Übernacht

Alles ist wunderbar im Moment. 🙂 Seit meinem letzten Beitrag über Mr Höflich haben wir uns noch ein paar Mal gesehen.

Sonntag Abend habe ich ihn bekocht, danach haben wir in meinem Bett gekuschelt, geredet und geknutscht. Montag habe ich ihn kurz während meines Trainings im Fitnessstudio gesehen, wobei wir uns aber nicht öffentlich geküsst haben. Abends habe ich ihm in seine Schicht die Reste unseres Sonntagsessens ins Fitnessstudio gebracht, damit er was Gesundes isst während der Arbeit. 😉 Seine Trainerkollegen haben amüsiert geguckt aber nicht weiter nachgefragt. Dienstag genoss ich mit meinen Mädels auf der Wiese unserer Uni das schöne Wetter. Ihn lud ich spontan dazu ein, denn meine Mädels wollten ihn auch kennenlernen. Er merkte, dass es mir wichtig war ein bisschen Zeit mit mir und meiner Gruppe zu verbringen und so kam er für eine Stunde mit seinem besten Freund vorbei. Mittwoch war er sehr gestresst, schrieb mir nicht viel und ich hatte schon Angst, dass unser geplantes Treffen für den Abend nicht stattfinden würde.

Natürlich eine unbegründete Angst. Er freute sich auf unseren gemeinsamen entspannten Abend. Er kam sogar etwas zu früh und ich musste noch duschen, da ich gerade vom Sport kam. Er verschickte währenddessen Sprachnachrichten an seinen irischen Freund, was ich durch die dünnen Wände ins Bad hinüber hören konnte. Als ich zurück ins Zimmer kam, spielte er eine Nachricht vor und wir amüsierten uns über den irischen Dialekt. Ich erhaschte einen Blick in sein Textfenster. Er hatte seinem Freund geschrieben, dass er später antworten würde, da er jetzt ein Date hatte. Ich wunderte mich etwas… Bin ich noch ein „Date“ für ihn? Oder hatte er unsere Situation nur der einfachheithalber so beschrieben? Ich war kurz davor ihn mit einer lustig-verpacken-aber-neugierigen Frage darauf anzusprechen. Zum Glück lenkte mich irgendetwas zuvor ab. Mit meiner Frage hätte ich ihn vielleicht nur unter Druck gesetzt. Und mit unserer Situation bin ich ja sehr glücklich. Wir schreiben regelmäßig, verbringen Zeit miteinander, küssen, kuscheln, reden als wären wir in einer Beziehung. Seine Freunde wissen über mich Bescheid und meine Freunde wissen über ihn Bescheid. Ausgesprochen haben wir jedoch nichts und auch in der Öffentlichkeit bleiben wir neutral. Ist doch ganz in Ordnung so. Lieber alles getreu seinem Motto „langsam angehen lassen“. Wir haben doch Zeit.

Ich stellte uns einen Film am Laptop ein. Ich wollte schon seit Langem Black Swan sehen, aber nicht alleine. Er kannte ihn schon, ließ sich jedoch überreden und wir guckten ihn brav zuende. (Ich habe entschieden, dass mir der Film nicht gefällt.) Danach kuschelten wir etwas. Bis die Küsse immer intensiver wurden. Hui, mein Bauch fing bald an Purzelbäume zu machen. Das Gefühl erinnerte mich an eine Teenagerliebe. Das hatte ich schon lange nicht mehr. Gott, das fühlte sich toll an. Bald kribbelte es sogar zwischen meinen Beinen. Wie schaffte er es mich nur mit Küssen so verrückt zu machen? Spürte er gerade dieselbe Leidenschaft? Mein Kopf und Körper schreiten gemeinsam im Chor nach Sex. Unsere Klamotten aber blieben an. Ich wusste, dass er nicht weiter gehen würde als Knutschen und Streicheln. Und letzteres auch höchstens am Rücken, Oberschenkel und Bauch. Keine intimeren Stellen.

Es wurde irgendwann spät und er sprach davon, bald nach Hause zu müssen. Ich kuschelte mich an ihn und gab ihm meinen besten Hundeblick. Er blieb noch ein paar Minuten, wollte ja selbst nicht nach Hause. Es war ja auch schon so kalt geworden und er musste mit dem Motorrad zurück. Ich überlegte lange bis ich mich dazu entschloss: „Du kannst auch bei mir bleiben“, schlug ich vor. Ich hatte Angst er würde denken, ich wolle Sex. Wollte ich zwar… aber irgendwie auch nicht. Nicht heute. Ich möchte nicht, dass er wie alle anderen danach abhaut und sich nie wieder meldet. Mein Entschluss war gefasst: erstmal keinen Sex mit ihm.

Natürlich nahm er mein Angebot an, wir machten uns bettfertig, ich machte das Licht aus und kuschelte mich in seine schönen Arme. Wir quatschten noch ein bisschen, bis wir nichts mehr zu sagen hatten und ich döste ein. Normalerweise habe ich Probleme zusammen mit jemandem in einem Bett zu schlafen. Jedes Mal wenn ich mich bewege, mache ich mir Sorgen den anderen zu wecken. Die machte ich mir bei ihm auch. Nach circa einer Stunde dösen wurden wir beide wach und er küsste mich. Wieder wurde es leidenschaftlicher. Wieder schrie mein Körper. Wieder hielten wir uns beide zurück. Bis wir wieder einschliefen.

Am nächsten morgen klingelte mein Wecker um acht Uhr. Es war schön neben ihm wach zu werden. Zwar hatte ich nicht durchgeschlafen und war nicht ausgeschlafen, aber ich war glücklich. Er erzählte mir, ich hätte ihm den Schlaf geraubt, er hätte nicht sehr gut schlafen können. Oh je, wieso denn nicht? Das bliebe sein Geheimnis, antwortete er. Hm…? Was soll das bedeuten? Habe ich mich zu viel bewegt? Ein bisschen, aber das war es nicht… Sondern? Er wollte es nicht sagen. Ich hakte nicht weiter nach.

Aber jetzt bin ich doch sehr neugierig, was er denn meint. Ich weiß ich rede manchmal im Schlaf. Hatte ich denn irgendwas gesagt?! Oh oh! 😦

Oder machte er sich Gedanken um uns? Geht es darum, dass er mit mir schlafen wollte? Ich habe das Gefühl, er hätte einen inneren Konflikt. Genau wie bei unserem ersten Kuss. Er möchte sich Zeit lassen, um mir zu zeigen, dass er es ernst meint. Das finde ich in Ordnung, denn ich möchte vorsichtig sein. Ich hoffe trotzdem, dass wir bald wieder die Möglichkeit haben, Arm in Arm einzuschlafen. Das war es nämlich, was ich am Single-Sein am meisten vermisse – beziehungsweise vermisst habe.

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Liebster Award

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Vor ein paar Wochen wurde ich von Larifarihexe für den Liebster-Award nominiert und wenig später auch noch von 4wkw4rd1! Vielen lieben Dank euch Beiden, ich habe mich sehr darüber gefreut. 🙂 Ich habe mich ein bisschen über das Prinzip dieses Awards informiert und beschreibe es euch kurz:

Worum geht es?

Der Liebster-Award ist dazu da, dass man mehr über die Blogs und ihre Blogger erfährt. Außerdem erhalten kleinere Blogs mehr Aufmerksamkeit und werden etwas bekannter.

Regeln:

Bedanke dich bei dem Blogger, der dich nominiert hat und verlinke ihn in deinem Beitrag. Beantworte die 11 Fragen, die dir gestellt wurden. Stelle 11 neue Fragen an 3-10 von dir nominierte Blogger, die weniger als 200 Follower haben und infomiere diese darüber.

Und los gehts mit dem Beantworten der 11 Fragen von Larifarihexe:

1. Seit wann gibt es deinen Blog und wie kamst du zu deinem ersten Eintrag?

Meinen Blog gibt es seit dem 12. März diesen Jahres. Mein erster Beitrag ist offiziell Zu Beginn, da ich nicht einfach mit einer Alltagserzählung anfangen wollte, sondern meinen Blog erst einmal vorstellen. Theoretisch wäre aber Pechsträhne mein erster richtiger Eintrag, bei dem ich darüber geschrieben habe, was mir die vergangenen Tage alles passiert ist.

2. Was ist die größte Entscheidung die 2015 bei dir ansteht?

Die Antwort ist leicht, die Entscheidung ist es leider nicht: Ich muss entscheiden, was ich nach meinem Bachelorabschluss mit meinem Leben anfangen werde.

3. Was war eine schwere Entscheidung, die du bereits in deinem Leben treffen musstest?

Ich würde sagen, das war die Entscheidung für mein Studium tatsächlich so weit von Zuhause wegzuziehen.

4. Was ist dein “Spezialgebiet”, wo du besonders viel weißt und Spaß dran hast?

Ich denke, ich weiß viel über Ernährung und Fitness und auch über das Reisen.

5. An einem freien Tag geht dein Wecker um…?

Manchmal stelle ich mir an freien Tagen meinen Wecker um 8 Uhr morgens. Ich mag es früh aufzustehen, da man dann mehr vom Tag hat. Oft genug stelle ich mir auch keinen Wecker an freien Tagen. Meist wache ich trotzdem nie später als 10 Uhr auf.

6. Wie viele Pflanzen stehen in deinem Zimmer/Wohnung und wie viele sind dir schon einmal eingegangen?

Mittlerweile habe ich nur einen Kaktus, den ich von meinem besten Freund vor meinem Umzug geschenkt bekommen habe. Ein robustes Teil! Letztes Jahr hatte ich eine schöne große Palme, die ich aber leider abgeben musste vor meinem Auslandssemester. Bald kommen hier Balkonpflanzen rein! Mir sind bestimmt schon einige Pflanzen eingegangen, aber so richtig erinnere ich mich nicht daran. In den letzten zwei Jahren hatte ich keine Pflanzenunglücke mehr. 🙂

7. In welchen Farben hast du deine eigenen vier Wände gestrichen?

Hier in meiner Unistadt sind meine Wände weiß, weil ich zu faul bin zu streichen. Im Zimmer meines Elternhauses waren die Wände früher Hellblau, danach Gelb und jetzt sind sie weiß mit einer wunderschönen Tapete mit sanften Blumenranken an einer Wand.

8. Was ist dir schon einmal Peinliches passiert?

Sicher. Ständig. Ich könnte jetzt keine spezielle Situation nennen. Ich vergesse das meist kurz danach wieder.

9. In was willst du dich gerne verbessern (Wissen aneignen, charakterlich…)?

Ich möchte mir weniger Gedanken darüber machen, was andere Menschen von mir denken.

10. Farbe, die in deinem Kleiderschrank besonders viel vorhanden ist?

Schwarz, blau, pink, dunkelrot.

11. Frühling, Sommer, Herbst oder Winter?

Frühling und Herbst. Man freut sich auf den Sommer bzw. den Winter. Vorfreude ist doch die schönste Freude. 🙂

Und als nächstes die 11 Fragen von 4wkw1rd1:

1. Welche 3 Gegenstände würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?

Streichhölzer, ein gutes Buch und meine Katze als Gesellschaft (und darauf hoffen, dass ich nicht zu lange auf der einsamen Insel verbringen muss)

2. Warum hast du mit dem Bloggen angefangen?

Mit diesem Blog habe ich angefangen, weil sehr viele Leute, die ich persönlich kenne meinen alten Blog gelesen haben und ich aber gerne über intimere Themen schreiben wollte.

3. Wie stellst du dir deine erste eigene Wohnung vor? Bzw. wie ist/war deine erste eigene Wohnung?

Das Studentenwohnheim zähle ich nicht zu meiner ersten eigenen Wohnung, also kommt die erst in circa einem Jahr (eventuell). Sie wäre auf jeden Fall eher klein und gemütlich. Und ich würde mich schön einrichten mit Ikea-Möbeln und Dekoration.

4. Wenn du die Möglichkeit hättest, mit der Person, die du am wenigsten leiden kannst, eine Weltreise zu unternehmen (wozu du sonst die Möglichkeit nicht hättetest). Würdest du diese Reise antreten?

Hm… das ist eine gute Frage. Nein, ich glaube ich würde es nicht tun. Ich würde die Reise nicht genießen können.

5. Es ist Sommer, was willst du als erstes tun?

Mich auf eine Wiese legen und die Sonnenstrahlen genießen.

6. Was tust du vor dem Einschlafen?

Wenn ich mich noch dazu überwinden kann, mache ich immer noch zehn Minuten Yoga. Danach noch ein bisschen Lesen und/oder am Handy rumgurken bis ich das Licht ausschalte.

7. Was würdest du tun, wenn du für einen Tag so viel Geld, wie du willst, zur Verfügung hast?

Diese Weltreise buchen, damit ich sie nicht mit der Person machen muss, die ich am wenigsten leiden kann. 😉

8. Glaubst du an das Schicksal?

Nee, nicht wirklich. Ich glaube dass auf eine bestimmte Handlung oder Einstellung immer eine bestimme Reaktion folgt.

9. Was ist dein Lieblingsmusikstück zur Zeit?

Ganz langweilig auch die Nummer eins in den Charts. 😉 Are you with me von Lost Frequencies. Unter meinen Lieblingsliedern ist seit Jahren aber auch Drive von Incubus.

10. Was machst du an einem Samstagabend, wenn keiner für dich Zeit hat?

Einen gemütlichen Abend für mich mit Serien oder Filme gucken.

11. Welche Rolle nimmst du deiner Meinung nach in einer Gruppe ein?

Die Organisatorin und die, die immer Ausschau nach hübschen Typen hält. 😀

Und nun meine Nominierungen:

Signorina Vicina

Anne von Travel through life

#homeiswherethedomeis

kleinerwildfang

Und meine 11 Fragen an euch:

1. Welcher deiner eigenen Blog-Einträge gefällt dir am besten?

2. Was gefällt dir am Bloggen?

3. Was gefällt dir überhaupt nicht am Bloggen?

4. Was machst du als Erstes, wenn du morgens aufstehst?

5. Wenn du eine Superkraft haben könntest, welche wäre es?

6. Was isst du am liebsten?

7. Was wolltest du werden, als du klein warst?

8. Was sind die drei größten Ziele, die du in deinem Leben erreichen möchtest?

9. Was sollte man unbedingt noch über dich wissen?

10. Welcher Person verdankst du es, so zu sein, wie du heute bist?

11. Hast du ein Lebensmotto? Wenn ja, welches?

Ein Weiteres „Na endlich“

Über einen weiteren „Na Endlich“-Moment muss ich auch noch schreiben. Ich habe letzte Woche eine Zusage zu einem Praktikumsplatz bekommen! Wo möchte ich aus Anonymitätsgründen nicht nennen, aber es ist eine Behörde mit Namen. Also auf jeden Fall eine große Chance für mich und im Lebenslauf auch beeindruckend. Und das sogar ganz ohne Vitamin B! 😉 Nicht mal ein Vorstellungsgespräch gab es. Ich schätze ich hatte wohl etwas Glück, da der Beauftragte in dem Bereich dringend eine Aushilfe braucht. Deshalb war es praktisch, dass ich schon bald anfangen könnte, da ich an zwei Tagen der Woche keine Uni habe (bzw. ab Juni an drei Tagen). Der einzige Nachteil ist, dass ich dafür einen zweistündigen Weg auf mich nehmen muss. Also insgesamt vier Stunden Zug und Bus an meinen Arbeitstagen. Ich fahre frühmorgens los und komme abends zurück. Aus diesem Grund habe ich ein Angebot für einen Aushilfsjob abgelehnt, den ich samstags hätte machen müssen. Das wäre zu stressig geworden. Zumindest bekomme ich eine Aufwandsentschädigung beim Praktikum. Zwar nicht viel aber natürlich besser als nichts. Und ich freue mich schon auf das, was ich dort lernen kann.

Ein paar Tage später bekam ich eine Mail mit einer Einladung zu einem Vorstellungsgespräch für ein weiteres Unternehmen, dem ich eine Bewerbung zugeschickt hatte. Da das Unternehmen in der Nachbarstadt liegt, werde ich auch dort hin gehen. Ist eine gute Erfahrung und wenn es mir gefällt, kann ich ja im August ein weiteres Praktikum anhängen. Das Gespräch ist am Dienstag.

Achja, ich konnte auch in das größere Zimmer meines Wohnheims ziehen und bin sehr zufrieden damit, wie ich es eingerichtet habe. Mit meiner neuen Mitbewohnerin bin ich zwar noch nicht ganz warm geworden, aber ich bin sowieso tagsüber viel unterwegs.

Ich glaube jetzt geht es langsam wieder schön bergauf in meinem Leben. 🙂 Wurde mal Zeit, nach meiner Pechsträhne und blöden Tagen.

Na endlich!

Endlich, endlich, endlich! Ich habe mich ja wirklich lange gedulden müssen! Nach einem Monat daten hat er mich geküsst! Und es war hammer!

Natürlich passierte es auf der Party. Zwar nicht das romatischte Ambiente, aber mir ist das egal. Vor Donnerstag Abend suchte ich Rat bei gefühlt tausend Freunden, was letzendlich meine Verzweiflung nur noch vertiefte. Wieso küsste er mich bloß nicht?! Die Verzweiflung konnte man an meinen letzten Beiträgen vermutlich auch erkennen. 😉 Der Freund meiner Freundin M. redete mir noch ein, ich sollte den ersten Kuss doch nicht auf einer Party geschehen lassen. Wenn ich jetzt darüber nachdenke… ist mir das wirklich vollkommen egal. Ich hatte einen schönen Abend. Roter Lippenstift, hohe Schuhe, Hotpants mit schwarzen Strumpfhosen, eine „Vor-Vortrinkparty“, eine Vortrinkparty, eine halbe Flasche Wein, eine drittel Flasche Sekt und zwei Bier und es konnte los gehen. 😉

An dieser Stelle muss ich noch kurz ausholen: Meine beste Freundin riet mir, mich nicht zu oft bei Mr Höflich zu melden. Aus eigener Erfahrung weiß ich auch, dass eine Frau als „zu leicht zu haben“ erscheint, wenn sie sich zu oft meldet. Dann wird sie langweilig. Das will ich nicht werden. Ich will ihn! Sonntag hatten Mr Höflich und ich unser letztes Date. Montag schrieb ich nicht. Dienstag schrieb er mich an und wir chatteten ein bisschen. Mittwoch schrieb ich wieder nicht. Ich fühlte mich allerdings wirklich schlecht dabei. Dafür bekam er gleich am Donnerstag Morgen eine Nachricht von mir. Wir chatteten ein bisschen und dann witterte ich eine gute Chance… In unserem Gespräch ging es darum, was wir heute Abend anziehen. Er hatte sich ein paar neue Hemden zugelegt und nach meinem Drängen schickte er mir ein Foto von ihm in einem der Hemden. Ich erzählte ihm von meinen Optionen für den Abend und er wollte natürlich auch ein Foto. Ich war allerdings noch unterwegs. Er schrieb, Geduld gehöre nicht unbedingt zu seinen Stärken. Tatsächlich? Ich war anderer Meinung. Ich antwortete, dass er aber dafür ganz schön geduldig sei, mich nicht zu küssen. (Mal der Versuch, ganz direkt zu sein, so wie Lucy es mir mal als Kommentar vorgeschlagen hatte 😉 ) Seine Antwort: „Denkst du. Nur gut erzogen.“ Er versprach „heute seine Manieren zuhause zu lassen“ Da bin ich gespannt…

Der Club war viel zu voll. Nach nur fünf Minuten war die Hälfte der Gruppe weg. Egal, da drüben waren noch andere, die ich kenne. Wo aber war Mr Höflich? Seine Nachricht verriet mir, dass seine Leute und er gerade erst zum Club aufbrechen. Na gut, ich werde ihn später sicher finden. Oder auch nicht, denn bei der überfüllten Tanzfläche konnte man niemanden erkennen außer die Menschen, die sich rechts und links unfreiwillig an einen ranquetschten. Also machten Mr Höflich und ich einen Treffpunkt aus und ich wartete ungeduldig und voller Vorfreude. Meine Mädels tauchten irgendwann auf und waren ebenso ungeduldig, da sie ihn auch mal sehen wollten. Da war er! Hach, süß wie immer. Dieser tolle Körper, der in seinem neuen Hemd wunderbar zur Geltung kam. Diese Grübchen, wenn er mich anlächelte. Sofort kapselte ich mich von den anderen ab. Hm, er war wohl nicht so betrunken wie letzte Woche, da er mich nicht sofort zum engen Tanzen mitzog. Ob das mit dem Kuss dann klappt heute? Wir standen am Rand der Tanzfläche und quatschten.

Ich habe absolut keine Ahnung mehr, um was es in dem Gespräch ging aber irgendwann fasste er mir vorsichtig an die Wange und zog mich zu sich.

(Trommelwirbel!)

Und ENDLICH der Kuss!

(an dieser Stelle wäre ein Feuerwerk angebracht.)

Und der Kuss war richtig, richtig gut. Ich war so erleichtert. Sogar so sehr, dass ich ihm das sagen musste. Nach so langem Hinhalten hatte ich Angst, er wäre ein schlechter Küsser. Dann wäre die ganze Mühe ja verschwendet gewesen. (So sagte ich das nicht) Aber er ist ein wahnsinnig guter Küsser. Wir funktionieren gut zusammen. Er erzählte mir, dass er (abgesehen davon, dass er schüchtern sei), mich nicht so schnell küssen wollte, weil er nicht wie ein Arschloch rüber kommen wollte. Ich hatte ihm ja erzählt, dass ich viele schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Hach, wie süß ist das denn?

Meine Mädels gingen schon relativ früh am Abend und Mr Höflich und ich verbrachten die restliche Zeit zusammen. Wir küssten, tanzten und redeten. Viel über Beziehungen und Erfahrungen. Dann war es Zeit zu gehen. Er fand seinen besten Freund, zu dritt liefen wir noch zum Burger King nur um festzustellen, dass der donnerstag garnicht so lange auf hatte und danach holten die beiden Jungs mir ein Taxi. Ich hatte vorher schon klargestellt, dass Mr Höflich nicht bei mir schlafen wird. Wir küssten uns noch flüchtig ein letztes Mal, er verabschiedete mich mit einem „bis morgen“ und ich fuhr glücklich nach Hause (und zahlte meiner Meinung nach zu viel für eine fünfminütige Taxifahrt – aber egal, meine Laune konnte nichts mehr verderben).

Am nächsten Tag wunderte ich mich noch, wieso eigentlich „bis morgen“. Wir hatten ja garnichts ausgemacht. Ich wusste aber, dass er irgendwann nachmittags noch Zeit hatte. Morgens musste er zu seinem Studentenjob an die Uni, abends hatte er seine Trainerschicht im Fitnessstudio. Wir schrieben noch vormittags, unter Anderem wie müde wir beide seien. Und auf die Anspielung „er würde sich ja gerne  nachmittags zuhause ins Bett legen, aber für zwei Stunden lohnt es sich nicht zurück zu fahren“ antwortete ich mit der einzig passablen Antwort: „du kannst ja zu mir kommen.“ Ich wohnte ja schließlich nur ein paar Minuten Fußweg von der Uni entfernt. Ich holte ihn von der Uni ab und wir verbrachten den Nachmittag bei mir im Bett. War aber klar, dass schlafen da nicht drin war. Wir kuschelten, küssten und redeteten. Und ich fühlte mich richtig wohl.

Über das zwischen uns haben wir nicht geredet und einen Kuss in der Öffentlichkeit gab es auch nicht. Aber das ist mir egal. Dafür ist es ja viel zu früh. Ich bin jedenfalls sehr glücklich. Trotz allem spüre ich gleichzeitig aber noch diese „Urangst“ in mir. Ich will nicht, dass er wie alle anderen zu schnell wieder weg ist. Einen Mann halten, das ist mein Problem. Ich werde anscheinend nach einiger Zeit langweilig. Dann sind sie weg. Ich habe aber keine Ahnung wie ich dem entgegen wirken kann (außer dass ich den Sex noch herauszögern werde.) Was ich mir immer wieder vorsage ist, dass es nicht der Richtige ist, wenn ich für ihn langweilig werde. Damit lässt sich die Angst im Zaum halten. Trotzdem wäre es grausam, ein weiteres Mal verletzt zu werden…

Im Moment kann das meine Glücklichkeit aber nicht betrüben. Morgen sehen Mr Höflich und ich uns wieder. 🙂

 

 

Achterbahn

Meine Gefühle fahren gerade Achterbahn. Da ich im Moment eine gerade Strecke abfahre, ist der Zeitpunkt gekommen um die Gedanken niederzuschreiben.

Sonntag Abend ging es weit hinauf mit meiner Bahn. Mr Höflich überlegte sich wieder etwas ganz Spezielles. Da ich einmal erwähnt hatte, dass ich Überraschungen mag, wollte er nicht verraten, was er geplant hatte. Er holte mich am späten Nachmittag mit dem Auto ab, wir kauften uns ein Eis und hielten auf halber Strecke zu ihm an einer schönen Anlage, über die man an diesem sonnigen Tag die halbe Stadt überblicken konnte. Nachdem wir eine passende Bank gefunden hatten, aßen wir unser Eis und quatschten. Als es etwas kühler wurde fuhren wir weiter zu ihm. Er hatte die Zutaten eingekauft und wollte mit mir Schokofrüchte machen. Süß. Die meisten Früchte machte er, während ich  ihm vom Küchenhocker aus dabei zu guckte und mich innerlich freute, wie viel Mühe er sich um mich gibt. Während die Schokofrüchte hart werden sollten, aßen wir einen Salat und er startete den Laptop. Er hatte eine Folge Tatort vorbereitet. Ich hatte vor längerer Zeit erwähnt, dass ich von Tatort erst ein oder zwei Folgen gesehen habe. Er wollte mich in die Tatort-Kultur einführen. Nach dem Salat gab es ein paar Früchte und wir machten es uns auf seinem Bett gemütlich.

Hatte ich erwähnt, dass er noch bei seinen Eltern wohnt? Deshalb hat er noch sein Jugendzimmer und natürlich ein kleines Bett. Er lehnte sich mit seinem gewohnten Sicherheitsabstand zu mir an die Wand zurück. Den Abstand wollte ich auf keinen Fall zulassen und rückte näher. Nach ein paar Minuten holte ich das Kissen, das neben mir lag, drehte mich seitlich, und kuschelte mich -mit Kissen dazwischen- an seine Schulter. Ja, so gefiel mir das. Ab circa der Hälfte der Folge wagte er es, seinen Kopf etwas in meine Richtung zu neigen und dann geschah etwas fast unglaubliches: (nein, immer noch kein Kuss) er legte seine Hand auf mein Knie! Wow! Wir kommen der Sache näher. Leider verweilte seine Hand genau zwei Minuten auf meinem Knie und dann war sie wieder weg. Hä? Was sollte das? Kurze Zeit später war die Folge auch schon zuende und da wir beide morgen früh aufstehen mussten, fragte er, ob er mich nach Hause fahren sollte. Im Auto machte ich einen Plan: ich nahm mir vor ihn darauf anzusprechen, wieso es noch keinen Kuss gab. Ob ein Kuss denn für ihn schon so viel mehr bedeutet oder wann ich denn einen erwarten könnte. Ich lag mir meine Worte zurecht. Wir hielten vor meiner Haustür. Er zögerte kurz, ob er den Motor ausstellen oder laufen lassen sollte und entschied sich für Letzteres. „Also gut, da wären wir.“ „Ja… – Tschüss, dann.“ Und ich stieg aus. Scheiße. Ich bin ein Feigling. Die Achterbahn rauscht dem Boden entgegen. Ich bin genervt von mir selbst. Wieso hatte ich mich nicht getraut?

Sofort schrieb ich meiner besten Freundin. Sie konnte es auch nicht fassen, dass es heute schon wieder keinen Kuss gab. Sie wäre auch davon überzeugt gewesen. Und sie schaffte es, meine Genervtheit von mir selbst auf ihn zu übertragen. Wieso um alles in der Welt küsst er mich nicht? „Willst du wirklich so einen verunsichterten, schüchternen Bubi, der noch bei Mutti wohnt? – Süße, das ist extrem unsexy.“ sagte sie mit Recht. „Er sollte endlich den nächsten Schritt wagen, sonst solltest du das beenden.“

Montag schrieb ich ihm nicht. Dienstag schrieb er mich an. Es war aber eine Frage, die er mehr oder weniger zu stellen hatte. Aus ganz freien Stücken kam die nicht. Er hatte mir ein Probearbeiten vermittelt und fragte mich deshalb, wie es lief. Das musste er ja fast. Als ich nachmittags in der Sonne saß, zur Ruhe kam und nachdachte, überrannten meinen Körper schlagartig starke Gefühle. Hä? Es kam aus dem Nichts. Was war das denn? Oh oh… Ich glaube, das ist verliebt sein. Ich kenne das Gefühl doch. Die Achterbahn fährt nach oben. Es ist ein schönes Gefühl. Sollte es zumindest sein. Aber für mich ist es mittlerweile mit so viel Negativem behaftet. Ich wehrte und wehrte mich. Ich versuchte mich mit Musik und Lesen abzulenken, aber meine Gedanken wanderten immer wieder zu ihm. Neinneinneinneinnein. Weg damit! Ich will das nicht! Damit ist man vollkommen hilflos. Verletzlich. Unglaublich verletzlich. Und ich habe eine wahnsinnige Angst davor, nochmal verletzt zu werden. Das ist schon viel zu oft geschehen.

Ich schrieb wieder meiner Besten. Die Lage war ernst. „Süße, ich fürchte es ist schon zu spät für dich. Und so leid es mir tut, ich glaube er wird dich bald verletzen.“ Was?! Wie kommt sie darauf? „Naja, er ist zwar schüchtern, aber so schüchtern? Über sowas muss man keine zwei Jahre erst nachdenken. Entweder es entsteht Spannung oder eben nicht. Klar muss man daran arbeiten, aber wenn man sich zu jemanden hingezogen fühlt, sollte man sich dem hingeben. Und das tut er nicht.“ Oh nein, sie hat Recht. Wieso habe ich das nicht schon früher gesehen? Hat er mittlerweile einfach Angst mich verletzen zu müssen? Gibt er sich deshalb noch solche Mühe? Um bei sich selbst Gefühle zu erzwingen? Nur weil er unbedingt will, dass es klappt?

Ich bin wütend. Auf mich selbst. Auf ihn. Auf dieses Verliebtheits-Ding. Wieso muss ein einziger blöder Kuss denn so kompliziert werden? Das ist so kindisch. Wir sind doch keine unerfahrenen Teenager mehr. Das kann so nicht weiter gehen! Was soll das?! Ich habe schon so viele Männer in meinem Leben geküsst oder noch viel wildere Dinge angestellt und jetzt klappt es bei diesem einen nicht?!

Donnerstag Abend sehen wir uns auf der nächsten Party wieder. Dort werde ich für Klarheit sorgen. Plan A: ich küsse ihn endlich einfach verdammtnochmal. Plan B: ich stelle ihn vor die Rede, was das eigentlich soll. Wieso er mich nicht küsst. Ich habe das Gefühl, wir kommen nicht weiter und wenn da keine Spannung ist zwischen uns, dann sollten wir das beenden. Uns nicht mehr treffen und nicht mehr schreiben. Ich habe die Zeit genossen, aber es geht ja anscheinend nicht weiter zwischen uns. Und bevor er mich noch mehr verletzen könnte, muss Schluss sein.

Die ereignisreiche Party

Achja, so fühlt es sich also an, wenn man Alkohol nicht mehr gewohnt ist. Der Abend wird gut aber der Tag danach ist die Hölle auf Erden. Irgendwann nachmittags habe ich es geschafft aus dem Bett zu kriechen. Was Vernünftiges an diesem grässlich-sonnigen Tag kann ich allerdings nicht zustande bringen.

Aber genug mit dem Selbstmitleid, nun zu dem ereignisreichen Abend von gestern. Es fand die langersehnte erste Party des Sommersemesters statt. Die, auf die ich die letzten Wochen so hingefiebert hatte. Mr Höflich würde natürlich dort sein. Auf ihn freue ich mich immer. Aber zuerst würde ich Mr Unfotogen in Real kennenlernen. Das Vortrinken sollte in meiner neuen Wohnung stattfinden. Ich lud meine Mädels ein und als Special-Guest durfte auch der Kumpel einer Freundin kommen: Mr Unfotogen. Zur Erinnerung: meine Freundin (im Weiteren Verlauf nun als M. bezeichnet) hatte mir vor einigen Wochen über Mr Unfotogen erzählt, er schrieb mich vor knapp zwei Wochen über Facebook an und seit dem schrieben wir ununterbrochen (über Whatsapp) und verstehen uns mehr als prächtig. Er hatte große Hoffnungen, ich war mehr so mittelmäßig gestimmt, fand ihn aber sehr sympatisch. Endlich würde ich ihn richtig kennenlernen können!

Mit einer Stunde Verspätung trafen M. und Mr Unfotogen bei mir ein. Ich hatte mit den anderen natürlich schon angefangen und hatte zu dem Zeitpunkt ein paar Gläschen Sekt intus. Mein Urteilsvermögen war aber noch vollkommen intakt, also konnte ich mir eine ordentliche Meinung bilden: okay, er ist tatsächlich unfotogen, allerdings ist er in echt auch nicht so wahnsinnig attraktiv. Naja, scheiß auf meine Oberflächlichkeit.  Er wusste schließlich schon eine Menge über mich und ich eine Menge über ihn. Ist aber schon seltsam, wenn man bisher nur geschrieben hat (und zwar wirklich viel!) und sich nun gegenüber steht. Je später der Abend und je höher der Pegel, desto besser gefiel er mir. Wäre da später nicht jemand im Club, der auf mich wartet…

Unser Vortrinken neigte sich dem Ende zu, da wir schließlich teure Karten gekauft hatten (ein Hoch auf Vorverkaufsgebühren) und natürlich auf die Party wollten. Ich schlüpfte in meine hübschen hohen Schuhe und es fühlte sich toll an. Auf die hatte ich mich gefreut, nachdem ich sieben Monate ohne diese wunderbaren Waffen feiern musste. Im Club angekommen antwortete ich auf die Nachricht von Mr Höflich, dass ich nun da sei. Ausschau hielt ich jedoch nicht weiter. Die Party hatte ein Thema, weshalb sich unsere Gruppe die ausgelegten kostenlosen Leucharmbänder schnappte und wir anfingen uns mit Neonfarbe zu beschmieren. Mr Unfotogen testete seine nichtvorhandenen künsterlischen Fähigkeiten an mir und danach stürzten wir uns auf die Tanzfläche.

Schon bald rückte Mr Unfotogen näher und hätte ich es zugelassen, hätten wir sehr eng getanzt. Da begann ich aber doch Ausschau zu halten. Ein Blick aufs Handy verriet, dass Mr Höflich mich suchte. Ich schrieb ihm, ich sei auf der Tanzfläche. Na gut, so würden wir uns nie finden und außerdem konnte Mr Unfotogen seine Hände nicht von mir lassen. Das durfte Mr Höflich auf keinen Fall sehen. Kurz Mr Unfotogen also über die Musik ins Ohr gebrüllt, dass ich gleich wieder da sei. Mir egal, ob er es verstanden hatte. Ich rannte hinaus zum Barbereich und schrieb Mr Höflich, wo ich sei und dass er herkommen sollte. Und da war er auch schon bald. Ich wollte ihm eigentlich ein Getränk ausgeben, da er mir vor ein paar Tagen erfolgreich einen Job vermittelt hatte. Aber nein, klar, ist ja eine Verletzung der Männlichkeit und somit musste ich mich damit zufrieden geben, dass er unsere Wodka-Redbulls zahlte. Durch Zufall standen plötzlich zwei Freunde von mir neben uns, die ich begrüßte und eine Weile mit ihnen quatschte. Anscheinend wurde Mr Höflich langweilig – na gut, war auch etwas unhöflich von mir – denn er drehte sich weg und ging. Halt, moment, das wollte ich aber nicht. Ich lief hinterher, verlor ihn aus den Augen, aber entdeckte ihn dann auf der Tanzfläche. Sobald ich ihn erreicht hatte, schlang er die Arme um mich. Seltsam untypisch für ihn. Letzte Woche tanzten wir immer mit akribischen 30 Zentimeter Abstand. Was die richtige Menge Alkohol wohl ausmachen kann…

Meine Arme gingen ganz automatisch um seinen Hals und ich fühlte mich glücklich. Dann allerdings kamen die Schuldgefühle. Ich hatte Mr Unfotogen einfach stehen gelassen. In dem Moment lief eine Freundin von mir vorbei, die ich mir schnappte und vor Mr Höflich so tat, als würde ich Smalltalk betreiben. Dabei wollte ich wissen, wo Mr Unfotogen war. Weil man auf Tanzflächen aber generell keine Unterhaltung führen kann, beschloss ich mit ihr kurz nach draußen zu gehen. Ich brüllte Mr Höflich ins Ohr, ich wäre bald zurück. Draußen riet sie mir, nicht nach Mr Unfotogen zu sehen, da ich ihm nur falsche Hoffnungen machen würde und allen Anschein nach hatte ich mich ja entschieden, welcher der beiden mir lieber sei. Da hatte sie recht.

Unsere kurze Unterhaltung dauerte wohl etwas länger, denn Mr Höflich war nicht mehr so leicht aufzufinden. Irgendwann entdeckte ich ihn im Eingangsbereich mit seiner Jacke an. Was?! Der wird doch wohl nicht schon gehen?! Das fragte ich ihn auch prompt. Er dachte ich würde nicht mehr wiederkommen, er hatte mich vermisst und ich wäre so lange weg gewesen. Nanu? Aber deswegen gleich abhauen? Er entschied sich nochmal mit mir tanzen zu gehen (blöderweise halt jetzt mit Jacke). Es war wieder schön. Mit Arm in Arm. Bis aus dem nichts meine Gruppe knapp neben uns tanzte. Oh nein, da war auch Mr Unfotogen. Er wusste ja, dass ich jemand anderen date und derjenige auch auf der Party sein würde. Überrascht hat es ihn also wahrscheinlich nicht. Verletztend musste es trotzdem sein. Ich fühlte mich sehr unwohl, schnappte mir Mr Höflich und zog ihn wieder zur Bar aus der Sichtweite von Mr Unfotogen. Bevor ich irgendwas sagen konnte fing Mr Höflich an etwas darüber zu schwafeln, dass ich so unberechenbar sei, wieso ich immer so lange brauche um zurück zuschreiben (das stimmt nicht, ist aber trotzdem süß, dass er es so empfindet) und dass er mich schon die ganze Zeit im Club gesucht hatte. Es ging weiter damit, dass er sonst so schüchtern sei, aber er ja nicht so ein Arschloch wäre, wie meine früheren Typen und er es mir beweisen will… Richtig niedliches Verliebt-und-Besoffen-Geschwafel. Wo wir dann eh schon bei Ehrlichkeit waren, erzählte ich ihm von Mr Unfotogen und dass ich mich deswegen unwohl gefühlt hatte auf der Tanzfläche.

Ich wollte Mr Höflich so wahnsinnig gerne küssen. Es wäre ein Kinderspiel gewesen, ihn in seinem Zustand zu einem Kuss zu bringen. Aber mit Mr Unfotogen so nah, kam mir das nicht richtig vor. Ich respektiere die Gefühle anderer. Mr Höflich gefiel meine Ehrlichkeit und mein Mitgefühl, trotzdem müsste er jetzt gehen. Er musste morgen früh raus. Wir nahmen also Abschied und ich ging beschwingten Schrittes zur Tanzfläche.

Dort machte sich die Hälfte unserer Gruppe schon bereit zu gehen. Jetzt wollte ich aber mit meinen Mädels Abprache halten. Ich begleitete sie zur Gardarobe, wo sie mir nach viel „oohhs“ und „süüüß“ auch rieten, dass ich Mr Unfotogen mit klaren Worten sagen sollte, was los war. Damit er sich keine Hoffnungen mehr macht. Okay. Ich lief wieder zur Tanzfläche (so viel hin und her Gelaufe den ganzen Abend!) und stellte mich zum Rest der Gruppe. Es dauerte keine Sekunde bis Mr Unfotogen wieder seine Hände an mir hatte. Nun gut, ich zog ihn zum Barbereich um mit ihm Klartext zu reden. Eine klare Abfuhr erteilen ist schon fast genauso schlimm, wie eine zu bekommen. Es war nicht die Erste, die ich in meinem Leben erteilen muss, aber leichter wird es nie. Ich habe es irgendwie hinter mich gebracht und seine Antwort war „ist doch in Ordnung“. Nun gut, dann gingen wir also zurück. An unserer Stelle auf der Tanzfläche war aber niemand mehr. Also mussten wir zu zweit tanzen. Awkward. Zumindest keine Hände mehr an mir…

Nach einer zu langen Zeit des unangenehmen Tanzens fragte ich Mr Unfotogen, ob wir die anderen suchen wollten. Erleichtert bejahte er, wir gingen nach draußen, rauchten eine mit meinen zwei Freunden von vorher (die Mr Unfotogen nicht kennt und deswegen nur still herumstand) und kurz danach fanden wir die anderen. Die wollten wieder tanzen gehen. Boah, langsam reichte es mir. Ich fragte, ob wir bald gehen wollen. Mr Unfotogens Zug würde erst in über einer Stunde gehen. Nun gut. Dann noch eine Runde unangenehmes Tanzen und endlich entschieden wir zu gehen. Es war halb fünf.

Aus Höflichkeit (oder Mitleid?) fragte ich Mr Unfotogen, ob ich ihn zum Bahnhof begleiten soll. Zum Glück lehnte er ab. Ich schrieb ihm aber noch, dass er mir bitte Bescheid geben soll, wenn er gut zuhause angekommen sei. Ich räumte mein Zimmer noch etwas auf, aß die restlichen Chips und erhielt währenddessen eine Nachricht von Mr Unfotogen. Ob ich mir denn tatsächlich sicher sei. Ob ich ihm nicht noch eine Chance geben will und wir uns auf ein Date treffen könnten. Ich überlegte. Ich verstand mich ja wirklich gut mit ihm. Er ist süß und nett. Ich würde ihn gerne weiter kennenlernen als nur über unser Geschreibe und den vergangenen Abend. Ich konnte mich aber noch bremsen. Ich schrieb ihm, dass ich seine Frage morgen beantworten möchte und ging schlafen.

Heute morgen schrieb ich ihm eine weitere klare Nachricht. Genau so, wie ich es empfand. Dass ich mit ihm befreundet sein möchte. Seine Antwort: „kein Problem.“ Und seit dem schreiben wir nicht mehr.

Mit Mr Höflich habe ich heute dagegen ein bisschen mehr geschrieben. Wir treffen uns Sonntag. Ich wünsche mir sehr, dass wir an unserer Ehrlichkeit vom vorherigen Abend anknüpfen können und ich auch im nüchternen Zustand etwas über seine Gefühle erfahren kann… Ich wünsche mir so sehr, dass es klappt.

Deutsche Literatur

Verführer

Gewartet habe ich vor vielen Türen,
In manches Mädchenohr mein Lied gesungen,
Viel schöne Frauen sucht ich zu verführen,
Bei der und jener ist es mir gelungen.
Und immer, wenn ein Mund sich mir ergab,
Und immer, wenn die Gier Erfüllung fand,
Sank eine selige Phantasie ins Grab,
Hielt ich nur Fleisch in der enttäuschten Hand.
Der Kuß, um den ich innigst mich bemühte,
Die Nacht, um die ich lang voll Glut geworben,
Ward endlich mein – und war gebrochene Blüte,
Der Duft war hin, das Beste war verdorben.
Von manchem Lager stand ich auf voll Leid,
Und jede Sättigung ward Überdruß;
Ich sehnte glühend fort mich vom Genuß
Nach Traum, nach Sehnsucht und nach Einsamkeit.
O Fluch, daß kein Besitz mich kann beglücken,
Daß jede Wirklichkeit den Traum vernichtet,
Den ich von ihr im Werben mir gedichtet
Und der so selig klang, so voll Entzücken!
Nach neuen Blumen zögernd greift die Hand,
Zu neuer Werbung stimm ich mein Gedicht …
Wehr dich, du schöne Frau, straff dein Gewand!
Entzücke, quäle – doch erhör mich nicht!

– Hermann Hesse

Dieser Mann muss ein schlauer Mann gewesen sein. Er hat erkannt, was die meisten Männer nicht erkennen und konnte es sogar in schöne Worte fassen. Männer müssen ihren Jagdtrieb ausleben. Gibt die Dame nach, ist sie langweilig. Hesse hat auch erkannt, dass er so nicht glücklich werden kann. Meiner Meinung nach kapieren das viele Männer nicht. Aber was ist die Lösung für dieses Problem? Wie können Mann und Frau glücklich werden miteinander?


Über die Osterfeiertage hatte ich viel Zeit zu lesen. Während meiner unglaublich langen Fernbusfahrt zu meinen Eltern, die Autofahrt zu meiner Tante an Ostersonntag, ein paar Minuten, in denen man zwischendurch Zeit totschlagen konnte… Ich habe zwei Bücher zuende gelesen (zugegeben, es waren dünne) und nun das Dritte angefangen. „Der Junge im gestreiften Pyjama“ von John Boyne und „Anleitung zum Unglücklichsein“ von Paul Watzlawick kann ich absolut empfehlen. Das Gedicht, das ich oben zitiere, habe ich in Watzlawicks Buch entdeckt und es passte einfach zu perfekt zu meiner jetzigen Situation und meiner Einstellung. Ein paar Tage später kramte mein Dad ein Buch aus dem Bücherregal und zufällig war es ebenfalls von Hermann Hesse: „Narziß und Goldmund“. Ich habe mich in seinen Schreibstil verliebt. Meine momentane Bücherpräferenz geht wohl ohne Zweifel Richtung klassischer Literatur. Ich würde mich gerne durch die „Must-Reads“ der letzten Jahrzehnte lesen. Empfehlungen werden gerne angenommen. 🙂

Ein weiterer „literarischer“ Zufall: Mr Unfotogen ist Germanistik-Student. Mit meinen letzten Büchern beeindrucke ich ihn bestimmt. Eigentlich ist er eh schon hoffnungslos begeistert von mir. Aber ich muss zugeben, dass er mir auch immer und immer sympatischer wird. Wir schreiben nach wie vor jeden Tag ununterbrochen. Am Donnerstag werden wir uns das erste Mal sehen und ich bin schon sehr gespannt! Irgendwie auch ein kleines bisschen nervös. Eine Entscheidung zwischen Mr Höflich und Mr Unfotogen könnte richtig schwierig werden. Ich sollte es aber eh auf mich zukommen lassen. Vielleicht stehe ich am Ende ja doch wieder alleine da.

Mr Höflich möchte mich morgen gleich sehen. Zum Crepe essen. Zum CREPE essen?! Wie kommt man auf so eine Idee?! 😆 Einfallsreich ist er. Ich habe zugesagt. Obwohl die nächsten paar Tage furchtbar stessig für mich sein werden: Ich muss die Wohnung putzen, mein restliches Zimmer einrichten, einkaufen, Fenster putzen, einen Arzttermin ausmachen um ein Rezept zu holen, in die ersten Vorlesungen gehen und jeden Tag noch irgendwie Sport unterbringen um die letzten Tage voller Festtagsfresserei wieder gut zu machen. Bis Donnerstag Abend muss alles sauber sein und genügend Mischgetränke bereitstehen für meine Gäste. Mr Höflich bringe ich noch irgendwie unter. Ich möchte ihn ja auch ganz gerne sehen.

Ereignisse der vergangenen Tage

Meine vergangene Woche war ein bisschen stressig. Ich habe im Endspurt für meine Klausur gelernt und bin währenddessen in das größere Zimmer meiner Wohnheimswohnung gezogen. Es hat sich heraus gestellt, dass ich ab Mitte April eine neue Mitbewohnerin bekomme. Bis dahin muss ich beide Mieten zahlen aber habe auch beide Zimmer. Und wenn ich schon eine ganze Wohnung zur Verfügung habe, werde ich es ausnutzen und bald eine kleine Hausparty schmeißen. Meine Klausur verlief okay. Es kamen einige Themen dran, die ich nicht erwartet hätte, aber meine Note vom letzten Semester habe ich wahrscheinlich verbessern können.

Für die Ostertage bin ich nach Hause zu meinen Eltern gefahren. Elf Stunden unterwegs quer durch Deutschland, davon neun Stunden Fernbus fahren. Es gibt Schöneres im Leben. Aber was tut man nicht alles um der überteuerten Bahn nicht noch mehr Geld (das ein Student nicht hat) in die Tasche zu schieben.

Mit meinem gesundheitlichen Problem habe ich immer noch zu kämpfen und es wird schlimmer. Richtig unangenehm. Gestern habe ich meine Ärztin gezwungen, mir einen Termin in ihren Tag zuquetschen und sie hat mir einige stärkere Medikamente verschrieben. Ich hoffe es wird nun bald besser.

Hier bei Mama und Papa gibt es einen vollen Kühlschrank und wieder viel zu viel zu essen. Meine sieben Kilo, die ich seit dem vorletzten Sommer zugenommen habe und mich psychisch total belasten, werde ich vermutlich so schnell nicht los. Zumindest kam vor ein paar Tagen der Hochschulsportplan für das kommende Semester raus, der mich etwas zuversichtlicher in den Sommer blicken lässt.

Einen Praktikumsplatz habe ich immer noch nicht. Da muss ich mich wohl doch wieder an Bewerbungen setzen. Gott, wie das nervt. Zum Glück habe ich noch genug Zeit. Das Praktikum mache ich erst ab August.

Vom Thema Männer bin ich hier gut abgelenkt aber ich habe es doch irgendwie geschafft mir meine Rückkehr spannend zu machen. Mr Höflich habe ich seit dem „Tanz-Abend“ und vor meiner Heimfahrt nicht mehr getroffen aber wir schreiben natürlich noch. Er ist kein großer Whatsapp-Chatter, also hält sich das im Rahmen des Nötigsten. Dafür schreibe ich seit Kurzem sehr viel mit jemand anderem. In einem meiner ersten Beiträge hatte ich geschrieben, dass mir eine Freundin von ihrem Kumpel erzählt hatte. Der Kumpel wäre total begeistert von meinen Facebookfotos gewesen und möchte mich kennen lernen. Vor ein paar Tagen traute er sich mich anzuschreiben. Nennen wir ihn mal Mr Unfotogen. Auf seinen Fotos sieht er… naja… eher unattraktiv aus. Ich weiß, ich bin -leider- furchtbar oberflächlich. Meine Freundin versicherte mir, dass er in echt besser aussieht und wirklich unfotogen sei. Nachdem wir nun seit drei Tagen fast ununterbrochen schreiben, wirkt er unheimlich sympatisch. Ich bin tatsächlich gespannt ihn kennen zu lernen. Er geht zwar auf eine andere Uni, wird aber zu unserer ersten Semesterparty kommen, inklusive vortrinken bei uns. (Eigentlich kommt er hauptsächlich um mich kennen zu lernen, offiziell hat ihn natürlich unsere gemeinsame Freundin eingeladen). Er ist total begeistert von mir. Aber erhofft sich vielleicht zu viel.

Und da beginnt mein Problem. Mr Höflich wird nämlich auch zur Party kommen und hatte schon angekündigt, dass er sich freut mich dort zu sehen und mit mir was zu trinken. Wie soll ich das nun auf die Reihe kriegen? Mr Unfotogen ist mir wirklich sympatisch aber Mr Höflich ist einfach Mr Höflich (siehe die letzten Beiträge). Wenn ich mich entscheiden müsste, würde es vermutlich Mr Höflich werden. Aber ich möchte Mr Unfotogen nicht verletzen. Er ist einer dieser knuddeligen Jungs, denen man den Kopf tätscheln möchte und es einem das Herz brechen würde, sie traurig zu sehen. Ich werde mit keinem der beiden was anfangen auf der Party. Reden und trinken ja, tanzen oder knutschen nein. Mr Unfotogen werde ich innerhalb der nächsten Tage vorsichtig andeuten, dass es noch jemanden gibt. Denn der erhofft sich meiner Meinung nach wirklich zu viel im Moment.

Noch eine erfreuliche Nachricht am Ende: ich habe einen Job in der Tasche. Also Studentenjob, versteht sich. Zwar nicht das, was ich mir gewünscht hätte, aber immerhin endlich etwas. Ich werde ab Mitte April Post austragen. Mr Höflich hat mir den Job besorgt (hach, der ist so lieb). Er arbeitet schon seit mehreren Jahren dort und hat deswegen den Luxus, Leute vermitteln zu können. 😉 Bei meinem alten Job habe ich vor kurzem auch wieder angefragt. Zwar war das wirklich meine allerletzte Wahl aber da ich nun seit einem Monat suche und nichts finde, muss ich damit wohl vorlieb nehmen. Ich brauche das Geld. Sobald ich meine außerplanmäßigen Ausgaben der letzten Monate wieder reingeholt habe, kann ich mir auch wieder was Schönes gönnen. 🙂 Eine Küchenmaschine oder so. Oder die Pulsuhr, die ich mir schon lange wünsche.