Beziehungsleben

Reizende Komplimente und süße Geschenke bekommen,

Auf romantische Dates gehen,

Stundenlanges knutschen und kuscheln,

Guter Sex,

Die gemeinsame Zukunft planen (auch wenn sie so nicht unbedingt eintreten muss),

Küsschen und Händchenhalten auch in der Öffentlichkeit,

Respekt, Wertschätzung und Zuneigung erfahren,

Nach Streitereien gemeinsam Lösungen finden und Kompromisse eingehen,

Über alles reden können…

Hach, klingt das nicht nach einer wunderschönen Beziehung? Ich finde schon… Nur leider ist meine nicht so.

Bis auf den Punkt mit „gutem Sex“ trifft das alles nicht zu. Oder, ich korrigiere: es trifft nur zu, wenn ich die Initiative ergreife. Allerdings bin ich es gewohnt, dass ein Mann sich um die Frau Mühe gibt. Eine Frau will erobert werden. Auch in einer Beziehung. Sie möchte immer und immer und immer wieder erobert werden. So verliebt sie sich und so bleibt sie verliebt.

Aber mein Mr. Schützenverein hat dieses Prinzip nicht verstanden.

Ich bin noch verliebt. Und zwar sehr. Nur leider ist es seit einigen Monaten eher ein „Unglücklich-Verliebt-Sein“. Mr. Schützenverein und ich sind nun seit bald vier Monaten zusammen. Und seit drei-einhalb Monaten überlege ich, ob er mir in dieser Beziehung das gibt, was ich brauche. Bevor wir zusammen kamen, machte er Versprechungen, die er nun nicht einhält. Er sei in einer Beziehung romantisch, küsse und kuschele gerne, man könne mit ihm über alles reden… Wir planten unsere Zukunft zusammen (natürlich scherzhaft, wie man es macht), er schlug Dates vor, er machte mir Komplimente und zeigte mir, wie verliebt er sei. Es klang perfekt. Genau so etwas brauche ich in einer Beziehung. Ich brauche jemand, der mir Zuneigung zeigt, mich respektiert und mir zuhört. Ich küsse und kuschele gerne und brauche das auch. Er klang perfekt.

Dann kamen wir zusammen.

Und dann war es aus. Innerhalb von ein paar Wochen gab es das alles nicht mehr. Was war passiert? Ist er nicht mehr verliebt?

Ich sprach es an. Nein, natürlich sei er noch verliebt. Bei ihm trete der Alltag nur sehr schnell ein. Er brauche das ständige Küssen nicht und findet Händchenhalten albern. Möchte ich mit ihm reden, kommen nur knappe Antworten. Überhaupt ist er relativ oft schlecht gelaunt. Morgens nach dem Aufwachen, abends, wenn er müde wird, tagsüber, wenn er gestresst ist. Und bei schlechter Laune verhält er sich respektlos. Ich solle sein Verhalten bei schlechter Laune einfach nicht ernst nehmen, er sei da nicht er selbst, sagte er mir, nachdem ich es zum wiederholten Male ansprach. Meiner Meinung nach ist schlechte Laune jedoch keine Ausrede um sich respektlos gegenüber anderen Menschen, und schon garnicht der eigenen Freundin, zu verhalten. Wir fanden keine Lösung und keinen Kompromiss nach dieser Diskussion.

Mühe gibt er sich mir gegenüber zumindest beim Sex. Wir haben guten Sex. Und das ist mir auch wichtig in einer Beziehung. Aber ich denke oft darüber nach, ob eine reine Sexbeziehung zwischen ihm und mir nicht besser und einfacher für uns beide wäre. Dann würde ich die genannten Ansprüche an ihn nicht mehr stellen. Denn für unsere „Liebesbeziehung“ gibt er sich keine Mühe mehr. Keine Romantik, keine Komplimente, keine Dates, kein Kuscheln. Ich habe noch nicht mal ein Weihnachtsgeschenk bekommen. Ich gab mir damals größte Mühe etwas zu finden, was er nicht hat und was ihm gefallen könnte. Ich wurde fündig, er freute und bedankte sich. Er sagte, er mache lieber das Jahr über verteilt kleinere Geschenke, wenn er etwas passendes sehe. Ratet mal was ich bis jetzt alles bekommen habe? Genau. Nichts.

Ich möchte nicht materialistisch sein, aber eine gewisse Gerechtigkeit sollte schon bestehen. Ich versuchte die Taktik „mit guten Beispiel voran gehen“: ich brachte ihm eine Kleinigkeit aus meinem Finnlandurlaub mit, kaufte ihm Sushi, nachdem er es sich gewünscht hatte , lud ihn mit meinem Gutschein ins Kino ein. Es kam immer noch nichts. Ich verhalte mich höflich und nett, wenn er schlechte Laune hat, ich kuschele mich an ihn, versuche ihn öfter zu küssen, suche seine Hand, wenn wir unterwegs sind, überrede ihn mit mir zu zweit etwas zu unternehmen. Es hilft alles nichts. Es kommt nichts zurück.

Vor Verzweiflung sprach ich mit seinen Freunden. Mit ihnen verstehe ich mich super. „Das ist eben seine Art. Er ist verliebt in dich. Ihr passt super zusammen!“ Es ist zwar schön zu hören, wenn die Freunde finden man passe gut zu ihrem Freund. Aber dass das eben seine Art ist, macht mich nicht glücklicher. Bevor wir zusammenkamen war er ja nicht so. Er kann ja anders. Offensichtlich ruht er sich auf seinen „Lorbeeren“ aus. Wenn er sich keine Mühe mehr um mich gibt und meine bis jetzt anhaltende Verliebtheit weg ist, wird da nichts mehr sein. Dann werde ich wahrscheinlich noch deutlicher erkennen, dass unsere Persönlichkeiten und unsere Erwartungen an eine Beziehung nicht zusammen passen. Wir also nicht mehr zusammen passen.

Es ist ein verdammt harter Text, ich weiß. Aber leider sehe ich mein Beziehungsleben seit den letzten drei-einhalb Monaten so. Natürlich gab es zwischendurch auch schöne Momente. Man kann gut mit Mr. Schützenverein und seinen Freunden feiern und Spaß haben. Der Sex ist gut. Manchmal, ganz selten, kuscheln wir beim Serien gucken. Dennoch sind mir diese Momente für meine Definition einer schönen Beziehung zu selten. Ich möchte nicht in einer Beziehung bleiben, die mich die meiste Zeit unglücklich macht. In ein paar Tagen fahre ich wieder zu meiner Familie nachhause und werde über 500 Kilometer von meinem Freund entfernt sein. Und die Entfernung brauche ich auch erstmal um mir klarzumachen, was der nächste Schritt sein könnte. Alleine möchte ich eigentlich nicht sein, das war ich vier Jahre lang. Aber in einer unglücklichen Beziehung zu stecken, fühlt sich auch nicht schön an.

14 Gedanken zu “Beziehungsleben

  1. Materielle Aufmerksamkeiten sind egal, emotionale nicht. Deswegen ist man doch in einer Beziehung. Besonders wenn der gute Mr. Schützenverein sich vorher ordentlich Mühe gegeben hat und du die Dinge, die dir nicht passen, auch noch ansprichst. Doof. Da kann ich deine Bedenken verstehen.

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    1. Materielle Aufmerksamkeiten sind natürlich nicht das wichtigste, aber trotzdem ein schönes Zeichen der Zuneigung. Auch wenn es Männer vielleicht nie verstehen werden, so eine kleine Blume für die Frau kann sehr viel Freude auslösen.

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      1. Ich relativiere das mit dem „egal“. Aber wenn sonst alles perfekt wäre und er dir seine grenzenlose Liebe durch andere Dinge zeigen würde, könntest du wahrscheinlich leichter auf die Blümchen verzichten. So meinte ich das.

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  2. Menschen ändern sich nicht und die eigenen Bedürfnisse ändern sich auch nicht. Wenn er nicht der Typ dazu ist, dann ist es wohl besser, du suchst dir jemanden, dem das auch wichtig ist. Bei mir ist es das Gegenteil. Der Sex ist schlecht, aber die körperliche Aufmerksamkeit ist immens. Wir halten Händchen, kuscheln, streicheln uns. Wir haben enorm viel Körperkontakt, wenn wir zusammen sind. Wenn das nicht wäre, hätte ich mich schon lange getrennt. Ich habe gemerkt, das mich das seelisch sehr nährt und mir gut tut. Dafür mach ich Abstriche beim Sex (was auch nicht grad lustig ist). Du must herausfinden, was dir wichtiger ist. Bei mir ist es im Moment die Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit.

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    1. Was mir in einer Beziehung wichtig ist, ist mir genau dadurch aufgefallen. Die körperliche Nähe und Zeichen der Zuneigung fehlen mir sehr. Mir ist dabei natürlich bewusst, dass es so etwas wie „die perfekte Beziehung“ oder der „perfekte Partner“ nicht gibt, und man immer Kompromisse eingehen wird oder Abstriche hat. Aber man muss wohl wissen, mit was man auf Dauer klar kommt…
      Das seltsame an der Sache ist aber, dass Mr schützenverein ja zu Beginn anders war. Bevor wir zusammen gekommen sind konnte er mir Nähe Zuneigung zeigen…

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      1. ja, das ist wirklich sehr seltsam. vielleicht war das einfach ein „Lockverhalten“ von ihm, um dich an ihn zu binden, weil er wusste, dass das wichtig für dich ist. Ich würde ihn unbedingt mit seiner widersprüchlichen Aussage konfrontieren. Es muss ihm ja auch klar sein, dass er jetzt nicht den „Kuschelmodus“ fährt, den er dir verspochen hat. Sprich ihn darauf an. Seine Antwort wird dir mehr Klarheit geben. Wenn für ihn das was jetzt ist, das ist, was er dir versprochen hat, dann ist er wohl nicht der Richtige. Vielleicht hat er aber tatsächlich ein Problem mit Nähe (im Sinne, dass er sich Nähe wünscht aber nicht zulassen kann) und es gibt vielleicht eine Chance, dass er das überwinden kann, zusammen dir. Ja, dass es die perfekte Beziehung nicht gibt das wissen wir wohl beide 🙂

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      2. Ich vermute auch, dass es lockverhalten war. Ich habe ihn ja bereits darauf angesprochen und seine Antwort war das mit dem „schnell einkehrendem Alltag“, also dass er wohl das kuscheln nicht mehr so häufig braucht.

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  3. Ist schon komisch. So etwas hört man von vielen Beziehungen. Meistens tritt dieses Verhalten aber erst nach 2-3 Jahren ein.
    Wenn das schon so früh passiert würde ich an Deiner Stelle schnell reagieren. Wer weiß was noch alles kommt.

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    1. Skywalkerlein hat völlig recht. Genau das selbe hatte ich dir vor Monaten schon geschrieben. Und mal ehrlich: Wie „gut“ kann der Sex mit ihm schon sein, wenn du das so oft betonst? Ist das nicht eher ein Versuch, dem Ganzen noch etwas Positives abgewinnen zu wollen?

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      1. Haha 😀 also der ist tatsächlich sehr gut, das betone ich nicht nur zum Spaß 😉 aber ja, das zweite kommt da schon auch dazu… Es ist wohl eines der wenigen positiven Aspekte der Beziehung mit Mr schützenverein.

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  4. Du weißt eigentlich ziemlich sicher dass der nicht der ist mit dem Du Dein Leben verbringen willst. Warum bleibst Du noch mit ihm zusammen? Hast Du keine Angst den Richtigen zu verpassen? Allein sein ist doch nicht das Schlimmste!!!! Besser ein Ende mit Schrecken…

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