dann auch noch aus. Ich habe zwei Möglichkeiten:

  1. Im August kommenden Jahres (August 2017). Dann muss ich tatsächlich alle Klausuren dieses Semester schreiben (worunter vermutlich meine Noten eher leiden werden, als wenn ich sie entspannter schreiben könnte). Ich würde mich nach meiner Rückkehr an meine Masterarbeit machen und im Juni/Juli 2018 fertig sein.
  2. Erst im Januar 2018. Ich könnte ganz entspannt für meine Klausuren lernen und hätte dann sogar September bis Dezember (2017) Zeit zum Arbeiten, für ein Praktikum oder einfach nur um hardcore zu chillen. Hat was! Allerdings wäre ich dann erst im Oktober 2018 mir meiner Masterarbeit und somit mit dem Studium fertig. Das sind volle sechs Semester. Und ich bin dann 26, wenn ich mich für meinen ersten Job bewerbe.

Hach, ich weiß immer noch nicht, welche der Möglichkeiten besser wäre. Oder ob überhaupt?! Ich werde das über Weihnachten mal mit meinen Eltern und meinen besten Freunden analysieren.

Falls jemand sich durch diesen langweiligen Beitrag gequält hat, und einen Rat beisteuern kann, freue ich mich über einen Kommentar!

Wenn ich so darüber nachdenke, war es sogar genau vor einem Jahr zur Weihnachtszeit, dass ich den rebellischen Gedankenblitz hatte, meine bisherigen Pläne über den Haufen zu werfen: statt wie Jahre lang geplant nach dem Bachelor endlich zu arbeiten, wollte ich lieber weiter studieren. In einer Stadt, die ich zu Bachelorzeiten gehasst habe, aber nun nach allem liebgewonnen habe. Meine Entscheidung bereue ich bis heute nicht. Vielleicht ist die Weihnachtszeit für mich eine Zeit der richtigen Entscheidungen.

 

Unter Wert zu verkaufen

Nachdem ich, dank „technischen Störungen auf den Gleisen“, Sonntag Abend viel überflüssige Zeit in den öffentlichen Verkehrsmitteln verbringen musste und damit all meinen Gedanken nachhängen konnte, kam ich zu einer finalen Frage: Wieso dreht sich alles bei mir andauernd um Liebe/Beziehung/Männer?

Ich bin offenbar so sehr auf der Suche nach dem Richtigen. Dabei kann ich nicht mal wissen, ob ich tatsächlich glücklicher wäre, wenn ich ihn gefunden habe.

Ich kam zu dem Entschluss, dass ich höchstwahrscheinlich nicht glücklicher sein werde. Ich bin es momentan schon sehr. Daran kann es also nicht liegen. So lange ich die Antwort dazu nicht weiß, höre ich auf mit der Suche.

Mit dem Gedanken ging ich ins Bett. Am nächsten Tag fand mich jedoch wieder das Thema. Erst fragte mich meine Kommilitonin bezüglich Mr Regisseur aus – wie ich plane weiter zu machen. Den habe ich schon längst abgeschrieben, der meldet sich nicht mehr. Ich muss noch oft daran denken, dass ich mit ihm einige tolle Dates hatte. Echt schade… Falls er sich erst melden sollte, sobald er wieder in Deutschland ist, wäre ich stinksauer.

Dann schrieb mir Mr Gemüselasagne. Das nächste Date ist nun in Aussicht. Nachdem Squash spielen zeitlich nicht mehr unterzubringen war vor Weihnachten, schlug er vor einen Film zu gucken. Ich sagte zu, habe aber erst nächste Woche Zeit.

Abends in der WG kam das Thema ebenfalls auf. Ich scheine ihm nicht entkommen zu können. Hier kam ich mir schon fast vor wie in einem Kreuzverhör. Oder vielleicht hatten meine Mitbewohner eine Intervention geplant. Jedenfalls war das Fazit des lehrreichen und langen Gesprächs mit all meinen vier Mitbewohnern:

Ich reagiere sehr stark auf Aufmerksamkeit von Männern (so meine Mitbewohnerin). Das wusste ich ja bereits. Aber darin liegt das Problem, denn: ich verkaufe mich damit „unter Wert“. Sobald sich ein Mann für mich interessiert, gucke ich ihn mir genauer an. Und bin durch die Schmeichelei häufig schnell selbst interessiert – teilweise an Männern, die wohl theoretisch „unter mir“ stehen würde. Ich setze mich durch mein großes Interesse aber unter sie. Und bin damit bin ich zu leicht zu haben. So die These meines Mitbewohners (er ist Soziologie-Student 😉 ).

Kann tatsächlich was dran sein. Mr Schützenverein ist außerlich nicht sehr hübsch. (Innerlich auch nicht.) Mein kurzzeitiger Freund im ersten Semester war es auch nicht. Wenn ich so den Rest durchgehe… Naja.

Bei der These geht es natürlich um Aussehen. Sehr oberflächlich. Allerdings kann das wirklich erkären, wieso sich meine Date-Erlebnisse immer in die gleiche Richtung entwickeln: Mann zeigt Interesse. Wir daten. Ich bin interessiert. Wir daten weiter. Mein Interesse steigert sich und ich zeige es auch. Mann meldet sich nicht mehr. Ich frage nach (weil ich es verdammt noch mal wissen will, was hier schief läuft). Mann sagt, es hätte bei ihm nicht gefunkt.

Mein Mitbewohner meinte auch, dass es bei der Partnersuche nach dem Spiel des gegenseitigen Ziehens und Loslassen geht. Das sagte ich ja auch schon immer. Nur habe ich den Dreh (oder besser gesagt dieses blöde Loslassen) einfach noch nicht heraus.

Aber eigentlich sollte mir das jetzt egal sein. Ich will nicht mehr ständig daran denken, was ich in der Hinsicht falsch mache. Ich höre auf mit der Suche. Ich will dass es einfach passiert. Und das wird es sicher auch. Ja, ich suche nach einer Beziehung, das kann ich nicht leugnen. Es soll aber mit dem Richtigen sein. Und der kommt schon noch irgendwann. Bis dahin bin ich ganz glücklich mit mir selbst.

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Mr Gemüselasagne

Ich hatte nicht geplant, über ihn zu schreiben. Aber ich finde, er hat sich einen Eintrag verdient, bei der Mühe, die er sich gibt. Zwar wird er vermutlich nicht sehr lange noch eine große Rolle spielen, aber zumindest sehe ich ihn zur Zeit doch recht oft.

Und er wird der letzte „Mr“ vorerst sein. Daten und Männer kennen lernen kostet Zeit. Die ich nicht habe. 😉 Also wird er zumindest der letzte „Mr“ dieses Jahr sein. 😉

Es geht heute um mein Tinder-Date, den ich im Oktober das erste Mal getroffen habe. Hier habe ich über ihn geschrieben: Back in the Game. Wir hatten mittlerweile schon drei-einhalb Dates. Das erste Date war das bereits beschriebene spontane Kaffee-Date. Darauf folgte das „halbe Date“, bei dem ich ihn zum Bouldern mitgenommen habe, als ich mit anderen Freunden gegangen bin. Zum nächsten Date lud er mich zu sich in seine kleine Studentenwohnheims-Wohnung ein mit der Versprechung, mir die beste Gemüselasagne der Welt zu kochen. Deswegen muss ich ihn jetzt immer, wenn ich meinen Freundinnen von ihm erzähle, „Mr Gemüselasagne“ nennen. Ich hätte mir ja was Netteres einfallen lassen können… Aber man muss zugeben, der Spitzname ist einprägsam.

Die Gemüselasagne war übrigens tatsächlich richtig lecker. Dazu gab es Weißwein und für danach hatte er sogar eine kleine Nachspeise vorbereitet. Und weil jeder direkt die Frage stellen wird: die Antwort ist nein, es lief nichts. Kochen, Weintrinken und Nachspeise bedeutet zwar oft, dass der Abend verlängert wird. Aber in diesem Fall nicht.

Auch nach dem dritten romantisch angehauchten Date auf dem Weihnachtsmarkt lief nichts. Außer dass ich ganz schön beschwippst war, nachdem er mir vier Tassen Glühwein ausgegeben hatte. Danach wollte er unbedingt noch zu sich und uns Feuerzangenbowle machen. Na gut, ich hatte eh noch keine Lust nach Hause zu gehen und war wie immer neugierig, wie es so weiter laufen würde. Außerdem habe ich ihn ja schon gern. Dazu aber gleich mehr.

Jedenfalls war auch die Feuerzangenbowle richtig lecker. Der Mann weiß was gut ist. Wir quatschten noch bis ein Uhr nachts, dann kündigte ich an, dass ich nach Hause gehen würde. Ich musste am nächsten Tag arbeiten. Er bot an, mich auf dem Rückweg zu begleiten. Zu Fuß ist es nur ein 10-Minuten-Weg. Wir verabschiedeten uns an meiner Haustür. Und das wars. Zur Zeit schreiben wir noch ein bisschen. Allerdings ist er auch nicht so ein „Viel-Schreiber“. Bei ihm macht es mir aber nichts aus. Denn ja: er rutscht Richtung Friendzone.

Der Arme. Es tut mir ja Leid für ihn. Er gibt sich viel Mühe. Und er sieht sogar richtig gut aus. Ich hatte es noch nie, dass ein Kerl, der mich äußerlich anspricht und sich auch noch Mühe gibt, so wenig Gefühl in mir auslöst. Vielleicht liegt es daran, dass er noch keine Annäherungsversuche gemacht hat. Traut er sich das nicht? Oder weiß er nicht wie? Oder ist er tatsächlich ein so respektvoller Mann, dass sowas erst nach ganz vielen Dates kommt?

Was mich jedenfalls gewaltig an den Treffen mit ihm stört ist, dass er nicht weiß, wie man Gespräche führt. Ich hatte es bereits zum ersten Date geschrieben: er redet ständig nur über sich. Und er kann viel reden. Er stellt leider kaum Fragen an mich. Und wenn ich mal etwas über mich erzähle, geht er nicht darauf ein, sondern erzählt weiter über sich.

Meiner Meinung nach funktioniert ein spannendes Gespräch so, dass man gegenseitig auf das Erzählte eingeht und Fragen dazu stellt. Aber  während der Gesprächspartner spricht, schon über sein nächstes spannendes Thema des eigenen Lebens nachzudenken und vorzubereiten… Nein, so geht das nicht. Außerdem ist es meistens nicht mal interessant, was er erzählt. So Leid es mir tut, aber die Gespräche sind alle sehr oberflächlich. Es geht um sein Studium, seinen Sport und um seine Reisen. Reisen und Sport liebe ich zwar, aber trotzdem sind es die tiefsinnigen Gespräche, die es ausmachen, wenn man eine Person besser kennen lernen will.

So wie mit Mr Regisseur. Jedes mal wenn wir uns getroffen haben, konnten wir gute, tiefsinnige Gespräche miteinander führen. Über wie unser Leben uns dort hingeführt hat, wo wir jetzt sind. Wieso wir so sind, wie wir sind. Was schief gelaufen ist. Was wir gelernt haben. Wie wir uns die Zukunft vorstellen. Und so weiter, und so fort. DAS finde ich spannend.

Aber zumindest kocht Mr Gemüselasagne gut. Das ist doch auch schon mal was. Ich behalte ihn mal im Auge. Er ist ja auch schön anzusehen. Und sobald er sich doch mal traut, Annäherungsversuche zu machen, werde ich ehrlich sein.

(Übrigens: Mr Regisseur hat sich immer noch nicht gemeldet. Er liked aber weiterhin fröhlich meine Instagram-Bilder. Immerhin etwas.)

Mr Regisseur

Ich muss unbedingt Einiges nachholen hier. Mein letzter Tagebucheintrag ist ja furchtbar kurz ausgefallen. Dabei habe ich so viel zu erzählen. Besonders zu einem Thema. Damit nerve ich schon seit Wochen meine Freundinnen. Es wird Zeit meine ganzen Gedanken hier loszuwerden.

Es geht um Mr Regisseur. Ich hatte ihn kurz vorgestellt in meinem Beitrag zum Date Marathon (Teil 2) und auch erwähnt, dass er mir am allerbesten gefallen hat. Auch er war es, zu dem meine Gedanken ständig wanderten, als Mr Tiger zu Besuch war.

Ich finde ihn furchtbar interessant. Es ist nicht nur sein Beruf, es ist auch seine Art. Aber am interessantesten ist wohl die Situation, in der wir uns befinden. Oder ein besseres Wort wäre: frustrierend.

Wir hatten Ende Oktober über Tinder gematcht und daraufhin geschrieben. Anfang November uns dann getroffen. Die zwei Wochen danach haben wir jeden Tag geschrieben und uns auch ein zweites mal getroffen. Irgendwann setzten wir zwei Tage aus beim Schreiben, was mich direkt frustrierte. Aber als er mich wieder anschrieb, machten wir wieder ein Treffen aus. Das dritte Date, kurz darauf das Vierte. Jetzt war klar, es würde das letzte sein. Er hatte es schon von Beginn an erwähnt, dass er Ende November verreisen würde. Er würde in die USA fliegen für drei Monate. Unser viertes Date sollte also das letzte sein. Bis dahin hatten wir uns noch nicht geküsst, aber wir waren gleichermaßen aneinander interessiert. Wir konnten uns immer gut unterhalten und er ist wahnsinnig lustig. Er kann mich mit seiner kindisch-spielerischen Art ständig zum kichern und lachen bringen. Leider hatte er nie oft Zeit, da er viel arbeiten musste – aber wenn er auch nur einen Abend in der Woche Zeit fand, wollte er ein weiteres Date mit mir verabreden. Daher gehe ich davon aus, dass das Interesse da sein muss.

Zum Abschluss des vierten Dates gab es immer noch keinen Kuss. Vermutlich die vernünftige Entscheidung. Überhaupt ist er ein sehr vernünftiger Mann. Trifft man heutzutage leider nicht mehr sehr oft. Er fand es sehr schade, dass wir uns zu so einem dummen Zeitpunkt kennenlernen mussten. Drei Monate sind theoretisch nicht lang. Praktisch – in unserer Situation – leider doch. Gerade erst kennen gelernt und Interesse aneinander gefunden – schon ist man erstmal drei Monate getrennt. Er würde aber gerne mit mir skypen. Ich freute mich sehr, als er mich fragte. 🙂

Sein Flug sollte ein paar Tage darauf gehen. Wir schrieben das Wochenende über wieder nicht. Ich hatte nicht erwartet, dass er mir nochmal schreiben würde und plante schon, dass ich ihm am Tag seines Abfluges noch  anschreiben könnte.

Am Montag kam allerdings dann noch eine Whatsapp von ihm. Wir schrieben etwas hin und her bis er mich fragte, ob ich Dienstag abend Zeit hätte. Es war der Abend vor seinem Abflug. Natürlich habe ich Zeit! Ich antwortete natürlich nicht ganz so überschwänglich, aber ich freute mich wirklich, dass ich die Person bin, die er vor seinem Abflug nochmal sehen wollte. Wir planten einen kurzen Kamera-Crash-Kurs (da ich mir vor ein paar Tagen meine erste Spiegelreflexkamera geholt hatte) und anschließend gemütlich Film gucken bei mir. – Also das normale Film gucken. Nicht das „Film gucken“. Ihr wisst was ich meine. Er ist vernünftig. (Ich nicht so ganz. Aber er und das ist gut so.)

Dummerweise habe ich in meinem WG-Zimmer kein Sofa zum Fernseh- (bzw. Film-) gucken, also legten wir uns nebeneinander in mein Bett. Komische Situation erst, da wir uns noch nicht wirklich sehr nahe gekommen waren bisher. Ich glaube, unbewusst rückte ich während des Filmes immer näher zu ihm. Erst berührten sich unsere Füße, dann die Beine. Irgendwann lag ich halb im Löffelchen bei ihm… Die Arme hatten wir jeweils noch bei uns selbst.

Da ich eine kleine Mädchenblase habe, musste ich während des Filmes auf die Toilette. Als ich wieder kam, hatte er sich die Decke geschnappt. Als Bestrafung kitzelte ich ihn an den Füßen, woraufhin er mich natürlich zehnmal fieser zurück kitzelte. Da war das Eis gebrochen und der Körperkontakt hergestellt. Wir guckten den Rest des Filmes allerdings immer noch nur mit „Fuß-/Bein-Kontakt“. Ich weiß dann garnicht mehr genau, wie es dazu kam, aber ich glaube, als der Film zuende war, und er seine Position änderte, schlang ich einfach mal meinen Arm um seinen Bauch. – Oho! – Mir blieb die Luft weg. Was ein Sixpack!

Das musste ich ihm natürlich gleich sagen, denn wer freut sich nicht über Komplimente? Ich durfte dann auch etwas weiter seinen Bauch streicheln. 😀 Als er wieder seine Position änderte, kuschelte ich mich komplett an ihn. Und er legte seinen Arm um mich, vielleicht weil ich ihm keine andere Wahl lies, vielleicht aber auch freiwillig.  Jedenfalls kuschelten wir endlich und es fühlte sich richtig gut an. Er fühlte sich gut an.

Zusammengekuschelt quatschten und dösten wir, bis es immer später wurde. Erst zwei Uhr, dann drei Uhr, dann vier Uhr. Sein Flug ging morgen um elf Uhr. Was für einen dummen Zeitpunkt wir uns da nur ausgesucht hatten, um uns kennen zu lernen. Als es fünf Uhr war, musste ich leider widerwillig den Schlussstrich ziehen. Ich hatte am nächsten Tag schließlich auch Uni. Mehrmals hatte er gesagt, er würde gleich gehen. Er konnte sich aber genauso wenig wie ich losreißen. Um halb fünf schob ich mich dann weg, stand auf und gucke ihn traurig an. Er verstand, stand ebenfalls auf und sammelte Rucksack und Jacke ein und zog die Schuhe an. Unter allen anderen Umständen hätte ich mir einen Kuss gewünscht. Aber jetzt dachte ich mir „bitte nicht küssen“. Und er tat es auch nicht. Um fünf Uhr morgens ging er.

Ich schrieb ihm, ich würde ihn vermissen und wünschte ihm einen guten Flug. Er sagte, es würde ihm leid tun, dass er mir den Schlaf für die Nacht geraubt hatte, aber es hätte sich gelohnt. Am nächsten Tag schrieb ich, während er im Flugzeug saß. Er solle sich melden, wenn er da wäre und wünschte ihm einen guten Start. Er antwortete nach seiner Ankunft und sendete mir ein Foto aus dem Flugzeugfenster.

Und das wars.

Seit dem hatten wir nicht mehr geschrieben. Gelegentlich likte er meine Instagramfotos. Ich like seine Neuen aus Kalifornien zurück. Mein heutiges Instagramfoto hat er noch nicht geliked. Denkt er noch an mich? Er soll mir endlich mal schreiben.

Oder soll ich schreiben?

Ich hoffe wir können in drei Monaten weiter machen, wo wir aufgehört haben. Was für eine dumme Situation.