Harte Arbeit

Wieso hat eigentlich die Tagebuchschreiberin erst so spät von ihrem Glück erzählt? Und wieso schlich sie auf anderen Blogs herum und hat immer nur hier und da ein Like gelassen ohne selbst ein Wort von sich hören zu lassen?

Die Tagebuchschreiberin arbeitet wieder hart. Sie macht schon wieder ein Praktikum. „Generation Praktikum“ trifft hier voll und ganz zu. Es war eigentlich nie mein Plan, aber hat sich irgendwie so ergeben.

Mittlerweile ist es das vierte Praktikum in meinem Leben. Aber hoffentlich das Allerletzte. Nur dieses Allerletzte ist ausgerechnet ein richtig Hartes. Vierzig Stunden Woche für 450 Euro, unbezahlte Überstunden und an Weihnachten offenbar nur drei Urlaubstage. Am Montag habe ich angefangen. Es handelt sich um ein Praktikum bei einer großen internationalen Agentur für Sponsering. Ein junges, fleißiges und freundliches Team und super interessante Projekte. Ein vermutlich sehr wertvolles Praktikum für meine Zukunft und vielleicht sogar mit Aussicht auf einen Jobeinstieg.

Gleichzeitig schreibe ich meine Bachelorarbeit. Mein Thema ist fix, das Exposé an meinen Betreuer abgeschickt, am 4. Dezember wird sie angemeldet. Zwölf Wochen habe ich Zeit 40 Seiten zum „Einfluss von Selbstwirksamkeitserwartung auf das organisationale Commitment“ niederzuschreiben. Und gleichzeitig 40 Stunden (und mehr) zu arbeiten.

Und als wäre das nicht schon genug, möchte ich ja noch so oft wie möglich meinen Freund (oh gott, das erste Mal seit langem, dass ich das wieder schreiben kann) sehen, damit die Sehnsucht nicht unerträglich wird und ich meine Verliebtheit genießen darf.

Naja, die paar Wochen stehe ich durch. Ich muss wohl einfach in den sauren Apfel beißen. (Saure Äpfel mag ich ja ganz gerne. Aber eigentlich nur die, die ich essen kann.)

Vielleicht sollte ich doch lieber nach dem Bachelor weiter studieren. Vierzig Stunden arbeiten ist so ungewohnt viel…

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Freitag, der 20. November

Liebes Tagebuch, liebe Leser und Leserinnen,

es wird nun an der Zeit mit den Neuigkeiten herauszurücken.

Der Bann ist gebrochen.

Ich bin nicht mehr Single.

Mr Schützenverein und ich sind seit letzter Woche Freitag offiziell in einer Beziehung.

Mein Traum der letzten paar Monate geht in Erfüllung. Nein, eigentlich der letzten paar Jahre.

Ich bin verliebt. Durch meine rosarote Brille sehe ich in ihm meinen Traummann. Da ich aber kein Fan von Schnulzigkeit bin, weiß ich, dass in der Realität die rosarote Brille irgendwann abgelegt wird und in irgendeiner Schublade landen wird. Man wird vergessen, wohin man sie gelegt hat. Man versuchen wird sie wieder zu finden.

Manche haben Glück und finden die verstaubte Brille wieder. Sie setzen sie nicht mehr auf, da sie zu staubig ist und wahrscheinlich nicht mal mehr modern. Aber sie wissen, dass sie da ist. Sie wissen, dass die Person, die man durch diese Brille gesehen hat, die Gleiche ist, die man vor sich stehen hat. Sie lieben diese Person und brauchen dafür keine Brille mehr.

Andere Menschen finden die Schublade nicht mehr, finden die rosarote Brille nicht mehr. Sie wissen nicht, wie sie die Person vor sich ohne die Brille sehen können. Sie sehnen sich lieber nach einer neuen Brille. Gehen an den Schaufenstern vorbei und bewundern die Brillen mit modernsten Rahmen und Gläsern. Lieber kaufen sie sich eine Neue, statt in der Schublade nach der alten rosaroten Brille zu suchen. Lieber sehen sie durch diese neue Brille neue Menschen, statt die Person, die sie damals mit ihrer vorherigen Brille so verliebt angesehen hatten.

Ich werde diese Zeit mit meiner rosaroten Brille genießen. Und ich hoffe, dass er und ich nie vergessen werden, wohin wir sie ablegen. Ich hoffe mein Traummann bleibt bei mir.

Und doch höre ich es in diesem Satz wieder: meine Ängste. Trotz Verliebtheit und trotz der jetzigen Sicherheit sind sie da. Ich hatte die Hoffnung, dass die Ängste verschwinden, sobald wir unsere Beziehung und Zuneigung offiziell gemacht haben. Anscheinend wird es wohl noch dauern. Oder kann es sein, dass man sie nie vollkommen los wird?

Einzig wenn er bei mir ist, wenn ich in seinen Armen liege, wenn ich in seine blau-grünen Augen blicke, wenn ich sein schönes Lächeln sehe und seine perfekten Lippen zu einem Kuss ansetzen, dann verspüre ich keine Angst. Ich wünschte er könnte ständig bei mir sein. Immer. Wenn ich ihn einen Tag lang nicht sehe, ja sogar, wenn er mir über eine Stunde lang nicht schreibt, dann vermisse ich ihn schon.

Hach, verliebt sein ist ein so gemeines und doch so schönes Gefühl…

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Schöne Tage, schlechtes Gefühl

Ich hatte eine wunderschöne Woche mit Mr. Schützenverein. Letzte Woche Montag hat er mich mit einer Rose und Donuts vom Bahnhof abgeholt. Wir haben jeden Tag, den ich in meiner Unistadt war zusammen verbracht. In den acht Tagen haben wir viel erlebt: gemütlich Filme und Serien geguckt, Spaß im Bett und auch Spaß beim Feiern, Tanzen und Trinken gehabt. Ich habe seine total lieben Eltern kennengelernt, die sich unglaublich gefreut haben, dass ich zu Besuch war. Meine Unimädels haben ihn ebenfalls kennengelernt auf einer Unifeier: „Er ist genehmigt.“ 😉 Ein gemeinsamer Freund wollte wissen, was denn nun zwischen uns ist. „Noch nichts, aber wir sind auf einem guten Weg“ war die Antwort von Mr Schützenverein. Gestern haben wir uns wieder verabschieden müssen. Er brachte mich zum Bahnhof und ich fuhr wieder die 350 Kilometer zu meinem Elternhaus. Morgen geht mein Flug von München nach Finnland. In zehn Tagen sehen wir uns aber bereits wieder und dann wollen wir das zwischen uns festlegen. Wir sind wirklich auf einem guten Weg. Er hat es geschafft, dass ich mich in ihn verliebe, ihm vertraue und noch ganz viele weitere wunderschöne Tage mit ihm verbringen möchte.

Dann verstehe ich aber nicht, was seit heute morgen mit mir los ist. Ich habe ein ganz seltsames Gefühl in der Magengegend. Dass irgendetwas gerade mit ihm ist. Ich habe die Befürchtung, dass er es sich doch anders überlegt mit uns. Dass vielleicht doch die Gefühle nicht mehr da sind. Seit Sonntag Abend verhielt er sich komisch, irgendwie abweisender. Er versicherte mir es liege daran, dass er müde sei. Gestern brachte er mich zum Bahnhof und an dem Tag haben wir kaum noch geschrieben. Obwohl kaum eine Stunde vergeht in der wir uns nicht schreiben, wenn wir uns nicht sehen. Er versicherte mir, er sei nur sehr beschäftigt. Dabei nutzt er normalerweise jede Gelegenheit. Und auf meine heutige Guten-Morgen-Nachricht hat er immer noch nicht geantwortet. Dabei ist es schon 12:30 Uhr. Vielleicht schläft er noch? Oder vielleicht ist doch irgendetwas??

Vermutlich kommt meine Angst wieder wegen meiner schlechten Erfahrungen. Obwohl wir damals eine tolle Zeit miteinander hatten, schrieb Mr Höflich mir auch irgendwann immer weniger, wir trafen uns seltener und dasselbe unbehagliche Gefühl breitete sich in meiner Magengegend aus. Bis ich es nicht mehr aushielt und ihn darauf ansprach. Die Bestätigung: er hatte keine Gefühle mehr, beziehungsweise sie waren nie stark genug gewesen, dass mehr zwischen uns hätte werden können.

Ich hoffe wirklich, dass mich mein Gefühl dieses Mal täuscht. Ich hoffe es geht bald weg, denn ich will meinen Urlaub in Finnland nicht mit grübeln verbringen. Ich hoffe aus Mr Schützenverein und mir wird mehr, sobald ich zurück bin. Ich habe mich schon lange nicht mehr so stark verliebt wie jetzt. Ich habe so furchtbare Angst wieder enttäuscht zu werden.

Übrigens hatte ich vor zwei Tagen meinen Jahrestag: ich bin seit genau vier Jahren Single. Feiert man eigentlich so einen Jahrestag? Oder verbringt man den auch alleine mit einem übergroßen Becher Eis vor seiner Lieblingsserie, wie die meisten Tage des Jahres? 😉 Zumindest war ich an dem Tag nicht alleine, sondern in den Armen von Mr Schützenverein. Wäre schön, wenn ich keinen fünften Jahrestag des Singledaseins erleben müsste, sondern mal wieder einen richtigen Jahrestag des Zusammenseins.