Those damn „feelings“ again.

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Gerade habe ich keine große Lust einen langen Text zu verfassen. Aber bevor ich mich die nächsten Tage nicht mehr melden kann, weil ich Besuch habe und dann das Praktikum anfange, muss ich noch was loswerden. Denn, verdammt, irgendwas läuft gerade ganz komisch. Mr Schützenverein hat wohl bald genau das geschafft, was er beharrlich versucht zu erreichen. Ich fürchte, er ist mir nicht mehr so egal, wie ich noch in meinem letzten Beitrag geschrieben habe. Seit ich wieder Zuhause bin schreibt er mir jeden Tag und zum dritten Tag in Folge haben wir abends über zwei Stunden telefoniert. Irgendwie ist er anders. Anders als die Männer, die ich bisher kennengelernt habe. Es sind diese tiefsinnigen Gespräche, die ich sonst nie mit einem Mann geführt habe. Ich kann ihm alles erzählen. Er kann mir alles erzählen. Aber das macht diese ganze Sache so schwierig. Ich bin ganz durcheinander.

Und ich habe Angst. Angst mich schon wieder zu öffnen. Angst, Gefühle zuzulassen. Schon bei Mr Höflich fiel es mir schwer. Ich wollte mir meine Gefühle lange nicht eingestehen, da ich mich selbst schützen wollte. Letztendlich bin ich das Risiko eingegangen, habe Gefühle entwickelt und sie zugelassen. Und bin damit wieder knallhart gegen eine Wand gefahren. Es wird nicht mit jedem Mal einfacher, nein, es tut mit jedem mal noch mehr weh. Die Mauer, die ich mir aufbaue um mich vor den Entäuschungen zu schützen wird mit jedem Mal dicker. Mr Schützenverein hat noch viele Steine im Weg, die er abtragen muss. Aber er verspricht mir, er will es versuchen. Und allmählich überzeugt er mich. Trotzdem ist die Angst da. Und sie wird noch lange Zeit mein Begleiter sein.

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Die Stimme ist zurück

Ah, hallo! Da bist du ja schon wieder! Wusste ich es doch, dass du nicht lange weg bleiben wirst. Stell dir vor, ich habe dich sogar vermisst. Deine gewohnte aber furchtbare Art. Du kannst mich ein paar Tage begleiten. Ich glaube, ich brauche dich sogar. Die Gewohnheit gibt mir Halt.

Fünf einhalb Wochen habe ich nicht mehr gezählt. Fünf einhalb Wochen hatte ich keine Regeln. Fünf einhalb Wochen war mir die Zahl auf der Waage egal. Und heute Nacht um zwei Uhr riss sie mich aus dem Schlaf:

Was tust du da? Schämst du dich nicht?! Fühlst du dich nicht unwohl? Guck mal, wie fett du geworden bist! Denk daran, kommenden Samstag musst du in deine knallenge Lederhose passen. Die war letztes Mal schon so unangenehm. Dieses Mal kommst du sicher nicht mal mit den Oberschenkeln rein! Ekelhaft, wie du aussiehst.

Und ekelhaft, wie ich mich fühle. Heute morgen stand ich dann um halb Acht auf, machte ein 20-minütiges Training und ging danach acht Kilometer laufen. Mein Frühstück bestand aus einem Proteinshake und einer Feige. 140 Kalorien. Vormittags gab es einen Nuss-Frucht-Riegel und einen Apfel. 315 Kalorien. Zum Mittagessen einen Kaffee mit zwei Becherchen 10%-iger Kaffeesahne. 22 Kalorien. Nachmittags erlaubte ich mir einen Bagel mit Käse. Der hat sicher nicht allzu viele Kalorien. Zuhause angekommen wollte ich mir das erstmal im Internet bestätigen. Verdammt! Sagenhafte 590 Kalorien!

Du bist furchtbar. Hältst es nicht mal mehr einen halben Tag aus ohne Kalorienbombe. Wie, du hast aber Hunger? Dann nimm doch noch dieses Eis, diese Kekse, mach dir noch zwei Schüsseln Müsli. Mach weiter wie die letzten Wochen. Du wirst aufgehen wie ein Hefebrot. Niemand wird dich mehr ansehen wollen. Am Samstag wirst du weinen, weil du dich in deiner sexy Lederhose alles andere als sexy fühlen wirst. Komm, morgen gehst du 10 Kilometer laufen und machst dein 40 minütiges Workout. Frühstück und Mittagessen bekommst du keins. Vielleicht ein Abendessen wenn du brav warst.

Noch vor ein paar Tagen dachte ich, ich komme doch vollkommen klar. Ich kann essen was ich will, ich kann mir alles erlauben, die Stimme in meinem Kopf ist weg. Wahrscheinlich wird sie zwar irgendwann wieder kommen, aber bis dahin habe ich noch ein paar Monate Zeit. Im Moment brauche ich doch keine Therapie. Das hat auch noch Zeit. Bis sich die Stimme irgendwann wieder meldet habe ich sicher eine Therapie angefangen und gelernt, was zu tun ist.

Tja, die Stimme kam früher als erwartet. Ich habe noch keine Waffen, kein Schutzschild. Ich muss es über mich ergehen lassen. Ich hätte es ahnen können. Ich habe tatsächlich viel zu viel gegessen. Ich traue mich nicht auf die Waage.

Wenn ich nun darüber nachdenke, war die Stimme eigentlich nie weg. Sie war nur auf Mute gestellt. Aber ich wusste genau, was sie mir die ganze Zeit entgegen schreien wollte. Heute Nacht war sie dann so laut, so intensiv, dass nicht mal mehr mein Mute-Knopf sie stumm schalten konnte.

Meinen Angriffsplan hatte ich schon länger ausgearbeitet. Die Liste der Therapeutinnen, die ich von der Beratungsstelle bekommen hatte habe ich brav abtelefoniert. Die Wartezeiten gehen wie erwartet bis in den März hinein. Im März werde ich allerdings nicht mehr in meiner Unistadt wohnen, also würde mir ein Therapieplatz hier nichts bringen. Bald war ich mir dann sicher: ach, das schaffe ich doch alleine. Ich zähle nicht mehr, ich wiege mich nicht mehr, ich verbiete mir nichts mehr. Es ist doch ganz entspannt gerade. Dann aber kommen die Fressattacken, der Kontrollverlust, das Schuldgefühl, das Pläne schmieden. Wenn ich mich übergeben könnte, wenn ich mich doch nur selbst dazu zwingen könnte, ich würde nicht zögern und es tun. Dieser Gedanke war ausschlaggebend: ich brauche wohl doch Hilfe.

Ich hatte in meiner Unistadt Phasen mit furchtbarem Heimweh. Ich wollte mit meinen Eltern sprechen, die waren aber erstmal noch im Urlaub. Ich sehnte den Tag herbei, an dem ich wieder mit ihnen skypen konnte. Endlich kamen sie zurück und ich erzählte ihnen oberflächlich, wie es mir gerade ging und dass ein Therapieplatz hier keinen Sinn machen würde. Sie schlugen mir vor, ich könnte doch eine psychotherapeutische Behandlung bei einer Heilpraktikerin versuchen. Leider werden für eine solche Behandlung keine Kosten von der Krankenkasse übernommen. Man muss jede Sitzung selbst zahlen und das kann teuer werden. Außerdem hört sich Heilpraktiker so… nach Esoterik an. Aber meine Eltern ließen nicht locker. Sie boten mir an die Behandlung für mich zahlen. Ich nehme wirklich sehr ungerne Geld von meinen Eltern an. Ich möchte unabhängig sein und mir nichts von ihnen finanzieren lassen. Aber ich merkte, dass es meine Eltern  beruhigen würde, wenn ich endlich eine Behandlung anfangen würde. Ich ließ mich darauf ein es mal zu versuchen.

Meine Eltern halfen mir bei der Suche nach passenden Heilpraktikerinnen. Ein weiteres Problem war, dass ich die nächsten Wochen bei meiner Tante wohnen werde, wo ich mal wieder ein Praktikum mache. Wir beschlossen also in der Umgebung meiner Tante nach Möglichkeiten zu suchen. Ich werde dann eben nach meinem Arbeitstag noch die Sitzungen antreten müssen. Ich habe drei Heilpraktikerinnen gefunden und mit zwei bereits einen ersten Termin ausgemacht. Der Plan ist nun Folgender: ich werde mir die Heilpraktikerinnen und ihre Behandlungsmethoden angucken und wenn es mir passend erscheint werde ich die sieben Wochen, in denen ich dort wohne eine Therapie machen. Das bietet mir eine Möglichkeit hineinzuschnuppern, wie eine Therapie abläuft und ist hoffentlich bereits ein Anfang mein Problem in den Griff zu bekommen.

Letzte Woche hatte ich dann meinen zweiten Termin bei der Beratungsstelle in meiner Unistadt. Als ich der Dame dort von meiner Idee erzählte, war sie begeistert. Sie bat mir außerdem an, ich könnte mich im Dezember melden und sie würde zusehen, mir ein paar Sprechstunden von Januar bis März anbieten zukönnen. Damit hätte ich für diesen Zeitraum ebenfalls eine Überbrückung. Sobald ich dann weiß, wo ich ab März längerfristig bleiben werde, mache ich mich auf die Suche nach einem Therapieplatz dort.

Alles schön und gut. Nur eine weitere Sorge hatte mich die letzten Wochen noch belastet. Ich hatte ja bereits erwähnt, dass ich immer das Gefühl hatte, dass mich das Fitnessstudio „rettet“. Ich merke, wie ich dort durch Kraftsport Muskeln aufbaue, mein Stoffwechsel sich verbessert, ich mehr essen kann und weniger Schuldgefühle habe. Ich kann mich mit Leichtigkeit motivieren jeden Tag mehrere Stunden im Studio zu verbringen. Es ist kein Zwang, es ist einfach Liebe. Aber mein Vertrag dort läuft ab. Ihn zu verlängern wäre sinnlos, da ich in nächster Zeit viel unterwegs bin. Zuhause, einige Wochen meiner Tante, wieder kurz in meiner Unistadt, Zuhause, Urlaub in Finnland, wieder in der Unistadt und dann ist Weihnachten und ich bin wieder Zuhause.

Also brauchte ich eine Alternative. Ich konnte mir nicht vorstellen mich auf irgendeine Alternative einlassen zu können. Irgendwas musste es aber sein. Durch meinen Cousin bin ich auf die Idee gekommen mir Freeletics genauer anzusehen. Sah ja vielversprechend aus. Und ich könnte das Training immer und überall machen. Aber trainieren auf Zeit mit dem eigenen Körpergewicht? Wenn ich es doch bevorzuge schwere Gewichte durch die Gegend zu schmeißen? Naja, aber dann werde ich mir zumindest den Freeletics Coach kaufen, statt nur die kostenlose Version zu holen. Wenn ich Geld ausgebe, bleibe ich eher dabei.

Alle Sorgen waren umsonst. Ich habe bisher jedes meiner Workouts durchgezogen und habe sogar Spaß dabei! Ich hätte es nie gedacht! Nur sind mir die 40 Minuten Sport am Tag zu wenig. Ich bin es gewohnt mindestens 1,5 Stunden Sport zu treiben. Also geht es eben noch laufen oder schwimmen. Ich brauche das einfach. Es ist mein Ausgleich. Es macht meine Gefühle für mich erträglicher.

Und in einer Woche beginnt meine Therapie. Ich freue mich endlich meine Reise zu beginnen.

Mr Schützenverein

Meine letzte Beschreibung über das Moviedate mit Mr Schützenverein war ja sehr neutral beschrieben. Jetzt geht es ans Eingemachte. 😉

Für ein zweites Date hatten wir Dienstag ausgemacht. Er lud sich mehr oder weniger selbst zu mir zum gemeinsamen Kochen ein. Naja, letztendlich bekochte ich ihn dann. Wenn ich koche, dann will ich alles selbst machen. 😀 Zur Begrüßung gab es keinen Kuss, obwohl ich darauf schon fast hätte wetten können, nachdem er mich am Sonntag andauernd so selbstverständlich geknutscht hatte. Den ersten Kuss des Tages gab es dann aber 10 Minuten später. War klar…

Nach dem Essen entschied ich spontan, dass wir jetzt einen Film gucken. Was will man auch sonst machen? Zum Spaß schlug ich Magic Mike XXL vor, da ich wusste, dass Kerle das sicher nicht gucken. Er stimmte aber zu. Er wollte wissen über was alle da eigentlich reden. Achso, na gut, eigentlich dachte ich, ich würde den Film mal mit meiner Mädelsgruppe gucken. Aber naja, dann eben heute mit meinem Date. 😀

Für den Film machte er es sich direkt längs auf meinem Bett bequem, womit er mir keine andere Wahl ließ als mich in Löffelchenstellung vor ihn zu legen um den Film zu gucken. Kuscheln war offensichtlich sowieso seine Absicht. Es ging wirklich alles sehr schnell bei ihm. Bereits beim Schreiben mit ihm fühlte ich mich unter Druck gesetzt. Er lässt eindeutig erkennen, dass er sich  große Hoffnungen auf eine Beziehung mit mir macht und möchte alles über mich wissen. Dabei war er doch erst seit drei Monaten Single. Will er denn das Singleleben nicht genießen?

Da die Geschichte des Films, wie auch im ersten Teil, ziemlich hohl ist und man hauptsächlich hübsche Männeroberkörper sehen kann, war ihm bald eher nach Knutschen zumute. Wie beim ersten Date passte unsere Kusstechnik immer noch nicht zusammen. Es sind eher kurze Küsse und sobald er die Zunge hinzu nimmt benutzt er seine Lippen nicht mehr und macht immer die gleiche Bewegung mit seiner Zunge. Irgendwie langweilig für mich. Bis er mich mal auf sich zog und ich über ihm lag. Hmm, jetzt hatte ich die Kontrolle und küsste ihn mal, wie ich es gerne mag. Er ließ es zu und das klappte sogar! Vielleicht würde er es sich merken und mich in Zukunft weiter so küssen. Nein, falsch gedacht. Sobald ich nicht mehr über ihm lag küsste er wieder wie vorher. Naja, zumindest weiß ich, dass er es ja doch kann. Vielleicht kriegen wir es irgendwann besser hin.

Aber erstmal muss was geklärt werden. Ich überlegte mir, wie ich es am besten ansprechen sollte, dass er mich mit seinem Beziehungsdrängen unter Druck setzt. Er ist wirklich sehr lieb und süß. Aber der notwendige „Funke“ ist bei mir noch nicht übergesprungen, wo bei ihm anscheinend schon ein ganzes Feuer entfacht wurde. Ich genieße es bei ihm zu sein, Komplimente zu bekommen und jemanden zum Kuscheln zu haben. Das ist aber schon alles. Es müsste nicht mit ihm sein.

Er bemerkte, dass ich in Gedanken versunken war und fragte, was denn los ist. Hm, beeindruckend. Ich mag es, wenn Männer aufmerksam genug sind um zu erkennen, dass sich eine Frau gerade um etwas Gedanken macht. Meine Chance es jetzt anzusprechen. Ich erzählte ihm, ich hätte das Gefühl, dass er sich große Hoffnungen auf eine Beziehung macht. Das würde mir aber wirklich zu schnell gehen, wir kennen uns ja schließlich noch garnicht und hatten jetzt erst unser zweites Date. Er wehrte ab: „Nein, quatsch, eine Beziehung muss doch nicht gleich sein, das würde ja wirklich zu schnell gehen. Wir können das alles langsam angehen lassen!“ Naja, langsam ging es wirklich nicht. Obwohl ich doch auch schon zu der ungeduldigen Sorte gehöre. Nur fehlt hier der Funke bei mir. Das sagte ich natürlich nicht, mich interessierte eher noch etwas anderes: „du bist doch erst seit drei Monaten Single, würdest du da wirklich gleich wieder eine Beziehung anfangen wollen?“ „Naja, ich bin eher der Beziehungsmensch.“ Ach, das hatte ich schon vermutet.

Wir unterhielten uns über unsere früheren Beziehungen und er hatte tatsächlich nur längere Beziehungen gehabt. Im Gegensatz zu mir. Er fragte mich weiter aus und wir kamen auf das Thema Zukunftspläne. Meiner Meinung nach passten die nicht so gut zusammen. Zum Beispiel dass ich ein Stadtmensch bin, wobei er von einem Haus auf dem Land träumt. Außerdem habe ich sowieso keine Ahnung, wie meine Zukunft ab März aussehen wird. Ich werde dort hinziehen, wo ich einen Job finde. Er musste noch ein paar Semester seinen Master weitermachen. Er würde mir danach überallhin folgen, verriet er mir. Ach, romantisch. Aber mach mal halblang bitte.

Am liebsten wäre er bei mir übernacht gebieben, ich kann aber nicht gut schlafen wenn noch jemand in meinem Bett liegt. Und Schlaf ist mir wichtig. Besonders weil ich am nächsten Tag noch auf meine Klausur lernen wollte. Seit einigen Monaten schläft er schlecht, erzählte er mir. „Weil du alleine schlafen musst?“ „Ja, ich bin das nicht mehr gewöhnt.“ Und ich bin es nicht gewöhnt das Bett mit jemanden zu teilen. „Das würden wir schon hinkriegen.“ Nein, heute wollte ich das nicht hinkriegen und wollte heute lieber alleine schlafen.

Also verabschiedeten wir uns bald für den Abend. Am Freitag morgen ging mein ICE nachhause und er bot mir an mich morgens zum Bahnhof zu fahren. Ich hätte auch Bus fahren können, das ist eigentlich kein Problem, aber mit dem Auto gefahren zu werden ist natürlich immer besser, also stimmte ich zu.

Die Frage ließ nicht lange auf sich warten: Am nächsten Tag schreib er, ob ich denn nicht schon Donnerstag Abend Zeit hätte. Er könne ja dann übernacht bleiben und müsse dann nicht am nächsten Morgen losfahren um mich zum Bahnhof zu bringen. Also mit Selbsteinladungen hat er es wohl. Für Donnerstag hatte ich schon mit Freundinnen ausgemacht essen zu gehen. Nachdem sich im Laufe des Tages herausstellte, dass es doch nicht klappen würde, hatte ich nun die Wahl: entweder ich würde Mr Schützenverein in dem Glauben lassen, dass ich keine Zeit hätte und er würde erst am Freitag morgen kommen. Oder ich stimmte zu, dass er am Donnerstag abend schon vorbeikommen könnte.

Ein Glück für ihn, dass mein Kuschelbedürfnis zur Zeit so groß ist. Als ich ihm zusagte freute er sich wie ein kleines Kind. Niedlich ist er ja wirklich. Er würde gerne mit mir meine letzte Klausur feiern und mit mir essen gehen. Danach hatte ich mir eine Massage verdient. Den ganzen Donnerstag vormittag überlegte ich nun, ob das bedeutet, dass wir Sex haben werden. Vorsorglich rasierte ich mich mal ausgiebig. 😉 Und es entwickelte sich eine Idee: wenn ich mit ihm schlafe, würde er vielleicht das Interesse an mir verlieren. Wie es bei allen Männern ist. Das würde meine Entscheidung vereinfachen. Dann hätte ich nämlich keine mehr und das Problem ist gelöst. Aber erst mal abwarten, ob es überhaupt so weit kommt. Schließlich meinte er ja vor ein paar Tagen noch, dass er es langsam angehen wird.

Abends holte er mich an meiner Haustür ab und drückte mir eine Flasche Sekt in die Hand. „Zur Feier deiner letzten Klausur müssen wir doch später noch anstoßen!“ Süß, süß süß! Ich kann es nicht oft genug sagen. 😀 Aber ja… süß halt. Nicht sexy, nicht heiß, nicht begehrenswert, kein Funke. Wir lud mich in eins meiner Lieblingsrestaurants ein. Es war schön, wir unterhielten uns gut und er küsste mich ein paar mal. In der Öffentlichkeit. Hm. Ein Glück, dass wir in einer großen Stadt sind und die Chance klein ist, dass mich jemand sieht, den ich kenne.

Wieder zuhause machten wir die Flasche Sekt auf. Mir war das zu doof, schon wieder einen Film anzumachen aber nach dem ersten Glas schlug er schon vor, dass er mich doch jetzt massieren könnte. Sehr gerne! Dazu machte ich entspannende Musik an während er Massageöl aus seinem Rucksack kramte. Ich zog mir die Jacke aus und hatte darunter noch ein Top an. Erstmal guckte ich ihn fragend an, weil ich nicht wusste, ob ich mich jetzt tatsächlich obenrum ausziehen sollte. Er zögerte nicht und half mir aus meinem Top. Ich legte mich auf mein Bett und war gespannt ob er ebenfalls ohne Zögern meinen BH aufmachen. Machte er natürlich. Und zwar sehr leidenschaftlich mit streicheln. Dann fing er mit massieren an und das konnte er wirklich gut! Hach, war das schön. Wir hatten schon zuvor geklärt, dass er keine Gegenleistung erwartete, weil er es nicht mochte massiert zu werden. Das ist ja perfekt. Aber ohne Gegenleistung…? Ich denke, ein Hintergedanke ist sicher dabei.

Als er fertig war legte er sich neben mich um mich zu küssen. Ich blieb auf dem Bauch liegen und überlegte. Es gab zwei Möglichkeiten: entweder ich ziehe mich wieder an und heute passiert nichts. Oder ich drehe mich zu ihm und ziehe ihm aus Gerechtigkeit das Tshirt aus, wodurch eins nach dem anderen folgen würde. Sollte ich nun Sex mit ihm eingehen? Würde er dann das Interesse verlieren? Wollte ich das? Er ist ja wirklich süß. Aber ich war trotzdem noch der Meinung, dass es keine Beziehung werden könnte. Schon allein aus Neugierde wollte ich den Versuch eingehen, um zu sehen, ob alle Männer gleich sind und sich tatsächlich nach zu frühem Sex nicht mehr melden. Hatte ich ja schon zu genüge erlebt die letzten Jahre. Außerdem hatte ich wirklich große Lust auf Sex. Mein letztes Mal war schließlich im Februar gewesen!

Wieder erkannte er, dass ich in Gedanken versunken war. War ich wirklich so leicht zu lesen? Ich erzählte noch nicht, was in mir vorging. Lieber wartete ich noch etwas ab, was er denn als nächstes tun würde. Er schien auch nicht wirklich weiter zu wissen und wartete wohl auf meine Vorgehensweise. Also gut: „Ich habe mir gerade überlegt, ob ich mich wieder anziehen soll oder ob du dir was ausziehst, damit es wieder gerecht ist.“ „Also mir wäre die zweite Variante lieber.“ Na dann…

Und es folgte eines dem anderen. Sobald auch meine Jeans ausgezogen war fing er an mich über meinem Slip zu fingern. Oh ich hatte wirklich Lust! Es dauerte nicht lange, da zog er meinen Slip aus und begann mich zu lecken. Wow, das konnte er gut! Ich hoffe der Sex ist auch so gut! Ob das nicht komisch ist für ihn, nachdem er fünf Jahre in einer Beziehung gewesen war und jetzt mit einer anderen Frau schläft? Ich war dran und zog ihm seine Jeans und Shorts aus. Naja, war irgendwie nicht so groß, was da hervor kam. Aber kommt ja immer darauf an, ob man(n) damit umzugehen weiß. Während ich mir mit dem Mund größte Mühe gab, kam von ihm kaum eine Reaktion. War es so schlecht, was ich machte? Oder ist er einfach einer der Stillen, die keine Reaktionen zeigen? Nach unserem Vorspiel fragte er mich, ob ich die Pille nehme. „Ja, aber trotzdem nicht ohne Kondom.“ „Alles klar, hast du eins?“ Da sind wohl alle Männer gleich… Wieso denn immer lieber ohne Kondom?! Das ist wirklich unvorsichtig!

Ich gab ihm ein Kondom und er legte sich danach über mich. Hach, endlich mal wieder! Acht Monate ohne ist eine wirklich eine lange Zeit! Der Sex mit ihm war schön… also „schön“. Auch nicht sexy, heiß oder begehrenswert… Aber naja, wie mit dem Küssen, vielleicht muss daran einfach gemeinsam gearbeitet werden. Ich glaube, er kam irgendwann. Viel Reaktion konnte ich dabei auch wieder nicht erkennen. Außer dass er irgendwann eben aufhörte.

Nach dem Sex lagen wir noch eine Weile nackt nebeneinander. Hm, ich war jetzt irgendwie noch unbefriedigt. Würde er noch was machen? Schien nicht so. Schade. Er guckte mich mit wahnsinnig verliebten Augen an. Uargh… ich glaube mein Plan geht nicht auf. Er bestätigte meine Vermutung mit seiner Aussage: „Keine Sorge, ich werde mich trotzdem weiter melden. Ich bin nicht so einer.“ Okay.

Es ist nicht so, dass ich ihn loswerden möchte. Aber es hätte mir meine Entscheidung deutlich vereinfacht. Oder habe ich einfach nur Angst vor einer Entscheidung? Wieder eine Beziehung zu haben wäre wirklich schön. Aber ich habe nicht das Bedürfnis, dass es unbedingt mit IHM sein müsste. Ich musste an Mr Höflich denken. Ja, mit ihm wäre eine Beziehung toll gewesen. Leichte Wut gegen Mr Höflich kam auf. Ich dachte ich wäre schon längst über ihn hinweg. Es folgte Traurigkeit. Nein, anscheinend war ich noch nicht so ganz über ihn hinweg. Aber vorbei ist es trotzdem und daran lässt sich nichts mehr ändern. Mein armer Mr Schützenverein. Was mache ich denn nun mit ihm? Entscheide ich mich gegen eine Beziehung mit ihm würde es ihm genauso gehen, wie mir mit Mr Höflich. Ich habe Mr Schützenverein wahrscheinlich schon viel zu viele Hoffnungen gemacht durch mein Verhalten. Mein Verhalten ist aber echt. Ich spiele ja nicht. Ich fühle mich wohl bei ihm. Aber das ist alles.

Zumindest habe ich bald erstmal zwei Monate Zeit um mir darüber Gedanken zu machen. Er wird mir natürlich weiterhin schreiben während ich Zuhause bin. Mal sehen, ob er das zwei Monate jeden Tag durchhalten wird. Mal sehen, wie die Situation in zwei Monaten sein wird, wenn wir uns wieder sehen. Bis dahin kann eine Menge passieren.

Wir machten uns irgendwann bettfertig und kuschelten uns zum schlafen aneinander. Wie ich vermutet hatte schlief ich wirklich schlecht. Ich konnte stundenlang nicht einschlafen. Dabei lag es wahrscheinlich nicht mal ausschließlich daran, dass ich mir das Bett teilte. Ich machte mir Gedanken um Mr Höflich, um Mr Schützenverein, meine Zukunft und außerdem war ich immernoch unbefriedigt. Zumindest musste ich mich morgen nur in den Zug setzen und sonst nichts. Dort konnte ich sicher auch ein bisschen dösen.

Ihm tat es wirklich leid, dass ich nur schlecht schlafen konnte. Er dachte, es läge eben daran, dass ich nicht gemeinsam mit jemandem im Bett schlafen kann. „Wir kriegen das sicher noch hin“, sagte er. Er wird mich vermissen und freut sich jetzt schon, wenn wir uns wieder sehen. Er macht bereits Pläne, was wir unternehmen könnten, wenn ich zurück bin. Ich kann es nicht noch zum hundertsten Mal sagen, dass wir doch einfach mal abwarten sollten. Ich ließ ihn reden und wollte seine Hoffnung nicht zerstören. Vielleicht wäre das auch vorschnell von mir. Vielleicht werde ich ihn ja auch vermissen. Vielleicht werde ich es aber auch nur vermissen, jemanden zum Kuscheln zu haben. Werde ich den Unterschied denn selbst erkennen? Werde ich zurückkommen und es wird mit uns weitergehen, wie bisher? Würde ich ihn nicht ausnutzen, wenn ich mir ihn nur als „Kuschelfreund“ halten würde? Das hat er nicht verdient. Andererseit habe ich ihn schon zugenüge vorgewarnt. Ich sei wählerisch was Beziehungen angeht, ich habe andere Zukunftspläne, ich weiß nicht, ob das mit uns was werden kann, ich möchte es langam angehen.

Aber Verliebtsein macht blind. Das durfte ich oft genug erleben. Darf ich deswegen auch mal Arschloch sein? Nein, so bin ich nicht. So will ich nicht sein. Und wer weiß, was nun tatsächlich in zwei Monaten sein wird…

Update & Moviedate

Was in einer Woche so alles passieren kann… Gerade sitze ich entspannt Zuhause an meinem Laptop am Küchentisch meiner Eltern nachdem ich gleich einen Tag nach meiner Klausur aus meiner Unistadt abgehauen bin. Ich habe vorgestern meine allerletzte Klausur des Bachelorstudiums geschrieben! Wenn mein Plan so klappt wie ich es mir erhoffe, nämlich dass ich gleich einen Job finde nach dem Bachelor, muss ich nie wieder eine Klausur schreiben! Jedenfalls erstmal nicht mehr. Irgendwann später einen Master anzuhängen kann ich mir schon vorstellen. Nur nicht in nächster Zeit.

Die Klausur lief ganz okay. Es war die erste Klausur, die ich ohne Vorlesung geschrieben habe, da ich zu der Zeit mein Auslandssemester gemacht habe. Es klappte ganz gut es mir selbst beizubringen, da ich das Thema interessant fand. Es ging ein bisschen in die Jura-Richtung. Für meinen Studiengang reichte es, wenn man die typische Vorgehensweise bei rechtlichen Fällen anwendet und die richtigen Stellen in den Gesetztestexten nachschlagen kann. Ein bisschen Zeitdruck hatte ich am Ende, aber es sollte keine allzu schlechte Note werden.

Und jetzt bin ich erstmal froh, dass ich mein komplettes letztes Semester der Bachelorarbeit widmen kann. Habe ich schon geschrieben was mein Thema sein wird? Mein Betreuer hatte in der Sprechstunde anfang September meine Ideen völlig über den Haufen geworfen und mir ein anderes Thema vorgeschlagen. Das war aber okay. Ich finde das neue Thema genauso interessant. Und wenn er sowas lieber liest und mich dabei beim Schreiben unterstützen kann, dann eben sein Thema. 😉 Es geht um Selbstwirksamkeit und Gesundheitskompetenz in der Personalentwicklung. Also immer noch im Bereich der Arbeitspsychologie. Ich freue mich richtig darauf und werde wahrscheinlich schon in den kommenden Tagen anfangen durch meine Literatur zu blättern. 🙂

Bezüglich meiner Essstörung, der ich vor Kurzem den Kampf angesagt habe, hat sich auch einiges getan. Am Dienstag hatte ich meinen zweiten Termin bei der Beratungsstelle meiner Unistadt. Schon in den vergangenen Wochen habe ich einen Angriffsplan ausgearbeitet. Darüber, und was sonst noch passiert ist schreibe ich in einem extra Beitrag.

Am meisten hat sich vergangene Woche zum Thema „Männer“ etwas getan. Beziehungsweise bei genau einem Mann. Es ist jedenfalls nicht Mr Reich-und-Gutaussehend, denn von dem habe ich seit zwei Wochen nun schon nichts mehr gehört. Dass er so auf mich steht habe ich wohl falsch aufgefasst. Vermutlich hatte er während seines Urlaubs einfach sehr viel Zeit zu chatten und ich antworte eben immer recht schnell. Deswegen kann sich gut ein Gespräch entwickeln und dadurch ist man immer präsent im Kopf des anderen. Vor zwei Wochen ging bei ihm die Arbeit wieder los und seitdem schrieb er nur noch ein, zwei mal. Dabei bin ich doch jetzt wieder näher an München. Ich denke, wenn ich ihm mal wieder schreiben würde, würde er sich wieder mit mir treffen wollen… Also, ich will es nicht – deshalb werde ich mich mal weiter unauffällig verhalten. 😉

Der Mann, den ich seit einer Woche nun treffe ist Mr Schützenverein (hier habe ich ihn bereits erwähnt). Wir haben uns nicht nur  am Sonntag einmal getroffen, nein, innerhalb einer Woche gleich drei Mal. Vielleicht weil ich so schlecht Nein sagen kann. Und Zeit hatte ich ja eh. Aber erstmal zu Sonntag: nach mindestens 100 Nachrichten „ich freue mich so“ von ihm, holte er mich um 17 Uhr mit dem Auto ab und wir fuhren zu ihm. Ausgemacht war Filme gucken in seinem Heimkino. Wir betraten das riesige Haus und gingen gleich in den Keller, wo Beamer und Sofas aufgestellt sind. Kein vorheriges Unterhalten, keine Hausführung oder sonstiges. Fand ich ja irgendwie komisch. Ich glaube, er war nervös.

Es war schon ausgemacht, welchen Film wir als erstes sehen wollten: Iron Man 2. Ironischerweise hatte ich damals mit Mr Unfotogen auf unserem ersten Date den ersten Teil von Iron Man gesehen. 😀 Naja, ich liebe Marvelfilme einfach und Iron Man ist richtig toll. Mir war klar, dass er irgendwann während des Film den Arm um mich legen wird. Ich ließ es zu und kuschelte mich etwas an ihn. So gucke ich sehr viel lieber Film, als mit Mr Höflich damals, der sich ja anfangs überhaupt nicht getraut hat mich anzufassen…

Ich bemerkte bald, dass er mich immer länger anguckte. Erstmal reagierte ich nicht, ich wollte ja schließlich den Film gucken. Ich musste allerdings zwischendurch auf die Toilette, also machten wir Pause. Er ließ mich aber nicht aus seinen Armen und guckte mich weiter an. Na guuut, dann bin ich mal nicht so. 😉 Und somit küssten wir uns. – Und naja, ich hatte schon bessere Küsser… Irgendwie passten wir mit unserer Kusstechnik nicht so ganz zusammen. Kurz darauf machten wir mit dem Film weiter und er küsste mich immer wieder auf die Stirn oder Wange. Das fand ich richtig süß und genoss es. Nach dem Film war knutschen angesagt aber es gefiel mir immer noch nicht so gut… Nach kurzer Zeit hatte ich schon keine Lust mehr und drehte mich weg.

Wir bestellten uns was zu Essen und er gab mir endlich eine kurze Hausführung während wir auf das Essen warteten. Er wohnt noch bei seinen Eltern und es ist ein wirklich großes, beeindruckendes Haus (nur noch zur Info, falls sich das jemand beim lesen jetzt fragt: er ist 26). Danach starteten wir den zweiten Film und dabei gab es weiter ein paar kurze Knutscher auf den Mund. Wirklich süß, nur schade, dass das richtige Knutschen nicht so gut ist. Nach dem Film unterhielten wir uns noch ein bisschen. Allerdings war ich schon recht müde und es kam für mich schon „Date-Ende-Stimmung“ auf. Er hätte mich wahrscheinlich gerne noch einige Stunden bei sich behalten, aber ich fragte ihn direkt, ob er mich nach Hause fahren könnte.

Auf der Heimfahrt konnte er es nicht lassen mich bei allen roten Ampeln zu knutschen. Er machte das so selbstverständlich, während es für mich extrem ungewohnt war. Naja, er war schließlich bis vor kurzem noch in einer Langzeitbeziehung. Und ich bin eben schon seit einer Ewigkeit Single. Natürlich wollte er gleich ein nächstes Treffen ausmachen. Ich überlegte nicht lange, ich verbringe ja schließlich gerne Abende gemütlich in den Armen eines Mannes. 😀 Wir verabredeten uns für Dienstag Abend, da hatte ich noch nichts vor.

Und die Fortsetzung mit Mr Schützenverein folgt in einem neuen Beitrag…

Sex, Love und Studentenjob

Da fängt man mal wieder an ein paar Tage in seinem alten Studentenjob zu arbeiten und schon springen einem die männlichen Mitarbeiter hinterher…

Ich war ganz froh wieder eine Anfrage bekommen zu haben, ob ich denn Zeit hätte ein paar Thekenschichten zu übernehmen. Im Sommer war nicht viel los und die Schichten wurden an andere Mitarbeiter fest verteilt. Wer zu spät angefragt hatte, oder wie ich eher unregelmäßig Zeit hat, der hatte Pech gehabt. Im September waren nun viele im Urlaub oder mit einem Praktikum beschäftigt, also wurden wieder mehr arme Studenten zum Ausbeuten gebraucht (Mindestlohn…). Ich übernahm insgesamt sieben Schichten in zwei Wochen. So viel hatte ich dort noch nie gearbeitet. Aber somit ist mein Finnlandurlaub im November zumindest finanziert.

Ich habe dort vor zwei Jahren angefangen und überwiegend hat mir der Job Spaß gemacht – außer wenn ein paar Mitarbeiter mal wieder launisch wurden… Aber ich habe dort viele studentische Aushilfen kennengelernt und auch gute Freunde gefunden. Vor allem mit Mr Fels habe ich viel Kontakt. „Fels“ weil sein realer Spitzname ähnlich ist. Und das „Mr“ setze ich davor, weil er ebenfalls einer der Männer war, die großes Interesse hatten mich intensiver kennenzulernen. Das hatten wir aber damals ganz erwachsen geklärt: Er kam eines Abends zu mir und gab offen zu, dass er sich in mich verliebt hatte, was ich aber bereits zuvor an seinem Verhalten mitbekommen hatte. Ich konnte mir also schon Gedanken darum machen, wie ich ihm sagen würde, dass ich kein Interesse hatte. Letztendlich sagte ich es genau so, aber mit der Bitte, ob wir Freunde bleiben können. Er ist nämlich wirklich immer ein guter Freund gewesen. … Ja, ähem, der Arme wurde damit gefriendzoned.

Außerdem habe ich bei diesem Job Mr Rockstar kennengelernt. Ich hatte ihn bereits irgendwann kurz erwähnt. Er spielt Gitarre in einer Band, was ihn ziemlich heiß macht. Aber auch sonst sieht er gut aus. Nur leider weiß er das auch und strahlt das aus. Ich fühlte mich damals geschmeichelt, dass er Interesse an mir zeigte und nach langem hin und her landeten wir beide im Bett. Ich war einer seiner tausend Frauen. Das war doof, aber auch abzusehen. Und ist jetzt schon lange her. Hin und wieder schreibt er mir. Er würde das mit mir gerne wiederholen. Eigentlich hätte ich ja auch Lust. Nur wenn ich darauf eingehe finden wir nie eine gemeinsame Zeit.

Achja, der Bruder von Mr Fels stand auch mal auf mich. Das bekamen auch fast alle Mitarbeiter mit und da er so garnicht mein Fall war, wurde ich ziemlich schnell von den anderen gezwungen das zu klären. Dann gab es noch Mr Hausmeister. Auf den stand ich mal. Der zeigte zwar ebenfalls Interesse, aber brachte nach ein paar Dates einfach nichts zustande. Irgendwann fing er an mit einer anderen zu flirten und auf das hatte ich dann kein Bock mehr.

Nun zurück ins Hier und Jetzt. Mr Fels ist lieb wie immer, aber ich befürchte es könnte schon zu lieb sein. Er fährt mich nach meiner Spätschicht jedes Mal nach Hause, was für ihn ein kompletter Umweg ist. Ich finde es toll, aber so langsam kommt es mir vor, als würde ich ihn ausnutzen. Außerdem waren wir vor zwei Wochen zusammen im Kino und letzte Woche zusammen schwimmen. Ich hatte das beides nicht als Date gesehen… aber es klingt so furchtbar danach.

Und jetzt kommt der ganz Neue ins Spiel: Mr Schützenverein. Er ist 26 Jahre alt und seine Hobbies sind Angeln und sein geliebter Schützenverein. Klingt richtig nerdy. Er ist einer der Männer, die man nicht als „heiß“ bezeichnen kann, sondern halt „süß“. Was ich wirklich nicht schlimm finde, nur Männer haben ja immer etwas gegen die Bezeichnung „süß“. Aber so ist das nun mal eben. Entweder heiß – oder süß. Nur in einem von 1000 Fällen gibt es Männer, die beides sein können. DAS Glück müsste frau aber haben…

Zurück zu Mr Schützenverein: er kommt gerade frisch aus einer fünfjährigen Beziehung. Ich hatte ihn damals (vor zwei Jahren) kennengelernt, als er mit seiner Freundin zusammen war. Jetzt ist er seit drei Monaten Single. Wir haben uns einmal kurz während der Arbeit gesehen und seit dem schreibt er mir jeden Tag im minutentakt. Dass er Interesse an mir hat ist mehr als offensichtlich. Man merkt, er hat nicht mehr viel Erfahrung, wie man Frauen bequatscht/kennenlernt/rumkriegt. Ich bekomme jeden Tag mindestens drei Mal gesagt, wie hübsch ich bin, dass er nicht versteht, wieso ich so lange Single bin, wann wir uns wieder sehen, dass er sich auf mich freut. Und stellt mir Fragen, mit denen er abcheckt wie ich mich in einer Beziehung verhalten würde.

Liest man nicht in diversen Ratgebern und Foren, dass so ein Verhalten Frauen dazu veranlassen kann, sich „über“ die Männer zu stellen? Oder irgendwie sowas… Jedenfalls ist das wirklich alles sehr befremdlich. Mr Schützenverein ist süß aber großes Interesse weckt er nicht. Oder ist es schon wieder das Prinzip „was man haben kann will man nicht„?

Wenn ich arbeite, kommt er (auch in seiner Freizeit) immer wieder vorbei. Wir unterhalten uns gut und für Sonntag ist nun ein Date ausgemacht. Filme gucken. Haha, immer wieder dieses gute Alibi-Date mit „Filme gucken“. Oh naja, für ihn könnte es aber tatsächlich um einen Film gehen. Mal sehen. Gegen knutschen hätte ich aber nichts und auch nicht gegen mehr. Aber sein Verhalten spricht nicht dafür, dass er auf Sex aus wäre.

Eine Beziehung kann es jedenfalls nicht werden. Ich bin nur noch genau sieben Tage in meiner Studentenstadt, danach erstmal knapp zwei Monate zuhause. Das weiß er auch und deshalb frage ich mich ständig, was er eigentlich will? Wieso deutet sein Verhalten auf einem Interesse an Beziehung hin? Oder interpretiere ich das falsch? Will er wirklich nur Sex, weiß aber mangels Erfahrung nicht wie man „auf Sex hinflirtet“? Oder hat er doch Interesse mich besser kennenzulernen und es ist ihm egal, dass ich so lange weg sein werde?

Ich bin jedenfalls gespannt auf Sonntag Abend…