Ich will nicht wieder alleine sein

Ich habe Angst wieder alleine zu sein. Wenn das mit Mr Schützenverein bald vorbei ist, bin ich wieder alleine, schwimme ich wieder im Haifischbecken, werde wieder Enttäuschungen und Schmerz erleben müssen. Wird das wieder vier Jahre lang so gehen? Oder finde ich endlich mal den rettenden Beckenrand?

Ich habe das mit Mr Schützenverein nun einen Monat lang beobachtet. Ja, er hat sich Mühe gegeben. Er tut viel für mich. Aber es ist mir wohl nicht genug. Es ist nicht das Richtige. Es sind so viele weitere Dinge, die mich stören. Es ist seine Persönlichkeit. Wir passen nicht zusammen. Ich fühle mich jedes Mal klein neben ihm. Ich kann mich nicht mit ihm unterhalten, ohne dass es eine Diskussion gibt. Diskussionen bei denen er ohne wenn und aber Recht haben will und ich mit keinen noch so guten Argumenten Einsicht von ihm erhalte. Will ich kuscheln, rückt er weg. Knutschen gibt es nicht mehr, nur noch seltene kurze Küsschen und dann schnell wieder wegdrehen. Sex gibt es nur, wenn er es will. Sehen können wir uns nur, wenn er Zeit hat.

Orginaldialog:

Ich: „Hast du Mittwoch Zeit? Wir könnten uns abends treffen.“

Er: „Bis jetzt spricht nichts dagegen.“

Es spricht nichts dagegen. Bis jetzt. Also wenn etwas Besseres zur Wahl steht, dann muss ich mich hinten anstellen.

Er möchte weder meine Eltern, noch meine neuen Mitbewohner, noch meine Freunde kennenlernen. Er interessiert sich nicht für meinen Alltag und nicht für mein Leben.

Und dabei meint er das nicht mal böse. Das ist wohl das Schlimmste an dem Ganzen. Er ist einfach ignorant, stur, empathielos, unaufmerksam. Es ist Teil seiner Persönlichkeit. Vielleicht gibt es eine Frau, die damit klar kommt. Die besser zu ihm passt. Ich wünsche es mir für ihn. Irgendwo in ihm steckt ein toller Mann. Aber ich bin nicht die richtige Frau. Besser, wir beide sind wieder alleine, als zusammen Zeit zu verschwenden. Wir passen einfach nicht zusammen.

Anfang Mai steht noch ein gemeinsamer mehrtägiger Ausflug mit ihm und seinen Freunden an. Bis dahin ziehe ich dieses Beziehungsding noch durch. Dann muss aber Schluss sein. Er tut mir nicht gut. Ich bin unzufrieden. Wir passen nicht zusammen. Wir verschwenden unsere Zeit. Ich hab Angst. Ich will nicht wieder alleine sein.

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WG-Leben

Ich hatte es bereits in einer meiner letzten Tagebucheinträge erwähnt: zum Ende meines Bachelors musste ich aus dem Studentenwohnheim ausziehen. Schlimm fand ich das aber nicht. So gemütlich und günstig es auch war, nach drei Jahren hatte ich es satt in einer Miniwohnung gesteckt zu werden, ohne jegliche Mitbestimmungsmöglichkeit wo und mit wem man zusammen wohnen wird. Ich wollte endlich das richtige WG-Leben kennenlernen!

Nach kurzer Suche mit interessanten Eindrücken entschied ich mich Ende Januar für eine 5er-WG. Große Küche, zwei Bäder, Terasse, Garten, renovierte Zimmer, weiterhin nur 10 Minuten Fußweg zur Uni, stolzer Preis, aber eine absolute Traum-WG und das Geld wert. Ende März fuhr ich mit meinen Eltern in meine Unistadt und schaffte meinen ganzen Kram in die neue WG.

Viel Besitz habe ich zwar nicht, aber letzendlich ist es doch immer mehr als vermutet. Zu dritt war es anstrengend, aber innerhalb von ein-einhalb Tagen machbar. Mr Schützenverein wollte uns eigentlich helfen, sagte aber dann kurzfristig ab, weil er arbeiten musste. Somit würde er nicht mal die einzige Chance nutzen, meine Eltern kennen zu lernen. Schließlich wohnen die ja in Süddeutschland und ich sehe sie selbst kaum. Ich war sauer und enttäuscht.  Jedoch bemerkte ich, dass es ihm Leid tat. Als Wiedergutmachung fuhr er mit mir zum IKEA und wird mir helfen Spiegel, Pinnwand und Vorhangstangen in die Steinwand zu bohren. Wie bereits im letzten Beitrag erwähnt: er gibt sich wieder erkennbar Mühe.

Ich wohne nun seit knapp zwei Wochen in meiner neuen WG. Meine Mitbewohner könnten nicht besser sein. Zu Beginn hatte ich große Sorgen, dass eine 5er-WG chaotisch werden könnte, unsaubere Küche, viel Lärm, sich gegenseitig auf die Nerven gehen. Bis jetzt erweisen sich alle (sogar die drei Jungs) als erstaunlich ordentlich. Auch wenn die Küche morgens oft vom Voraband verdreckt ist, kann man schon am Nachmittag keine Spuren mehr davon sehen. Meine Vorschläge mit der Umstellung der Küche, um meinen Kram unterzubekommen, wurden sofort als gut befunden. Wir kochen öfter zusammen, brainstormen Deko-Ideen für die Wohnung, verschwören uns gemeinsam gegen den Vermieter, laden Freunde oder Freundinnen ein und führen interessante Gespräche am großen Küchentisch bei einer Tasse Tee oder Glas Wein. Wenn einer von uns Ruhe braucht, wird das genauso akzeptiert und man kann in seine eigene Höhle schlüpfen. Bald stehen die ersten WG-Parties zum Semesterbeginn an. Das werden sicherlich ein paar tolle Jahre in meiner neuen WG. 🙂

Apropos Semesterbeginn: morgen ist der erste Tag meines Masterstudiums! Wie die Zeit vergeht! Ich habe doch erst mit dem Bachelor angefangen?! Obwohl ich bereits die Uni, die Stadt und viele Studenten kenne, bin ich doch etwas aufgeregt, meine neuen Kommilitonen kennen zu lernen. Im Gegensatz zum Bachelorstudium, bin ich jetzt in einem riesigen Studiengang. Ich hoffe es fällt da nicht zu schwer, neue Freunde zu finden… Aber besteimmt ergeben sich spätestens beim Abendprogramm am Einführungstag die ersten guten Gespräche. 🙂

 

Beobachten

Ich schlüpfe nun mal in die Rolle der Beobachterin.

Ja, Mr Schützenverein und ich sind noch zusammen.

Wieso?

Er hat es bemerkt. Er hat es verstanden. Hat kapiert, dass ich das nicht mehr mitmachen wollte und schon bald Schluss machen wollte. Er zog die Handbremse und vollführt gerade eine 180-Grad-Wendung. Er ist bestrebt, mich wieder für sich zu gewinnen. Aber ich bleibe nüchtern. Mal sehen wie lange es dauert, bis die Mühe wieder abebbt. Ich genieße es, von ihm mit Komplimenten überhäuft zu werden, seine Aufmerksamkeit, sein Ehrgeiz, die Gefühle, die er wieder in mir weckt. Und ich würde mir wünschen, so wie er jetzt ist, würde zum Alltag werden. Wenn er das allerdings nicht schafft, mich wieder missachtet, ich wieder unglücklich bin, weiß ich, dass damit endgültig Schluss sein muss. Bis dahin werde ich den „Alltag“ beobachten.