Egoistin.

Ich bin eine miese Egoistin zur Zeit.

Ich gehe auf Dates mit Männern nur um die Aufmerksamkeit zu genießen. Ich lasse mich mit vegetarischer Lasagne von Tinder Date Nr. 1 bekochen und auf Kino, Essen und Drinks von anderen Dates einladen.

Ich kann dem tollsten Mann der Welt nicht die Aufmerksamkeit schenken, die er verdient. Er fährt über 1000 Kilometer um mich für ein Wochenende zu sehen und ich denke nur an den Regisseur, der mir drei Tage lang nicht geschrieben hat und sowieso keine Zeit für mich hat.

Ich bin doch furchtbar. Ich weiß nicht, was ich will. Will ich das Single-Leben? Oder  wünsche ich mir eine Beziehung? Ich sollte alleine bleiben.

Mein Gefühl sagt mir, dass es das Beste ist. Ich habe gerade für niemanden außer mir selbst Zeit und setzte meine Priorität auf das Studium, meine Jobs und Sport. Und bin tatsächlich glücklich so.

Außer, dass es mich so aus der Bahn wirf, dass ich Mr Tiger dieses Wochenende so enttäuschen musste. Ich bin wohl eine empatische Egoistin. Macht das Sinn?

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Date Marathon – Nr. 4 & 5

Mein Date Marathon geht weiter… Nun zu den interessanteren Dates. Nummer 4 und Nummer 5. Und ich schwöre wirklich: das alles hatte sich einfach so ergeben. Mir wäre es lieber gewesen mit ein bisschen zeitlichem Abstand. Aber anderseit sind die Dates so ganz gut vergleichbar. 😉 Hier kommen jedenfalls die Highlights meines Marathons:

Date Nr. 4: Mittwoch, 2.11.

So langsam wurde es mir vor meinen Mitbewohnern tatsächlich peinlich. Natürlich erzähle ich (weil ich ja so eine Tratschtante bin), welche Kerle ich kennengelernt habe und wie die Dates waren. Deshalb wissen sie auch Bescheid über meinen Date-Marathon. Obwohl es mir mittlerweile unangenehm wird, kann ich es nicht vertuschen, dass ich schon wieder ein Date habe. Denn diesen Kerl kennen sie gut: es ist mit Mr Schlagzeuger.

Nach meinem letzten Tagebucheintrag über ihn hatten wir uns noch ein paar Mal gesehen. Ein mal an der Uni nach einem Vortrag. Wir unterhielten uns draußen vorm Gebäude bestimmt eine Stunde lang. Da wir an dem Abend beide abends im gleichen Stadtteil unterwegs waren schlug er vor, wir können ja zusammen zurück fahren. Ich wand ein, dass ich ja garnicht seine Nummer hätte und wir bisher nur über den Messenger geschrieben hatten. Da gab er mir endlich seine Nummer (geht doch!). Das gemeinsame Nachhausefahren klappte dann doch nicht, aber einen Tag später wollte er eh bei meinem Mitbewohner vorbeikommen zum chillen und quatschen.

Als er bei meinem Mitbewohner (mein Nachbarzimmer) ankam, wartete ich mal ab, ob er mir auch kurz hallo sagen würde. Irgendwann tauchte eine Whatsapp-Nachricht von ihm auf: „Bist du zuhause?“ Ich bejahte und meinte, ich hätte gehört, er sei ja nur ein Zimmer weiter. „Komm auch rüber.“ Rüber ins Zimmer meines Mitbewohners? Störe ich da nicht bei Jungs-Gesprächen? Aber gut. Ich klopfte und behauptete, dass ich gerade eingeladen worden war. Meinem Mitbewohner machte es nichts aus, dass ich mich dazu setzte und wir drei unterhielten uns. Meistens über sozialpolitische Dinge über die ich nicht viel Ahnung hatte, aber ich hörte zu und versuchte mir Wissen anzueigenen. 😀 Mr Schlagzeuger ist auf jeden Fall ein kluger Mensch. Damit lasse ich mich schnell beeindrucken. Nachdem er an dem Abend wieder nach Hause gefahren war, schrieben wir noch kurz. Er fragte mich, ob ich auch mit meinen Mitbewohnern und ihm Halloween feiern würde. Da ich bei einem Kumpel eingeladen war, würde ich aber eher dort hingehen. Er fand es schade (und ich auch ein bisschen).

Am Halloween-Abend sahen wir uns kurz zwischen Tür und Angel, als er zu uns in die WG kam zum vortrinken und meine Mädels und ich aufbrachen zu meinem Kumpel. Ich schrieb ihm im Laufe des Abends eine Whatsapp-Nachricht, wie die Party bei ihnen so sei. Er antwortete auf diese und die nachfolgenden Nachrichten immer recht schnell. Mein Kumpel und eine Freundin von mir wussten über Mr Schlagzeuger Bescheid und bemerkten, dass wir schrieben. Sie zwangen mich, ihn endlich nach einem Date zu fragen. Er würde es ja schließlich nicht auf die Kette bekommen, obwohl er ja ganz offensichlich auch Interesse an mir hatte. Ich war allerdings selbst zu schüchtern zu fragen und fand das außerdem doof. Soll doch der Kerl die Frau fragen. Irgendwann entwendeten die anderen mir mein Handy, fragten mich, wann ich kommende Woche Zeit hätte und tippen irgendwas ein. Da sie zum Glück aber nicht zu der fiesen Sorte Freunde gehören, schicken sie die getippte Nachricht an Mr Schlagzeuger nicht gleich ab. Ich durfte mein Handy wieder haben und las die Nachricht durch. Garnicht schlecht… Ich änderte den Text ein bisschen in meinen Wortlaut um und schickte ihn ab. „Was machst du Mittwoch Abend? Hast du Lust essen zu gehen oder was trinken oder so? Würde mich freuen. :)“

Seine Antwort „Gerne. 🙂 Wo möchtest du denn hin?“ Wir vereinbarten Sushi. Und so kam es zu Date Nr. 4.

Ich war ein kleines bisschen nervös und immer noch unsicher, ob es gut gewesen war, dass ich ihn gefragt hatte. Aber ich war neugierig, wie es sein würde, wenn wir nur zu zweit waren. Auf dem Weg zum Restaurant unterhielten wir uns gut und ohne Unterbrechungen (nicht wie bei dem blöden Tinder-Informatiker-Date). Wir unterhielten uns sogar so gut, dass wir nach dem vierten Mal, als die Kellernerin unser Essen aufnehmen wollte, immer noch nicht in die Karte geguckt hatten. Nach dem Essen liefen wir gemeinsam zur Bushaltestelle. Irgendwie kam es mir garnicht in den Sinn, dass wir uns, wie man es nach einem Date ja macht, küssen könnten. Wir umarmten uns zum Abschied und ich stieg in meinen Bus. Als ich Zuhause ankam, fragten mich meine Mitbewohner direkt, wie es gewesen war. Sie freuten sich ziemlich als sie von unserem Date hörten, da sie Mr Schlagzeuger ja auch gern hatten. Ich musste überlegen. Ja, war echt nett gewesen, wir haben uns echt gut unterhalten…

Aber reicht es, sich gut unterhalten zu können? Reicht das für mehr? Wollte ich eigentlich noch mehr? Er schrieb mir an dem Abend, dass es eine tolle Idee von mir gewesen war. Und schreibt mich seit dem auch öfter an. Ich habe irgendwie garnicht mehr so viel Interesse… Was vielleicht auch an Date Nr. 5 liegt.

Date Nr. 5: Donnerstag, 3.11.

An diesem Date ist mal wieder diese App mit der kleinen roten Flamme Schuld. Sein Match tauchte auf als ich irgendwann lustlos einfach mal zwei Minuten durchwischte. Ich hatte schon garkeine Lust mehr auf Tinder. Da er mir mit einem besseren Text als diese 0815-Texte anschrieb und noch dazu ganz gut aussah, antwortete ich. Nach ein bisschen hin und her schreiben bekam ich den Eindruck, dass er recht eingebildet war. Er sei von Beruf Filmemacher. Sein Instagram-Account wies tatsächlich darauf hin und nach einem Klick landete ich auch auf seinem Youtube-Kanal. Das scheint zumindest wahr zu sein. Interessanter Mensch. Er geht auch gerne Bouldern, war aber schon lange nicht mehr. Am Sonntag kamen wir in der Tinderapp ein bisschen zum chatten (so fern das dort geht…) Irgendwann schrieb er mir, er möchte mit mir bouldern gehen. Jetzt, heute. Weil er lust auf Sport hat. Ähem, mit dieser Spontanität hätte ich nicht gerechnet. Es war schließlich schon 18 Uhr. In die Boulderhalle in meiner Unistadt möchte ich nicht gehen, da ich dort viel zu viele kenne. Für alle anderen Hallen müsste man mit dem Auto ein Stückchen fahren. Seine Antwort: „Ich hab ein Auto. Wenn du dich traust zu einem attraktiven eloquenten charmanten Psychopathen einzusteigen…“

Vermutlich war die Hälfte der Aussage als Scherz gemeint. Aber welche Hälfte war das? Einerseit war ich wahnsinnig neugierig ihn kennen zu lernen. Er scheint wirklich ein interessanter Mensch zu sein. Andererseit ist er arrogant und eventuell ein Psychopath. Außerdem fand ich Bouldern als erstes Date doof. Ich überlegte noch eine halbe Stunde bis ich antwortete und ablehnte. Wir wechselten noch ein paar Worte, dann kam keine Antwort mehr. Ich wusste schon, dass das Match Geschichte sein würde.

Bis er mir zwei Tage später nochmal schrieb. Er fragte mich, wie meine Woche bisher so lief. Ich war ziemlich überrascht. Wir chatten ein bisschen und irgendwann meinte er, dass ich ja ganz normal erscheinen würde. Ich war verwirrt. Er erklärte, dass er über Tinder schon so viele seltsame Mädels kennen gelernt hatte. Aber ich scheine normal zu sein. Er fragte mich, ob man meine Nummer bekomme könne. „Ja, kann man“ schrieb ich, und war auf die Antwort darauf gespannt. Er schickte mir seine Nummer und dazu: „damit ich weiß, dass du es bist, schreib mir deine Lieblingsfarbe, dein Lieblingstier und dein Lieblingsurlaubsort.“ Süß. Und kreativ. Ich ließ mir für die Whatsapp-Antwort was genauso Kreatives einfallen. Wir chatteten noch ein bisschen und bald schon kam die Frage: „hast du Lust morgen eine Cola light trinken zu gehen?“ Haha, eine Cola Light? Dieser Typ ist echt interessant. Ich hatte zwar mit Mr Schützenverein ein „Sex-Treffen“ ausgemacht, aber ehrlich gesagt ist der mir egal. Ich sagte Mr Schützenverein ab und Mr Regisseur zu.

Am nächsten Tag suchte ich ihm einen guten Parkplatz für die Innenstadt und schickte ihm die Koordinaten. Er hatte bis abends noch Termine, weshalb wir halb 9 für unsere Cola Light ausmachten. Ich war von morgens bis abends durchgehend an der Uni und war froh, nochmal kurz nach Hause zu kommen. Ich suchte mir direkt den passenden Bus um rechtzeitig in der Stadt zu sein, hatte aber nicht viel Zeit um mich frisch zu machen. Ich war echt gespannt, wie der wohl so drauf war. Dann kam eine Stunde vor der vereinbarten Zeit eine Nachricht von ihm: ob wir das Treffen um eine Stunde nach hinten verschieben könnten. Hm. Nein, fand ich ehrlich gesagt nicht so geil. Das würde dann ganz schön spät werden. Aber ich wollte ja nicht als Spießerin rüber kommen. Ein Kumpel von mir meinte letztens, ich sollte nicht so super lieb sein. Ich darf es mir auch erlauben Kerlen mal zu zeigen was ich will. Also gut. Ich ließ durchblicken, dass ich nicht glücklich war, dass er mich nach hinten verschieben wollte. Wenn es zu spät werden würde, müssten wir eben das Date nochmal verschieben. Er versicherte mir, dass er sich beeilen würde und doch 21 Uhr schaffen könnte. Immerhin.

Ich fuhr dafür rechtzeitig in die Stadt und er kam bereits auch 5 Minuten früher an. Gutes Timing!

Oh, und hübscher Kerl. 🙂

Wir liefen zur Kneipe und unterhielten uns dabei ganz gut. Als wir uns einen Platz aussuchten und hinsetzten, wurde es interessant für mich: ich konnte beobachten, wie er extrem nervös wurde. Er fummelte sich an Händen und Klamotten herum und versprach sich ab und zu. Ich fand es nicht schlimm, aber es war amüsant zu sehen, was ich wohl für eine Wirkung hatte. Ich selbst war ziemlich entspannt. Irgendwie sind erste Dates doch immer gleich. Ich habe es bereits ganz am Anfang meines Blogs erwähnt: ich finde, dass erste Dates zum Kennenlernen sind, aber auch irgendwie läuft das Spiel so ab, dass der Mann bei der Frau Eindruck schinden will. Die Frau beobachtet und urteilt still. Und das tat ich: er war ein Kindskopf, aber irgendwie wirklich lustig. Er brachte mich ständig zum lachen. Wenn er von seiner Arbeit erzählte, hörte ich gespannt zu. Filme interessierten mich auch schon immer. Früher hatte ich auch schon einige Filme zum Spaß gedreht und geschnitten. Seine Erzählungen fesselten mich. Wir redeten über Gott und die Welt.

Die Zeit verging wie im Flug. Erst als wir die letzten in der Kneipe waren und die Kellnerin die Tische abwischte, merkten wir, dass es wohl Zeit war zu gehen. Er zahlte für mich mit und wir liefen zurück zu seinem Auto. Irgendwie wollte ich nicht, dass der Abend schon endete. Er hatte mir bereits angeboten, er könne mich zu meiner Wohnung fahren, falls ich den Bus nicht mehr erwischen würde. Tatsächlich hätte ich den Bus noch erwischt. Aber ich wollte lieber von ihm gefahren werden. Ich stieg also bei dem „Psychopathen“ ein. Es war eindeutig der erste Teil seines interessanten Satzes von vor ein paar Tagen wahr. Attraktiv, eloquent und charmant. Und immer noch sehr aufgeregt. Obwohl wir schon einige Stunden miteinander verbracht hatten. Bringe ich ihn tatsächlich so aus der Fassung?

Bei mir angekommen verabschiedeten wir uns mit einer dieser ulkigen Autositzumarmungen und ich stieg aus. Wieder nichts mit küssen oder so. Irgendwie denke ich da nie dran und habe auch kein Bedürfnis danach. Die Teenagerzeiten sind wohl vorbei. Ich hoffte einfach, ich würde ihn wieder sehen. Nur leider wusste ich nicht wann. Er hatte mir erzählt, dass er bald für ein paar Monate in die USA gehen würde.

Als ich meine Wohnung betrat, war ich immer noch geflasht von dem Abend. Ich hatte echt Spaß gehabt. Jetzt würde nur noch fehlen, dass er mir schreibt sobald er zuhause ist. Und: check! 🙂 Wir waren uns einig, dass es ein lustiger Abend gewesen war.

Die Tage darauf schrieben wir weiter. Dieses Mal war ich diejenige, die nervös wurde. Sollte ich ihm zuerst schreiben? Was kann ich jetzt kluges und schlagfertiges antworten? Werden wir uns kommende Woche wieder sehen?

Allerdings besitze ich die Fähigkeit (falls das eine ist 😀 ), meine Emotionen ziemlich genau beobachten zu können. Und jetzt habe ich Angst, dass ich gerade dabei bin mich zu verlieben. Das darf doch nicht sein. Es war bisher nur ein einziges Treffen zwischen ihm und mir. Ich habe sowieso eine schlechte Menschenkenntnis, ich kann ich ihn doch nicht einschätzen. Außerdem ist er eh bald weg.

Genau dieses Gefühl habe ich schon immer gehasst… Mal sehen wie es von hier an weiter geht.

Date Marathon – Date Nr. 1, 2 & 3

Das war absolut Null beabsichtigt, aber ich habe einen regelrechten Date-Marathon hinter mir. Fünf Dates innerhalb von elf Tagen. Wie konnte das bloß passieren? Es ist mir ja schon fast peinlich.

In diesem Tagebucheintrag schreibe ich erstmal von den Dates 1 bis 3. Im nachfolgenden Beitrag geht es um die Dates 4 und 5, und zugleich auch die interessanteren Dates. 😉

Date Nr. 1: Sonntag, 23.10.

An diesem Tag war das (von meinem Exfreund langersehnte) „Sex-Date“. Ich hatte es schon einmal verschoben und trotz seiner Bemühungen per Whatsapp mich mit ausgefallenen sexuellen Szenarien heiß zu machen, immer noch kein großes Bedürfnis danach. Aber weil der Tag dann doch gut passte und ich es mal ausprobieren wollte, durfte er an diesem Sonntag zu mir kommen. Er wollte unbedingt Fernseh gucken als „Nebengeräusch“. Tja, ich hab keinen Fernsehanschluss (und vermisse es nicht), also musste mein Spotify Mix der Woche herhalten. 😀

Er legte sich auf mein Bett während ich  noch ein bisschen unverholfen herum stand. Bis ich mir dachte „Sch*** drauf, ist mein Bett, ich leg mich dazu und gucke mal was er macht.“ Er legte zum Glück den Arm um mich und ich konnte mich etwas an ihn kuscheln. Er fühlte sich so fremd an. Ich spürte im Unterbewusstsein immer noch den Hass, den er nach der Trennung und seiner Aktion geschürt hatte. Egal, ausblenden. Ist jetzt vorbei und mein Leben ist seit dem deutlich besser geworden. Wir unterhielten uns ein bisschen, was die letzten Wochen so passiert war und wie es den anderen aus seiner Freundesgruppe so geht. Er begann mich irgendwann zu streicheln und näherte sich meinem Gesicht, bis wir uns küssten. Hm, stimmt ja… gut küssen konnte er ja nicht. Dafür spielte sich wieder unsere Auszieh- und Vorspielroutine ein. Der Sex war wieder richtig gut, wie immer. (Allerdings gehe ich hier nicht mehr ins Detail… Über Sex zu schreiben überlasse ich gerne anderen guten Bloggern in der Community. 😉 )

Danach unterhielten wir uns wieder etwas, bis er pünktlich ging. Seit dem Tag möchte er unbedingt ein weiteres Treffen vereinbaren. Aus Zeitgründen konnte ich allerdings nur selten, und die Tage, die im Vorfeld ausgemacht waren, sagte ich kurzfristig ab, weil ich Besseres vorhatte. Ich spüre immer noch kein Bedürfnis weiterhin mit ihm Sex zu haben, auch wenn er sehr gut ist.

Date Nr. 2: Samstag, 29.10.

Leider hatte ich am Samstag Abend noch nichts Cooleres vor, also verabredete ich mich zu einem zweiten Tinder-Date. Wir hatten vor circa einer Woche gematcht. Er schrieb, dass ich ihm bekannt vorkäme, und ob ich in dasselbe Fitnessstudio gehen würde. Ja, daher kam er mir auch bekannt vor, aber er war mir noch nie richtig aufgefallen. Keine Ahnung also, wie er drauf ist. Aber die Fotos waren ganz nett. Wir vereinbarten Samstag abend für einen Drink in der Stadt. Spätestens als er mir nach ein bisschen Schreiben erzählte, dass er Informatik studiere, hätte ich gewarnt sein sollen. Sorry an alle Informatiker, die hier mitlesen, aber ihr kennt ja selbst die Klischees. 😉

Er entsprach jedem Klischee. Mr Informatiker war sozial eher inkompetent. Als wir uns am Treffpunkt begrüßten trat Schweigen ein. Oh, dann muss ich wohl mal was erzählen… Es kam nur eine eher wortkarge Antwort. Hm. Er versuchte es mal mit Konversation. Da konnte ich nicht wirklich darauf einsteigen. Da ich selbst auch kein großes Plappermaul bin, traten immer wieder diese unangenehmen Gesprächspausen ein. Zumindest über das Fitnessstudio, in das wir beide gingen, konnten wir reden. Viel mehr aber auch nicht. Es war ein echt komisches Date. Nach zwei Drinks fragte ich, ob wir bezahlen sollten. Jeder bezahlte seine eigene Rechnung. Ich erzählte ihm während wir nach draußen gingen, dass mein Mitbewohner in einem Club arbeite und ich ihn jetzt besuchen werde. Als wir an der Kreuzung waren, fragte ich ihn, wo er denn hinmüsse. „In die Richtung, wenn ich nach Hause möchte“. „Okay, alles klar, ich muss da lang“, und zeigte in die andere Richtung, „wir sehen uns ja sicher bald mal wieder im Fitnessstudio“. Ich umarmte ihn und ging. Puh. Das war fies von mir. Aber ich hatte echt keinen Bock ihn mitzunehmen.

Und so landete ich an einem Samstag Abend an der Theke eines Ü30-Tanzclubs. „All Eyez On Me“, sag ich da nur. Ich begrüßte meinen Mitbewohner, der dort als U20-jähriger arbeitet. 😀 Ich wäre gerade zur Rush-Hour gekommen, meinte er. Ich setzte mich an die Bar, trank einen Cocktail und wartete, bis ich mich mit ihm etwas unterhalten konnte. Leider kamen immer mehr feierwütige Ü30er, sodass mein Mitbewohner sich leider nicht sehr lange zum Quatschen aufhalten konnte. Ich beobachtete eine Weile die herausgeputzen Damen und Herren beim Diskofox tanzen und hoffte, dass ich später auch noch solch eine Begeisterung für Feiern und Tanzen haben würde. Eine halbe Stunde später nahm ich den Bus und war um kurz nach 12 an einem Samstag Abend zuhause. Ich telefonierte im Bett noch ein Weilchen mit Mr Tiger und vereinbarte, dass er mich Mitte November besuchen kommen würde.

Date Nr. 3: Dienstag 1.11.

Unausgeschlafen und noch mit den Resten des Kunstbluts von Halloween im Gesicht, musste ich mich für mein nächstes Date fertig machen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich es als Date zählen lassen kann. Es ist das „Date“ mit dem Kumpel aus der Kletterhalle, den ich bereits in diesem Beitrag erwähnt habe. Er wollte mich zum Essen einladen und mit mir zusammen ins Kino gehen. Wir waren schon seit einer Weile befreundet und ich konnte ihn mir nicht als potentiellen Partner vorstellen. Deshalb hatte ich, bereits kurz nachdem er mir von seiner Idee erzählte, gefragt, ob das denn ein „Date-Date“ sei oder nur ein freundschaftliches Ding. Er bestätigte mir, ich brauche mir keine Sorgen machen, er wäre sowieso nicht der Richtige für mich. Na gut, also ein freundschaftliches Treffen wohl. Je näher der Tag rückte, desto mehr klang das Ganze aber nach „Date-Date“. Essen gehen klappte leider nicht, dafür wollten wir zusammen den neuen Marvel (was auch sonst als echter Marvelfan?) Dr. Strange im Kino ansehen. Da er in die Vorstellung um 17 Uhr gehen wollte, überlegten wir, ob wir zuvor essen gehen sollten. Er schlug vor, wir könnten Bouldern gehen, aber da ich von der Halloweenparty noch so kaputt war, einigten wir uns auf spazieren gehen und Eis essen.

Herbstspaziergang, Eis essen, danach Kino… Nein, nein, das ist kein Date…

Er lud mich auf Eis, Kaffee und Kino ein. Er war ein richtiger Gentleman, wir unterhielten uns gut. Aber irgendwie finde ich seine Art anstrengend. Ich hab das Gefühl, ich muss bei ihm immer aufpassen, was ich sage. Ich kann nicht ich selbst sein, sonst werden mir die Worte im Mund umgedreht. Und ich fühle mich schlecht von ihm eingeladen zu werden, wenn ein richtiges Date mit mir doch verschwendete Zeit ist. Er sollte sich um mich nicht so viel Mühe geben. Als ich ihm das nach dem „Date“ vorsichtig versuchte zu erklären, meinte er nur, dass es sich doch so gehöre. Es wäre für ihn selbstverständlich, für die Frau alles zu tun, sie einzuladen, ihr die Tür aufzuhalten, sicher zu gehen, dass sie einen tollen Abend hat. Das ist eine wirklich wunderbare Einstellung und er wäre damit sicher für viele ein Traummann. Aber nicht für mich. Er selbst sagte sogar, er möchte zur Zeit keine feste Beziehung. Aber was soll dann das Ganze? Ich werde daraus nicht schlau.

Da er mir unbedingt noch sein Lieblingsrestaurant zeigen möchte und für nächste Woche sogar schon reserviert hat, werde ich wohl auf ein zweites „Date (?!)“ mit ihm gehen. Er ist eben ein Kumpel mit dem ich mich außerhalb dieses Datingzeugs gut verstehe und auch gerne Zeit verbringe… Aber danach ist Schluss mit diesen Dates.


Direkt an den darauffolgenden zwei Tagen fanden Date Nr. 4 mit Mr Schlagzeuger und Date Nr. 5 mit Mr Regisseur statt. Davon erzähle ich im nächsten Beitrag. Bleibt dran!