Ich fühle mich nicht schlecht

Ich habe einen Fehler gemacht.

Nur so fehlerhaft fühlte es sich währenddessen und auch danach nicht an.

Ich habe meinen Freund betrogen…

Die Geschichte verlief so:

Montag bis Mittwoch besuchte ich meine beste Freundin am Bodensee. Da sie dort studiert, ich die Gegend liebe und sie von meinem Heimatort besser zu erreichen ist als von meiner Studienstadt, plante ich spontan einen Kurztrip dorthin. Montags ist dort der „Partytag“ für die Studenten (abartig eigentlich…). Wir schmissen uns also nach meiner Ankunft und einem schnellen Abendessen in Schale. Zum Vortrinken waren wir in die WG eines Freundes von ihr eingeladen. Es war nicht das erste Mal, dass ich meine beste Freundin besuchte. Ich kannte bereits viele ihrer Kommilitonen und Freunde. So wie auch den Kumpel, zu dem wir eingeladen waren. Den kannte ich sogar, sagen wir mal, „sehr gut“: jedes Mal, wenn wir uns sehen, fangen wir irgendwann an rumzumachen. Aufgrund vieler unglücklicher Zufälle kam es aber nie weiter als knutschen. Naja, und jetzt habe ich einen Freund. Also wird es auch kein knutschen geben. Sollte es jedenfalls nicht. Schade eigentlich. Und irgendwie eine gefährliche Situation…

Meine beste Freundin weiß natürlich Bescheid. Über die kleinen bisherigen „Affären“ zwischen ihrem Kumpel und mir und meine momentane nicht-so-hervorragende Beziehung zu meinem Freund. Außerdem mag sie Mr Schützenverein sowieso nicht so gerne. Deshalb gab sie mir gleich zu verstehen, dass sie nichts dagegen hätte, wenn heute mal wieder was mit mir und ihrem Kumpel laufen würde.

Ich nenne den Kumpel mal Mr Spiel. Denn für ihn ist die Welt und das Leben ein einziges Spiel. Er ist jung, naiv und nimmt das Leben auf die leichte Schulter. Eigentlich eine attraktive Einstellung. Nur ist für eine solche Person eine Beziehung ebenso unwichtig. Von meiner besten Freundin habe ich mir sagen lassen, dass Mr Spiel zwar mehrmals eine Beziehung geführt hatte, allerdings hatte es nie lange gehalten. Seine Naivität führe nun mal zum Grundsatz „aus den Augen, aus dem Sinn“. Also habe ihn bereits sehr früh, nach unserem ersten Kennenlernen, als potentiellen Partner ausgeschlossen. Aber Spaß kann man ja immer haben. Nur bisher halt irgendwie nie mehr als Knutschen.

Wir erreichten also die WG von Mr Spiel, begrüßten alle (ich kannte erstaunlich viele Leute, dafür dass ich so selten dort bin) und begannen zu trinken. Bereits nach dem ersten Bierpongspiel spürten meine Freundin und ich den Alkohol sehr deutlich. Irgendwann plapperte ich vor einem Mitbewohner von Mr Spiel heraus, dass ich ja immer mit ihm rummachen würde, aber dieses mal würde es ja nicht gehen, weil ich einen Freund habe… aber vielleicht ja doch, weil ich gerade so unglücklich bin. Ich dachte natürlich nicht weiter darüber nach, was ich da gerade erzählte, aber der Mitbewohner nahm an dem Abend die Beschützerrolle ein. Er fragte mich mehrmals, ob er mich vor Mr Spiel retten solle und ob alles in Ordnung wäre. Hach, aufmerksame Männer sind wirklich goldwert. 🙂

Viel gebracht hat mir mein Beschützer aber nicht. Was allerdings natürlich nicht seine Schuld ist, denn wie man erkennen kann, hatte ich mir der Alkohol bereits mein Vorhaben in den Kopf gesetzt. Oder vielleicht war da noch nicht mal der Alkohol Schuld. Wir gingen später alle (mehr oder weniger) gemeinsam in den Club. Nach ein paar Shots ging es auf die Tanzfläche aber von Mr Spiel war lange nichts zu sehen. Wo war der denn? Ich wollte doch flirten! Meine beste Freundin machte bereits mit einem Kerl herum und ich entdeckte nach einer gefühlten Ewigkeit Mr Spiel mit einem Getränk am Rand. Ich gesellte mich zu ihm und nach kurzem Quatschen gab er mir ein Gin Tonic aus. Als wir leer getrunken hatten gingen wir tanzen. Ich glaube danach gingen wir nochmal an die Bar (es kann sein, dass ich die Reihenfolge nicht mehr so ganz rekonstruieren kann… an diesem Abend schlug der Alkohol recht hart an 😀 ).

Wir tranken einen weiteren Gin Tonic und redeten darüber, dass ich ja einen Freund habe und es schade wäre, dass heute Abend nichts laufen kann. Trotzdem flirteten wir heftig. Bis mich meine beste Freundin auf die Toilette bat. Ich erzählte ihr von meiner misslichen Lage und sie entschied, dass es wohl besser wäre, wenn wir gingen. Mit ihrem Lover wollte sie sowieso nicht weiter gehen, sondern auch lieber zuhause schlafen. Sie erzählte mir, dass ihr Lover ein guter Freund von Mr Spiel sei und er ebenfalls eine Freundin hatte. Er betrog also gerade auch seine Freundin, mit meiner besten Freundin. Oh mann, was passiert hier eigentlich? Für ihren Kerl sah es aber so leicht aus. Als würde er überhaupt nicht nachdenken müssen. Wie kann er das nur? Was sind das für Monster? Bin ich auch so eins??

Naja, wir wollten gehen, aber ich wollte mich zumindest noch von Mr Spiel verabschieden. Und jetzt lasst euch gesagt sein, liebe Leser: Verabschieden ist in einer solchen Situation eine ganz schlechte Idee. Nach unserer Ankündigung zog mich Mr Spiel vor die Bar um noch ein bisschen zu tanzen (nicht mehr auf die Tanzfläche), während meine beste Freundin und ihr Lover zum Abschied weiter wild knutschten. Ich guckte Mr Spiel an und gab zu, ich würde ihn jetzt auch gerne küssen. „Das ist deine Entscheidung…“, war seine Antwort. Und nach einem langen Seufzen drückte ich meine Lippen auf seine. So war es geschehen. Ich betrog gerade meinen Freund. Aber spürte wieder die Aufregung eines leidenschaftlichen Kusses, diese kleinen Purzelbäume, die der Magen dann so gerne macht. Nach ein paar Minuten guckte ich mich nach meiner Freundin um. Ohne Worte flüchteten wir zur Gardarobe um unsere Jacken zu holen. Ich murmelte ihr zu „ich kann das nicht“, wobei im Nachhinein der Satz keinen Sinn macht, denn ich habe ja schon.

Es dauerte natürlich nicht lange bis die Jungs wieder auftauchten. Noch an der Garderobe umarmte mich Mr Spiel zärtlich von hinten und flüsterte mir ins Ohr „Aufgeben ist aber nicht so mein Ding“. Ein klitzekleines Gefühl der Freunde beschlich mich. Aber gott, wieso freute ich mich denn?! Meine beste Freundin und ihr Lover bezahlten bereits ihre Verzehrkarte und gingen vor die Tür. Ich wartete höflich aber mit gemischten Gefühlen auf Mr Spiel, der noch in der Schlange stand. Zumindest würden wir noch zusammen ein kurzes gemeinsames Stück in Richtung unserer Wohnungen laufen. Als er wieder bei mir war legte er den Arm um mich. Wir küssten uns noch mehrmals und es war klar, dass jetzt die Frage im Raum stand, ob ich zu ihm kommen würde. Betrogen hatte ich meinen Freund doch eh schon.

Jedoch ist es für mich ein viel größerer Schritt während einer Beziehung mit einem anderen Mann zu schlafen als „nur“ zu knutschen, sei die Beziehung noch so blöd. Andererseit hatte ich sowieso vor einigen Tagen den Beschluss gefasst, nach meiner Rückkehr in meine Studienstadt mit Mr Schützenverein Schluss zu machen. Und fremdgegangen bin ich nun mit dem Knutschen ja eh schon. Und wer weiß, wann sich die nächste Gelegenheit mit Mr Spiel ergeben würde? Ich war neugierig auf Mr Spiel und hatte auch irgendwie Lust. Wir liefen das Stück Weg gemeinsam und ich grübelte und grübelte. Kann ich das tun? Sollte ich das tun? Wollte ich das tun?

Es ging nun nur noch in seine Richtung oder in unsere. Ja, los. Bevor ich meine Meinung nochmal ändere. Wir gingen ein paar Schritte in seine Richtung, während meine beste Freundin mit ihrem Lover in Richtung ihrer Wohnung lief.

Halt, nein. Ich kann das nicht. Oder doch? Ich blieb stehen. Verzweiflung machte ich breit. Bis hierhin hatte ich eh schon fast eine halbe Stunde gegrübelt. Jetzt wo unsere Wege sich wirklich trennen und der Entschluss feststehen würde, wurde der Druck zu groß.

Nein. Nein, ich kann das wirklich nicht. Ich lief auf meine beste Freundin zu. Sie schickte ihren Lover weg und gingen zusammen den Weg zu ihrer Wohnung. Ohne uns ein letztes Mal umzudrehen. Mr Spiel tat mir Leid.

Auch am nächsten Tag: kein Gefühl der Reue. Mr Spiel tat mir immer noch mehr Leid als Mr Schützenverein.

Und falls folgende Fragen noch offen sein sollten: Nein, Mr Spiel hat sich nicht mehr gemeldet (denn „aus den Augen, aus dem Sinn“, bis zum nächsten Mal zumindest) und nein, ich werde Mr Schützenverein nichts erzählen. Ich werde Schluss machen. Es passt einfach nicht. Es ist schade aber es passt nicht. Unsere Persönlichkeiten und unsere Erwartungen an eine Beziehung sind zu unterschiedlich.

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Beziehungsleben

Reizende Komplimente und süße Geschenke bekommen,

Auf romantische Dates gehen,

Stundenlanges knutschen und kuscheln,

Guter Sex,

Die gemeinsame Zukunft planen (auch wenn sie so nicht unbedingt eintreten muss),

Küsschen und Händchenhalten auch in der Öffentlichkeit,

Respekt, Wertschätzung und Zuneigung erfahren,

Nach Streitereien gemeinsam Lösungen finden und Kompromisse eingehen,

Über alles reden können…

Hach, klingt das nicht nach einer wunderschönen Beziehung? Ich finde schon… Nur leider ist meine nicht so.

Bis auf den Punkt mit „gutem Sex“ trifft das alles nicht zu. Oder, ich korrigiere: es trifft nur zu, wenn ich die Initiative ergreife. Allerdings bin ich es gewohnt, dass ein Mann sich um die Frau Mühe gibt. Eine Frau will erobert werden. Auch in einer Beziehung. Sie möchte immer und immer und immer wieder erobert werden. So verliebt sie sich und so bleibt sie verliebt.

Aber mein Mr. Schützenverein hat dieses Prinzip nicht verstanden.

Ich bin noch verliebt. Und zwar sehr. Nur leider ist es seit einigen Monaten eher ein „Unglücklich-Verliebt-Sein“. Mr. Schützenverein und ich sind nun seit bald vier Monaten zusammen. Und seit drei-einhalb Monaten überlege ich, ob er mir in dieser Beziehung das gibt, was ich brauche. Bevor wir zusammen kamen, machte er Versprechungen, die er nun nicht einhält. Er sei in einer Beziehung romantisch, küsse und kuschele gerne, man könne mit ihm über alles reden… Wir planten unsere Zukunft zusammen (natürlich scherzhaft, wie man es macht), er schlug Dates vor, er machte mir Komplimente und zeigte mir, wie verliebt er sei. Es klang perfekt. Genau so etwas brauche ich in einer Beziehung. Ich brauche jemand, der mir Zuneigung zeigt, mich respektiert und mir zuhört. Ich küsse und kuschele gerne und brauche das auch. Er klang perfekt.

Dann kamen wir zusammen.

Und dann war es aus. Innerhalb von ein paar Wochen gab es das alles nicht mehr. Was war passiert? Ist er nicht mehr verliebt?

Ich sprach es an. Nein, natürlich sei er noch verliebt. Bei ihm trete der Alltag nur sehr schnell ein. Er brauche das ständige Küssen nicht und findet Händchenhalten albern. Möchte ich mit ihm reden, kommen nur knappe Antworten. Überhaupt ist er relativ oft schlecht gelaunt. Morgens nach dem Aufwachen, abends, wenn er müde wird, tagsüber, wenn er gestresst ist. Und bei schlechter Laune verhält er sich respektlos. Ich solle sein Verhalten bei schlechter Laune einfach nicht ernst nehmen, er sei da nicht er selbst, sagte er mir, nachdem ich es zum wiederholten Male ansprach. Meiner Meinung nach ist schlechte Laune jedoch keine Ausrede um sich respektlos gegenüber anderen Menschen, und schon garnicht der eigenen Freundin, zu verhalten. Wir fanden keine Lösung und keinen Kompromiss nach dieser Diskussion.

Mühe gibt er sich mir gegenüber zumindest beim Sex. Wir haben guten Sex. Und das ist mir auch wichtig in einer Beziehung. Aber ich denke oft darüber nach, ob eine reine Sexbeziehung zwischen ihm und mir nicht besser und einfacher für uns beide wäre. Dann würde ich die genannten Ansprüche an ihn nicht mehr stellen. Denn für unsere „Liebesbeziehung“ gibt er sich keine Mühe mehr. Keine Romantik, keine Komplimente, keine Dates, kein Kuscheln. Ich habe noch nicht mal ein Weihnachtsgeschenk bekommen. Ich gab mir damals größte Mühe etwas zu finden, was er nicht hat und was ihm gefallen könnte. Ich wurde fündig, er freute und bedankte sich. Er sagte, er mache lieber das Jahr über verteilt kleinere Geschenke, wenn er etwas passendes sehe. Ratet mal was ich bis jetzt alles bekommen habe? Genau. Nichts.

Ich möchte nicht materialistisch sein, aber eine gewisse Gerechtigkeit sollte schon bestehen. Ich versuchte die Taktik „mit guten Beispiel voran gehen“: ich brachte ihm eine Kleinigkeit aus meinem Finnlandurlaub mit, kaufte ihm Sushi, nachdem er es sich gewünscht hatte , lud ihn mit meinem Gutschein ins Kino ein. Es kam immer noch nichts. Ich verhalte mich höflich und nett, wenn er schlechte Laune hat, ich kuschele mich an ihn, versuche ihn öfter zu küssen, suche seine Hand, wenn wir unterwegs sind, überrede ihn mit mir zu zweit etwas zu unternehmen. Es hilft alles nichts. Es kommt nichts zurück.

Vor Verzweiflung sprach ich mit seinen Freunden. Mit ihnen verstehe ich mich super. „Das ist eben seine Art. Er ist verliebt in dich. Ihr passt super zusammen!“ Es ist zwar schön zu hören, wenn die Freunde finden man passe gut zu ihrem Freund. Aber dass das eben seine Art ist, macht mich nicht glücklicher. Bevor wir zusammenkamen war er ja nicht so. Er kann ja anders. Offensichtlich ruht er sich auf seinen „Lorbeeren“ aus. Wenn er sich keine Mühe mehr um mich gibt und meine bis jetzt anhaltende Verliebtheit weg ist, wird da nichts mehr sein. Dann werde ich wahrscheinlich noch deutlicher erkennen, dass unsere Persönlichkeiten und unsere Erwartungen an eine Beziehung nicht zusammen passen. Wir also nicht mehr zusammen passen.

Es ist ein verdammt harter Text, ich weiß. Aber leider sehe ich mein Beziehungsleben seit den letzten drei-einhalb Monaten so. Natürlich gab es zwischendurch auch schöne Momente. Man kann gut mit Mr. Schützenverein und seinen Freunden feiern und Spaß haben. Der Sex ist gut. Manchmal, ganz selten, kuscheln wir beim Serien gucken. Dennoch sind mir diese Momente für meine Definition einer schönen Beziehung zu selten. Ich möchte nicht in einer Beziehung bleiben, die mich die meiste Zeit unglücklich macht. In ein paar Tagen fahre ich wieder zu meiner Familie nachhause und werde über 500 Kilometer von meinem Freund entfernt sein. Und die Entfernung brauche ich auch erstmal um mir klarzumachen, was der nächste Schritt sein könnte. Alleine möchte ich eigentlich nicht sein, das war ich vier Jahre lang. Aber in einer unglücklichen Beziehung zu stecken, fühlt sich auch nicht schön an.

Ich melde mich zurück

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Da bin ich mal wieder. Endlich. Mein letzter Beitrag ist nun schon über zwei Monate her. Natürlich hatte ich Stress die letzten Wochen meines Praktikums zuende zu bringen, gleichzeitig eine neue Wohnung zu suchen, die Bachelorarbeit zu schreiben und meine frische Beziehung zu pflegen. Doch ich habe alles geschafft. Ich bin stolz und glücklich. Seit ein paar Wochen habe ich nun wieder Zeit für mich und Zeit alles aufzuholen, was liegen geblieben ist. Und ja, ich gebe es zu: es hat einige Zeit gedauert bis ich wieder die Motivation zum Schreiben aufbringen konnte. Doch heute ist sie wieder da. Und bleibt hoffentlich.

Rückblickend hat sich die letzten neun Wochen nicht viel getan. Die großen Dinge lassen sich schnell zusammenfassen. Es sind eher die kleinen Dinge, die Gefühle und Augenblicke, die ich gerne niederschreibe. Schreibe ich darüber, hilft es mir mein eigenes Leben, mein Handeln und meine Gedanken besser zu verstehen. Doch würde ich versuchen Gefühle und Augenblicke über eine solch lange Zeit zu rekonstruieren, wären sie vermutlich bloß verfälscht. Ich werde die nächsten Wochen und Monate wieder regelmäßig Tagebuch schreiben. Heute schreibe ich aber zumindest kurz über die bedeutenden Erlebnisse der letzten Wochen um in Zukunft daran anknüpfen zu können.

Die Kündigung meines Praktikums habe ich Anfang Januar mit einem lachenden und einem weinenden Auge bekannt gemacht. Eine Kündigung einzureichen ist eine Erfahrung, die man mal gemacht haben sollte. All die Überlegungen und Unsicherheiten konzentrieren sich auf einen kurzen Augenblick, wenn man die Worte ausspricht. Es lief dann so, wie es meistens läuft im Leben: alles halb so schlimm. Schließlich ging es nur um ein Praktikum und ich hatte einen nachvollziehbaren Grund vorzuweisen. Studium geht vor. Ich wurde gebeten zumindest bis zum 22. Januar zu bleiben, was letzendlich perfekt war. Somit konnte ich weitere Erfahrungen in dem Bereich sammeln, den ich mir für mein späteres Berufsleben vorstellen kann.

Die letzte Woche des Praktikums, bevor es mit der Bachelorarbeit richtig losgehen sollte, nutze ich, um mir eine neue Wohnung zu suchen. Bis Ende März musste ich aus dem Studentenwohnheim raus, da ich dann keine Bachelorstudentin mehr war. Zum Glück ist es nicht schwer im Internet WGs in meiner Stadt zu finden. Auf WG-Gesucht kamen fast täglich WGs herein, die zum Semesterende neue Mitbewohner suchten. Ich besichtigte fünf WGs, bekam drei Zusagen, wovon zwei WGs in die engere Auswahl fielen. Eine günstige mit 17 Quadratmetern in einer Dreier-WG mit zwei netten Jungs, jedoch mit dem Bus circa 20 Minuten von der Uni entfernt. Die zweite war mit vier Mitbewohnern, großer Küche, zwei Bäder, Terasse, Garten, renovierte Zimmer, nur eine Parallelstraße von meiner jetzigen Wohnung entfernt, also weiterhin nur 10 Minuten Fußweg von der Uni entfernt. Meine absolute Traum-WG. Die drei Jungs und das Mädchen waren super cool drauf. Das einzig übrige Zimmer hatte allerdings 28 Quadratmeter, die ich niemals bräuchte. Das alles hatte natürlich einen stolzen Preis… Nach zwei Tagen Bedenkzeit und abwägen, entschied ich mich für meine Traum-WG. Der Preis war es wert. Letzendlich zog mir der Vermieter beim Unterschreiben des Vertrages sogar noch 20€ von der monatlichen Miete ab. Trotzdem noch teuer, aber ich bin der Meinung, dass es sich lohnt. Einen Job werde ich mir sowieso suchen müssen.

Nach dem Ende des Praktikums konzentrierte ich mich voll und ganz auf meine Bachelorarbeit. Die bereits geschriebenen sechs Seiten mussten um 34 Seiten innerhalb von drei Wochen ergänzt werden. Und was soll ich sagen? Alles halb so schlimm! Mit durchschnittlich 6 Stunden am Tag in der Unibib schafft man sowas dann doch locker. Mir blieb dabei auch noch Zeit für meinen geliebten Sport und mein soziales Leben.

Als die Bachelorarbeit fertig geschrieben war und die Vorfassung bei meinen korrekturfreundigen Eltern und Freunden lag, gönnte ich mir mit meiner besten Freundin einen Kurztrip nach Amsterdam. Dabei musste ich (nicht zum ersten mal) feststellen, dass Cannabis nicht die Droge meiner Wahl ist. Nach einem Muffin mit „Spezialzutat“ (aus einem qualitativ hochwertigem Coffeeshop, versteht sich!) hatte ich einen Horrortrip, den ich niemals wieder erleben möchte. Panikattacken, Versagensängste, Selbsthass, Depressionsanfälle… und das drei volle Stunden lang. Hinzu kamen Kopfschmerzen, die mich zeitweise blind machten und eine Müdigkeit, die mich ins Bett drücke. Das alles, während meine Freundin neben mir fröhlich die Welt beobachtete, mit sich im Reinen war und sich schöne Gedanken machte. Naja… ich lasse besser endgültig die Finger von dem Zeug, ich hab da wohl ’ne Unverträglichkeit.

In der Endphase meiner Bachelorarbeit erkundigte ich mich bereits nach Studentenjobs. Ich konnte zwar weiterhin ein bisschen bei meinem alten Job arbeiten, jedoch leider sehr unregelmäßig und nur zum Mindestlohn. Ein weiterer Job musste auf jeden Fall her. Bereits im Januar ergab sich für mich eine Aushilfestelle für ein Startup-Unternehmen im Erlebnispädagogik-Bereich (bzw. eher so etwas wie Schullandheim für Unternehmen, zum Teambilding und so… Ihr wisst ja bestimmt was ich meine.) Ich bekam dort eine Zusage, aber es wäre ebenfalls ein Job für den man nur unregelmäßig (auf Abruf) arbeiten könnte. Leider habe ich bis jetzt nichts weiter gehört von ihnen.

Die letzten paar Wochen schickte ich vier weitere Bewerbungen heraus und für drei davon wurde mir gegenüber Interesse bekundet. Von zwei der Stellen bekomme ich bis Mitte März für das weitere Vorgehen Bescheid gegeben. Für die dritte Werkstudentenstelle bekam ich eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, kurz darauf eine Einladung zum Probearbeiten und dann die Zusage. Alles schön und gut, mir gefiel die Arbeit, es gab ein angemessenes Gehalt, ich könnte dabei sicher viel lernen und es würde sich gut im Lebenslauf machen.  Aber die Nachteile sind nicht zu unterschätzen: ich müsste 18 Stunden die Woche arbeiten, müsste mich aufgrund des hohen Gehalts selbst versichern und habe keinen Anspruch mehr auf Bafög. Ich könnte mir nur schwer in den Ferien frei nehmen um meine Familie zu besuchen und der Chef scheint richtig streng zu sein. Bis Montag soll ich mich entschieden haben. Und jetzt weiß ich nicht weiter. Nehme ich den Job mit seinen Nachteilen in Kauf? Oder warte ich auf die Antworten der anderen Stellen? Ich bin mir sicher, ich würde bei den anderen Jobs prozentual betrachtet für weniger Stunden Arbeit mehr verdienen. Vor dem Masterstudium habe ich bereits jetzt schon Respekt und möchte nicht aufgrund eines Studentenjobs keine Zeit für Klausurvorbereitungen haben. Ich möchte die letzten zwei Jahre meines Studium ohne Stress genießen können und die Möglichkeit haben meine Familie zu besuchen und im Sommer Freizeit zu haben. Darüber muss ich wohl  noch zwei Nächte schlafen…

Nun zu meinem lieben Mr Schützenverein. Ich wollte ja schon lange einen Eintrag über ihn und meine frische Beziehung schreiben. Wir sind nun seit 3,5 Monaten zusammen und eine Beziehung ist doch nicht so rosig wie ich sie mir in meiner langen Singlezeit vorgestellt habe. Ich möchte am liebsten einen eigenen Beitrag dazu verfassen und hoffe, dass meine Motivation weiterhin tagebuchzuschreiben bleibt. Dann wird hier spätestens nächste Woche endlich was über ihn zu lesen sein.

Zu meinen Problemen mit dem Essen gibt es nur Folgendes zu sagen: zur Zeit zähle ich keine Kalorien und es ist ein auf und ab mit meiner Zufriedenheit wenn ich einen Blick in den Spiegel wage. Ich esse viel, mache aber wieder viel Sport… Habe ich zumindest bis vor Kurzem. Denn jetzt muss ich gezwungenermaße eine Pause machen.Ich habe mir den Zeh gebrochen, einem dämlichen Zufall geschuldet. Aus dem nichts bekam ich nämlich kurz von dem Wochenende ziemliche Knieschmerzen. Sie wurden nicht schlimmer, aber auch nicht besser über das Wochenende. Bis ich am Sonntag Abend nach einem vollen Tag auf den Beinen doch mehr Schmerzen bekam. Ich konnte kaum noch richtig laufen und bin dann Zuhause beim Aufräumen mit dem Fuß am Türrahmen hängengeblieben. Verdammt, zu den Knieschmerzen kamen jetzt noch Schmerzen im Zeh. Ich konnte trotz zwei Tabletten diese Nacht kaum schlafen und bin am nächsten Tag ins Krankenhaus. Dort wurde mir eine Überreizung des Oberschenkelmuskelansatzes und ein (wahrscheinlich) gebrochener mittlerer Zeh diagnostiziert. „Wahrscheinlich“ weil man sowas nicht röntgen muss. Die Ärztin meine so etwas in der Art: „passiert öfter, kannste dir selbst verbinden.“ Also gut, Knie mit Voltaren einschmieren, mittleren Zeh an den daneben tapen, Bein schonen und Google befragen. So ein gebrochener Zeh braucht wohl 4 bis 6 Wochnen zu heilen. Neiiin! Und das, wo ich jetzt so viel Zeit hätte um mich voll und ganz im Sport zu verausgaben!! Naja, sch*** auf den mittleren Zeh, wer braucht den schon? Nächste Woche geht’s weiter mit Sport. Das Knie ist heute schließlich fast wieder gesund, nur der Zeh tut noch weh beim Laufen. Wird schon.

So viel zu meinen letzten Wochen. Mein Tagebuch und ich sehen uns in nächster Zeit wieder öfter. Schließlich schulde ich ihm (und meinen Lesern) ja schon seit mehreren Monaten den Beitrag über Mr. Schützenverein. Bis bald also!